Buschkowski - Ein neuer Sarrazin ?

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 21. September 2012.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

  2. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    Abgesehen von Sarazzin muss man einfach mal konstatieren, dass jedwede Kritik an den derzeitigen Zuständen im Zuwanderungssektor sofort als faschistoid, rechts oder - jetzt neu - mit Sarazzin verglichen wird.

    Leute, so wird das nix. Wir müssen auch mal den Mut haben dürfen, zu sagen, war bei Utländers und den Eingeborenen schief läuft. Mit Denk- und Redesperre kommen wir nicht in die Reflektion.

    Unsere Fehler müssen wir auch mal aufarbeiten. Und da sind die Erfahrungen von Leuten, die sich in diesem Milieu auskennen, unverzichtbar.

    Lassen wir mal die sprachlichen Keulen in der Ecke. Hier ist Sorgfalt und feines Sezierbesteck gefragt.
     
  3. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Buschowsky ist kein zweiter Sarrazin. Er versucht etwas zu ändern, dem Trend in solchen Vierteln entgegen zu wirken. Während Sarrazin gerne aufzeigen möchte: Der Araber (Türke, etc.) ist so, da kann man nichts ändern.
     
  4. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Nicht dulden kann eine Gesellschaft, dass wenn ein Straftäter (Messerstecher) festgenommen werden soll, die Polizisten sofort von einer wütenden Menschenmenge umringt sind, die das verhindern, die Polizisten gar angreifen und erst mit einer Hundertschaft Bereitschaftspolizei die Festnahme durchgeführt werden konnte. Es soll niemand glauben, dass dies ein Einzelfall wäre.
     
  5. McDil

    McDil Gast

    Buschkowski ist ≠ Sarrazin - Logisch!

    Aber: Es ist eine fatale Methode, ganze Bevölkerungsschichten oder Minderheiten an Hand einer Reihe von Einzelbeispielen zu charakterisieren oder zu stigmatisieren. Da kann man noch so oft beteuern, dass man das wisse und dass es mehr Menschen in dieser Lebenssituation mit ehrlicher Anstrengung versuchen usw. usw.

    Was hängen bleibt beim Leser ist die Aufzählung gescheiterter oder krimineller Existenzen, die für das Symptom genommen werden. Es gibt dazu eine ganze Reihe Blog-Artikel unterschiedlicher Polemik. (Kann jeder selber googeln)

    Jedenfalls werde ich mir das Buch nicht kaufen. Mir langt's, dass der Sarrazin mit seinem Pamphlet zum Multi-Millionär geworden ist.:augenring
     
  6. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Warum verhalten sich dann nicht die Deutschen derart nach der Methode „Frech kommt weiter“?
    Weil sie keine breite Unterstützung bei ihren Landsleuten finden!

    Ich wünsche wirklich jedem, der noch den Träumen anhängt, dass Zuwanderer aus der Türkei oder arabischen Ländern (auch Russlanddeutsche), wenn die in der Nachbarschaft die Mehrheit haben, sich genauso wie Deutsche verhalten, dass er mal für eine Weile in solch eine Gegend zieht. Diejenigen Deutschen, die ihre Kinder unbedingt woanders einschulen möchten, sind keine Rechten, die möchten nur nicht, dass ihre Kinder sich den Lerngeschwindigkeiten von kaum Deutsch sprechenden Einwandererkindern anpassen müssen oder als dann zur Minderheit gehörend automatisch Opfer sind und auch so genannt werden. McDil, Du hast noch romantische Vorstellungen vom Zusammenleben mit fremden Kulturen. Wobei das mit Asiaten sehr gut klappt, die Kinder sprechen schnell Deutsch und kommen in der Schule gut mit. Die Eltern kämen nie auf die Idee Lehrer zu bedrohen, ihre Mädchen nicht am Turnunterricht teilnehmen lassen zu wollen.

    Das Problem liegen meiner Meinung nach an türkischen und arabischen männlichen Jugendlichen, die von ihren Müttern zu kleinen Paschas erzogen werden. Ich kenne 2 Lehrerinnen, die mir ab und an von ihren Problemen mit diesen Jugendlichen berichten. Deren Väter lehnen es ab mit Frauen zu sprechen, sie wollen immer nur den Rektor sprechen und fliegen an der Schule einer Freundin von uns raus, weil es nur eine Rektorin gibt und die Männer gerne herum brüllen.
     
  7. pewe2000

    pewe2000 New Member

  8. McDil

    McDil Gast

    Was die Maxime „Frech kommt weiter“ angeht – da wäre ich bei den Deutschen nicht so sicher. In vielen Familien der Mittelschicht wird den Kindern dieses Prinzip schon mit der Muttermilch eingetrichtert. Bei ungebildeten Prolls wirkt es sich nur viel elementarer und brutaler aus – vor allem dann, wenn die durch irgendwelche Umstände zu Geld kommen.

    Es ist freilich ein Problem der Mehrheitsverhältnisse. Romantische Vorstellungen habe ich diesbezüglich keine. Menschen aus anderen Kulturkreisen haben häufig eine ganz andere Art, ihre "Lebensfreude" zu zeigen.

    Es ist eindeutig ein Unterschichtproblem. Leute ohne Bildung und mit "Aufstiegschancen" nur innerhalb ihrer Ghettogesellschaft. Eher wäre es eine Untersuchung wert, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass so überdurchschnittlich viele junge muslimische Männer in dieser Unterschichtfalle gefangen sind. Die "Paschaerziehung" alleine kann das m.E. noch nicht erklären. Daraus entsteht tatsächlich noch ein ernsthaftes Problem. Ob man das allerdings lösen kann, indem man "Schützenpanzer" auffahren lässt, bezweifle ich. Viel eher kann aus einer agressiven "Befriedungsstrategie" ein Bürgerkrieg entstehen.
    Ich denke schon, dass man gegenüber "herum brüllenden" Machotypen eine feste Hand haben müsste, wenn man denn auch das entsprechende robuste Mandat und die notwendige Traute hätte – was alles Andere als selbstverständlich ist.
     
  9. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    Damit man den Hintergrund versteht, ein kleiner Rückblick:

    Die Gastarbeiter in den 60-er Jahren wurden auf Bitten der Wirtschaft hierhier geholt und waren arme Schweine, die die dreckige und schlechtbezahlte Arbeit übernahmen, die die einheimische Bevölkerung nicht mehr machen wollte. Das dafür kein wissenschaftliches Personal angeworben wurde, liegt sicherlich auf der Hand. Dennoch war die erste Generation - und die zweite auch - daran interessiert, sich hier angepasst zu verhalten, war eingentlich nichts anderes war, als das zu tun, was man auch im Heimatland tat. Sich normal zu benehmen und mit anderen Menschen respektvoll umzugehen.
    Die Industrie hat diese Leute sehr spartanisch versorgt. Als ich mit anderen 1974 die Sietas-Werft in HH-Finkenwerder besuchte, zeigte man uns die Unterkünfte für die Gastarbeiter. So hießen die damals. Diese Unterkünfte hatten den Charme von Hundehütten, wobei bei der Unterbringung eines Schäferhundes der Tierschutzverein auf den Plan getreten wäre. Meine Nachfrage, wo denn der Gebetsraum sei - es waren ausschließlich Türken, die da wohnten - schaute man mich an, als ob ich die irrsinnige Frage nach dem Weg zum Mars gestellt hätte. Völliges Unverständnis. Das Kapital hatte das mit dem soziokulturellen Hintergrund dieser Arbeiter überhaupt nicht realisiert.

    Während dieser Zeit konnten die einheimischen Arbeitnehmer sich weiterqualifizieren und dadurch höherwertige Arbeitsplätze einnehmen. Die gesellschaftliche Hierarchie verschob sich zugunsten unserer Unterschicht.

    Während der 80-er Jahre nahm der Flüchtlingsstrom nach Europa zu. Damit geriet zunehmend auch die alte BRD in den Focus des Interesse von Flüchtlingen. Das war ein beherrschbares Problem. Der Anteil der Asylbewerber war relativ gering. Rechtsgrundlage war damals Art. 16 GG, der auch großzügig angewandt wurde.

    Dies änderte sich in den 90-er Jahren erheblich. Im Verlauf des Libanon-Krieges kamen ganze Clans in die BRD, wobei auch die DDR Ende der 80-er Jahre die Grenze zumindestens in eine Richtung, nach West-Berlin, gerne öffnete.
    Bei den Libanesen greift zunehmend bei uns die Erkenntnis Raum, dass diese Leute wohl in großer Anzahl mit gefälschten Papieren eingereist waren. Sie sind weniger dem Libanon zuzurechnen sondern gehörden zur Gruppe der türkischen Kurden, die die Chance damals genutzt hatte, als Glücksritter in die BRD zu kommen. (In Bremen soll dies übrigens der überwiegende Teil der dortigen angeblichen Libanesen sein. Ein z. T. stramm organisierter Haufen, zu dem die Strafverfolgungsbehörden keinen Zugang mehr haben.)
    Zur Erinnerung: Der damals zuständige niedersächsische Landesminister Trittin schrieb einen bitterbösen Brief an die Hauptverwaltungsbeamten der Kommunen, weil diese in ihrer objektiven Unterbringungsnot - wir hatten auch in weiten Bereichen damals Wohnungsnot - diese Flüchtlinge in Container untergebracht hatten. Der Brief war dreist, frech, weil er den Kommunen und ihrer Verwaltung unterstellte, die Aufstellung der Container mit Wollust gemacht zu haben.

    Zu dieser Schwemme aus Nah-Ost kamen nach dem Fall der Grenzbefestigungen rumänische Sippen, die überfallartig in die Gemeinden einfielen, die Läden plünderten. Dies nicht nur mit Kleinteilen. Da wurden Waschmaschinen in größerem Stil geklaut und sofort das Typenschild entfernt, was wiederum zur Nichtvefolgung der Straftat führte, da der Inhaber des Elektroladens nun nicht mehr nachweisen konnte, dass dieses Gerät in seinem Eigentum stand.

    Dabei (in dieser Zeit) konnte vor den Fenstern der Sachbearbeiter beobachtet werden, dass die Schlepper den Geschleppten das ausgezahlte Geld - Hilfe zum Lebensunterhalt, da es ein Asylbewerberleistungsrecht noch nicht gab - wieder abnahmen, damit die Geschleppten den Schlepperlohn schon mal anzahlten.

    Nach Schaffung des Art. 16 a GG und der Folgegesetze 1993 ff verebbte allmählich der Flüchtlingsstrom, weil es zunehmend nicht mehr lukrativ war, in der BRD um Asyl zu bitten. Dem Art. 16 a waren erhebliche Hilferufe vieler Bürgermeister aus den Kommunen voraus gegangen, in dem diese den Notstand der Unterbringung und der Versorgung in den Städten schilderten.

    Parallel zu diesem Verlauf traten überwiegend sozialwissenschaftlich ausgebildete Leute auf den Plan, die diese Zuwanderer unter eine Käseglocke stellten und jedwede Kritik und deren Meinungsträger sofort in eine rechte bis faschistoide Ecke stellten. Um dieser gesellschaftlich tötlichen Stigmatisierung zu entgehen, waren die Kritiker zunehmen ruhig und überließen die Kritik denen, denen die rechte Ecke gefiel, weil sie sich sowieso dort befanden.

    Leider wirkt diese Klassifizierung noch immer nach. (Wie man auch an dieser Diskussion sieht).

    Wir haben die Zuwanderung seit den 60-er Jahren nie strukturiert sondern alles mehr oder weniger dem Zufall überlassen, was sich nun zunehmend als Irrtum herausstellt.

    Jetzt kommt die Gesellschaft allmählich zur Besinnung und erkennt mehrheitlich, dass da ordentlich was schief gegangen sein muss. Dazu kommen noch regionale Unterschiede. Im sogenannten Beitrittsgebiet dominieren die Vietnamesen, in der Alt-BRD türkische Zuwanderer.

    Die Übersiedler aus dem Gebiet der ehemaligen SU sind das Ergebnis parteipolitischer Überlegungen und der Tatsache geschuldet, dass die BRD als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches den Alleinvertretungsanspruch für alle Deutschen erhob. Demzufolge besteht auch ein Heimkehrrecht aller Menschen in das Bundesgebiet, die Deutsche sind. (Die Zwangsaberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft ist verboten). Der damalige Staatssekretät Waffenschmidt (Link) leitete dabei die politisch-administrative Großleistung, weil der und seine CDU davon ausgingen, dass mit den Deutsch-Russen überwiegend konservative Klientel in die BRD übersiedelte. Somit lag es im Interesse der Kohl-CDU, die Übersiedlung so zu regeln, wie sie heute noch geregelt ist.

    Ein Sonderfall ist die Zuwanderung osteuropäischer Juden. Aber auch dies ist eine Zuwanderergruppe, die allerdings aufgrund ihrer häufig sehr guten Vorbildung überhaupt keine Schwierigkeiten der Eingliederung hat.

    Wenn wir hier über dieses Problem diskutieren, sollten wir akzeptieren, dass jeder seine ganz eigene Sicht auf die Dinge erworben hat, wobei die Erfahrungen von PeWe und meine eher atypisch sind, weil hier durch unmittelbare Nachbarschaft oder durch berufliche Tätigkeit vertiefte Erkenntnisse gewonnen wurden. Die muss nicht jeder haben.

    Ich teile die optimistischen Einschätzung über Zuwanderung nur noch dann, wenn dies strukturiert und organisiert passiert. Sonst entsteht da eine problematische Substruktur, die uns um die Ohren fliegen wird. Z. B. bei der Wohnungssuche. Frankreich ist da Beispiel aber nicht Vorbild.
     
  10. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Hallo Morgenstern,

    vielen Dank für den Einblick und die Info.
    Was ich nicht verstehe ist dass du unter der Zusammenfassung "Zuwanderung" zwei Dinge vermischst: Die Asylsuchenden und die tatsächlcihen Einwanderer, die z.Tl. schon in der dritten generation hier leben. Sind das nicht zwei völlig unterschiedliche Paar Stiefel, wenn auch jeder mit ganz individuellen Problemen verbunden?
     
  11. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    In der Absicht sind beide gleich. Die Zuwanderung speist sich aus vielen Quellen.

    Wir sprechen hier immer über die kulturellen Problemzonen. Die bestehen allerdings überwiegend aus Moslems und z. Z. aus Übersiedlern aus der ehemaligen SU.
     
  12. McDil

    McDil Gast

    Für mich ist die Frage nach der Ursache immer noch nicht klar beantwortet – lässt sich vieleicht auch nicht beantworten:

    Kommen diese Leute schon als Kriminelle hierher, in der festen Absicht, hier Verbrechen zu begehen, oder entsteht das kriminelle Milieu erst hier durch das Bewusstsein (ob zu Recht oder nicht) der eigenen Chancenlosigkeit bei gleichzeitiger Erkenntnis des Reichtums in diesem Land?

    Jedenfalls muss man sehen, dass früher oder später populistische Rattenfänger à la Sarrazin & Co die (berechtigten oder auch unberechtigten) Sorgen der Bevölkerung in politischen Willen umformen werden. Wohin solche Innenpolitik, die substantiell auf die Beseitigung von "Volksschädlingen" abhebt, führen kann, weiß man in Deutschland eigentlich sehr gut!
     
  13. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Auch in Holland gibt es mit diesen Landsmannschaften Probleme und den Holländern kann man weit weniger als den Deutschen unterstellen, dass sie rechts seien. Ich war früher oft in Holland, immer bei Privatleuten einquartiert und habe viele Gespräche mit den Wirtsleuten geführt. Das war nicht der dumpfe Nationalismus, der bei uns gerade in Unterschichten herrscht, die sich anderen aufgrund ihres Deutschseins überlegen fühlen, sondern das war berechtigte Kritik am Verhalten der Einwanderer, der Abkapselung, den Nebengesellschaften und der sehr freien Interpretation holländischen Rechts.

    Ich hatte damals angenommen, dass nur wir unter den Auswüchsen leiden aber dem ist nicht so. Mein Bruder bewohnte bis zur Scheidung ein schönes Haus in einer sehr guten Gegend. Irgendwann zog eine türkische Familie in die Nachbarschaft und integrierte sich sofort. Allerdings war das eine Akademikerfamilie mit 2 Kindern und die unterschieden sich im Verhalten nur wenig von ihren deutschen Nachbarn. Mein Bruder unterhielt sich häufig mit dem Mann, sie duzten sich recht schnell und der erzählte ihm irgendwann, dass er regelrecht aus der früheren Wohnumgebung geflüchtet sei, wo überwiegend nichtintegrationswillige Landsleute von ihm wohnten. In störten die gleichen Dinge am Verhalten der anderen Türken, wie sie uns stören. Die Eltern sprachen fast perfektes Deutsch, die Kinder perfektes, sie gingen aufs Gymnasium, unterschieden sich nur ein wenig im Aussehen von ihren deutschen Mitschülern. Da gab es kein Kopftuch, die Tochter durfte natürlich an Klassenfahrten und Sportunterricht teilnehmen. Aber das waren sehr intelligente Leute, die aus einer größeren Stadt nach Deutschland gekommen waren, nicht vorhatten, in die Türkei zurück zu gehen, den Unterschied sehr deutlich wahr nahmen. Sie gaben dennoch damit ihre Identität nicht auf, man kann nicht von Assimilation sprechen, vor der ja der türkische Staatschef furchtbare Angst hat.

    Die stießen augrund ihres Verhaltens natürlich auch nicht auf Ablehnung, fühlten sich nie diskriminiert. Das bestätigt ein wenig die These mit dem Zuzug und Verhalten von Unterschichten.
     
  14. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    Hier kommen Leute her, die wirklich in ihrer Heimat drangsaliert, gefoltert wurden. Davon habe ich auch welche kennengelernt.
    Ich hatte einen Iraner untergebracht, der durch Folter in seiner Heimat und der daraufhinfolgenden Flucht wohl mehr erlebt hatte, als er verarbeiten konnte. Der war an seinem Schicksal zerbrochen und schizophren geworden. Bei guter medikamentöser Einstellung brachte der richtige Literatur zustande.

    Ich habe Leute aus dem Kosovo kennengelernt, die sind von den Serben wirlich gefoltert worden. Ganz tolle Leute.

    Wir haben Leute aus den Asylbewerbern rausgeholt und in Wohnungen gesteckt, von denen wir überzeugt waren, dass das gut gehen würde. Hat immer geklappt.

    Wir haben das aber sein gelassen bei Leuten, bei denen die Auffälligkeiten - auch Straftaten - mit der Verweildauer anstiegen.
    1995 hatten wir so ca. 60 Personen in Hotels untergebracht. Davon war nach einem Jahr kein einziger mehr da. Alle untergetaucht oder zurückgegangen. Angeblich seien alle aus Srebrenica geflüchtet. Allerdings haben sie eine Spur der Verwüstung in den Unterkünften zurückgelassen. Dazu kamen etliche Kreditgeschäfte, die nun abgebrochen waren. Da allerdings konnte ich mir Schadenfreude nicht verkneifen.

    In einem Haus, in dem ich 6 Inder untergebracht hatte, habe ich nach deren Untertauchen eine ganze Wand mit Telefonnummern vorgefunden, die die mit Edding angepinselt hatten. Ich habe dann alles fotografisch dokumentiert und der Polizei zugeleitet.
    Ein viertel Jahr später stellte sich heraus, dass diese Telefonnummer zum großen Teil der russischen Mafia zuzurechnen war.

    Ich könnte diese Liste von skurrilen Blödheiten weiterführen, alleine schon wegen ihres Unterhaltungswertes. Aber das bringt nix.

    Meine Erfahrung ist, dass ca. 10 % der Menschen, mit denen ich so 8 Jahre zu tun gehabt habe, integrabel sind. Der Rest leider nicht. Das sind Glücksritter, die zum Teil schon in ihrer Heimat auffällig gewesen sind. Woher ich das weiß? Nun, die Flüchtlinge hatten noch Kontakt in ihre Heimat hatten und dort Informationen über ihre Nachbarn eigeholt hatten. Die hatten dann nichts besseres zu tun, sich wechselseitig ihre kriminielle Vergangenheit vorzuhalten.

    Noch eine Geschichte zum Abschluss: Ein alleinstehender Libanese hatte seinen Asylantrag damit begründet, das er 14 Menschen im Libanon ermordet hätte. Und das erzählte er so, dass man den Eindruck gewinnen sollte, man könnte dann der 15. sein. Der hat nacher versucht, seine deutsche, methadonsubstituierte Freundin zu ehelichen (da konnte er plötzlich die Papiere besorgen, deren Beschaffung vorher unmöglich gewesen war) und dann in einen Puff zu verkaufen.

    Beides - Eheschließung und Verkauf - konnte in letzter Minute verhindert werden.
     
  15. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    Was hab ich gegessen?

    Die sind schon in Heimat leicht neben dem Gesetz. Und die, die es nicht waren, sind es hier auch nicht.

    Abgesehen von den Fällen von unerlaubter Nebenerwerbstätigkeit neben der Zuwendung nach den Asylbewerberleistungsgesetz war der letztere Personenkreis völlig unauffällig. Diese Leute hätte ich mir auch als Nachbarn vorstellen könne.
    Und die unerlaubte Erwerbstätigkeit - naja. Wenn wir uns mal Abends in einer Gaststätte begegenet sind (die als Servicekräfte und ich als Gast), haben wir angestrengt aneinander vorbeigeschaut. Das halte ich für fair. Schließlich bin ich nicht als Großinquisitor eingestellt.

    Ja, und den Libanesen mit den 14 Morden - der ist in meinem Büro verhaftet worden und wurde zurückgebracht. Auf Staatskosten. Danach kamen einige Tage seltsame Gestalten zu mir, forderten dessen sofortige Rückkher und stellten mir einen frühen Tod in Aussicht.

    Aber auch sowas hab ich überstanden.
     
  16. McDil

    McDil Gast

    Dieselben Erfahrungen habe ich in der Elternschaft meiner ehemaligen Schule gemacht.

    Wie gesagt: Unser "Türken&Muslimproblem" ist in Wahrheit ein Unterschichtproblem.
     
  17. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    Aber ja doch. Wir steuern eben Einwanderung nicht. Und so kommen Leute zu uns ohne Bildung, mit viel fragwürdiger Tradition, kurzum die Verlierer der dortigen Gesellschaften. Gefragt sind solche Leute z. B. als landwirtschaftliche Helfer im Alten Land, südwestlich vor den Toren Hamburgs.

    Noch ein Wort zu Zwangsehen: In den Jahren waren ca. 5 junge Mädchen bei mir, die zwangsverheiratet werden sollten.

    Nun ist eine kommunale Dienststelle für junge Frauen in der Situation auch nicht die erste Anlaufstelle. Es war eher Zufall, zumindestens beim ersten Mal.

    Ich hatte einen Gynokologen an der Hand, zu dem ich die denn geschickt habe. Der bescheinigte denen V. a. Gebärmutter-TB mit der Begründung, dass man ja einen Verdacht haben könne. Mit dem Ergebnis war die Empfängnisfähigkeit der Frauen in Frage gestellt, so dass es dann nicht mehr zur Zwangsehe kam. (V.a. steht für "Verdacht auf …".

    Ja. Die dort wohnende Unterschicht ist für uns ein riesiges Problem. Diese Leute sind sehr veränderungsresistent.
     
  18. McDil

    McDil Gast

    Ob wir das können? Bei dem ganzen illegalen Schleppernetz sind doch die Leute bei Nacht und Nebel ganz einfach da.

    Freilich habe ich mich schon oft gefragt, wie diese Personen in ihren Heimatländern die recht erheblichen Summen für die Schlepperbanden – in harter Währung – zusammen bringen. Es heißt ja immer, da haben ganze Familien zusammen gelegt. Die sind doch aber auch angeblich alle bettelarm. Und warum gerade der Eine und alle Anderen nicht? Und wozu? Müsste sich doch allmählich rumsprechen, dass Europa da auch inzwischen ein Problem hat.

    @Morgenstern: Ist es denkbar, dass deine "Kunden" von vorne herein eine Negativauswahl dargestellt haben, weil die Anderen womöglich erst gar nicht "aktenkundig" wurden? Die von dir berichteten Fälle sind in ihrer Vielzahl schon beeindruckend. Dass aber nur ca. 10% der Migranten eine "nicht-kriminelle Prognose" haben sollen, das erscheint mir doch sehr krass.
     
  19. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    Sicherlich ist meine Klientel damals überwiegend eine Negativauswahl. Aber so atypisch ist das gar nicht.

    Ich habe immer noch aus alten Zeiten einige wenige Kontakte zu den Ausländerbehörden. Das Klima ist da immer noch sehr angespannt. Das Drohszenario, das die Leute so im Gespräch recht schnell auffahren, ist immer noch da. Und das lässt sich genau da landsmannschaftlich verorten, wie ich es beschrieben habe.

    Noch ein Wort zu den Schlepperbanden. Das ist organsierte Kriminalität, die mit den Geschleppten herzlos umgeht. Ich habe damals Leute untergebracht, die geschleppt worden waren. Die werden irgendwo rausgesetzt, wo der virtuelle Taxameter des Schleppfahrzeuges auf Null steht. Dann stehen die Leute irgendwo örtlich desorientiert, erschöpft, hungrig. Alle insgesamt in keinem guten Zustand.

    Wir haben sie nach einer kurzen Verschnaufpause - so ca. 1 Tag, den wir dann genutzt haben, um die Regularien abzuwickeln - dann an die ZASTEN weitergeleitet.

    Wir werden der illegalen Zuwanderung nur Herr, wenn wir das Problem in der Dritten Welt lösen. Dazu gehört allerdings, dass wir das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Titel und Geist umbenennen.
    Dazu gehört, dass wir Geld in die Hand nehmen, um deren Infrastruktur und nicht deren diktatorischen Regime unterstützen. Dazu gehört, dass wir auch die großen Konzerne an die Kette legen, damit sie nicht weiter da Raubbau in umfassenden Wortsinn dort betreiben.

    Zu Beginn der Neuzeit haben wir mal kurz die Neger geklaut oder klauen lassen (von den Arabern) und diese dann wie Vieh verkauft.
    Als die westliche Welt zunehmend Skrupel bekam (im 18. Jahrhundert erkannten die Pathologen, dass Menschen anderer Hautfarbe innen genau so wie Europäer aussahen) haben wir da nicht mehr die "Negers" eingefangen sondern haben denen mal gezeigt, wie man Gemeinwesen schafft und organisiert. Kolonien entstanden. Deutschland war auch dabei, verlor aber die Kolonien durch die Niederlage des 1. WK., woraufhin diese Kolonien nicht in die Selbstständigkeit entlassen wurden sondern nur die Kolonialherren (und -damen) wechselten.

    Nach Ende des 2 WK hatten die Europäer weltweit ihren Kredit verspielt und die nationalen Befreiungsideen setzten sich durch, so dass Schritt für Schritt die Kolonialmächte sich aus den besetzen Gebieten zurückzogen.

    Dann wiederum kamen unsere Konzerne und haben den Doofen mal kurz die Rohstoffe abgeschwatzt. Konnten sie auch besser, weil die entsprechendes Equipment hatten, um die Bodenschätze schürfen und anbohren zu können. Die Intelligenz in diesen Ländern wurde mit Dollars anästhetisiert.

    Nun gehen die Rohstoffe zu Ende. Jetzt nehmen wir diesen Ländern wieder die Menschen weg. Diesmal aber nicht auf Treibjagdebene sondern schöpfen gezielt deren wissenschaftlich-technische Intelligenz ab, behindern dadurch die Entwicklung der Gesellschaften um hinterher unseren Entwicklungsdienst hinzuschicken, weil die doofen Urwalddeppen das ja sowieso nicht hinkriegen.

    Wenn wir es nicht schaffen, uns mal von der Vorstellung zu befreien, die Dritte Welt als umfassenden Rohstoffspeicher zu sehen, ändert sich gar nichts. Da werden selbst zaghafte Entwicklungspfanzen sofort wieder ausgetrocknet. Im vorletzten FREITAG war ein Bericht über Afrika, dass sich zunehmend im Aufbruch befindet und eine Strukturen und Produkte schafft bzw. herstellt.

    Das wäre so mein Vorschlag, um mal langfristig das Flüchtlingsproblem zu lösen. Und bis dahin …. ?
    Da werden wir mit Ungerechtigkeiten und Mangel leben müssen.
     
  20. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    Ich habe übrigens gerade - bzw. bin ich immer noch dabei - eine Website für eine Frauengruppe aus diesem Kulturkreis zu machen, die eine multilinguale Bibliothek in einer städt. Kita, die in einem entsprechenden Einzugsbegiet liegt, aufbaut.

    Sehr angenehme Leute. Gebildet oder an Bildung interessiert.

    Also mit sowas kann ich immer leben. Nur nicht mit diesem "Lumpenproletariat", das eigentlich auch gar keines ist.

    Übrigens: In der WELT-online ist heute ein Nach-Bericht über Buchkowski. Link
     

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