Die Moral eines Managers

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von pewe2000, 19. September 2012.

  1. pewe2000

    pewe2000 New Member

  2. batrat

    batrat Wolpertinger

    Ich verstehe nicht, dass man diesem selbstgerechten Kerl nach all dem was er über die Anklagevertreter gesagt hat, einen Deal anbietet !
     
  3. McDil

    McDil Gast

    "Elite"-Effekt!
     
  4. Morgenstern

    Morgenstern Active Member

    Leute, ab einer gewissen Schwelle hält man zusammen. Da ist der Kitt die soziale Stellung. Diese Solidarität wünschte ich mir mal unten in der Gesellschaft.
     
  5. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Der Spruch des vors. Richters: „Die Kammer hat Respekt vor ihnen.“ macht mich wütend. Das gibt es doch nicht mehr, der Mann verleumdet Staatsanwälte, will gar verhindern, dass die Anklage öffentlich gemacht wird, erweist sich schließlich als Lügner und dem erweist man Respekt?
     
  6. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Jetzt seid doch mal nicht so. Ich finde es ja gut dass Korruption und Bestechung verfolgt wird, und ebenso richtig ist solcherlei Delikte zu bestrafen.
    Allerdings fällt es mir schwer mich moralisch arg zu empören: Es ist doch bitterer Alltag dass man in bestimmten Regionen der Welt ohne die entsprechenden Schmiermittel keinen Fuss auf den Boden bringt. Es ist ja sicher nicht so das hier die reiche MAN arme unschuldige Kleinbetriebe ausgestochen hat, sie haben halt nur mehr bezahlt als die Konkurrenz, oder gleich viel, bauen aber die besseren Maschinen (;-)).

    Ich bin überzeugt dass es kaum eine Möglichkeit gibt sich solcherlei Gegebenheiten zu entziehen. Wäre Herr Weinmann ein Held gewesen wenn er proklamiert, man gebe den Kontinent Afrika auf, weil dort "legal" nichts zu erreichen wäre? Was hätten die Aktionäre gesagt? Was die MAN Mitarbeiter deren Jobs deswegen flöten gehen? Wäre er nicht gesteinigt worden? Ein Märtyrer des Anstands und des Rechts?

    Hätte er mal machen sollen, aber trotzdem kann ich irgendwie nachvollziehen dass einem menschen so eine Entscheidung sehr, sehr schwerfällt.
     
  7. maximilian

    maximilian Active Member

    Sei lieber wütend auf Südosteuropa, wo man ohne Schmiergeld nichtmal ein Hotelzimmer für eine Nacht buchen kann. Der Mann ist ganz klar als Sündenbock vorgeschickt worden und wusste zuerst gar nichts davon, sonst hätte er sich nicht so gewehrt. Offenbar hat man ihm diese Rolle dann irgendwie schmackhaft gemacht (vielleicht mit Geld, wer weiß :confused: ?) und nun nimmt er alles auf sich.

    Wir sind eine Exportnation. Eine Firma wie MAN verkauft vielleicht 30 Prozent ihrer Produktion im Inland. Die übrigen 70 Prozent ins Ausland, vielleicht zur Hälfte in Länder, wo man nur mit Schmiergeld einen Auftrag bekommt. MAN hat 55235 Mitarbeiter (laut Wickipicki). Davon hängen also 19332 und eine Halbtagskraft (laut meines Taschenrechners) am Schmiergeld. Wollen wir die Moralapostel spielen und die alle nach Hause schicken (mit Kind und Kegel wären das 50.000 Menschen, für die es um die Existenz geht!) oder spielen wir das Spiel mit, was alle spielen? Ich als Richter hätte auch Respekt vor diesem Mann.

    Korruption ist Scheiße, aber in diesem Fall können nicht wir die abschaffen, sondern es muss sie das jeweilige Land abschaffen, in dem sie üblich ist.
     
  8. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich weiß, dass das in vielen Ländern (auch bei uns) so läuft. Mir ging es in diesem speziellen Fall darum, dass der Mann ein gewaltiges Fass aufgemacht hat, sogar verhindern wollte, dass die Anklage verlesen wird. Und maximilian, Du glaubst doch nicht im Ernst, dass er nichts von der Bestechung wusste. Ich hätte den Thread nicht aufgemacht, wenn er die Staatsanwälte nicht beschuldigt hätte. Hier geht es nicht um Moral in Fällen, wo alle keine haben, die einen Auftrag haben möchten in diesen Ländern oder etwas dort verkaufen wollen.
     
  9. maximilian

    maximilian Active Member

    Vorab: Exportwirtschaft (und überhaupt Wirtschaft südlich des 47. Breitengrades) ohne Bestechung ist wie Radsport ohne Doping. Das weiß natürlich jeder, der damit zu tun hat.

    Dieser spezielle Manager hier hat sich aber aus irgendeinem Grund sicher gefühlt, bzw. war überzeugt davon, dass sein Arbeitgeber hinter ihm steht, denn er hat das ja schliesslich nicht für sich selbst getan. Dieser Arbeitgeber hat ihn aber offensichtlich ins offene Messer laufen lassen, und dagegen hat er sich anfangs juristisch gewehrt. Bis sein geheimnisvoller Sinneswandel eingesetzt hat.

    In meiner Branche ist das ganz genauso, wobei diese Bestechungskacke glücklicherweise erst südlich des Mittelmeeres und östlich von Polen beginnt - wenn Du in Russland nicht rechtzeitig irgendwem Bargeld rüberschiebst, gibt es keine Starterlaubnis zurück nach Hause, zumindest nicht in erlebbaren Zeiträumen. Sollen wir uns wegen dieser Bestechungen etwa auch den Behörden stellen? Falls es wegen sowas je zu einer Anklage kommen sollte, werden unsere Arbeitgeber auch nur die Hände in die Luft strecken und alles von sich weisen „Wir haben unsere Besatzungen selbstverständlich nicht angewiesen, Flughafenbeamte im befreundeten Ausland zu bestechen, nur damit wir abends unsere Flugzeuge wieder zurückbekommen. Warum die bündelweise Dollarnoten dabei hatten, können wir uns überhaupt nicht erklären, von dem mickrigen Gehalt, das wir denen zahlen, kann das jedenfalls nicht sein...“
     
  10. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Übrigens waren einige seiner untergebenen Manager bereits für das gleiche Delikt bestraft worden und haben wohl zuvor ein bisschen geplaudert. Das wäre schon sehr seltsam gewesen, dass der Chef nichts davon weiß.
     

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