Christian Klar kommt frei !

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 24. November 2008.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

    Ein paar Reaktionen:

    http://newsticker.welt.de/index.php?channel=pol&module=dpa&id=19635498
    http://www.welt.de/politik/article2774407/Landshut-Pilot-gibt-Bundesverdienstkreuz-zurueck.html

    "- Michael Buback, Sohn des früheren Generalbundesanwalts, Siegfried Buback, will von Klar wissen, welcher RAF-Terrorist seinen Vater ermordet hat. «Er hat sehr wichtige Informationen. Aber ich gehe nicht davon aus, dass wir als Angehörige praktisch noch diese Gnade erwiesen bekommen, dass man uns dies endlich noch sagt.»

    - Sabine Reichel, Tochter des RAF-Opfers Georg Wurster, der Buback 1977 begleitet hatte: «Ich hoffe, dass das Thema Christian Klar damit bald aus der öffentlichen Diskussion verschwindet. Es wäre gut, nichts mehr von ihm zu hören.» Für die Freilassung hat sie kein Verständnis. «Wir leiden weiter und der Täter wird ins Leben entlassen.»

    - Der ehemalige CO-Pilot der 1977 entführten «Landshut»-Maschine Jürgen Vietor will wegen Klars Freilassung sein Bundesverdienstkreuz zurückgeben. «Die Freilassung verhöhnt alle Opfer der RAF, seien sie tot oder noch am Leben», zitiert die «Bild»-Zeitung Vietor.

    - Helmut Kury, Freiburger Kriminologe und Klar-Gutachter: Man könne nicht davon ausgehen, dass ein von Ideologie geprägter RAF-Terrorist seine Taten bereut. «Wenn er zu dem Ergebnis käme, dass das der falsche Weg war, müsste er ja sagen: Ein Großteil meines Leben ging in die falsche Richtung. Und das ist natürlich ein großer Schritt.»

    - Gerhart Baum, früherer FDP-Bundesinnenminister in der «taz»: «Das ist eine völlig korrekte Entscheidung. Das ist die Normalität des Strafvollzugs. Sie muss auch für Terroristen gelten.» Der Anwalt fügte hinzu: «Reue ist kein Kriterium, auch wenn das viele Leute stören wird.»

    - Stefan Mayer, innen- und rechtspolitischer Sprecher der CSU- Landesgruppe im Bundestag forderte eine Entschuldigung von Klar. Heftige Kritik übte er am Chef des Berliner Ensembles, Claus Peymann, der Klar ein Praktikumsangebot gemacht hat: «Völlig unerträglich ist es für mich, dass Claus Peymann es offenbar für schick hält, einem reuelosen Schwerkriminellen unter die Arme zu greifen.»

    - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann: «Die juristische Mathematik, wonach eine fünfmal lebenslange Freiheitsstrafe für Christian Klar nach 26 Jahren abgegolten ist, versteht der Normalbürger nicht.»

    - Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU): «Dass sich ein solch gewissenloser Gewaltverbrecher, der vielen Menschen unermessliches Leid zugefügt und sich bis heute nicht von seinen schweren Straftaten distanziert hat, bald wieder in Freiheit befindet, ist unerträglich - nicht nur für seine Opfer und deren Angehörige, sondern auch für unsere Gesellschaft, die er rücksichtslos bekämpft hat.»

    - Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, akzeptierte die juristische Entscheidung. Er fügte aber hinzu: «Als Polizist, der die Zeit des RAF-Terrorismus miterlebt hat und mitansehen musste, wie Menschen auf brutalste Weise getötet und schwer verletzt wurden, verspüre ich heute tiefe Bitternis.»



    Ich kann die Angehörigen der Toten verstehen.
     
  2. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Was hast du gesagt? Ich versteh’ dich nicht.

    Sprich doch etwas lauter!
     
  3. Jeder hat eine zweite Chance verdient, wirklich jeder? Aber es soll wohl so sein.
     
  4. Holloid

    Holloid New Member

    Das nennt man Rechtsstaat...da sind wir doch so stolz drauf, oder etwa nicht?
     
  5. Leider haben Opfer oftmals keine zweite Chance. Das nennt man dann wohl Restrisiko oder einfach nur Pech gehabt.
     
  6. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Das Beste am Rechtsstaat ist doch wohl das die Meinung der Opfer/Hinterbliebenenen für die Rechtssprechung völlig irrelevant ist, schließlich wäre diese keineswegs verlässlich, so wollen die einen am liebsten Scheiterhaufen brennen sehen während ein paar andere großmütig verzeihen würden... Nicht gerade ein "rechtssicherer" Zustand, oder?

    Beim Fall Klar gibt es doch mehrere Aspekte zu bedenken: Immerhin wurde der Mann wegen Mordes verurteilt obwohl ihm in den meisten Fällen der Mord nicht nachgewiesen wurde, es wurden damals einfach alle Beteiligten gleichermaßen verurteilt – obwohl damit klar ist das man mehre Personen des Mordes bezichtigt die logischerweise "nur" Beihilfe geleistet haben können. – eigentlich ein Unding, und Ausdruckd er unsäglichen und völlig irrationalen Panik die der gesamte Staat vor diesen paar verblendeten Irren gehabt hatte.

    Ehrlich gesagt ist es mir wurscht ob Klar nun im Gefängnis sitzt oder nicht, solange man sich darauf verlassen kann das er keine Wiederholungstaten begeht. Unerträglich finde ich hingegen das Klar nun höchstwahrscheinlich gar nicht wenig Geld verdienen wird weil er in den Medien über seine Verbrechen sprechen wird.
    Ich bin gespannt ob die Öffentlich-rechtlichen Sender dem starrköpfig-nicht-reuigem Mörder die Rente finanzieren werden und ihn bei Beckmann oder gar Kerner auflaufen lassen...
     
  7. turnt

    turnt New Member

    Recht ist nun mal Recht! Ungerecht ist es trotzdem!
     
  8. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Freilich das mit dem "verlassen" ist so eine Sache... Ich meinte damit eher das ich mich in dieser Hinsicht gerne auf das Urteil der Zuständigen Behörden verlasse, so wie ich mich auch auf das Urteil des Gerichts verlasse –*Wenn die Richter der Meinung sind der Bestrafung wäre genüge getan dann kann ich damit leben.

    Immerhin sind 26 Jahre Knast kein Pappenstiel, und darüber hinaus muss Klar nun mit dem kärglichen Rest seines fehlgeleiteten Lebens zurechtkommen.
    Schade fände ich aber wenn die Gesellschaft ihm durch Sensationslust und Neugierde dazu verhilft diesen Lebensrest finanziell völlig sorglos zubringen zu können. Immerhin wären seine Verbrechen die Grundlage etwaiger Einnahmen –*ein später Lohn für Mord und Totschlag – das wäre pervers!
     
  9. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Gerechtigkeit ist ein höchst subjektiver Wert – ein Traumbild das sich jeder nach den eigenen Wünschen ausgestaltet.
    Es kann keine allgemeingültige Gerechtigkeit geben da jeder etwas anderes darunter versteht. Im Fall Klar geht die Einschätzung, was denn "gerecht" wäre, sicher von "Lebendig Häuten" bis zum Bundesverdienstkreuz, je nachdem wen du fragst...
     
  10. Holloid

    Holloid New Member

    Nein, das ist nicht Ungerecht...Er ist rechtsstaatlich verurteilt worden, und hat jetzt seine Strafe verbüßt.
    Man kann bezweifeln ob die Strafe die die Bundesrepublik für solche taten vorsieht zu Milde ist, aber er ist nun mal nach diesem "Recht" verurteilt worden. Nur weil die Konservativen aus Bayern und sonst so wo wieder ganz Laut schreien, sind sie es die das Recht brechen wollen.
     
  11. edwin

    edwin New Member

    Da man heute weiß, dass die Medienwelt dies gerne ausschlachtet, könnte doch ein Gesetz in Existenz kommen, welches vorsieht, dass solche Einnahmen generell den Opfern zugeführt werden muss (oder den dazu passenden Hilfsorganisationen).
    Aber auch irgendwie makaber.

    Aber stimmt schon. Wenn wir in einem Rechtsstaat leben (wollen) und ein Gericht zu einem Urteil kam (in einem Rechtsstaat) und diese Strafe abgegolten ist, dann sollte der Sache genüge getan sein. Dass die Opfer davon nichts haben, ist leider traurige Realität.

    Dass man ein System ändern möchte, weil es einem nicht passt, ist in Ordnung. Das man dies mit Hilfe von Texten, Reden und andere "Aufklärungsmethoden" (z.B. Doku-Filme) gestalten möchte, gehört dazu. Aber ich persönlich finde es nicht in Ordnung, dass dazu Morde begangen wurden.
     
  12. turnt

    turnt New Member

    Genau das hab ich doch geschrieben - oder? :confused: Recht ist nunmal Recht! Trotzdem "empfinde" ich es als "ungerecht" - das solche Leute wieder auf freien Fuss kommen!
     
  13. Holloid

    Holloid New Member

    das finde ich ganz passend...
    http://ad-sinistram.blogspot.com/2008/11/bei-klar-sehen-die-medien-nicht.html

    hier noch was ...

    - Georg Schramm alias Rentner Lothar Dombrowski, „Neues aus der Anstalt“ am 20. März 2007 -

    "Weil wir gerade bei diesen Terroristen waren, fällt mir noch was ein. Und zwar zu diesem Gnadengesuch von Christian Klar, diesem Ex-RAF-Terroristen. Wobei, ich sags ganz offen, der interessiert mich als Mensch überhaupt nicht. Was mich interessiert ist unser Rechtsstaat. Wir müssen ihn ja beschützen, der wird ja angegriffen von allen Seiten. Und da hat mir ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung sehr geholfen: Das dumme Gewäsch unserer selbsternannten Einserjuristen, vom Schlage Stoiber, Söder, Westerwelle, ist von keiner Sachkenntnis getrübt. Es ist grober Unfug, juristisch betrachtet, dass Christian Klar sich die Gnade verdienen muß. Das muß er eben nicht! Und warum nicht? Weil es das Wesen der Gnade ist, dass sie unverdient ist. Verstehen Sie? Gnade ist unverdient! Unverdiente Gunst. Herablassendes Wohlwollen der Obrigkeit. So ist Gnade im Brockhaus definiert. Es ist ein Instrument der Macht. Bei Immanuel Kant zum Beispiel: Er fand Gnade ist die schlüpfrigste unter den Rechten des Souveräns, quasi die hübsche Schwester der hässlichen Willkür. Und so wie die Gnade ein Akt der Macht ist, ist die Bitte um Gnade der Akt der Unterwerfung. So betrachtet, ist das Gnadengesuch von Christian Klar, eine Unterwerfungsgeste. Eine tiefe Unterwerfung, unter den staatlichen Herrschaftsanspruch. Tiefer kann ein Christian Klar überhaupt nicht sinken, als von einem Bundespräsidenten Köhler, Gnade zu erlangen. Horst Köhler, als Sparkassendirektor in den Augen von Klar ein Büttel des Kapitals, ins Amt geraten durch niedere parteipolitische Ranküne in der Einbauküche von Guido Westerwelle – und von einem solchen Mann Gnade zu erfahren, von diesem Kniefall, würde sich der Klar nie wieder erholen. Mit ein wenig Hirn, mit weniger Schaum vorm Mund und ohne ideologischem Brett vorm Hirn, müßte man doch diesen Triumph des Staates erkennen können."
     
  14. edwin

    edwin New Member

    Ein interessanter Gedankengang von diesem "Rentner".

    Ein Rechtsstaat, der aufgrund von Empfindungen einfach mal Gesetze verändert, nur damit der Stammtisch zufrieden ist, ist kein Rechtsstaat mehr. Ein Rechtsstaat, der in sich konsequent bleibt und seine Regeln lebt, bleibt ein Rechtsstaat.

    Warum es wichtig ist, dass ein Rechtsstaat bei seinen Regeln bleibt und sich nicht von Terroristen regieren lassen sollte, hat Heribert Prantl in Der Terrorist als Gesetzgeber sehr gut beschrieben.
    Interpretierte Kurzfassung daraus: Ändert der Staat seine Gesetze aufgrund von Terroristen, hat der Terrorist gewonnen.
     
  15. batrat

    batrat Wolpertinger


    Ein sehr guter Vortrag von Schramm. :nicken:

    Über den oben zitierten Satz könnte man allerdings diskutieren.

    Man könnte es ja auch so sehen: Der Anwalt von Christian Klar sagt zu seinem Mandanten : "Jetzt ist das ganze lang genug her. Ein Gnadengesuch kostet nix und vielleicht hast du Glück und wirst begnadigt. Du kannst nix verlieren dabei. Was ist das bisschen Stolz gegen 18 Monate vorzeitige Freiheit."
    :D :augenring
     

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