Die EU erweitern bis sie platzt?

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von BigBoogie, 1. Oktober 2006.

  1. BigBoogie

    BigBoogie Gast

    Hallo Gemeinde,

    der untenstehende Link führt zu einem "Die Zeit" Artikel über
    die Erweiterung der EU um Bulgarien und Rumänien.

    LINK: http://www.zeit.de/2006/40/EU_Erweiterung?page=1

    Wenn Ihr mich fragt, ist die EU jetzt schon überdehnt.
    Die letzte Erweiterung (u.a. Polen und Tschechien) war schon
    schlimm. Bulgarien und Rumänien sind noch schlimmer.
    Aber die Türkei wäre eine Katastrophe!

    Wie seht Ihr das?

    Gruß, BB
     
  2. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich bin dagegen. Und wenn ich solche Sätze lese, kann ich nur höhnisch lachen: „Weder Spanien noch Portugal hätten bei ihrem Beitritt 1986 dem heutigen Niveau von Rumänien und Bulgarien entsprochen“. Das ist doch nicht deren Ernst.

    Mir kommt es so vor, als ob weitere Reservoire für Billigarbeiter oder Plätze für kerneuropäische Firmen, an denen sie noch billiger produzieren können, geschaffen werden. Würde die Bevölkerung der EU-Länder darüber abstimmen dürfen – das Experiment wäre sofort beendet. Länder, die noch so weit vom Standard „normaler“ europäischer Länder entfernt sind und das meine ich eher politisch als wirtschaftlich, sind meiner Meinung nach in naher Zukunft noch nicht aufnahmefähig. Und was die Türkei angeht: Ein Land, in dem Oppositionelle und Frauen (die natürlich auch oppositionell sein können) derart behandelt werden, in dem weiterhin gefoltert wird, welches seit mehr als 90 Jahren einen Völkermord hartnäckig leugnet, hat nichts in der EU verloren.
     
  3. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Den Völkermord leugnen wir ja nicht – aber wählen tun wir die Arschlöcher dann gerne.
     
  4. Macziege

    Macziege New Member

    Was hat die EU bisher eigentlich gebracht, außer einem Riesenparlament mit einem Heer von Beamten und ungeheuren Kosten?
     
  5. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Die längste Friedensperiode vielleicht, die Mitteleuropa jemals erlebt hat? Wohlstand, Freiheit und Sicherheit für für fast 300 Millionen Menschen und das seit 40 Jahren?

    Grüße, Maximilian
     
  6. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich greife die EU nicht grundsätzlich an. Sie hatte (und hat) schon ihr Gutes. Da muß man wohl vernachlässigen, daß mit dem Agrarmarkt oft Schindluder getrieben wurde, wie z.B. die Vernichtung von Millionen von Tonnen an Butter/Obst etc.

    Die Erweiterungen kommt eindeutig zu früh. Anstatt diesen Ländern eine Bewährungszeit von sagen wir weiteren 5 Jahren zu geben und dann nachzuschauen, wie sie sich entwickelt haben und dann zu entscheiden.
     
  7. Macziege

    Macziege New Member

    Hä? Vor 40 Jahren gab es die EU noch nicht. Und wer sagt Dir, dass es ohne EU schon wieder Kriege gegeben hätte? Wohlstand gab es mehr für die Beschäftigten in der EU, der Rest bezahlt dafür.
     
  8. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Nein, aber seit 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, aus der sie hervorgegangen ist.

    Und ansonsten halte ich mich hier raus, da befangen und indoktriniert (12 Jahre Europäische Schule :) ).

    Ciao, Maximilian
     
  9. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Im Übrigen halte ich die Bemerkung »Die EU erweitern bis sie platzt« für eine typisch deutschbornierte Feststellung. Aber so sind wir eben. Überheblich und maßlos.
     
  10. MacBelwinds

    MacBelwinds New Member

    Ich hole mal etwas weiter aus: in dem Film Alexander vor zwei Jahren (?) kam für mich eine sehr interessante Parallele zur EU-Erweiterung zum Ausdruck. Auch Alexander hatte die Vision eines großen, geeinten Reiches und hat den Fehler gemacht, diese Zone zu groß werden zu lassen.

    Klar, wir leben nicht zu Zeiten Alexanders, und heute entscheiden freie Völker über ihr Schicksal. Dennoch: die EU ist sehr schnell sehr groß geworden, so dass ich die Skepsis von BigBoogie und anderen hier schon für berechtigt halte.

    Großbritannien beweist, dass man die Vorteile Europas auch mit weniger Zentralismus und sehr wohl auch ohne gemeinsame Währung genießen könnte. Ich vermute, der (T)EURO würde bei uns heute auch im Tal jenseits der 30% Zustimmung landen... :crazy:
     
  11. Kar98

    Kar98 New Member

    1871 - 1914 = 43 Jahre :)

    Und die bislang "längste Friedensperiode, die Deutschland jemals erlebt hat", war der 68 Jahre währende Augsburger Religionsfrieden von 1555. Die Zeit von 1555 bis 1618 ist die längste Friedensperiode in der deutschen Geschichte, während in Frankreich die Hugenottenkriege toben, die Niederlande im Krieg mit Spanien liegen und Schweden Krieg mit Dänemark, Russland und Polen um die Ostseeherrschaft führt.
     
  12. BigBoogie

    BigBoogie Gast

    deutschborniert?

    Das Wort impliziert, dass Du einer von diesen Gutmenschen bist.
    Ach Du Schande...
     
  13. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Wer das Wörtchen »Gutmensch« in sein Vokabular einbaut, der sollte sich schon darüber im Klaren sein, dass es von den Nazis geprägt wurde. Aber insgesamt passt es ja zum Kontext.
     
  14. Malcolm_X

    Malcolm_X New Member

    Bevor Ihr über die Zukunft dieses Staatenverbundes in Streit geratet; sollte man seine Herkunft kennen. Wladimir Bukowski hat vor Jahren mal einen Vergleich gezogen;…

    http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_73c/T01.HTM#anfang

    …und wenn ich bedenke dass die Exekutive der Europäischen Union aus der Kommission(besetzt mit Kommissaren) besteht die von den Regierungen der jeweiligen Ländern ernannt werden - also von niemandem gewählt und anschließend in keiner Weise weisungsgebunden sind !!! – frage ich mich schon auf was das alles hinauslaufen soll.

    Im Gegenteil: „Sie dürfen solche Anweisungen von ihrer Regierung oder irgendeinem anderen Gremium weder suchen noch empfangen.“ Der andere Teil der Exekutive besteht aus je einem Minister der Mitgliedsstaaten, die bekanntlich ebenfalls ernannt werden. Auch die Mitglieder des Europäischen Gerichtshofes und des Europäischen Finanzgerichts werden ernannt.

    Das einzige vom Volk gewählte Gremium ist das Europäische Parlament. Laut Vertrag von Maastricht hat es nicht gerade viel zu sagen. Die Möglichkeit eines Mißtrauensvotums gegen die EG-Kommission besteht z.B. nicht. Seine Rolle beschränkt sich darauf, bisweilen konsultiert zu werden, Meinungen zu äußern und Beschwerden aus der Bevölkerung entgegenzunehmen. Dies erinnert etwa an die Funktion der Abgeordnetenkammer eines Feudalregimes.


    I.d.S.


    [​IMG]
     
  15. Ghostuser

    Ghostuser Active Member

    Als Schweizer möchte ich mich da nicht einmischen. Aber auch wenn wir in der EU nichts dazu zu sagen haben, von den Folgen werden wir sicher auch betroffen sein.


    Gruss GU
     
  16. Macziege

    Macziege New Member

    Das ist wohl ein wenig zu kurz gesprungen, der Ausdruck wurde und wird in den unterschiedlichsten Zusammenhängen benutzt. Er wurde auch von den Nazis benutzt. Deswegen jeden, der den Ausdruck benutzt, in die rechte Ecke zu stellen, ist leichtfertige Polemik.
     
  17. maiden

    maiden Lever duat us slav

    ich warte bei solchen Gutmensch-Schwaflern ja immer noch auf Erklärungen. Zum Beispiel, warum der Beitritt der Türkei eine Katastrophe sein soll. Bisher habe ich noch keine überzeugende Argumentation gefunden. Aber vielleicht sind Argumente ja nicht gerade geeignete Waffen um die Lufthoheit über den Stammtischen zu erringen.
     
  18. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Nein, maiden, die Türkei hat in der EU nichts verloren. Du weißt doch, wie man dort mit den Kurden („Bergtürken“ laut türkischer Lesart) umspringt. Folterungen bei der Polizei finden weiterhin statt. Die Türkei verschwindet nicht aus den Jahresberichten von Amnesty International:

    http://www.google.com/search?client...mnesty+International+Türkei&ie=UTF-8&oe=UTF-8

    Das Leugnen des Völkermords an den Armeniern. Die Verfolgung und Einschüchterung von Menschen, die es wagen, die Wahrheit über dieses nie gesühnte Verbrechen zu schreiben. Hinzu kommt die Stellung der Frau innerhalb der türkischen Gesellschaft. Ich erinnere mich nur zu gut an Fernsehbilder im letzten Jahr, wo türkische Polizisten brutal eine Demonstration von Frauen sprengten, ein Polizist einer am Boden liegenden Frau voll ins Gesicht trat.
     
  19. Convenant

    Convenant Haarfestiger


    Das ist dümmstes Geschwätz. Und das weißt du sehr genau. Gutmensch wurde und wird von den Nazis instrumentalisiert um ihre menschenverachtende Politik als »hart – aber nötig für die Volksgesundheit« darzustellen. Punktum.
     
  20. FatToni

    FatToni New Member

    Ha! Sowas gibt es auch in Deutschland! Aber es passt nur zu gut in das Bild der Türkei, deswegen hast du es auch im Fernsehen gesehen...

    Warum sollen nur "die Guten" in die EU? Die Türkei bekommt doch dadurch eine Chance sich zu ändern.

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass Deutschland von dem Beitritt zB. von Tschechien mehr profitiert als darunter zu leiden. Was ich natürlich nicht belegen kann - genausowenig wie man das Gegenteil belegen kann.

    btw. Tag der Deutschen Einheit: Ein Fremder meinte zu mir das uns die Ostdeutschen ausbluten lassen. Krass oder? Wir Westdeutschen leiden halt ständig... erst Ostdeutschland, dann Polen, morgen Bulgarien, übermorgen Türkei - nicht zum aushalten...
     

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