das geht noch tiefer!

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von akiem, 29. April 2004.

  1. akiem

    akiem New Member

    die bundesregierung hat ja diese woche 670 berufe mit einem stundenlohn unter 6 euro veröffentlicht. ich bin aber überzeugt, das geht nach dem beitritt der neuen eu mitgliedsstaaten noch wesentlich tiefer:cool:. ich denke mal ein stundenschnitt von 2 euro in diversen berufen, oder bei den hilfsarbeitern ist problemlos zu schaffen.

    beispiel aus der liste:

    angestellter gartenbau 2.74 euro - sachsen
    frisör 3.18 euro - thüringen
    gebäudereiniger 3.89 - sachsen
    kosmetikerin 4.22 - berlin
    angestellter bekleidungsindustrie 3.99 - berlin west
    usw.

    der höchstlohn in der liste war verkäufer im gartenbau 5.80 euro - saarland (sogar mc donalds zahlt einer hilfskraft an der kasse 35 cent mehr). der rest der republik schiebt millionen unentgeldlicher arbeitstunden, solange sie nicht zum beamtenmoloch gehören. hinweise und akzeptanz von kostenlosen arbeitstunden sind bei einem einstellungsgespräch fast schon standart.

    das sind längst verhältnisse wie in den usa entlang der mexikanischen grenze. trotzdem sind wir das erbärmliche schlusslicht in europa und werden wahrscheinlich zum 4. mal die eu kriterien verfehlen.
     
  2. turik

    turik New Member

    Ist das ein Witz?
    Bei solchen Löhnen müsste die deutsche Wirtschaft doch florieren!

    Wenn ich daran denke, was wir hier in der Schweiz für Löhne zahlen müssen...

    Und langsam müssen sich unsere verbohrten Hinterwäldler-Patrioten darauf einstellen, dass wir mitten in der EU vermutlich schon dazu gehören werden. Schneller als denen lieb ist. Die Stimmung kippt bereits, nach den schärferen D-Grenzkontrollen und neuen Handelshemmnissen.
    (Die EU-Mitgliedschaft wird die Schweiz netto 3000 Millionen Franken = ca. 2 Milliarden Euro jährlich kosten. Schon noch heavy.)
    Und der Herr Eichel will ans Deutsche Geld in der Schweiz. Dort ist der Grund allerdings nicht im besseren Schweizer Steuersystem, sondern im schlechteren Deutschen.
    (Unser "Bankkundengeheimnis", das er knacken möchte, ist allerdings entgegen der Meinung nicht diskreter als das Oesterreicher!)

    Und dann krachen bei uns die Preise:
    Mehrwertseuer hier derzeit: 7,6 %, neu... Wieviel habt ihr denn schon wieder?
    Unsere sündhaft höheren Lebenshaltungskosten (Wohnen, Essen, Medizin...) werden dann auf das EU-Niveau angeglichen, und dass wird Blut und Tränen geben.
     
  3. Krikri

    Krikri New Member

    Scheiss EU!
     
  4. p.i.t.

    p.i.t. Ural-Silber

    Ich versteh deinen gedankengang nicht ganz. die hinterwäldler werden sich eben gerade WEGEN solchen grenzkontrollen und druckversuchen nicht umstimmen lassen – im gegenteil. es bestätigt sie nur in ihrer ansicht, dass "die in brüssel" sowieso nur machen was sie wollen. selbstbestimmungsrecht und unabhängigkeit ade. wo genau machst du einen stimmungswandel aus?
    (im übrigen: ich bin mit dir völlig einig, dass wir früher oder später den schritt nach aussen machen müssen! lieber freiwillig als unter druck!)

    gruss pit
     
  5. Pristaff

    Pristaff Gast

    Ich suche schon seit mindst. 1 Monat eine Fachkraft (diverse Anzeigen etc. sind geschaltet) für unsere kleine Firma/ Werkstatt. Der Stundenlohn ist weit höher als die oben aufgeführten. Bisher hat sich noch nicht eine(r) vorgestellt.

    Raumausstatter(in)/ Polsterer(in) will anscheinend keiner mehr sein.

    Vielleicht bleibt mir nichts anderes übrig, als einen Ost-EU-Europäer einzustellen?!
     
  6. p.i.t.

    p.i.t. Ural-Silber

    nachtrag:
    um ehrlich zu sein, ich weiss bald auch nicht mehr, was nun besser ist, in der eu oder ausserhalb.
    es ist klar, dass dieser aussenseiterstatus auf die dauer nicht wirklich von vorteil sein kann. sieht man ja schon an unzähligen beispielen. firmen die abwandern, weil der "standort schweiz" unattraktiv, da zu teuer und nicht mehr konkurrenzfähig geworden ist. oder das gemetzel um die anflüge auf zürich kloten... oder die mühsamen verhandlungen um alpentransit, schwerverkehrsabgaben etc. nur weil die schweizer meinen, was besonderes sein zu müssen. dabei könnt man grad bei solchen verhandlungen vermutlich die besseren konditionen aushandeln, wenn man mitglied im verein wäre...

    andererseits, wenn man eben sieht, was grad in deutschland/eu so abgeht: die preise werden in deutschland derzeit eher den schweizer verhältnissen angepasst als umgekehrt. seit der euro-einführung zahlt man für gewisse dinge fast gleich viel wie bei uns, zumindest in grösseren städten. home-elektronik-geräte sind in der schweiz sogar billiger... und dann eben diese löhne...
    ist echt schwierig. wüsste nicht wie ich mich bei einer abstimmung grad entscheiden würde.
     
  7. MacDragon

    MacDragon New Member

    Bei solchen Löhnen kann die Wirtschaft nicht florieren, denn erstens geht alles für die Solzialversicherungen drauf. Dann Lebenshaltungskosten und für den Konsum ist dann nille übrig.

    Ohne verfügbares Gehalt kein Konsum. Keine Nachfrage, kein Anziehen der Wirtschaft. Die Jobs sind schliesslich nicht im Export.

    Und die Firma die durch die niedrigen Löhne vielleicht was verdient ist auch durch Steuern belastet (zu Recht)...Und hat auch Sozialabgaben

    Und der Eigentümer geht lieber woanders einkaufen wo die Läden nicht um acht Uhr zumachen.

    Die Einkommen sind halt mit zuviel staatlichen Kram vorbelastet (und ob wir Jungen die Leistung jemals erhalten sei dahingestellt), wie soll da jemand Geld ausgeben wollen?

    Und jetzt kommt noch private Vorsorge hinzu: Berufsunfähigkeit, Rentenversich. etc.

    Da bleibt nicht viel. und die Preise steigen ja auch....
     
  8. createch2

    createch2 New Member

    Is ja auch total uncool nicht am schreibtisch zu sitzen! Wie will man da dem MW Forum fröhnen? :cool:
     
  9. akiem

    akiem New Member

    die deutsche regierung verhindert nicht umsonst strikt die volksbefragung zur eu (imgegensatz zu fast allen anderen eu-staaten). diese volksbefragung würde eine beteiligung von bestimmt 60-65 % bringen. im gegensatz zu den europawahlen, die mittlerweile "kein" mensch mehr interessiert.

    obwohl die schweizer regierung sich in europafragen zurückhalten sollte. die zyperngriechen als betonköpfe zu bezeichnen steht den schweizern nicht zu. zypern ist zwar geografisch eine insel, aber die schweiz ist europaweit eine insel und entfernt sich durch ihre lächerliche neutralität immer mehr von europa. das wird sich noch rächen. die zyperngriechen haben im gegensatz zu den zyperntürken richtig abgestimmt. aber woher soll auch die schweizer regierung das wissen.:cool:
     
  10. createch2

    createch2 New Member

    ja und zwar nach oben, während das restliche Europa den Bach runter geht.
    Wenn ich nur das Wort Tagegeld höre wird mir schon schlecht.
     
  11. p.i.t.

    p.i.t. Ural-Silber

    naja, wie sooft, ist es zu einfach, die "schweizer regierung" pauschal zu verurteilen. ich weiss zwar nicht wer diese aussage mit den "betonköpfen" gemacht hat, aber das war sicher nicht der gesamtbundesrat (der aus 7 köpfen besteht, und die wiederum weiss gott nicht immer gleicher meinung sind!). im endeffekt tragen solche bemerkungen wie dein abschlusssatz nicht viel zur diskussion bei...

    "lächerliche neutralität"? hm. immerhin hatten wir keine kriege hier, seit ein paar jahrzehnten nicht mehr... die meisten umliegenden staaten haben immer noch soldaten im irak stationiert. ich bin froh muss ich nicht dorthin!
     
  12. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Lassen wir mal den Irak weg und nehmen das ehem. Jugoslawien - da ist es doch für die Schweizer im allgemeinen und p.i.t. im besonderen ganz "vorteilhaft", wenn andere den Arsch hinhalten, damit es auch den Schweizern gut geht.

    Oder denke ich da jetzt falsch? :cool:
     
  13. akiem

    akiem New Member

    naja du erwartest wohl keine antwort auf deine aussagen.

    doch ganz kurz: träum weiter in deiner glücksseligen neutralität die natürlich nur gilt wenn es an die eigene substanz gehen sollte.
    oder wenn es um den einsatz für krisenregionen wie jetzt wieder im sudan geht, wo gerade aktuell ein volk abgeschlachtet wird.

    die neutralität gilt natürlich nicht bei der hilfe zur steuerhinterziehung, beim verbunkern von terroristengeldern oder von kriminellen vereinigungen.

    widerum gilt sie aber bei einer beschämenten ausländer/flüchtlingspolitik, bei saisonarbeitern die gehalten werden wie mitteralterliche sklaven.
    bei flugterror im grenznahen gebiet...

    ihr bekommt aber irgendwann die rechnung. die ersten auswirkungen eurer
    selbstgefälligen "neutralität sind ja schon da.
     
  14. p.i.t.

    p.i.t. Ural-Silber

    die schweiz und insbesondere das schweizerische rote kreuz hat sich dort mit einem grossen kontingent an hilfskräften und -gütern beteiligt. und es sind massenhaft flüchtlinge hier aufgenommen worden. soviel zum thema "uns gehts ja so gut".
    es ist nicht so dass wir uns einfach überall nur raushalten. aber wir brauchen nicht überall mitzuballern.

    sowas find ich dann aber einfach nur blöd!
    :keinecoolefresse:
     
  15. Macci

    Macci ausgewandert.


    Uiuiuii, wofür der p.i.t. so alles verantwortlich ist *staun*

    Ist hier noch jemand, der die Welt retten will???
    :D
     
  16. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Jetzt sei' mal nicht gleich eingeschnappt. Wer hat denn gesagt "ich bin froh muss ich nicht dorthin!"??

    Ich will dir ja dein Frohsein nicht madig machen, mir ging es allein darum, dass nicht zuletzt auch du von den Soldaten profitierst, die dort den Deckel auf dem Topf halten.

    :friedensfresse:
     
  17. akiem

    akiem New Member

    rede doch nicht so einen blödsinn. schaue dir die flüchtlingsquoten der einzelnen europäischen länder im und nach dem jugoslavienkrieg an. deutschland hat den grossteil der flüchtlinge aufgenommen, dann frankreich. hauptsächlich waren es die nationen, die auch die höchsten finanziellen kriegslasten aufbringen mussten, welche die meisten flüchtlinge aufgenommen haben.

    die kosten der deutschen steuerzahler für den afghanistaneinsatz ist neben dem der usa der höchste. alles nur damit du hinter deinem neutralen ofen sicher und ruhig schlafen kannst. die schweizer flagge hat zwar ein weisses kreuz, aber eure neutrale weisse weste hat seit dem 2. weltkrieg und danach in den folgenden jahren gewaltige flecken bekommen. da sind mittlerweile höchstens noch 10 % reinweiss übrig.
     
  18. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Die Schweden werden`s schon richten. Allerdings verwechseln sie das mit dem Retten noch ein bisschen. Besonders ihr Anführer ... :cool:
     
  19. p.i.t.

    p.i.t. Ural-Silber

    wenn du mein zweites posting in diesem thread (vielleicht) nochmal liest, dann wirst du (vielleicht) sehen, dass ich in ein paar dingen sogar gleicher meinung bin wie du. nicht alles ist so toll hier. aber wie alles auf der welt: es hat immer 2 seiten. eu-mitglied zu sein hat vor-, aber auch nachteile. neutralität kann in gewissen situation sehr nützlich sein. in anderen ist sie extrem hinderlich.
    tja, was tun?

    ich mag nicht so gern diese schwarzweiss-pauschal-rundumschläge, wie du sie grad anbietest. die thematik ist zu komplex dazu. und wie ich oben ja schreibe: ich weiss ja auch nicht was die beste lösung ist. die gibts auch gar nicht.

    fakt ist: in deinem ausgangsposting stellst du die aktuelle situation im eu-deutschland in einem ziemlich miesen licht dar. aber genauso wie diese negativen seiten gibts auch (so hoff ich doch) ganz viel tolles, sonst wärst du doch schon längst ausgewandert.
    nur das will ich aufzeigen: hier ist es genau so. wir haben (im moment zumindest) keine eu-mitgliedschaft. das hat vor-, aber auch nachteile. das ist die realität und hat nichts träumen zu tun.
     
  20. starwatcher

    starwatcher New Member

    immer schön locker bleiben...

    seitdem die österreicher mal versucht haben, einen teil der schweiz einzunehmen und durch den ruetli schwur das ganze in die hose ging, hat sich die schweiz immer fein von allem ferngehalten und sich seine unabhängigkeit bewahrt. Ich wünsche mir, das hätte der seinerzeitige "deutsche" territorialflächenstaat auch geschafft; und wie wir wissen, hat das nicht mal im ansatz im kleinen funktioniert.
    Es gibt kein einziges land in ganz europa welches eine so unsäglich klägliche vereinigungshistorie hat wie deutschland.
    Man darf so etwas abseits der tagesthemata auch mal durch eine langjährige, historische brille sehen.
    Der ganze europavereinigungskrampf wird noch jahrzehnte dauern und ich wage ernsthaft zu bezweifeln das jemals der zeitpunkt kommt, wo alle was davon haben.
    Engagements militärischer art, egal wo, sind eine momentane modeerscheinung. Wenn die USA durch präsidentenwechsel eine weniger aggressive aussenpolitik fahren würden, würde sich das restliche engagement schnell wieder ändern. Da laufen alle nur der supermacht hinterher.
    Die niedriglöhne sind eine logische konsequenz der europauneinheitlichkeit.
    Solange legitim ein staat mit billigsteuern produzenten lockt, können wir hier schreien, solange wir wollen. unsere problem sind hausgemacht und fingerpointing auf nachbarn, egal wem, bringen nix.
    lediglich meine kleine bescheidene meinung...
     

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