Apple & die Presse...

Dieses Thema im Forum "Software" wurde erstellt von Kevin, 13. Mai 2001.

  1. Kevin

    Kevin New Member

    Es ist immer wieder stark...

    Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit?

    Der zweite Nix-Checker-Award für die Financial Times Deutschland

    von Bertram Haller

    Wir vergeben den Nix-Checker-Award sehr ungern ein zweites Mal - nun läßt es sich aber nicht mehr vermeiden. Die Financial Times Deutschland verbockt als Tochter aus angesehenem Verlagshaus derzeit jede Meldung, die über Apple geschrieben wird. Vielleicht haben die Redakteure dort enorm viel auf der Platte, was Finanzielles angeht, aber was Apple betrifft, sind noch nicht einmal die grundlegenden Fakten zu den Schreiberlingen durchgedrungen. Beispielsweise konnte man zuletzt in einem Artikel über das neue iBook lesen, daß Apple-Computer unter dem Betriebssystem "AppleOS" laufen. So weit, so übel, reicht mir den Kübel. Die Krönung war aber nur wenige Absätze weiter die Behauptung, daß unser neues Betriebssystem "OS X" hiesse und "auf Linux basiert". Über die Behauptung, daß Apples MacOS X sich mit Windows XP messen müsse, kann man streiten. Vielleicht spricht es sich irgendwann auch zur Financial Times Deutschland herum, daß Windows XP frühestens nächstes Jahr auf den Markt kommen wird, weil Bill Gates und das X-Box Team Angst vor zwei Produkteinführungen gleichzeitig haben. Einstweilen ist man in der Redaktion aber fest entschlossen, Zeilen zu füllen - mit schlauem Insiderwissen wie "Insider bemängeln, daß beim neuen System einige Multimedia-Anwendungen nicht unterstützt werden." Und von welchen Applikationen sprechen wir hier? Vorausgegangen ist dem ganzen verschwendeten lachsfarbenen Papier eine ziemlich tendenziöse Darstellung, die den Eindruck erweckt, daß man mit iTunes nur "mp3s auf CD brennen kann" - die Herren Redakteure haben die neue Jukebox bei Apple vermutlich nie gesehen, sonst wäre ihnen vielleicht doch aufgefallen, daß iTunes neben einem genialen Visualizer natürlich auch AIFF und WAV kann und das bei bis zu 192 kbps. Oder wie gefällt Ihnen eigentlich die gewagte Behauptung, daß Apple den "digital lifestyle" bei Bill Gates ausgeborgt haben? Da hat der Korrespondent wohl schlecht hingehört, es suchen zwar alle Unternehmen ein Art, wie man den PC ins nächste Computerzeitalter retten kann, aber von "digital lifestyle" war nicht die Rede bei Onkel Bill. Ungenauigkeiten sind aber nicht so schlimm bei der Financial Times, selbst wenn "die neuen PowerBook-Laptops nun eher wie die Modelle von Toshiba und Sony aussehen". Gut, ein Redakteur muß nichts von Design verstehen, und über Geschmack läßt sich streiten. Der G4 cube gab der Financial Times aber ebenfalls die Gelegenheit, eines ihrer bekannten und beliebten Bonmots abzuliefern: "Für den G 4 Cube sind die Berichte über lichtbrechende Schweissnähte und schwarze Linien darum die schlimmere Nachricht. Wenn der Computer nicht richtig rechnen würde, könnten das die Fans leichter verkraften." Jawohl! Manchmal könnte ich eher mit einem Systemabsturz leben (der in den letzten 4 Monaten nie vorkam) als mit einer Medienlandschaft, in der selbst seriöse Blätter wie die FTD die Vorurteile nachblöken, die auf der Latrine der Volkshochschule an den Wänden stehen. Die verdammt gravierenden inhaltlichen Fehler, die euch pausenlos passieren, könnten leicht vermieden werden - fragt einfach eure Grafiker und Layouter, die wissen nämlich, was bei der kalifornischen Nobelmarke gerade passiert. Das Apple Extended Keyboard zu feiern, weil "eine Taste zum Auswerfen von Disketten angebracht ist", ist zum schreien komisch; denn dummerweise hat kein Macintosh seit dem iMac 1998 ein Diskettenlaufwerk. Lehnt euch einfach mal zurück und nehmt es locker - Apple wird euch schon nicht unter Hand davonsterben. Wenn der Konkurs droht, werden wir euch rechtzeitig informieren und ihr dürft dann mitfeiern, aber einstweilen bitte: hang loose.
    Damit jetzt niemand unzufrieden oder frustriert ist, bringen wir ein Beispiel, wo die Schlaumeier von der Financial Times Deutschland komplett richtig lagen: die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Als Apple im Herbst 2000 eine Gewinnwarnung abgab und der Aktienkurs binnen 48 Stunden um fast 60% fiel - da war die alte Kalauer-Schlagzeile vom "Wurm im Apfel" schnell ausgepackt und abgestaubt. Die akribischen Herren bei der FTD schrieben damals, offenbar um festzuhalten, daß andere Hersteller nicht von der Krätze der Gewinnwarnung befallen würden: "Einige Finanzanalysten verwiesen darauf, daß Apples Probleme nicht typisch für die Branche seien." Genau, liebe Financial Times, diesmal habt ihr die Erbsen richtig gezählt! Die Probleme waren nicht typisch, denn Apple ist mit satten 40 Millionen Gewinn im letzten Quartal ausgestiegen. In der Zwischenzeit ist Cisco kopfüber in die rote Tinte gesprungen, Compaq hat die Weltmarktführerschaft abgeben müssen und Dell entläßt 4000 Mitarbeiter - Apple hat über 4 Milliarden Dollar Cashreserven. Es bewahrheitet sich immer wieder, was Apple in den Werbespots der G3 PowerBooks verkündet hat: You´re either part of the steamroller or part of the pavement. Der "Nix-Checker-Award" geht zum zweiten Mal an die

    FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
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    geil, geil, geil.......
     
  2. 6699

    6699 New Member

    Dem ausführlichen und engagierten Beitrag kann ich nur zustimmen. Die Entwicklung der Apple - Aktie in den letzten Monaten war ja auch positiv und zeigte damit, dass nicht alle die Dinge so sehen wie die Financial Times.

    Allerdings besteht gegenüber den Apple-eigene-Stores doch wohl eine große Skepsis. Zum einen hat das Konzept bei anderen Firmen nicht so gut geklappt und zum anderen hat sich Apple ja nun unglücklicherweise mit den innovativen Ideen (Cube!?) auch schon öfter auf die Nase gelegt. Hier scheint auch die Börse eher zurückhaltend zu reagieren.

    Na, warten wir es einmal ab.
     
  3. franzmane

    franzmane New Member

    Der Aktienkurs der Apple-Aktie wird gottseidank durch die Kurse aus den USA bestimmt, denn da vermögen die Leute ein wenig mehr zu differenzieren. Wenn alles von Deutschland abhängen würde, dann hätte Bill Gates längst die Weltherrschaft übernommen, denn Deutschland ist das grösste Windows-Fickern-Land der Welt. Bravo !!! Weiter so schöne, unqualifizierte, vorurteilsüberladene Beiträge zur Stärkung von Monopolen, wie die bei der FTD !!!
     

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