An die Selbstständigen

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von much75, 21. Januar 2004.

  1. much75

    much75 New Member

    Habt ihr auch manchmal das Gefühl, daß ihr eigentlich Verwaltungsangestellte seid?

    Schön, daß ich seit Mitte letzten Jahres Dipl. Kommunikations-Designer bin; klug, daß ich versuche als Selbstständiger meine Brötchen zu verdienen?

    Gut, daß es die Künstlersozialkasse gibt, die einem gnädigerweise nach 4 Monaten das erste Mal Bescheid gibt, daß eine Anmeldung angekommen ist, man erreicht sie nie am Telefon, einzige Reaktion ist ein ellenlanger Brief, indem man darstellen soll, daß man seit Jahr und Tag erwerbstätig ist, Künstler und weißderKuckuck noch alles ist.

    Finanzamt ist man stundenlang beschäftigt, sich erstmal anzumelden, man flitzt erfolglos durch deren Online Angebot bis man endlich mal eine Erklärungsaufstellung zu einem Einkommenssteuererklärung findet.

    Akquise sollte man natürlich auch noch machen, doch wo? Mafiöse Strukturen durchziehen das Land?

    Gestaltete Internetseiten darf man ja nicht selber programmieren sonst muß man gleich ein Gewerbe anmelden?

    Private Dschungelshow beim Durchforsten von 7 und 16Prozent Wäldern.

    Nicht zu vergessen ein Online Portfolio, das natürlich auch alle Woche aktualisiert werden will.

    Kunden, die sich nicht melden, obwohl man Geld undoder Informationen von ihnen bekommen sollte.

    Jahrelange, immerwiederaufkeimende Diskussionen ob ein selbstständiger Grafiker 70 Euro Stundenlohn verlangen darf, versuch das mal mit einem Zahnarzt, Rechtsanwalt oder zumindest mal mit einem Metzger.



    In der Hoffnung durch schreiben solcher Posts eine Milderung des erhitzten Gemüts zu erreichen,

    Hochachtungsvoll mein geliebtes Forum
    andreas








    ;(
     
  2. suj

    suj sammelt pixel.

    viele Gründe, warum ich sowas nur nebenher mache, und weiter mein Angestelltendasein genieße ;)
     
  3. Simonster

    Simonster New Member

    @ much75

    wo hast du studiert?
    weissenhof oder an der merze?

    gruss monster
     
  4. AllyMac

    AllyMac New Member

    ja, ja,...klar, versteh!
    Aber!!!!

    Ich wäre auch viel lieber mein eigener Herr in Sachen Brötchenverdienen. Sehr gerne. Und die ersten Hürden würde ich auch auf mich nehmen.


    Jedoch bin ich ein kleiner Angestellter, der wie circa 20 Millionen in Deutschland tagtäglich sich um ihren Arbeitsplatz sorgen machen.

    Wie sagt Picasso;
    ich suche nicht ich finde!
    ein Macho! Aber, Gut!
     
  5. much75

    much75 New Member

    State Academy of Fine Arts Stuttgart
    abk-stuttgart.de
    12 Semester, dann wars auch wieder gut...
    ;)

    vielleicht sollten wir alle Bäcker werden, dann klappts auch mit den Brötchen.
    a
     
  6. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Das sind die klassischen Anfangshürden, über die man springen muss. Einmal KSK und Finanzamtsanmeldung erledigt, kannst Du das schon mal abhaken. Dass die KSK Dich vorher überprüft, ob Du nun wirklich Anspruch auf dieses wirklich tolle Angebot seitens des Staates hast, finde ich richtig!! Sie wird Dich dann drei Jahre (bei mir fünf) in Ruhe lassen und lediglich am Ende eines Jahres fragen, wie die Einkünfte des neuen Jahres eingeschätzt werden. Und dem Finanzamt schiebst Du vierteljährlich die Umsatzsteuervoranmeldungen rüber sowie am Anfang eines neuen Jahres die Gewinn-Überschussermittlung und die Einkommensteuererklärung. Letzteres am besten an den Steuerberater weitergeben.

    Ich finde den Verwaltungsaufwand jedenfalls NICHT groß. Eine entsprechende Systematik während des laufenden Betriebs verringert chaotische Nachbereitungen, versteht sich.

    Warum man als Webdesigner ein Gewerbetreibler sein soll, weiß ich nicht. Glaube ich nicht. Ein Gewerbetreibender ist man nur, wenn man eingekaufte Ware bzw. Dienstleistung wieder weiterverkauft.

    Ich habe es schon mal an anderer Stelle betont: Kleb' Dir die "Kaltakquise" an den Hut oder sonstwohin. Bringt höchstens 5 % ein. Leute kennen, Kontakte knüpfen, Netzwerk mit anderen Grafikern und v. a. benachbarten Dienstleistungen aufbauen, ist das A & O. Alles in allem darfst Du schon mal drei Jahre kalkulieren, bis die "Karre" von selbst läuft, und das ist verdammt knapp (!) gerechnet.

    Eine eigene Homepage ist gut, um darauf verweisen zu können, sozusagen eine virtuelle Visitenkarte, mit der Möglichkeit, Arbeitsergebnisse zu präsentieren oder direkt mit den Kunden zu kommunizieren. Zur Werbung von Neukunden aber ebenfalls eher uninteressant.

    70 Euro Stundenlohn sind für einen "Anfänger" im selbstständigen Bereich zu hoch (laut BDG 35 Euro Minimum), meine (Berliner) Ansicht. Überhaupt würde ich bei der Angebotserstellung nicht von einem Stundensatz ausgehen, sondern pauschal kalkulieren. Die Stunden, die Du tatsächlich sitzt, bezahlt Dir sowieso niemand. Eher Preise für Satz/Seite bzw. Bildbearbeitung usw. usf. je nach Schwierigkeitsgrad (für Dich) als Kalkulationshilfe festlegen.

    Was war noch? Tja, die Kunden! Kunden sind Kunden. Da gibt es nette und weniger nette. Das ist eben so.

    Halt die Ohren steif - so schlimm isses nicht! Nur ein kleines bisschen anstrengender als angestellt zu sein, da man eben nicht jeden Tag gesagt bekommt, was man tun und lassen soll. Jeden Cent musst Du selber aus dem Boden stampfen. Eine Herausforderung. Wenn man die Nuss geknackt hat, ist man aber dafür ein schönes Stückchen voran gekommen.

    Es macht also nur Sinn, wenn Du Bock auf diese Herausforderung hast und mit 120 % Energie und Ehrgeiz anfängst. Sonst lasse es lieber.

    Ich wünsche Dir viel Glück und einen gehörigen Schuss Ausdauer.

    Thine
     
  7. graphitto

    graphitto Wanderer

    Wie ein Verwaltungsangestellter fühl ich mich nicht gerade. Eher wie ein Depp, wenn es mal wieder 4 Wochen dauert, meinem Internet-Provider klarzumachen, das Freiberufler keinen Gewerbeschein haben, auch wenn der angeblich für einen Domain-Umzug nötig ist. Inzwischen haben sie aber doch die FA-Anmeldung geschluckt. Nun warte ich bloß noch auf die Unterlagen. :-0

    Ansonsten hab ich mit Behörden bisher keine Probleme gehabt, ob nun Bürger- oder Finanzamt.
    Geld kommt bisher auch pünktlich, hab allerdings auch zwei feste Verträge.
    Wenn ich jetzt noch 5 Stunden mehr Zeit am Tag hätte... ;-)

    Zum Thema Aquise siehe Thines Beitrag. Ich versuche hier einfach möglichst viele Leute, die als Kunden in Frage kommen könnten, kennenzulernen.

    Achja, ich bin als freier Trainer in Sachen Software und Gestaltung unterwegs.

    gruß
     
  8. much75

    much75 New Member

    [verneigt sich erfuhrtsvoll=tief]
    ...Das sind die klassischen Anfangshürden, über die man springen muss. Einmal KSK und Finanzamtsanmeldung erledigt, kannst Du das schon mal abhaken. Dass die KSK Dich vorher überprüft, ob Du nun wirklich Anspruch auf dieses wirklich tolle Angebot seitens des Staates hast, finde ich richtig!! ...

    hat du recht, kommt nur alles jetzt auf einmal

    Ich finde den Verwaltungsaufwand jedenfalls NICHT groß. Eine entsprechende Systematik während des laufenden Betriebs verringert chaotische Nachbereitungen, versteht sich.

    ay ay, bin dabei

    Warum man als Webdesigner ein Gewerbetreibler sein soll, weiß ich nicht. Glaube ich nicht. Ein Gewerbetreibender ist man nur, wenn man eingekaufte Ware bzw. Dienstleistung wieder weiterverkauft.

    Ich habe es schon mal an anderer Stelle betont: Kleb' Dir die "Kaltakquise" an den Hut oder sonstwohin. Bringt höchstens 5 % ein. Leute kennen, Kontakte knüpfen, Netzwerk mit anderen Grafikern und v. a. benachbarten Dienstleistungen aufbauen, ist das A & O. Alles in allem darfst Du schon mal drei Jahre kalkulieren, bis die "Karre" von selbst läuft, und das ist verdammt knapp (!) gerechnet.

    Eine eigene Homepage ist gut, um darauf verweisen zu können, sozusagen eine virtuelle Visitenkarte, mit der Möglichkeit, Arbeitsergebnisse zu präsentieren oder direkt mit den Kunden zu kommunizieren. Zur Werbung von Neukunden aber ebenfalls eher uninteressant.

    70 Euro Stundenlohn sind für einen "Anfänger" im selbstständigen Bereich zu hoch (laut BDG 35 Euro Minimum), meine (Berliner) Ansicht. Überhaupt würde ich bei der Angebotserstellung nicht von einem Stundensatz ausgehen, sondern pauschal kalkulieren. Die Stunden, die Du tatsächlich sitzt, bezahlt Dir sowieso niemand. Eher Preise für Satz/Seite bzw. Bildbearbeitung usw. usf. und dass je Schwierigkeitsgrad (für Dich) als Kalkulationshilfe festlegen.


    rechne auch normalerweise in projekten, was weniger als 70euro ist, aber generell…


    Was war noch? Tja, die Kunden! Kunden sind Kunden. Da gibt es nette und weniger nette. Das ist eben so.

    Halt die Ohren steif - so schlimm isses nicht! Nur ein kleines bisschen anstrengender als angestellt zu sein, da man nicht jeden Tag gesagt bekommt, was man tun und lassen soll. Jeden Cent musst Du selber aus dem Boden stampfen. Eine Herausforderung. Wenn man die Nuss geknackt hat, ist man aber dafür ein schönes Stückchen voran gekommen.

    Es macht also nur Sinn, wenn Du Bock auf diese Herausforderung hast und mit 120 % Energie und Ehrgeiz anfängst. Sonst lasse es lieber.

    Ich wünsche Dir viel Glück und einen gehörigen Schuss Ausdauer.


    125% sind vorhanden ;)
    und vieeelen dank, tut gut!

    [/verneigt sich erfuhrtsvoll]
     
  9. Für die Akzeptanz der KSK muß man halt regelmässige Einnahmen angeben. Das hat bei mir auch 2 - 3 Monate gedauert. Dann läuft das so, wie thine das sagt.

    Bei der Einkommenssteuererklärung habe ich dieses Jahr den Fehler gemacht alles über einen profesionellen Steuerberater zu machen. Tja, das kostet richtig Geld. Aber ich hatte selber schuld. Hätte mich ja vorher informieren können.

    Ansonsten - Macs kann man abschreiben, Festplatten, Digitale Videorecorder auch, etc.

    In meinem Bereich finanziere ich mich eigentlich über 10 - 20 Sammler, Museen, Bibliotheken etc. Allerdings hatte ich schon Erfahrungen als Angestellter, der ich ja vorher ein Jahrzehnt lang war.

    Angestellt möchte ich nicht mehr sein. Gelegentlich arbeite ich mehrspurig: also Verlag, Ausstellungen organisieren, auf Buch- und Kunstmessen präsent sein (sehr wichtig für neue Klienten), Macs einrichten, Journalistik, Garten & Kunst (da ich ja gelernter Gärtner bin)...

    Alles in allem: reich werde ich nie, aber ich komme über die Runden - und das zählt...
     
  10. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    PS: Ja, Steuerberater sind sackteuer. Ich habe da ne primaprima Lösung gefunden. Auch da zahlt es sich aus, Leute zu kennen. Eine Buchhälterin macht es für mich, ich unterschreibe. Lief bisher super und günstig (ca. 1-2/10tel vom StB). Könnte sie fragen, ob sie noch Leute "aufnimmt".

    Bis morgen,
    Thine
     
  11. Simonster

    Simonster New Member

    ist hier der aka bäck gemeint?
     
  12. graphitto

    graphitto Wanderer

    Thema Steuererklärung, ich mach u.a. Support für einen Buchhaltungs-Software-Hersteller. Hat den unschätzbaren Vorteil, jede Menge professionelle Software zum Eigengebrauch nutzen zu können. Da ich nur E/Ü-Rechnung machen muß, komm ich so ganz gut klar. ;-)

    gruß
     
  13. So doof werde ich auch nicht mehr sein und auf thines oder anderen Beistand/Hilfestellung beim nächsten Mal warten.
     
  14. graphitto

    graphitto Wanderer

    Hehe, seit wann hätte die Dame Thine jemals wen im Stich gelassen? :rolleyes:

    gruß
     
  15. much75

    much75 New Member

    aka bäck gibts nicht mehr, ist jetzt eine espresso bar…
     
  16. Simonster

    Simonster New Member

    ach was! schade, der typ war recht cool unterwegs.

    na, so ist das eben in der schwabenmetropole, alles was cool ist wird dicht gemacht oder abgerissen.

    gruss monster
     
  17. Kay-Uwe

    Kay-Uwe New Member

    als Arzt verdient man (offiziell von der KV errechnet) 79 cent pro Min. bei einer Grundlage einer 51(!) Std.-Woche. (Und arbeiten tut man noch mehr)

    Ergibt 47,40 EUR pro Std. ..... :crazy:

    ... nix für ungut :wink:
     
  18. much75

    much75 New Member

    und was verdient man offiziell als Grafiker?
    die theorie ist meist anders als die praxis ;)
     
  19. ughugh

    ughugh New Member

    Wenn es Dich so sehr plagt, besuch doch mal einen Buchhaltungskurs, oder einen Kurs "Wie mache ich mich selbstständig"

    Die Behördendrangsalierung wird dadurch nicht geringee, aber man sieht ihr mit mehr Gelassenheit entgegen.

    Ugh*

    *Der die meiste Zeit seines Lebends Angestellter und Freiberufler gleichzeitig war - nur mit unterschiedlichen Gewichtungen.

    >>und was verdient man offiziell als Grafiker?
    die theorie ist meist anders als die praxis <<

    Als Freiberufler bekomme ich etwa 650-850 Euro pro 8-Stunden-Tag ... sonst könnte ich mir auch einen ruhigen Feierabend gönnen.
     
  20. much75

    much75 New Member

    Dass nicht zu schaffen, daran glaube ich nicht, es kommt nur alles auf einmal, KSK, Einkommenststeuerverklärung, Portfolio, Büro suchen und finden, Akquise betreiben und Kreativ sein... dabei möchte ich mich doch nur auf meiner rosa Wolke ausruhen
     

Diese Seite empfehlen