Barmherzige Götter - und die Menschen?

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von vulkanos, 12. Januar 2010.

  1. vulkanos

    vulkanos New Member

    In den drei monotheistischen Religionen, Juden-, Christentum und Islam wird die allumfassende Barmherzigkeit Jahwes, Gottes oder Allahs gepriesen, gerühmt, verherrlicht.

    Doch die dahinter stehenden Menschen handeln nach dem Prinzip: nach oben katzbuckeln, nach unten treten, bis alle Knochen krachen.

    Christentum: Verfolgung Andersgläubiger (Katharer), Kreuzzüge (Gemetzel in Jerusalem), Inquisition (Freispruch nicht vorgesehen), Hexenverbrennungen (ebenso), endlose Kriege mit dem Segen der Kirchen, Ausbeutung und Slaverei, Eroberungsgier im Namen Jesu und Marias und zum Schluss: die Vergasung von 6 Mio. Juden oder mehr. Keine Religion war gnadenloser die papistische und protestantische.

    Islam: Schon gleich nach Etablierung der neuen Religionsgemeinschaft gingen die Eroberungszüge über Nordafrika bis nach Spanien los. Die erste Sure des Korans lautet: "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen"

    Aber: Todeswürdig ist, wer Allah lästert, den Propheten schmäht, den Koran verunglimpft sowie aus der Umma, der islamischen Glaubensgemeinschaft, für eine andere Religion austritt. Wo bleibt da die Barmherzigkeit?

    Judentum: Das Alte Testament ist ein Sammelsurium aller erdenklicher Gewalttaten: Raub, Mord, Inzest, Vergewaltigungen, Ausrottung anderer Völker, Verrat, Hinterlist, Machtgier usw. Wenn auch der Herr sprach: "Barmherzigkeit will ich und keine Brandopfer", so hat es Ihn nicht davon abgehalten, Sich selber als "eifer- und rachsüchtigen Gott" zu bezeichnen. In der Schrift stehen auch solche markigen Worte von Ihm wie: "Mein ist die Rache" und "Ich werde fürchterlich dreinschlagen". Der Gott der Juden: ein Spiegelbild seines auserwählten Volkes?

    Hinduismus: von so manchen grausigen Göttern wie Kali abgesehen im Prinzip eine friedfertige Religion. Aber schreckliche und endlose Wiedergeburtsszenarien sowie die Einteilung der Gesellschaft in feste Kasten ohne Aussicht auf Aufstieg sind eine andere, nicht weniger grausame Gnadenlosigkeit mit dem Umgang unwissender Seelen.

    Buddhismus: nicht so gewaltlos, wie er gerne dargestellt wird. Im innerasiatischen Ursprungsgebiet gab es in den nachchristlichen Jahrhunderten Kriege, um ihn dort zu etablieren. Auch im alten Japan wurden im Namen des Amida Budsu gewalttätige Auseinandersetzungen bezeugt.

    Nicht die Religionen sind das Problem, sondern deren Vertreter und blindäugige bzw. fanatische Verfechter.

    Voltaire soll das wenig bekannte Wort gesagt haben: "Écrasez l'infâme - vernichtet die Niederträchtige". Damit meinte er die katholische Kirche. Dieser Ausspruch kann ohne weiteres auf fast alle etablierten Religionen angewendet werden: Nehmt ihnen vor allem die Macht über die Seelen und dann ihr Geld, und sie sind am Ende. Mehr braucht es nicht. Danke.

    vulkanos
     
  2. McDil

    McDil Gast

    Bedenkt man, dass Religion von Anbeginn als Herrschaftsinstrument missbraucht(*) wurde, dann ist das alles nur folgerichtig, denn mit Liebe errichtet man kein Herrschaftssystem.

    (*) oder gebraucht
     
  3. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich denke manchmal darüber nach, wie es mit den Religionen so gekommen ist. Ob sich da irgendwelche Stammesherrscher überlegt haben, neben der physischen Gewalt des Knüppels, Bogens, Schwerts noch die der Angst, wie es z.B. nach dem Tod weitergeht, zu nutzen und ihre Macht als von oben gegeben darzustellen? Irgendwie sind wohl nicht so wenige Herrscher zu allen Zeiten auf diese Gedanken gekommen, haben sie ein wenig modifiziert, unterschiedliche Namen benutzt und sich ein prima Instrument gebastelt, welches über Jahrtausende wirkt.
     
  4. McDil

    McDil Gast

    Grundlage ist die überstarke Abneigung der großen Masse der Menschheit, dem eigenen Nachdenken zu trauen. Teils, weil man zu bequem ist, teils, weil man es nie gelernt hat oder es nicht kann.
    Zu glauben und sich einer Doktrin zu unterwerfen ist da viel bequemer, und solange die Fresskörbe einigermaßen gefüllt bleiben wählt man immer wieder diejenigen, denen man zutraut, sie gefüllt zu halten.
     
  5. maximilian

    maximilian Active Member

    Nnachmittach,

    Bei den antiken Hochkulturen auf alle Fälle, da haben sich die Herrscher ja selber zu Göttern ernannt und als solche verehren lassen (bis hin zu den Römern - und abgemildert bei Englischen Königin bis heute, die ja auch das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche (eigentlich der Church of England) ist - wenn auch keine Göttin mehr.)

    Nicht damit erklären kann ich es mir bei den steinzeitlichen Religionen (oder wie immer man das nennen soll), die Monumente in der Art von Stonehenge und den Tempeln in Malta hervorgbracht haben. Das waren sehr kleine Gemeinschaften die, nach allem was man bisher weiss, auch noch friedfertig gelebt haben. Da ergibt eine Unterdrückung durch Anwendung von religiöser Doktrin nicht wirklich viel Sinn.


    Grüße, Maximilian
     
  6. McDil

    McDil Gast

    Auch dort war das "Wissen" der Schamanen zu einem guten Teil Herrschaftswissen, um den Stamm durch Angst zu beherrschen. Ich bin mir da ziemlich sicher.

    Damit will ich nicht sagen, dass diese "Führer" für ihren Stamm nutzlos gewesen wären. Die Dinge sind ja nie "schwarz-weiß".
     

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