Bsirske : Die Südsee-Affäre

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 3. August 2008.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,569688,00.html

    "Sich von der Lufthansa zu diesem Flug einladen zu lassen, "ist eine bodenlose politische Instinktlosigkeit", sagte Wendl zum SPIEGEL. Auch dass Bsirske erster Klasse flog, sei "mehr als schlechter Stil". Das zeige, so Wendl, "dass man die Nähe zum gehobenen Management suche und dazugehören will, statt das Ohr an der Basis zu haben"."

    "Der Hintergrund der heftigen Attacken: Ver.di-Chef Bsirske ist laut "Bild"-Zeitung mit der Lufthansa für knapp fünf Wochen in die Südsee geflogen - erster Klasse und noch dazu gratis. Am 8. Juli sei der Ver.di-Chef mit seiner Frau in Berlin per Business-Class nach Frankfurt am Main gejettet, von dort weiter in der ersten Klasse nach Los Angeles und schließlich weiter in die Südsee. Kurz danach hatte der Streik bei der Lufthansa begonnen, zu dem Ver.di aufgerufen hatte.

    Als stellvertretendem Aufsichtsratschef stehen Bsirske die Gratisflüge zwar zu - doch politisch geschickt ist ein solcher Ausflug nicht in einer Zeit, in der Bsirskes Organisation gerad
    e einen harschen Tarifstreit mit der Airline austrägt."

    Ehrlich gesagt, verstehe ich die Aufregung nicht ? :shake:

    Kann mir das einer erklären ? :confused:
     
  2. edwin

    edwin New Member

    Mich würde die Aussage vom Kollegen Bsirske interessieren.

    Irgendwie wirkt diese Publikation wie ein Schachzug. :teufel:
     
  3. batrat

    batrat Wolpertinger

    Von wem ? :confused:
     
  4. edwin

    edwin New Member

    Gute Frage. Der Zeitpunkt. Der gefällt mir nicht.
     
  5. maximilian

    maximilian Active Member

    Moin!

    Ich auch nicht. Es ist wirklich keine neue Erkenntnis, daß Menschen die einen Hang zum Gangestertum, aber keine Lust aufs Gefängnis haben, ein Pöstchen in einer Gewerkschaft anstreben :teufel:

    Grüße, Maximilian

    PS: Den "Bananenstatus" einer Republik kann man gut an solchen Doppelfunktionen wie der des Herrn Bsirske ablesen: Gleichzeitig Gewerkschaftsboß und Aufsichtsratsmitglied der bestreikten Firma... Würde mich nicht wundern, wenn er sein Geld größtenteils in LH-Aktien angelegt hätte.
     
  6. D_Stahl

    D_Stahl Active Member

    Links predigen, rechts leben.
     
  7. dimoe

    dimoe New Member

    ist es jetzt schlimm, das Bsirske als Ausichtsratmitglied von Lufthansa mit der Lufthansa fliegt?

    ist es jetzt schlimm, daß Bsirske in der Urlaubszeit Urlaub macht oder daß in der Urlaubszeit bei Lufthansa gestreikt wird (was erst durch die Urabstimmung eine Woche vorher geklärt wurde)?

    Zu dem Thema Freiflug:
    - Wer von uns benutzt nicht die Möglichkeit etwas billiger zu bekommen?
    - Wer nutzt nicht die Möglichkeit zum gleichen Preis bei einem Auto noch die Klimaanlage dazu zu bekommen?
    -Wer verzichtet auf den Rabatt der einem gewährt wird?
    z.B. in der Hoffnung die Mitarbeiter werden besser bezahlt?

    Also wohl wirklich das typische Sommerloch und der typische Bild-Aufmacher
     
  8. priv

    priv New Member

    Er hat zwei Ämter. Aufsichtsratmitglied bei der Lufthansa und Ver.di Vorsitzender. Der einzige Grund, worüber man sich aufregen darf, ist er seine Gewerkschaftsmitglieder zu nem Streit veranlässt, aber während des Streiks in Urlaub fährt. Wenn schon Gewerkschaft, dann sollte er sich in solchen Zeiten auch solidarisch zeigen.
    Darüber hinaus, kann natürlich in Frage gestellt werden, ob er als Aufsichtsratsmitglied und Gewerkschaftsvorsitzender nicht unterschiedliche Interessen vertreten muss und diese Form der Arbeitermitbeteiligung nicht zu konkurrierenden Anreizen führt.

    Aber speziell in diesem Fall ises eigentlich egal, wer den Flug bezahlt hat. Die einzige Sauerei ist, dass er in Urlaub fliegt, während er von seinen Gewerkschaftsmitgliedern nen Streik einfordert.
     
  9. Justinian

    Justinian New Member

    Der Herr Bsirske...! :shake:
    Grundsätzlich ist ja gegen seinen Urlaub und die Anreise dorthin nichts einzuwenden. Es ist halt ein sehr unglücklicher Zeitpunkt und daher ein mediales Desaster.
    Ich halte ja Gewerkschaften für sehr wichtig für Arbeitnehmer, dennoch sollten sich manche Gewerkschaften mal Gedanken darüber machen, ob sie noch wissen, was und wen sie vertreten.

    Ich hatte mich mal nach meinem Examen bei einer beworben (als Arbeitsrechtler). Die waren baff erstaunt, dass ich auch Geld für meine Arbeitsleistung haben will. Einen unbezahlten Praktikumsplatz hätte ich haben können! Etwas verstimmt waren sie dann als ich daraufhin antwortete, dass ich dann ein verdammt schlechter Arbeitsrechtler wäre, wenn ich so ein dämliches Angebot annehmen würde und sie eine nicht ernst zu nehmende Gewerkschaft sei, da sie ihre Aufgaben mit solchen Angeboten ad absurdum führen würden... :teufel:
     
  10. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Vor hundert Jahren vielleicht. In unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft könnte eine Gewerkschaft dadurch ihre soziale Ausrichtung demonstrieren, daß sie für das Wohlergehen und die Rechter derer eintritt, die _keine_ Arbeitnehmer sind. Oder für das Wohlergehen und die Rechte von Arbeitnehmern kleiner Firmen. Mit jedem tollen Tarifabschluß bei LH oder Mercedes geht es den Angestellten von deren Zulieferen nämlich schlechter, denn irgendwo muß das Geld schliesslich eingespart werden, daß die Großen ihren Angestellten jetzt mehr bezahlen müssen.

    Grüße, Maximilian
     
  11. Holloid

    Holloid New Member

    Das sind die Fachbereiche die Verdi vertritt...Da dürfte es schwer für ihn sein, im Urlaub zu fahren..


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  12. maximilian

    maximilian Active Member

    Moin!

    ... aber alle diese streiken nicht gerade just in dem Moment gegen genau die Firma, die ihm zufälligerweise gerade eine schöne Urlaubsreise spendiert. Oder?
    A Gschmäckle hat die Sache schon, da kann man sagen, was man will.

    Grüße, Maximilian
     
  13. Justinian

    Justinian New Member

    Das sehe ich anders. Zunächst mal müssen wir uns klar machen, dass nahezu alle Errungenschaften rund um Arbeitssicherheit, Arbeitsentgelt und Arbeitszeit - also mithin das gesamte Arbeitsrecht - von der Arbeit der Gewerkschaften bestimmt wurde. Wo wären wir ohne sie?
    Klar, das könnte bedeuten, um den (guten) status quo zu erhalten benötigen wir sie nicht (mehr). Denn viele Fortschritte gab es in den letzten Jahren (zugegebenermaßen) nicht.
    Wenn wir nun aber Länder betrachten, in denen Gewerkschaften kaum mehr eine Rolle spielen (z.B. in den USA die Autoindustrie), so sehen wir dort, dass die Situation deutlich schlechter wird als z.B. hier in Deutschland (mit Gewerkschaften).

    Meiner Ansicht nach gibt es zwei große Probleme bei den Gewerkschaften:

    1. Die Mitgliederzahl schrumpft immer mehr, so dass eine vernünftige (machtvolle) Vertretung immer schwieriger wird. Was das bewirken kann, hat Hessen im letzten Jahr gezeigt: die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst wurden schlicht verarscht und haben es nicht mal gemerkt...

    2. Splittergewerkschaften graben sich selbst den Einfluss ab. Wer ist denn nun für die Lufthansa zuständig. Da gibt es mehr als eine Hand von konkurrierende Gewerkschaften... das kann nicht gut gehen.

    Beobachtet man aber die vergangenen Jahre z. B. die IG Metall, so sieht man, dass es nicht mehr nur um "mehr Kohle für die eigenen Mitglieder" geht, sondern dort scheint man auch das Gesamte im Blick zu haben. Sicherlich ist dem Mitglied nur die eigene Tasche wichtig. Daher wird ja auch gerne gegen Gewerkschaften gemotzt... großes Thema! :cool:
     
  14. Holloid

    Holloid New Member

    Dieser Streik hat im Juli stattgefunden, weil Lufthansa im Mai! nicht verhandeln wollte.
    Wenn der gute Mann sein Urlaub im April gebucht hat, konnte er nicht ahnen das im Juli gestreikt wird .
     
  15. dimoe

    dimoe New Member

    Wenn ich es richtig sehe hat ihm die Firma keine Urlaubsreise spendiert sondern er hat seine Freiflug-Möglichkeit als Aufsichtsrat-Mitglied genutzt!

    Heute habe ich gelesen, daß er den Flug bezahlen will, der typische Bild-Pranger wirkt also immer wieder!
    Besonders bei Leuten die als "Links" gelten
     
  16. edwin

    edwin New Member

    Wenn Arbeitgeber freiwillig Löhne verbessern würden (vor allem, wenn eine Mannschaft es schafft, dass die Gewinne des Unternehmens steigen), dann hätten Gewerkschaften weniger Aufgaben.
    Da aber kein Arbeitgeber freiwillig mehr bezahlt, sind die Gewerkschaften notwendig.
    Zumal, wie sollen sonst die gesamten Preis- und Steuererhöhungen bezahlt werden, wenn dabei noch kräftig konsumiert werden soll?

    Interessant ist auch, dass sich nie über die Kostentreiber auf der anderen Seite aufgeregt wird. Es sind ja immer die Arbeitnehmer, die die Kosten verursachen. Die Bezüge kann man ja leicht vernachlässigen. Als würde eine Führung ohne Mannschaft genauso gut wirtschaften können. Also nee!
     
  17. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Jaja. Als Arbeitnehmervertreter sitzt er in diesem Aufsichtsrat. Dabei ist er noch nie Arbeitnehmer bei der Lufthansa gewesen. Keinen Tag lang.

    Hier ist übrigens noch ein schöner Artikel, dem ich nur zustimmen kann:
    http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/kontrolleure-nicht-beschenken/

    Grüße, Maximilian
     
  18. edwin

    edwin New Member

    Was in meinen Augen keine Rolle spielt.

    Daraus: "Wer darauf verzichtet, persönliche Vergünstigungen zu gewähren, vermeidet Missverständnisse und alle Spekulationen über Interessenkonflikte."

    Darüber sollte nachgedacht werden!
     
  19. Holloid

    Holloid New Member

    Du weist gar nicht wie falsch du liegst...
    Mein Bruder ist Betriebsrat in einer kleinen Mittelstandsfirma. Dort wurde willkürlich (also ohne Absprache) mit den Arbeitnehmern , Urlaubs und Weihnachtsgeld gestrichen. Außerdem sollte die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich erhöht werden.
    Zu diesem Zeitpunkt gab es weder eine Gewerkschaft noch ein Betriebsrat in dem Betrieb.
    Nach der Ankündigung der "Veränderungen" haben sich 80 % der Mitarbeiter "organisiert"
    Jetzt wo ein gewisser gegendruck entstanden ist, wurde einvernehmlich auf etwas Gehalt und Urlaubsgeld verzichtet, dafür aber 2 Stunden pro Woche umsonst mehr gearbeitet. Grund: die schlechte Finanzlage der Firma. Nach einem halben Jahr ging die Firma trotzdem in Insolvenz. Erst jetzt war es möglich (in die nicht vollständigen) Bücher zu schauen. Der gute Besitzer hat die ganzen Gewinne in seinen "Ursprungsbetrieb" investiert ,wären dessen er den Betrieb meines Bruders ausbluten lies. Nach der Insolvenz ist der Chef leider sehr krank geworden (Depression) und der andere Betrieb gehörten ihm natürlich nicht mehr.
    Des weiteren wurde der Betrieb von einen Investor aufgekauft. Dessen erste Forderung war natürlich "Entlassungen", und zwar ganz einfach.Alle über 35 Jahre werden entlassen.
    Es wurde dann aber (nach langen Verhandlungen) ein Sozialplan erstellt.
    Nur der Betriebsrat/Gewerkschaft hat überhaupt in diesen Fällen eine Verhandlung möglich gemacht. Wenn du also glaubst es wäre keine Arbeitnehmervertretung erforderlich, dann bist du entweder sehr naiv, oder eben Arbeitgeber.
     
  20. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Möglicherweise, denn ich konnte beim Lesen Deiner langen Geschichte nicht erkennen, was genau Gewerkschaft/Arbeitnehmervertretung nun der Belegschaft wirklich Gutes getan hat. Arbeitslos sind sie jetzt wohl alle, oder?

    Im Grunde meines Herzens wohl schon, denn als kleiner Einzelkämpfer/Selbständiger bin ich den Problemen der Arbeitgeberseite immer näher gewesen als denen der Arbeitnehmer. Vielleicht ändert sich das ja jetzt, wo ich eine (Teilzeit-)Festanstellung habe. Kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen.

    Grüße, Maximilian
     

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