Augenauswischerei: Erhöhung statt Senkung

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von frisco68, 8. Januar 2004.

  1. frisco68

    frisco68 New Member

    Genau: die Rede ist von den Krankenkassenbeiträgen:
    die werden nicht gesenkt - wie "versprochen"/angekündigt oder was auch immer - sondern (teilweise) erhöht!!

    :angry:
     
  2. MagicBerlin

    MagicBerlin New Member

    Bei nächster Gelegenheit kündigen!
     
  3. maiden

    maiden Lever duat us slav

    nur die wahren Abzocker, wie die Pharmaindustrie, die uns jeden Tag auf´s Neue mit ihren erfundenen Krankheiten und unnützen Medikamenten das Geld aus der Tasche zieht und die Krankenkassen schröpft, werden wieder keinen Beitrag leisten.

    Außer vielleicht dem, daß sie sich neue perfide Methoden ausdenken, die schon leeren Kassen und Geldbeutel auszuräubern.
     
  4. macNick

    macNick Rückkehrer

    Ausgesprochen qualifiziert, Respekt!
     
  5. Napfekarl

    Napfekarl Napfkuchen-Erfinder

    Schon mal was von Zwangsrabatt gehört, den die Pharmaunternehmen per Gesetz seit neuestem in Deutschland gewähren müssen?
    Den Pharmaunternehmen geht es nicht schlecht, aber in den letzten 25 Jahren ging es denen noch nie schlechter... Letztendlich werden vor allem in Deutschland Arbeitsplätze der Pharmaindustrie kaputt gemacht.
     
  6. Kate

    Kate New Member

    Na, wo wir gerade dabei sind grobe Vereinfachungen und Milchmädchenrechnungen aufzustellen will ich auch ein Beispiel bringen.

    Mein Urlaub 2003 in England. Kopfweh morgens. Griff in die Tasche nach dem Aspirin....war aber leer, aber das Apothekenpreisschild war noch dran: 3,55 Euro. Bin in den nächsten Supermarkt und hab mir da Tabletten geholt, auch auf ASS als Wirkstoff basierend. Preis für die doppelte Menge:

    0,89 Euro.

    Macht einen Plünderungsfaktor der Patienten hier von über 700% . Und das in England wo sonst so vieles teurer ist, z.B. Bier.

    Und ich nehme doch an, dass das in dem Supermarkt nicht Selbstkostenpreise waren, sondern, dass der Supermarkt, der Grosshändler und der Pharmaproduzent dabei nicht pleite gehen.

    Und nein, der Supermarkt war nicht subventioniert.
     
  7. macNick

    macNick Rückkehrer

    Warum kaufst Du denn das teure Original-Aspirin, wo es auch in Deutschland Dutzende Nachahmer-Präparate gibt (auch in der 89-Cent-Preisregion)?
    Es kann doch wohl kein Argument für Deine Ausplünderungstheorie sein, dass Du die Preise nicht verglichen hast, oder?

    Wenn Du in der Apotheke Aspirin verlangst, dann bekommst Du welches - so einfach ist das. Verlange ein vergleichbares Produkt mit dem entsprechenden Wirkstoff und Du wirst weniger bezahlen, das gilt in England wie hierzulande.

    Dir als Kundin bleibt es unbenommen, die Präparate der Billiganbieter zu kaufen, allerdings darfst Du dabei nicht vergessen, dass diese die eigentlichen "Ausplünderer" sind: Während der Originalhersteller das Entwicklungsrisko und v. a. die Kosten trägt, kupfert der entsprechende Anbieter einfach nach ein paar Jahren das abgelaufene Patent ab und hat so bei geringster Investition und ganz ohne Forschung maximalen Profit. Neuentwicklungen sind bei dem Konzept natürlich nicht drin...
     
  8. hofmeyer

    hofmeyer New Member

    Na ja, der Punkt zieht ja wohl bei Aspirin nicht wirklich. Wie man Acetylsalicylsäure herstellt ist ja kein Geheimnis mehr, und die Gewinnspanne, die Bayer da raushaut im Vergleich zu anderen Herstellern ist für mich nicht nachvollziehbar und reine Abzcokerei.

    Friedhelm
     
  9. Wurstbrot

    Wurstbrot New Member

    Das traurige ist weniger die Frage wer hier wen abzockt sondern unsere kompetente Gesundheitsministerin, die nicht in der Lage ist, die eingeführten Kosten als Entlastung zu den Beiträgen umzulegen.

    Ich sehe schon vor mir, wie sie in ein paar Monaten verkündet daß sie dadurch noch größere Beitrags erhöhungen abgewendet hätte, und das ohne rot zu werden :wuerg:

    Gleichzeitig wird das Gesundheitssystem gegen die Wand gefahren.

    Patienten, Ärzte, Pharmaindustrie und Kassen gleichermaßen zu verprellen ist eine Kunst, die nicht einmal Seehofer in dieser Perfektion beherrscht hat.
     
  10. Duc916

    Duc916 New Member

    Warum das?
    Wenn sie den Gewinn am Markt realisieren können, sei es drum.
    Es wird doch keiner gezwungen "Aspirin" (ein offensichtlich vollständig wirkungsloses Mittel) zu kaufen.

    Bei richtigen Arzneimitteln sieht die Sache aber schon ganz anders aus.
    Die "Billiganbieter" in anderen Ländern sind größtenteils Tochterfirmen der Konzerne, oder die Konzerne selbst.
    Die Pharmafirmen versuchen halt in jedem Land den größtmöglichen Gewinn zu realisieren.
    Und das ist, um ehrlich zu sein, auch ihr gutes Recht.
    In jedem anderen Breich der Wirtschaft wird das akzeptiert.
    Gute Beispiele dafür sind die Automobil- und die IT-Industrie (auch Apple ;-)).


    Der größte Teil der Plagiate wird in Dritt-Welt-Ländern ober zumindest Schwellen-Ländern gehandelt.
    In diesen Ländern ist es den meisten Menschen nicht möglich die von der Industrie vorgegebenen Preise zu zahlen.
     
  11. ughugh

    ughugh New Member

    >>Wenn sie den Gewinn am Markt realisieren können, sei es drum.
    Es wird doch keiner gezwungen "Aspirin" (ein offensichtlich vollständig wirkungsloses Mittel) zu kaufen. <<

    Wo hast Du denn diese Erkentniss her? Die Leute nehmen das Zeug, weil es hilft, nicht, weil die Verpackung so hübsch ist.



    Irgendwie war das ja wohl von Anfang an keine Entlastung.

    Zumindest ist es das für mich nicht, wenn der Krankenkassenbeitrag prozentual marginal abgesenkt wird, aber gleichzeitig die Zuzahlungen massiv steigen - oder weitere Zusatzversicherungen eingeführt werden. Schon die Pflegeversicherung ist nichts weiter gewesen, als eine verkapte Erhöhung der Krankenkassenbeiträge, die Zahnarzt-Versicherung ist auch nichts anderes, und Zuzahlungen in Höhe von 1-2% des Bruttoeinkommens ist in Grunde auch nichts anderes als die Erhöhung des Krankenkassenbeitrages um ebenjene 1-2% ganz zu schweigen von den Brillenträgern ... scheint eh die neue Taktik zu sein: Einfach viele kleine neue Neben"versicherungen" erfinden, damit das, wo alle Bürger draufstarren nominell gleich bleibt.

    Und warum man tatsächlich versucht, uns die Kungelei mit dem Ex-Minister einer - aus gutem Grunde - abgewählten Regierung als "Durchbruch" zu verkaufen, ist mir schleierhaft - hätten wir ja gleich die alte Regierung behalten können.

    Und tatsächlich unglaublich finde ich, daß es ausgerechnet eine SPD-Ministerin ist, welche ein weiteres mal vor der Pharma-Lobby einknickt, im Gegenzug dann aber den Leuten auf der fiskalischen untersten Stufe der Gesellschaft den Arme-Socken-Pass wegnimmt.

    Und plötzlich reden dann alle von einer "Bürgerversicherung", die unabhängig vom Einkommen für alle gleich ist. Gibt es etwas unsozialeres?
     
  12. ughugh

    ughugh New Member

    Wenn ich in der Apotheke Aspirin verlange (was ich nicht tue, weil ich andere Präparate bevorzuge) dann erwarte ich aber Beratung - und zur Beratung gehört, mich darauf hinzuweisen, daß es preiswertere Präparate mit gleicher Wirkung gibt. Genau auf diese Beratung berufen sich doch Aphoteker-Verbände allenthalben.

    Und wo wir schonmal dabei sind - ausserhalb geschützter Reservate wie des Gesundheitssystems (und nein, ich bin durchaus der Meinung, daß auch die Pharma-Industrie, welche viel Geld in Forschung steckt, entsprechend verdienen soll) und der Marginalpatente, die auf Jahre hinaus ganze Medikamentengruppen mit einer Pillenpressform unangemessen schützen gibt es tatsächlich den einen oder anderen Wucher-Paragraphen.
     
  13. macNick

    macNick Rückkehrer

    Möglicherweise hat ASS Dir persönlich (bzw. Deinem Schädel) noch nichts gebracht, aber hier sowas zu verbreiten, entbehrt doch wohl jeglicher Grundlage.

    Acetylsalicylsäure ist mit Sicherheit eines der am gründlichsten untersuchten Medikamente überhaupt und genießt neben seinem Haupteinsatzgebiet (Schmerz) einen ausgezeichneten Ruf als preiswertes und wirksames Antikoagulans, was große und v. a. unabhängige eindeutig Studien bewiesen haben. Diese thrombozytenaggregationshemmende Wirkung besitzt übrigens in dem Maße kein anderes nichtsteroidales Antiphlogistikum, andere Wirkstoffe mit dem gleichen Ansatz (Clopidogrel etc.) kosten ein vielfaches und wären so in der KHK- und Schlaganfallprophylaxe flächendeckend gar nicht zu bezahlen.

    Also bitte: Erst informieren, dann schreiben.
     
  14. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Daß auch die Pharmaindustrie verdienen will und muß, steht außer Frage. Die Frage ist nur, mit welchen Methoden sie das tut.
    Und da ist es nunmal eine Tatsache, daß uns die Pharmaindustrie seit x Jahren Krankheiten einzureden versucht, die kaum einer hat, Krankheiten schlicht erfindet um anschließend nutz- und sinnlose Medikamente an den Mann die Frau zu bringen, die niemand bräuchte, hätte man ihm vorher nicht durch milliardenschwere Werbefeldzüge die Krankheit eingeredet.

    Bestes Beispiel ist die Panikmache Kolesterinspiegel. Irgendwann kam man auf die Idee, die Grenzwerte entsprechend so abzuändern, daß plötzlich der größte Teil der Bevölkerung einen zu hohen Kolesterinspiegel hat. Und schwupps - war auch gleich die Pharmaindustrie mit entsprechenden Kampagnen und Medikamenten zur Stelle.

    Es gibt Ärzte die davon berichten, daß ihnen in ihrer ganzen Praxis nicht ein einziger Patient mit normalem Kolesterinspiegel unterkam.

    Eine andere Masche der Pharmaindustrie ist es, Lebensabschnitte zu behandlungswürdigen Krankheiten zu machen. Etwa Schwangerschaft, Wechseljahre, oder Zeiten psychisch stärkerer Belastung. Was da jedes Jahr alleine in Deutschland an Millionen und Milliarden verpulvert wird, um in diversen Fernsehspots und Printmedien die Bevölkerung krank zu reden, übersteigt oft den gesamten Haushaltsetat mancher Entwicklungsländer.
    Und da soll mir mal einer dieser Pharmabosse rumjammern. Sie sind die wahren Plünderer und Absahner.
     
  15. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Unterschreib!

    Warum haben wir zwar das zweitteuerste Gesundheitswesen der Welt, liegen aber, was die Qualität dieses Wesens angeht, im schlechteren Mittelfeld?

    Wer kassiert denn das Geld, welches ausreichen würde uns eine Gesundheitswesen-Spitzenqualität zu verschaffen?

    Genau! Obengenannte Herren und ihre unermüdlichen Lobbyisten im Bundestag, die fast jede Veränderung zu Gunsten der Versicherten verhindern!

    Die wissen genau, welchen Preis man in welchem Land für Medikamente zu zahlen bereit ist. Und dann kostet hier halt mal etwas 8 x soviel wie in Italien.

    Ich könnte ja noch nachvollziehen, wenn man in armen Ländern zum Selbstkostenpreis verkauft. Aber warum gibt es Reimporte z.B. aus Italien?
     
  16. maiden

    maiden Lever duat us slav

    und dann sei auch die Frage gestattet, warum die Franzosen mit weitaus weniger Medikamenten nicht mehr krank sind als die Deutschen
     
  17. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Vielleicht weil der Lobbyismus in Frankreich nicht so verbreitet ist und offene Taschen ähhh Ohren findet wie bei uns!
     
  18. maiden

    maiden Lever duat us slav

    möglich.
    Vielleicht aber auch weil die Franzosen in Rotwein, gutem genußvollem Essen und Leben die bessere Medizin sehen und sich von den Pharmaraubrittern nichts vormachen lassen?
     
  19. Napfekarl

    Napfekarl Napfkuchen-Erfinder

    Weil Rotweinkonsum den Cholesterinspiegel senkt? ;-)

    Spass beiseite: Ein zu hoher Cholesterin-Spiegel in Verbindung mit zu hohem Blutdruck ist meines Wissens die verbreitetste Ursache für einen Schlaganfall. Der grösste Fehler ist nicht das Senken der Grenzwerte, sondern die falsche Medikation bei den Patienten. Ärzte und Patentien nehmen sich viel zu wenig Zeit, bei mehreren Terminen die richtige Dosierung zu finden und im Laufe der Zeit anzupassen. Die meisten Patienten "sind überdosiert", oder kombinieren die Präparate mit anderen Mitteln, ohne dies mit dem Arzt abzusprechen. In Frankreich gibt es genauso viele Bluthochdruck- Patienten wie hierzulande, die sind aber besser eingestellt.

    Ciao
    Napfekarl
     
  20. macNick

    macNick Rückkehrer

    Das ist in der Tat ein echtes Problem!
    Leider ist es nach den letzten Gesundheitsreformen (noch die aus der Kohl-Ära!) mittlerweile groteskerweise unrentabel geworden, chronisch Kranke im ambulanten Bereich bedarfsgerecht zu betreuen, da hier nicht Arbeit mit Geld sondern Diagnosen mit "Punkten" vergütet werden (demnächst wird es in den Kliniken dank der Fallpauschalen ähnlich laufen). Hypertoniker, Diabetiker und andere Langzeitpatienten können so nur dann kostendeckend behandelt werden, wenn die Praxis im Gegenzug genügend "leichte Fälle" abrechnen kann. Für das Geld, was ein Allgemeinarzt für einen Hausbesuch bei einer bettlägerigen Omi kriegt, würde ein Installateur nicht mal aus dem Sessel aufstehen (das ist keine rhetorische Übertreibung!).

    Ok, sicher ist es nicht sinnvoll, jede altersbedingte Befindlichkeitsstörung mit teurer Arznei zu bekämpfen, wo aber möchtet ihr Pharmamafiatheoretiker die Grenze zwischen von euch (bar jeden Fachwissens!) anerkannten Erkrankungen und eben jenen Befindlichkeitsstörungen ziehen?
    Ein 75-jähriger maiden (nur beispielsweise!), der seine Blase nicht mehr leer bekommt und sich an seinen letzten Ständer kaum noch erinnert, wird darüber sicher anders denken, als der Heißsporn von heute, der überall nur Geschäftemacherei wittert.

    @ Napfekarl:
    Vielen Dank, dass Du Dich mit dieser Thematik jenseits der bekannten Bild-/Focus-Polemik von den "erfundenen Krankheiten" und den pathologisierten Lebensabschnitten beschäftigst - ich hatte schon befürchtet, in diesem doch sonst eigentlich differenzierten Forum zu diesem Thema immer die gleichen Stereotypien um die Ohren gehauen zu bekommen.
     

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