Die letzten Wehrpflichtigen

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 3. Januar 2011.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,8181813,00.html

    "Bund oder zumindest Zivildienst - jahrzehntelang kamen junge Männer daran nicht vorbei. Nun werden zum letzten Mal Wehrpflichtige eingezogen."

    Irgendwie blöd, wenn man zu den letzten gehört. :crazy:
    Andererseits kann man davon seinen Enkeln erzählen. :D

    Ist das jetzt eine gute Sache, die Abschaffung der Wehrpflicht, des Staatsbürgers in Uniform ?
    Ist eine Berufsarmee sinnvoll ?
    Was passiert mit den Stellen, die bisher durch Zivis aufgefüllt wurden ?
    Können die Unis den Doppelansturm bewältigen ? :confused:

    Mir scheint, man hat die Folgen nur wenig bedacht. :O
     
  2. maximilian

    maximilian Active Member

    Doppel? Dreifach! Erstens kommen jetzt die G12 und G13 Jahrgänge zusammen und zweitens fallen auch noch Wehrpflicht und Ersatzdienst weg. Vielleicht für den einen oder die andere die Gelegenheit, doch was richtiges zu lernen. (Wobei dann natürlich sämliche Real- und Hauptschulabsoventen chancenlos wären, eine Lehrstelle zu ergattern.) Oder in guter alter Hippietradition einfach ein Jahr lang in Indien chillen, bis es sich daheim wieder normalisiert hat. Oder sowas in der Art.
     
  3. McDil

    McDil Gast

    Der Wechsel von der Idee "Bundeswehr" zur Realität "Söldnerheer" ist ein weiterer Schritt in die schon eingeschlagene Richtung.

    So wird man mit den "Zukunftsaufgaben" sicher besser zurecht kommen. Und als Ersatz für den Zivildienst wird unserer Hartz-Verwaltung schon was Passendes einfallen. Man könnte auch einen "Jugendarbeitsdienst" einführen – für die Kinder von Leuten, die nicht genug Geld haben, um sich frei zu kaufen.

    Auch ein Schritt in eine schon eingeschlagene Richtung.
     
  4. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich durfte noch 18 Monate dienen – die Gnade der späten Geburt.

    :augenring
     
  5. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Der Gutti meinte, dass man der "Drückebergerei" ein Ende machen müsse und das Berufsheer sei ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. "Drückeberger" sind wohl solche wie ich. Ich habe 1968 den Kriegsdienst verweigert und war dann Ersatzdienstleistender (so hieß das damals noch) an der Uniklinik in Tübingen.

    Damals musste man noch vor einem Untersuchungsausschuss antreten und Fragen beantworten die etwa so lauteten:"Ihre Frau/Freundin/Schwester/Mutter wird von Russen vergewaltigt, Sie beobachten das, in der Ecke des Zimmers hat ein Russe sein Gewehr stehen gelassen - was tun Sie?" Tja, was tun echte Männer und Vaterlandsdiener?

    Meine erste Antwort war, dass so eine Situation gar nicht erst entstünde, wenn alle so dächten und handelten wie ich.
     
  6. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Die "Aussetzung" der Wehrpflicht war schon seit Jahren überfällig! Und der einzig entscheidende und völlig unkomplizierte Grund dafür ist die vielbeweinte Wehrgerechtigkeit. Entweder dienen ALLE (Wehr- oder Ersatzd. ist in dem Fall ja wurscht) oder eben KEINER. Es geht halt einfach gar nicht das erstens nur Männer und da nur ein willkürlich ausgewählter Teil zu diesem Firlefanz* eingezogen wird.
    Und da wir beim besten Willen keine Verwendung (und kein Geld) für so viele Soldaten hätten wie es denn gäbe wenn man alle nehmen würde, ist die einzig mögliche Konsequenz, diese Wehrpflicht auszusetzen.

    Ich habe auch meine Vorbehalte gegen eine Berufsarmee, aber der bisherige Zustand war ein Hohn gegenüber dem Grundgesetz und der Gerechtigkeit!

    *Eine nicht repräsentative Beobachtung im Bekanntenkreis lässt darauf schließen das etwa zwei von zehn Wehrpflichtigen die Zeit "sinnvoll" genutzt haben (Der Sinn dieses Dienstes ist natürlich generell Ansichtssache, hier meint es aber sinnvoll im Sinne des soldatischen Tuns: Laufen, Zeug Schleppen, Gehorsam und Schießen lernen), die anderen acht des Zehnergrüppchens haben nichts anderes gemacht als Saufen, Steuergeld verschwenden, Gehirnzellen vernichten und sich z. Tl. den Grundstein für hartnäckiges Suchtverhalten zuzulegen.
     
  7. McDil

    McDil Gast

    Das wäre dann seit ca. 30 Jahren das erste Mal, dass das Streben nach mehr Gerechtigkeit für breite Bevölkerungsschichten Grundlage einer politischen Entscheidung ist.

    Und daher glaube ich das nicht. Die brauchen eine international einsetzbare Interventionstruppe à la Kosovo, Afghanistan . . . to be continued.

    Mit Wehrpflichtigen ist etwas anderes als echte Landesverteidigung nicht zu verantworten, und damit rechnet wohl niemand mehr.
     
  8. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Wie du ja schon vermutest hattest ist der Herr Guttenberg ja kein Dummerjahn und erkennt Gelegenheiten bei denen man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Der Missbrauch willkürlich ausgewählter junger Männer wird beendet und er bekommt eine Armee die den aktuellen Anforderungen genügen könnte (Und zudem Billiger ist). Bei aller Kritik: Dem aktuellen Prozedere, Soldaten unzureichend ausgebildet und ausgerüstet auf Kriegseinsätze zu senden muss man ebenfalls nicht nachweinen. Wenn wir (bekanntlich das Volk) auch weiterhin nichts gegen irgendwelche kriegerischen Feldzüge haben (bzw. es halt still-vor-uns-hingrummelnd akzeptieren), dann ist es nur fair wenn wir Soldaten wenigstens passend für solcherlei Unternehmungen ausbilden.

    Grundsätzlich sollte man bei allem Gemecker mal sehr froh sein das die Idee der Landesverteidigung im Herzen Europas heutzutage jeder realistischen Grundlage entbehrt. Nach Jahrhunderten des Gemetzels und der Schlachterei! Hoffentlich bleibt es so! (Und falls unwahrsscheinlicherweise nicht, dann scheint mir eine kleine, aber gut ausgebildete Armee auch irgendwie sinnvoller als ein Heer von betrunkenen Nichtsnutzen (die in einem Kriegsfalle sowieso wieder eingezogen würden))
     
  9. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Ich denke auch, dass wir international mitmischen werden. Es musste zunächst der gedankliche Schritt von der Verteidigungstruppe zur Eingreiftruppe vollzogen werden, deshalb verteidigen wir unsere Freiheit und Sicherheit schon seit einiger Zeit am Hindukusch. Das geht natürlich mit einem Berufsheer besser und das ist jetzt der zweite Schritt.
    Ich sehe auch gewisse Parallelen zu den Amis. Es gelang ihnen einige Zeit, den Eindruck aufrecht zu erhalten, sie wären die Guten, die gegen die Bösen kämpfen. Wir versuchten ebenfalls den Eindruck zu erwecken, als seien wir am Hindukusch die Guten und würden nur Infrastruktur aufbauen. Inzwischen spricht sogar Mama Merkel von "Situationen, wie sie im Krieg vorkommen". Verteidigen wir tatsächlich unsere Freiheit dort?
    Interessant wird dieser Konflikt, wenn man in Betracht zieht, dass eine Pipeline von Turkmenistan durch Afghanistan bis zum indischen Ozean gebaut werden soll. Um die zu kontrollieren, braucht es stabile, "demokratische" Verhältnisse. Vergessen wir nicht: Die Kriege der Zukunft werden um Ressourcen geführt.
     
  10. McDil

    McDil Gast

    So stabile Verhältnisse wie im Niger-Delta
     

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