alte Apple waren besser

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von maiden, 7. Oktober 2004.

  1. maiden

    maiden Lever duat us slav

    als die neuen Sorten.
    Neulich, vor ein paar Tagen am Wochenende bin ich mal ins Schaichtal gefahren - ist ja praktisch gleich um die Ecke. Ein Naturschutzgebiet. Dort stehen teils alte Obstbäume mit herrlichen alten Apfelsorten. An bald jedem Baum eine andere. Riesige Äpfel sind dabei, und dann wieder minikleine Dingerchen, die kaum größer sind als dicke Kirschen. Glatte Haut wie rauhe, glänzende wie stumpfe. Allen ist eins gemeinsam: sie schmecken herrlich. Leider verkommen die Bäume etwas weil sich keiner mehr drum kümmert. So freut sich das Wild an den heruntergefallenen Äpfeln und der Spaziergänger an denen die nicht geerntet werden. Wenn man so von jedem Baum einen Apfel ist und damit direkt vergleichen kann, bemerkt man erst, wie unterschiedlich Äpfel im Geschmack doch sein können. Die dort wachsenden Äpfel können nicht verkauft werden, passen nicht in unsere EU-Vorschriften. Runzlige Äpfel mit kleinen Beulen oder dunklen (nicht fauligen) Flecken, wer will ide schon? Saftige sind dabei und weniger saftige, welche mit mehr, welche mit wenig Säure. Aber alle, wie gesagt herrlich im Geschmack. Einfach lecker. Manche Bäume verwildern wieder aber die Früchte schmecken unvergleichlich gut.
    Da kann keiner dieser Hypersuperzuchtspalierboliden mithalten, die der Supermarkt anbietet und die unseren Vorgaben an "gute" Lebensmittel gerecht werden.

    Vor Jahren habe ich in diesem Tal mal Äpfel Ende Dezember vom Baum gegessen. Das werde ich nie vergessen, so gut waren die. Alte Sorten sind oft einfach haltbarer und besser.
    Traurig, daß solches Gut verloren geht, weil wir glauben ein Apfel müsse eine Mindestgröße und ein bestimmtes Aussehen haben und deshalb Äpfel aus Argentinien hier her schippern müssen.
    Es ist nicht nur traurig, es ist gefährlich. Immer mehr Sorten, die Vielfalt verschwindet.
     
  2. donald105

    donald105 New Member

  3. benz

    benz New Member

    Das ist mir auch aufgefallen. Aber was will man erwarten in einer Welt, wo es jeden Tag Zopf gibt und das ganze Jahr durch Erdbeeren erhältlich sind...
    In ein paar Jahren schmeckt eine Fischstäbchen gleich wie die Fertig-Lasagne.
    In unseren Schulküche verwenden wir nur Frischgemüse. Die neuen Kinder muss man zuerst an den "komischen" Geschmack gewöhnen, den Karotten plötzlich haben können.

    Gruss benz
     
  4. iGelb

    iGelb New Member

    Hey, dein Rad dreht sich!
     
  5. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Das waren dann Trockenbeeren- oder Eisbeerenäpfel, wie jeder Weinfreund weiß.

    :party:
     
  6. nanoloop

    nanoloop Active Member

    Das Schöne am Auf-dem-Lande-wohnen hier ist, daß der Bio-Supermerkado nicht weit, die nächste Streuobstwiese es aber auch nicht ist. Da ist die Wahl fast Qual.

    Einen pomologischen Hochgenuß vermochte ich gleich maiden zu erleben, als ich vor einigen Jahren das Glück hatte in einem nord-italienischen "Urwald" Walderdbeeren zu finden und zu kosten.
    Ein wahrlich irreales Geschmackserlebnis, dem jeglich mir mögliche Beschreibung spotten würde.
     
  7. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Und immer schön an den Fuchsbandwurm denken und wie elegant er sich durch unsere Körper zu schlängeln in der Lage ist.

    :angry:
     
  8. donald105

    donald105 New Member

    Ich entsinne mich - allerdings nicht uneingeschränkt fröhlich- meiner ferienzeiten in schulkindlicher zeit im bayrischen wald.
    Meine eltern sind rechte wandervögel, die damals frohgemut einen gipfel nach dem anderen erklommen, allerdings auf dem wanderweg.
    Ich habe die beiden zum mittleren wahnsinn getrieben, weil es das kind unablässig von der spur ab und ins unterholz trieb.
    Denn ebendort gab es walderdbeeren, waldhimbeeren, blaubeeren und auch pilze. Immer in den schnabel rein, lecker.
    MMMHHHHHH!!!
    Es ist ziemlich gruselig, wenn ich heute auf dem markt ein schälchen optisch ähnlicher früchte zu einem horrenden preis erstehe, >nö, einpacken muss nicht, ess ich gleich< und dann ein geschmackliches null-erlebnis habe.
    Aber es wird ja! Kaum wird etwas wirklich kostbar und so oder so teuer, will man >das original< haben. Wirklich an die nase packen muss sich derjenige, der den müll kauft, weils so billig ist und sich so schön lange hält.
     
  9. maiden

    maiden Lever duat us slav

    und Pilze, die nach Erde, nach Wald, nach Leben duften und nicht vertrocknet und geruchslos unter einer Speziallampe liegen, die die Farbe besonders schön zur Geltung kommen lassen soll.
     
  10. nanoloop

    nanoloop Active Member

    Aha.

    Ok, stimmt, dann kauf' ich nun doch wieder Celophaniertes.
     
  11. pc13

    pc13 New Member

    Wegen des Fuchsbandwurms keine Beeren mehr zu essen ist mindestens so sinnvoll, wie nicht mehr Auto fahren weil man ja einen tödlichen Unfall haben könnte. Der Fuchsbandwurm ist nicht so sehr verbreitet und ich habe doch arge Zweifel, daß Füchse wenn sie ihre Geschäfte verrichten, dazu ausgerechnet zum nächsten Beerenstrauch laufen.
     
  12. akiem

    akiem New Member

    äpfel und fuchsbandwurm.
    ich halts im kopf nicht aus.
     
  13. macKnall

    macKnall Halbtagsphilosoph

    Ein Kollege hat im Garten noch einen Macintosh-Baum. Die sind lecker:sabber: :sabber: :sabber:
     
  14. pc13

    pc13 New Member

    Die Aussage „alte Apple waren besser” stimmt übrigens tatsächlich. Neuere Züchtungen wie z.B. der 'Braeburn' wurden natürlich auch im Hinblick auf den aktuellen süßen Geschmack optimiert, sodaß ein reifer 'Braeburn' einen so hohen Zuckergehalt hat, daß er eigentlich nicht gut ist, für die Zähne. Zwar sicher noch nicht so schlimm wie Coca Cola, aber eben auch nicht so gut, wie ein 'Ingrid Marie', oder 'Roter Boskoop' o.ä.
     
  15. maiden

    maiden Lever duat us slav

    wer sich mal so richtig den Wanst mit Blaubeeren vollschlagen will, dem empfehle ich einen Abstecker zum Grimsel-Stausee.
    Dort am See entlang nach hinten zur Gletscherzunge wandern. Etwa auf halbem Weg wachsen derart viele Blaubeeren, daß man die Farbe ändert, wenn man sich vollfrißt. Der Hammer.
     
  16. sepp

    sepp New Member

    ich glaubs ja nicht!



    wie romantisch das hier abgeht.


    ihr habt ja alle so recht. und ich, der ich quasi aus dem urwald komme, musste erst in die fremde gehen, um die qualitäten der heimat schätzen zu können.

    hallo maiden,

    im obstgarten meines vaters gibts eine apfelsorte (der baum dürfte so an die 80-100 jahre alt sein) der teilweise gläserne äpfel hervorbringt. ich habe zwar keine ahnung, wie die heissen, aber die sind so saftig und resch, da kannst du dir alle finger ablecken.

    mal kucken wie der reifezustand ist, dann stell ich mal ein bild ein.

    falls du kerne zum vervielfältigen willst, melde dich

    schönen abend noch

    sepp
     
  17. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Walderdbeeren, Walderdbeeren!
     
  18. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Recht hast Du.

    Und wie es donalds Link u. a. veranschaulicht: Schlechte Qualität weckt den Bedarf nach bessere. Hat man die (wieder-)entdeckt und gefunden, weiß man sie zu schätzen.
     
  19. maiden

    maiden Lever duat us slav

    das würde ich liebend gerne tun, allein - ich habe keinen Garten und keine andere Möglichkeit Pflanzen zu ziehen.
    Aber da gibt es einen http://boomgarden.de/, der an alten Sorten brennend interessiert ist und der sich auskennt. Er ist immer wieder auf der Suche nach alten Sorten und versucht sie zu retten. Schick dem mal Beschreibung, Bilder, Kerne und Frucht. Sicher kann er was zur Sorte sagen. Vielleicht hast Du ja auch einen verlorenen Schatz im Garten stehen.
     
  20. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Hach ja, *seufz* früher, da gab’s noch Äpfel. Und Birnen. Aber heutzutage ist das alles der stromlienienförmigen Vermarktungsfähigkeitsoption untergeordnet. Aber zum Glück entwickelt sich ja auch eine Gegenströmung. Und jetzt is’ wieder gut mit Vergangenheitsverklärung. Bei mir zumindest.
     

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