Arbeitsplatzvernichtungsmaschinerie

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Napfekarl, 6. Juli 2004.

  1. Napfekarl

    Napfekarl Napfkuchen-Erfinder

    Es geht um die Gesundheitsreform.

    Heute in der FAZ:
    "Besonders hart wird von dieser Entwicklung daher die in Deutschland noch immer sehr wichtige mittelständische Pharmaindustrie getroffen, die im Ausland in der Regel nicht so stark vertreten ist. Die Erkenntnis aber, daß die deutsche Pharmaindustrie, die einst als die "Apotheke der Welt" galt, auch wegen der ständigen Markteingriffe international in die zweite Liga abgestiegen ist, beginnt sich bei den Politikern nur langsam durchzusetzen."

    und:
    "Es paßt ins Bild, daß sich der europäische Pharmamarkt im ersten Quartal durchaus gut entwickelt hat - jedoch mit Ausnahme von Deutschland und den Niederlanden."

    Ciao
    Napfekarl
     
  2. MacDragon

    MacDragon New Member


    Ist es nicht gerade die Regulierungswut der Regierung, die satte Profite für Apotheker und Pharmafirmen garantiert, indemm Mindestpreise für Medikamente festgesetzt werden, von denen die Firmen kaum nach unten abweichen?

    Der europäische Markt entwickelt sich besser, da dort die Preise frei bestimmt werden, also Wettbewerb herrscht, Da muss man sich bewegen, sprich Internationalisieren, Forschen, Investieren. Den freien Wettbewerb (zumindest ein weniger regulierter Wettbewerb) gibt es in Deutschland nicht. Die FAZ beklagt also (jedenfalls in diesem Zitat), dass auf Kosten der Steuerzahler die deutschen Pharmafirmen nicht mehr sich bereichern können, da die Gesundheitsreform (welche auch immer), dieses System zerstöre....
     
  3. maiden

    maiden Lever duat us slav

    ja, echt blöd. Und dabei fällt völlig unter den Tisch, wie durch unsinnige Medikamente und erfundene Krankheiten das Gesundheitssystem bisher geschröpft wurde, und daß die Pharmaindustrie für Werbung einen höheren Betrag jährlich ausgibt als manchem Drittweltstaat als Haushalt zur Verfügung steht. Werbung für viele Medikamente und Mittel, die tatsächlich niemand braucht, weil die "Leiden" nicht wirklich welche sind. Und Werbung, die niemand braucht, denn wenn er keine Kopfschmerzen hat, geht er auch nicht in die Apotheke, egal ob die halbe Republik mit Kopfschmerzmittelwerbung zugekleistert wird. Und wenn einer Kopfschmerzen hat, ist es ihm in aller Regel auch egal, was gerade plakatiert ist, denn da fragt er dann in der Apotheke.

    Und ob ein freier Markt mit genügend Wettbewerb zu besseren Preisen und geringeren Ausgaben im Gesundheitssystem führt, bezweifel ich, denn in erster Linie geht es allen Pharmafirmen um Gewinnmaximierung. Und die erreicht man nicht mehr indem man den Menschen ausschließlich Medikamente anbietet, deren Wirksamkeit erwiesen, deren Nutzen zweifelsfrei ist und die nur tatsächlich vorhandene Krankheiten und Leiden behandeln. Da muß man dann schon in die Trickkiste greifen und den Leuten einreden, daß sie krank oder zumindest nicht gesund sind und bleiben, wenn sie nicht dies das und jenes kaufen und einwerfen.
     
  4. zwoelf11_

    zwoelf11_ New Member

    @maiden: Ansich sollte man davon ausgehen, dass für Werbung idR weniger ausgegeben wird, als das beworbene Produkt einspielt.
    Und "Aspirin" hat sich inzwischen so eingeprägt, dass es schon fast synonym mit "Kopfschmerztablette" ist. Ich denke das verdanken wir auch der Werbung :p
     
  5. zwoelf11_

    zwoelf11_ New Member

    Belege?
    Ich mein, "Nimm lieber die Vitamintableten damit du nicht Krank wirst" spielt imho in einer Liga mit "Fruchtzwerge enthalten soooooviele Vitamine, das is sooo gesund, ohne die gehts nich".
     
  6. stuhlgang

    stuhlgang New Member

    eine abgrundtiefe Unverschämtheit, was für ein Käsblatt!

    da haben die Pharmalobbyisten mal wieder ganze Arbeit geleistet...seit Jahren ist bekannt, daß die Pharmaindustrie doppelt soviel in Marketing als in Forschung investiert...und jetzt spielen sie in den Medien ganz dreist den sterbenden Schwan, unglaublich!
     
  7. maiden

    maiden Lever duat us slav

    mag sein, aber über sechs Milliarden Mark für Werbung sind kein Pappenstiel. Und ein Großteil davon für unsinnige, unwirksame und sogar schädliche Arzneien für erfundene Krankheiten. Da ließe sich eine Menge Geld sparen.
     
  8. MacDragon

    MacDragon New Member

    SECHS Milliarden?


    Wow! Da könnte ich mir ja ein paar serverfarmen mit X-serves zulegen und selber ne Forschung aufmachen!!!

    :D :D
     
  9. zwoelf11_

    zwoelf11_ New Member

    sicherlich bewirbst du unsinniges zeug, dafür macht das auch nur sinn, denn darauf haben die konsumenten nur einfluss. denkst du irgendwer stellt sich hin und sagt "Ich will aber nur die Antibiotika von Stada" weil er die Werbung dafür gesehen hat?

    Und was waren jetz die erfundenen krankheiten?
     
  10. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Konsumenten haben nur dann Einfluß, wenn sie informiert werden. Und genau das tut sie nicht, die Pharmaindustrie - jedenfalls nicht ehrlich.
     
  11. stuhlgang

    stuhlgang New Member

    das Asthma-Mittel was ich und Millionen andere Allergiker täglich einnehmen kostet EUR 69,99 (Dreimonatspack)...das ich alle 3Mon. zum Arzt dackeln kann, 10,- Praxisgebühr und 6,99 Zuzahlung latzen ist nur die Spitze vom Eisberg...unter normalen (marktwirtschaftlichen) Bedingungen dürfte das Medikament nicht teurer als 2,- bis 3,- Euro sein! :sabber:
     
  12. zwoelf11_

    zwoelf11_ New Member

    du hast trotzdem keinen einfluss darauf, was für antibiotika etc. du bekommst. soetwas entscheidet allein der arzt bzw. die krankenkasse. letzeres finde ich schon fast bedenklicher.

    was nützt es dem konsumenten, wenn er bescheid weiss über medikamente, obgleich er eh keinen einfluss hat, welche er bekommt?
    Warum sollte Bayer seine Antibiotika bewerben, wenn der Arzt dann eh Stada verschreibt/gibt weil es billiger ist.

    Und was waren jetz die erfundenen krankheiten?
     
  13. maiden

    maiden Lever duat us slav

    erfundene Krankheiten und Leiden. Nimm nur ein Beispiel wo plötzlich die halbe Bevölkerung Blutdrucksenker nehmen sollte, weil die Werte über Nacht bei fast allen zu hoch sind. Ein Ergebnis wo die Werte unter dem Einfluß der Pharmaindustrie dahingehend geändert wurden, daß man den Grenzwert einfach absenkte. Nimm Risikoschwangerschaften, die ebenfalls unter dem Einfluß der Pharmaindustrie und ihrer Argumentationen plötzlich sprunghaft anstiegen, weil man jetzt als Risiko definiert, was vorher normal war. Nimm Wechseljahre, wo aus einem Normalzustand plötzlich ein zu behandelndes Leiden gemacht wird. Zapplekinder, die plötzlich als "Kranke" erkannt werden. Cholesterin, Schüchternheit, die behandelt werden soll, Müdigkeit u.a.

    Die Pharmaindustrie definiert die Gesundheit neu, so daß sie ein Zustand ist, den kaum einer mehr erreichen kann.
     
  14. pewe2000

    pewe2000 New Member

    MacNick im Urlaub?

    Frag’ ja nur ganz harmlos.

    pewe

    :party:
     
  15. macKnall

    macKnall Halbtagsphilosoph

    Die Frage tauchte mir auch auf beim Lesen;)
     
  16. zwoelf11_

    zwoelf11_ New Member

    Dies kann man unterstellen, muss man aber nicht. Schliesslich waren Uranoxid (Pechblende) und Asbest auch plötzlich krebserregend, und ich denke nicht deshalb, weil die Bauindustrie neue Materialien pushen wollte :p

    Die Pharmaindustrie hat kein Interesse Patienten ernsthaft zu schaden, je länger sie leben, um so länger (und um so mehr) Medikamente kaufen sie.
    Sicherlich werden gewisse Dinge - wie überall anders auch - gehyped, teilweise ändert sich aber auch tatsächlich ständig der aktuelle Stand der Forschung (Ist Cholesterin nun schlecht oder nicht? Wieviel Vitamine sind gesund? ...).
    Das sind mir persönlich aber alles keine ausreichenden Beweise um auf den aktuellen Hype aufzuspringen "Die Pharmaindustrie macht uns krank", insbesondere da so ein Hype auch böse Auswirkungen haben kann.

    Alles in allem denke ich, das die Pharmaindustrie weit nicht die schlimmsten sind. Jeder, der mit viel Geld umgeht hat dreck am Stecken, so is das halt ^^
     
  17. maiden

    maiden Lever duat us slav

    die Pharmaindustrie arbeitet schon seit einiger Zeit daran, Normalzustände in Krankheiten umzudefinieren, ohne wissenschaftliche Grundlage und Begründung. Und an vielen Beispielen kann ihr auch nachgewiesen werden, daß sie dies aus rein wirtschaftlichem Interesse und nicht aus der Sorge um die Gesundheit der Menschen tut. Und es ist auch gesichert, daß sie um die Schädlichkeit einiger Medikamente oft lange vorher Bescheid weiß, bevor sie reagiert und diese vom Markt nimmt.
     
  18. Napfekarl

    Napfekarl Napfkuchen-Erfinder

    Und das soll mehr sein, als in die Forschung und Entwicklung gesteckt wird? Ich kenne ein Pharmaunternehmen, das allein fast doppelt soviel für F&E ausgibt. Wieviel mag es sein, wenn man alle Pharmaunternehmen zusammen nimmt?
    Ausserdem: Die Generika-Hersteller haben KEINE F&E und müssen Werbung machen, damit sie bekannt werden. Forschende Firmen werden hauptsächlich durch ihre Forschungserfolge bekannt...

    Könnte es sein, dass "Gesundheit" aufgrund von ständig neuen Umwelteinflüssen und neueste Erkenntnisse der Forschung permanent neu definiert werden MUSS?

    Nichts ist so beständig wie der Wandel.

    Ciao
    Napfekarl
     
  19. zwoelf11_

    zwoelf11_ New Member

    Was sollte das bringen? Das der Ruf noch stärker geschädigt wird? Das nochmehr und nochhöhere Schadensersatzforderungen kommen? Das die Konsumenten noch mehr Vertrauen verlieren?
     

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