Der neueste Reißer...Bild-Mac-welt!?

Dieses Thema im Forum "Macwelt" wurde erstellt von Kate, 3. Dezember 2003.

  1. Kate

    Kate New Member

    In unserer geachteten, periodische Druckschrift Macwelt, bzw. in dem Teil der dazugehörigen Webseiten, der für die Elite der Premium Abonnenten gedacht ist, steht gerade folgendes:

    "Allgemeine Panik über Sicherheitslücken
    Noch immer hat Apple kein Update zu dem in der vergangenen Woche entdeckten DHCP-Sicherheitsloch bereit gestellt. Lässt Apple die Anwender hängen, setzt sie einem undefinierbaren Risiko aus?"

    Wer schreibt sowas?

    Kann man solche Sachen nicht mit einem Autorenkürzel versehen, das auf den Namen, Anschrift und das Reifezeugnis des Menschen verweist, der dafür verantwortlich ist? Damit man den zuhause aufsuchen kann um ihm das Grundschulzeugnis zu entziehen? Oder zumindest die Redaktion mit unflätigen E-Mails bewerfen kann?

    Bei oberflächlicher Zählung komme ich auf fünf Lügen/Falschdarstellungen in diesem Reißertitel.

    Das einzige Körnchen Wahrheit ist, dass es eine Sicherheitslücke gibt. Der Rest ist "Exklusiv für Premium-Kunden", denen man anscheinend sehr wenig zutraut ausser allgemeiner Panik.
     
  2. Macci

    Macci ausgewandert.

    Bloß gut, dass ich kein Premium bin :D
     
  3. Usires

    Usires New Member

    @Kate:

    Ich schreibe sowas.

    Und jetzt zähle mir bitte die fünf Lügen auf.
    Und Hände weg von meinem Grundschulzeugnis.

    Danke.

    Usires
     
  4. Kate

    Kate New Member

    Lüge 1+2:Allgemeine Panik

    Es gibt keine Panik, schon gar keine allgemeine.
    Auf CNN kommt nichts, die Strasse hier ist fast leer, in diesem und anderen Foren wurde diese Sicherheitslücke erwähnt ohne, dass es seitenweise panische Kommentare gab. Dies ist exakt verstanden eine Doppellüge. Der Begriff Panik trifft nicht zu. Das Adjektiv "allgemein"in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht. Noch nicht mal in Bagdad gibt es das zur Zeit. Der Satz ist nicht nur eine Lüge, sondern auch dumm, wegen des ganz offensichtlichen Mangels an "allgemeiner Panik".

    Lüge 3:
    über Sicherheitslücken

    Hier wird aus EINER Lücke, auf die Bezug genommen wird (DHCP), per Plural eine undefinierte Menge an mehreren Risiken gemacht. Es wird fälschlicherweise der Eindruck erweckt, dass es gleich eine Unzahl an neuen, (un)bekannten Sicherheitslücken gibt. Die Fakten werden unzulässig verwischt, und zwar durch eine wahrscheinlich absichtliche, sprachliche "Pluralisierung" der Aussage, wie das in den Medien gerne gemacht wird. Man nennt das auch "Aufbauschen". Peinlich.

    Lüge 4:
    Noch immer hat Apple kein Update zu dem in der vergangenen Woche entdeckten DHCP-Sicherheitsloch bereit gestellt.

    Das Sicherheitsloch ist nicht vor einer Woche entdeckt worden, sondern vor einem Monat.
    Tatsächlich hat Apple kein Update zum Schliessen der Lücke herausgebracht, aber seit Tagen eine Veröffentlichung online, in der der Fehler beschrieben wird, und wie man sich auch ohne Update dagen schützen kann. Der Satz legt dem Leser die Vermutung nahe, dass nur ein Update für Sicherheit sorgen kann und dass Apple die Existenz des Fehlers ignoriert. Beides trifft nicht zu. Ich werte das nicht als Lüge, aber sehr wohl als implizite Falschaussage, auch wenn dies vor Gericht keinen Bestand haben dürfte.


    Lüge 5:
    Lässt Apple die Anwender hängen, setzt sie einem undefinierbaren Risiko aus?

    Dies ist zwar als rhetorische Frage formuliert, impliziert aber zwei Unterstellungen, nämlich, dass das Problem von Apple ignoriert wird, und dass das Risiko "undefinierbar" ist. Zu ersterer Unterstellung siehe weiter oben. Zu zweiterer muss man versuchen zu verstehen, was in diesem Zusammenhang das Wort "undefinierbar" bedeuten soll. Da die Sicherheitslücke durch ganz spezielle, wohldefinierte Parameter und eine exakt beschriebene Lücke der Protokolle entsteht, kann von "undefinierbar" nicht die Rede sein. Das betreffende Risiko ist ebenfalls nicht undefinierbar, denn es betrifft den Datenschutz, möglichen Datenverlust, und alle daraus resultierenden Gefahren auch finanzieller Art.
    Dies ist , zugegeben, keine formale Lüge, jedoch der Art des erweckten Eindruckes nach eine rhetorische Frage auf der Basis seriöser, wahrscheinlicher, impliziter Annahmen. Dies trifft jedoch nicht zu. Die impliziten Annahmen sind nicht korrekt.

    Jeder Journalist muss/soll überspitzen/übertreiben und zum Zweck der Kritik jede Menge Unterstellungen aufstellen und prüfen. Klar.

    Die Grenze zum Blödsinn ist aber in dem zitierten Absatz für meinen Geschmack überschritten. Aber über Geschmack kann man nicht streiten.

    Ich hätte mir halt gewünscht, dass zumindest die Fakten trotz reißerischer Verpackung halbwegs stimmen. Möglicherweise werden ja die Fakten entgegen des Eindruckes der "Anmoderation" weiter im Text beschrieben und erläutert. Nur warum dann einen so schwachen Aufmacher? Soll das eine selbsterfüllende Prophezeiung sein, soll die "allgemeine Panik" erst ausgelöst werden, damit der Text im nachhinein stimmt? Wohl kaum, so groß ist die Auflage wohl auch nicht....
     
  5. Usires

    Usires New Member

    Kann es sein, dass du gerade aus einer Mücke einen fetten Elefanten machst?

    1. Vorspänne sind dazu da, um Leser in einen Text zu ziehen. In diesem Fall scheint das ja zu klappen, sonst würdest du diesen Vorspann nicht mit 10.000 Zeichen auseinandernehmen.

    2. Im Text werden alle von dir als Kritik geäußerten Punkte aufgelöst. Vielleicht solltest du den Text auch mal lesen, bevor du hier die dicke Draufhau-Keule auspackst.

    3. Die "allgemeine Panik" im Vorspann bezog sich auf die bestürzten Reaktionen verschiedener Medien und Fachleute, als Mr. Carrel das DHCP-Sicherheitsloch (und es ist eins, Fakt, keine "Lüge") bekannt gab. Da gab es solche Kommentare wie: "Apple bekommt die einfachsten Dinge nicht gebacken". Oder: "Supermegaloch in Panther, gleich werden alle Macs gehackt." Der Vorspann ist eine Anspielung auf diese Reaktionen, die ich durchaus in der Gesamtheit als "panisch" und "überzogen" definieren würde.

    4. Undefinierbares Risiko: Carrel beschreibt auf seiner Homepage, wie man das Sicherheitsloch ausnutzen kann, um sich auf einem Mac mit gefälschtem DHCP-LDAP-Server einloggen kann. Schön und gut, aber wer kann einem verunsicherten Anwender sagen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass jemand genauf auf diese Art und Weise in seinen Mac einbricht? Na? Genau, sowas halte ich für "undefinierbar" - keiner kann sagen, wie groß das Risiko ist, dass aus dem Sicherheitsloch entsteht.

    5. Reaktion von Apple: Ist eigentlich ein Witz. Für dieses DHCP-LDAP-Problem muss ein Patch her, und zwar schnell. Es muss einen Mechanismus geben, mit denen die Verzeichnisdienste die Authenzitität eines DHCP-LDAP/Netinfo-Servers verifizieren können. Einfach nur lapidar: "Schalten Sie's einfach aus!" ist ein schlechter Scherz. Wenn Microsoft sowas machen würde, gäbe es Unmengen von Häme und Bashing, auch hier in unserem Forum.
     
  6. Macci

    Macci ausgewandert.

    ...überholen ohne einzuholen...

    naaaaa, von wem war das ?

    :wink:
     
  7. chi

    chi New Member

    "Jeder Journalist muss/soll überspitzen/übertreiben und zum Zweck der Kritik jede Menge Unterstellungen aufstellen und prüfen. Klar"

    Einspruch, aber ganz entschieden. Journalisten müssen die Fähigkeit haben, Sachverhalte in allgemein verständlicher Form auf den Punkt zu bringen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Journalisten, die übertreiben oder gar unterstellen, sollten den Beruf wechseln.

    Die inkriminierte Textstelle spiegelt den heute leider weit verbreitetem Hang zum Superlativ wieder. Auch nicht mein Geschmack. Lüge ist es dadurch aber noch lange nicht.
    Immerhin hat der Autor ein Ziel erreicht: Aufmerksamkeit.
     
  8. Kate

    Kate New Member

    Nein. Der Satz "allgemeine Panik" stammte nicht von mir.

    Abgesehen davon: Gute Antwort auf meine Provokation! Geht doch ! Warum nicht gleich so?
    Na? Du hast ja auch durchaus Recht. Ich stimme dir ja sogar zu!

    Hiermit "offiziell" : Gebe das Grundschulzeugnis zurück. :D
     

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