Die Bahn -- Das rolldende Kasperletheater

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Manitou, 6. Dezember 2004.

  1. Manitou

    Manitou New Member

    Ihr Kasperletheater


    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Am 27-09-04 flog ich morgens von London nach Koeln-Bonn. Ausgestattet mit Euro-Scheinen, die ich in Grossbritannien bei meiner Bank erstanden habe, wollte ich gegen 18.30 Uhr am selben Tag an der Haltestelle Sechtem einen Fahrschein fuer den naechsten Zug nach Koeln Hbf erwerben.

    Auf dem Geraet sind unter anderem 100 DM-Scheine aufgedruckt, um anzudeuten, dass dieser Automat Scheine in dieser Groesse annimmt. Sie koennen sich gleich mal notieren, dass Sie es bisher versaeumt haben, die Aufdrucke dieses Automaten auf EUR umzustellen, um dies dann zuegig nachzuholen.

    Zur Bezahlung meines Fahrscheines hielt ich zwei 50 EUR-Scheine bereit. Leider nahm der Automat keinen meiner beiden 50 EUR-Scheine an, auch nach mehrmaligem Probieren und Wenden der Scheine nicht. Dass es ueberhaupt notwenig ist, bei Ihren Automaten die Geldscheine zu wenden und zu wechseln, um Bezahlungsversuche unternehmen zu duerfen, ist eine Zumutung. Die Bahn kennt keine Gnade im Verschwenden der Zeit ihrer Kuden – wenigstens in diesem Punkt ist die Bahn zuverlaessig.

    Nach mehreren erfolglosen Zahlungsversuchen stieg ich also ohne Fahrschein in den naechsten Zug nach Koeln ein. Direkt nach meinem Einstieg ging ich auf die Suche nach einem Schaffner. Ich wurde schliesslich fuendig bei einem Herrn von Ihrem „Sicherheitsdienst“. Diesen sprach ich auf das Problem an und fragte ihn, ob ich bei ihm denn jetzt endlich einen Fahrschein kaufen koenne.

    Ihr hochbegabter Kollege warf aus dem Zug einen Blick auf den Automaten und gab vor, per Ferndiagnose festgestellt zu haben, wie dort erfolgreich Fahrscheine geloest wuerden. Nach seiner vermeintlich erfolgreichen Detektivarbeit bezichtigte er mich der Luege und behauptete, der Automat sei voll funktionsfaehig.

    Sie werden sich vorstellen koennen, dass es unmoeglich war, Ihren stolzen Meisterdetektiv davon zu ueberzeugen, dass meine beiden Geldscheine eben nicht von dem Automaten angenommen wurden. Moeglicherweise bezahlten ja die Kuden, die er gerade beobachtet hatte, passend oder mit kleineren Scheinen.

    Ich will Ihren Kollegen keinesfalls persoenlich angreifen. Ich bin sicher, er tat nur was man ihm zuvor bei der Bahn als seine Pflicht erlaeutert hatte: Die Kunden wie Kriminelle zu behandeln. Ich kann Ihre Logik nachvollziehen: Wo Arbeitsplaetzte vom Staat subventioniert werden, stoeren Kunden nur.


    Das gesamte Abteil, in dem dieses Schauspiel stattfand, erregte sich mittlerweile ueber die unfreundliche Art und Weise, mit der Ihr Meisterdetektiv mich behandelte. Ich kann Ihrer Personalabteilung nur Komplimente machen: Im Vergraulen weiterer stoerender Kunden hat Ihr Meisterdetektiv ganze Arbeit geleistet.

    Lange Rede kurzer Sinn: Ihr Meisterdetektiv behandelte mich wie einen Schwarzfahrer und stellte eine Zahlungsaufforderung ueber EUR 34,90 aus.

    Sie werden sicher verstehen, dass ich keinesfalls fuer die Unfaehigkeit der Bahn aufkommen werde, ihre Automaten entsprechend zu warten. Zusaetzlich werde ich auch nicht den Eintrittspreis von EUR 34,90 zum Kasperletheater RE6 nach Koeln Hbf bezahlen, welches ich mir gar nicht ansehen wollte.

    Ich bin es satt, meine Zeit nicht nur mit dem Warten auf das rollende Kasperletheater „Die Bahn“ sondern auch noch mit Briefwechseln zwischen dessen Intendanten und mir verschwenden zu muessen.

    Daher wollen Sie bitte allen weiteren Schriftverkehr in dieser Sache mit meinem Rechtsbeistand abwickeln, den ich aufgrund meiner exzellenten Rechtschutzversicherung sehr gerne bemuehen werde.

    Zusaetzlich weise ich darauf hin, dass ich Ihnen bei Ihrem Anliegen, stoerende Kunden zu vergraulen, sehr gerne behilflich sein werde, falls Sie es nicht sofort unterlassen, mich in dieser Weise zu belaestigen: Eine ueberregionale Zeitung wird sich sehr gerne fuer mich als "Kritiker des rollenden Kasperletheaters" interessieren.

    Ich erwarte – sowohl von der Bahn als auch von Ihrem Meisterdetektiv – eine schriftliche Entschuldigung. Darueber hinaus erwarte ich darueber informiert zu werden, wie die Bahn gedenkt, mit Mitarbeitern wie Ihrem Meisterdetektiv umzugehen.



    Mit freundlichen Grüßen,




    Anlagen:
    Mein Fahrausweis im VRS
    Das Pamphlet Ihres Meisterdetektivs
     
  2. Kate

    Kate New Member

    :crazy: Das ist mal wieder typisch! Wo doch Mehdorn im Fernsehen dem Automat auch keine Karte entlocken konnte!

    Was mir vor einer Weile passiert ist: -Ansage auf einem Provinzbahnhof-:"Wegen der grossen nichtaufholbaren Verspätung endet dieser Zug hier, bitte verlassen sie den Zug!"

    Die Blödies leisten sich Hämmer bei denen jedes andere Unternehmen pleite ginge. Und solche Irren wollen an die Börse? Wer soll den Mist denn kaufen?....hm, vielleicht Leute, die schon eine T-Com Aktie haben?:sabber: :crazy: :crazy:
     
  3. robdus

    robdus warum gibt es Köln?

    Verstehe ich nicht. Soweit ich weiß, kann man in den RE Zügen doch problemlos ein Ticket im Zug beim Schaffner lösen. Warum die Story mit dem defekten Automaten?

    Das "Sicherheitspersonal" ist übrigens nicht von der Bahn, sondern von einem privaten Sicherheitsunternehmen (wie Securitas o.ä.).

    Klar ist der Service der Bahn das Letzte, aber diese Story finde ich etwas überzogen.
     
  4. nanoloop

    nanoloop Active Member

    Manitou hatte keinen gültigen Fahrausweis.

    Nach den Tarif- und Beförderungsbestimmungen des VRS darf er zusteigen wenn im Zug ein "mobiler Fahrausweisautomat" (Was mag das sein? Woher soll man das wissen?) vorhanden ist. Dort muss er dann umgehend einen Fahrausweis kaufen. Geldscheine >10€ müssen dabei nicht angenommen werden!

    Selbst wenn er nun nachweisen hätte können, daß er keinen Fahrausweis hat lösen können, weil der Fahrausweisautomat seine Geldscheine nicht akzeptiert hat, hätte das Zugpersonal ein erhöhtes Beförderungsentgelt verlangen können, da es nicht verpflichtet ist Geldscheine >10€ anzunehmen und er schrieb, daß er hatte nur zwei 50€-Scheine.

    PS:
    Was hat eine Fahrt im VRS mit "Die Bahn" zu tun?
     
  5. rollercoaster

    rollercoaster New Member

    Es geht auch anders, aber nicht mit der Deutschen Bahn;

    Auf dem Weg von Köln nach Nantes hatte der Thalis aufgrund von Gleisbauarbeiten in Belgien (wo sonst?:cool: Verspätung in Paris und der geplante TGV war schon weg.

    Macht nix sagte der freundliche Beamte auf dem Bahnsteig, "Da fahren ja noch mehr TGVs nach Nantes, einfach zusteigen." Ja aber die sind doch alle ausgebucht entgegnete meine Frau, "Macht nix, sie sind ja nicht so füllig, ein Plätzchen finden wir allemal."
    Also stieg meine Beste in den Zug und setzte sich auf einen Notsitz. ALLE Zugbegleiter wußten von der Misere mit der Verspätung des Thalis und halfen, wo sie nur konnten.
    "das ist die Madame, die Verspätung hatte und zu ihrem Mann nach Nantes will."

    Klar, daß sich nach geraumer Zeit ein richtiger Sitzplatz fand und die Reise ohne Probleme zum wohlverdienten Ende kam.

    Was wäre wohl bei der DB passiert?
     

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