Eine Welt ohne Öl

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 23. Mai 2008.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

    Ein sehr guter Spiegel-Artikel, recht lang, lohnt sich aber zu lesen: :nicken: :nicken:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,554891,00.html

    Ein paar Kernaussagen zu Heizen, Wohnen, Verkehr, Konsum, Freizeit, Arbeit und Politik:

    "Eine warme Heizung wird in Zukunft zum Luxusgut. "Viele Menschen können in ihrer Wohnung nur noch einen Raum heizen", prognostiziert Jörn Schwarz, geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums Energieeffizienz."

    "Überall werden Gebäude isoliert, um die Heizkosten so weit wie möglich zu drücken. Billig wird das allerdings nicht."

    "Das Auto ist der Deutschen liebstes Kind, doch das wird sich bald ändern. "Einen eigenen Wagen können sich in Zukunft nur noch wenige leisten", sagt Experte Schwarz. Bei den hohen Benzinpreisen dürften immer mehr Menschen ihren Gebrauchten verkaufen (selbst wenn sie dafür kaum noch etwas bekommen), und auf Bus und Bahn umsteigen. In der Folge könnte der öffentliche Nahverkehr massiv ausgebaut werden - allerdings dürfte auch die Bahn ihre Preise erhöhen."

    "Bei einem hohen Ölpreis sind jene Produkte im Vorteil, die vor Ort hergestellt werden. "Der regionale Wirtschaftskreislauf wird enorm gestärkt", sagt Fücks. Dies gelte besonders für Nahrungsmittel, die verstärkt aus heimischer Produktion angeboten würden."

    ""Unser Leben wird sich dramatisch wandeln", sagt Schwarz vom Kompetenzzentrum Energieeffizienz. "Wochenendtrips wird es in Zukunft nicht mehr geben. Auch keine Fernreisen mehr."

    Generell dürfte die Freizeitindustrie zu den größten Verlierern des Wandels gehören."

    "Die Arbeitswelt wird sich dramatisch ändern, wenn das Öl ausgeht. Manche Branchen werden ganz von der Bildfläche verschwinden, andere werden überhaupt erst entstehen."

    "Zwischen Ölförderländern und Ölverbrauchern dürften ernste Konflikte entstehen, Belastungen könnte es vor allem in den Beziehungen zu Russland, Lateinamerika und dem Nahen Osten geben. Daneben geraten aber auch die Energie verbrauchenden Nationen in immer schärfere Konkurrenz zueinander. Krisen zwischen Europa, den USA, China und Indien scheinen programmiert"


    Ob die Menschheit eigentlich schon realisiert hat, was da kommen könnte. :confused:
    Momentan braucht die Welt Öl, wie der Fixer das Heroin. Mir graut vor dem Entzug und seinen Auswirkungen. :augenring :eek:
     
  2. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Wenn sich das mit dem Auto bewahrheitet, hat das alleine schon größte Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft. Ich denke dann wird der Staat eingreifen. Es kann nicht sein, dass grenzenlose Spekulationsgier – nicht Verknappung – für drastische Umbrüche in nicht nur einer Gesellschaft führen.

    Da gerade unser Staat sehr viel durch die Mineralölsteuern einnimmt, haben sich die Regierungspolitiker bis jetzt nur recht lahm geäußert. Sollte es aber den Autobilherstellern schlecht gehen, werden diese ungleich mehr Druck ausüben, als es die Verbraucher tun, wenn die üblichen Erhöhungen des Treibstoffpreises zu den Ferien erfolgen.
     
  3. Hop Singh

    Hop Singh New Member

    Wir werden uns bald wie in Mad Max marodierenden Banden anschließen und um den letzten Tropfen Benzin für unsere heissgeliebten Autos kämpfen.

    Im Ernst: Das birgt doch auch Chancen, gerade für ein Technologieland wie Deutschland.
    Warum in dem Artikel geschrieben wird, das bei steigender Nachfrage Wärmepumpen und Sonnenkollektoren teurer werden, verstehe ich nicht. Der umgekehrte Fall wird eintreten: Diese Technologie wird immer bezahlbarer.

    Diese ganze Prognose hört sich für mich gar nicht so schlimm an. Ich befürchte schon, dass Kriege um das Öl geführt werden.
    War denn der Irakkrieg nicht auch ein Krieg um dessen Ölvorkommen.
    Ach ne, dass war ja wegen den Massenvernichtungswaffen.
     
  4. edwin

    edwin New Member

    Guten Morgen!
     
  5. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Und woher willst du das Öl nehmen? Was der Staat dann nach seinem Eingreifen verteilt? Das Verbrennen dieser unwiederbringlichen Ressource in beschissenen Verbrennungsmotoren zum persönlichen Pläsier ist ein Affront gegen jede Vernunft! Wenn es wirklich knapp wird, stehen ganz andere Dinge an, weit vor dem Herumgebrause. Wenn ich mal eben »Arzneimittelchemie« ohne weitere Ausführungen in den Raum werfen darf. Und ich empfinde es als Abgrund der Dummheit dass unsere Regierungen immer dieses »Häuschen im Grünen« gefördert und unterstützt zu haben. Eine moderne Gesellschaft braucht ihre Arbeitnehmer in städtischen Ballungszentren. Dort kann mit wenig Energieaufwand die Leistung verteilt werden, die dem täglichen Leben dient. Wasser, Strom, Gas, Infrastruktur in Form von ÖPNV. Aber die Städte sind ja schmutzig. Laut. Und gefährlich. Klar, wenn dort nur das Auto hingebracht wird, malocht und wieder abgehauen ist das nicht verwunderlich. Natürlich ist der Individualverkehr nicht die Ursache allen Bösen. Aber diese Isolation von der Außenwelt trägt ihr gerüttelt Maß zu einer egoistischen Gesellschaft bei. Verdammt! Hätt’ ich doch bloß die blaue Pille genommen!
     
  6. maximilian

    maximilian Active Member

    Moin!

    [​IMG]

    Bevor ich so lebe, nehme ich gleich die rote Pille. Ich wohne in so einem bösen Häuschen im Grünen und brauche dafür keinen Tropfen Öl. Wenn die Sonne mehr als drei Tage nicht scheint, dusche ich eben mal einen Tag entweder gar nicht oder kalt, und der Holzofen heizt an ganz kalten Tagen nur einen Raum richtig gemütlich warm, so fucking what? Wenn alle so leben würden, dann wäre der Energieverbrauch schonmal auf die Hälfte reduziert.

    Grüße, Maximilian
     
  7. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Ja, wenn jeder der sechs Milliarden Menschen so ein nettes Häuschen hätte, dann wäre alles besser. Da heizt jeder dann nur einen Raum. Duscht mal eben einen Tag nicht und sonst: »So fucking what!«
     
  8. maximilian

    maximilian Active Member

    Moin,

    Genau damit sprichst Du das eigentliche Problem an. Mehr sag ich jetzt dazu aber nicht, sonst werden mir noch sonstwelche Ansichten unterstellt, die ich gar nicht habe. Realist bin ich, sonst nichts.

    Grüße, Maximilian
     
  9. friedrich

    friedrich New Member

    Nicht? Wie kommst Du dann zur Arbeit - meist ja im städischen Ballunsgzentrum angesiedelt?
     
  10. maximilian

    maximilian Active Member

    Moin!

    Vor nicht ganz 10 Jahren habe ich noch in der Stadt gewohnt und mit Erdgas geheizt. Zur Arbeit mußte ich trotzdem mit dem Auto fahren, denn an meinen Arbeitsplatz fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel. Jetzt habe ich immerhin schon die fossilen Brennstoffe fürs Heizen und das warme Wasser wegoptimiert, das hätte ich in der Stadt nicht gekonnt. Das ist doch schon ein Fortschritt, oder?

    Und wenn man demnächst (der Tag ist nicht mehr fern...) kleine Elektrofahrzeuglein kaufen kann, die einen mit 80 km/h 100 Kilometer weit beförden, und die man daheim am Solarkollektor wieder auflädt, dann ist auch noch das Öl für die Fahrt zur Arbeit Geschichte. Dafür muß aber erstmal eine Geschwindigkeitsbegrenzung her, und die hat unsere Frau Bundeskanzlerin erst gestern wieder kategorisch ausgeschlossen. Ist aber nicht meine Schuld, ich habe die Dame schliesslich nicht gewählt.

    Grüße, Maximilian
     
  11. friedrich

    friedrich New Member

    Na, dann produzieren Deine Pferde ja das meiste COzwei im Hause Maximilian ;–)
     
  12. batrat

    batrat Wolpertinger

    Du stehts aber spät auf. :biggrin:

    Im Ernst:

    Mir ist natürlich schon länger klar, dass das Erdöl endlich ist. :nicken:

    Aber erst der Höhenflug des Benzinpreises ( und natürlich auch des Heizöl- und Erdgaspreises ) haben mich das ganze mal komplett durchdenken lassen.

    Es betrifft halt nicht nur das Auto und die Wohnung, es betrifft im Grunde alles, an das wir uns so gewöhnt haben, z.B. Urlaubsreisen, Lebensmittel aus allen Ländern dieser Erde zu allen Jahreszeiten, alle Importe von Waren (made in China usw.) per Flugzeug und LKW usw. usw.

    Im Grunde genommen "gefährdet" die Entwicklung die Globalisierung. Denn irgendwann ist es nicht mehr günstig, dass z.B. bayrische Schweine nach Italien gefahren werden, dort geschlachtet werden und zu Parmaschinken verarbeutet werden, um dann per LKW wieder nach Bayern zu kommen. :crazy:
    Ähnlichen Wahnsinn gibts es massenweise. :frown:

    Ich glaube, den meisten sind die Folgen der hohen Energiepreise noch nicht voll bewusst. :O
     
  13. edwin

    edwin New Member

    Ja. Man könnte diese Situation aber endlich nutzen, neue Wege zu gehen. Einmal um unabhängig (in vielerlei Hinsicht) zu werden und zum anderen aus den Fehlern mal zu lernen. Dabei könnte man, um so früher man anfängt, um so mehr mit bestimmen. Es ist also auch eine gute Chance. Nutzen wir sie?
     
  14. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Nur eines. Wobei das in der CO2-Gesamtbilanz wahrscheinlich neutral ist, denn die großen Weide- und Anbauflächen für das Futter absorbieren das CO2 ja wieder, um Biomasse für das Futter des nächsten Jahres draus zu machen. Ja ja, ich weiß, das Pferd frisst so viel, dass man davon drei Familien in Indien ernähren könnte, aber das ist ja hier nicht unser Thema.

    Im Übrigen glaube ich an den Erfindungsreichtum des Menschen. Öl ist im Moment halt immer noch billig, Ersatz gäbe es aber reichlich. Man müßte halt auf ein paar liebgewonnene Dinge verzichten, um sich diesen leisten zu können, zumindest so lange, wie es dauert, um den Ersatz kostengünstiger herzustellen. Auch den Tag werden (fast) alle von uns noch erleben.

    Grüße, Maximilian
     
  15. edwin

    edwin New Member

    Verzichten nicht unbedingt. Verändern und neue Wege gehen. Aber das ist der Versuch, Worte zu spalten.
     
  16. Snorrt

    Snorrt New Member

    Vielleicht wird was aus dieser 60er Jahre Utopie, als ScienceFiction Zeichner diese lustigen Stadtkuppeln in jedes Buchcover gemalt haben. Quasi eine mittelalterliche Stadt (mit ähnlicher Versorgungslösung), nur portiert auf das 21te Jahrhundert. :biggrin:

    Autos können wir dann einfach wegwerfen. Wäre mir eh lieb. Wenn ich die Sache nüchtern betrachte, kommt folgendes dabei raus:

    Plastik
    Ist schwer. In unserer lieben Welt ist leider alles aus Plastik. Kein Rohstoff ist so billig (ja, obwohl es aus Öl gemacht wird). Vielleicht könnte man dazu übergehen, viel Forschung in eine umweltgerechte Entsorgung (z.B. PE und Co.) zu stecken und den Gebrauch für Einkaufstüten o.ä. Dumpfsinn schlicht verbieten (unnötig, extrem umweltfeindlich).

    Benzin
    Braucht mein Fahrrad nicht, ich denke, ich könnte auch mit Pflanzenöl fetten. Elektroautos reichen masse aus. Vielleicht fängt dann endlich das Umdenken an, wie sinnig es ist, jedes Jahr 100T km in der Gegend rumzufahren, obwohl es keinen wirklichen Grund dafür gibt.

    Kerosin
    Ich hasse Flugzeuge. Gibt nichts, was umweltfeindlicher ist. Hoffentlich kostet die Gallone demnächst ungefähr 2 Mio. EUR. Fänd' ich prima. Und hoffentlich kostet das Ticket für die ganzen Schwachmaten, die mal eben am Wochenende nach London zum Shoppen fliegen dann eben 10T EUR pro Flug. Wünsche frohes Abstürzen.

    Heizung
    Da gibt es inzwischen so viele Alternativen, dass es schon weh tut, dass wir uns immer noch massiv von anderen Staaten abhängig machen. Staaten, denen wir sonst höchstens im Bananenrepublik-Bericht einen Gedanken widmen, die aber aufgrund des Öls plötzlich zu dicken Freunden mutieren. Völlig ungeachtet der jeweiligen Situation im Land. Wärmepumpen, Passivhäuser, Blockheizkraft usw. usw. usw. Wer braucht Öl?

    Vielleicht denke ich zu naiv. Aber irgendwie brauche ich Öl nicht. Wenn ich daran denke, dass ca. 5% der Kähne regelmäßig unsere Weltmeere massiv verschmutzen und tausende Tiere killen, Ökosystem ruinieren und Fischern das Leben schwer machen...

    Von mir aus soll der Scheiß demnächst völlig unbezahlbar werden. Aber das ist leider ein Traum. Die OPEC ist ja auch nicht dumm. Das wird schon noch 50-100 Jahre so weiter gehen. Jeweils exakt dosiert an der jeweiligen Schmerzgrenze. Alles andere halte ich für unrealistisch. Leider. Wie gesagt, wäre für 1000 EUR / L Benzin. Wäre klasse in der Stadt: Atmen ohne Kopfschmerzen. Mal was neues. Aber die Jungs mit dem Kaftan sind nicht dumm in der Birne. Und unsere Ölressourcen scheinen auch nicht gerade ultra knapp zu sein. Jedenfalls entdecken regelmäßig irgendwelche Staaten (Russland, Brasilien) neue Vorkommen, die recht groß sind. Von Gas mal ganz zu schweigen. Von neuen Fördermethoden ebenfalls. Nee, nee... das verdammte Zeuchs wird nicht so schnell verschwinden.
     
  17. batrat

    batrat Wolpertinger

    Schau dich mal um. :rolleyes:

    Wo wurde dein Mac produziert, dein Fahrrad (alle Teile !), dein Fernseher, dein Radio, deine Klamotten, deine Lebensmittel, dein Küchengeschirr usw. usw. ?

    Wie sind diese Dinge wohl nach Deutschland gekommen ?

    Wie sind sie in den Supermarkt, in den Elektrofachmarkt, zum Radhändler usw. gekommen ?

    :O
     
  18. edwin

    edwin New Member

    Ich glaube, das meint er. Nur muss das so bleiben? Nein. Das kann man ändern (wenn man endlich will!).

    Anstatt mit LKWs kann der Transport mit dem Zuge geschehen. Anstatt diesen enormen Überfluss in den Läden zu haben, reicht eine einfache Auswahl (meistens hat man sowieso nur die Auswahl von verschiedenen Geschmacksrichtungen - es kommen die vermeintlich verschiedenen Produkte dann doch vom selben Hersteller - also doch keine Auswahl). Anstatt ständig billiges Zeugs zu haben, kauft man Produkte, wo ein Handwerker wieder etwas in Ordnung bringen kann.
    Und überhaupt: brauchen wir wiklich alles, was man da so bekommen kann? Ehrlich gesagt: nein! Aber diesen Kampf führe ich auch jeden Tag mit mir selbst. Wie haben die Menschen es geschafft, zu leben, als dieser Konsum noch nicht so existierte? Ein Wunder? Oder ist Konsum wirklich das Einzigste, wofür wir hier existieren?

    Und bitte nicht mit dem Totschlagsargument "Arbeitsplätze" kommen. Es sind heute zum Teil Arbeitsplätzte von Robotern, die dann wegfallen würden. Eine Umgestaltung bringt eine neue Arbeitswelt mit neuen Möglichkeiten und neuer Arbeitsvielfalt. Vielleicht werden dann aus Jobs dann wieder richtige Arbeitsplätze.

    Lohne Lennon sang doch mal sinngemäß: You may say I'm a dreamer, but I'm not the only one!
     
  19. maximilian

    maximilian Active Member

    Moin!

    Ja, leider. Die Abkehr vom Öl wird kommen (sie muß es zwangsläufig), aber nicht so radikal, wie Du Dir das wünschst. Eine erdölbefeuerte Industrie wie unsere lässt sich nicht über Nacht umstellen. Muss auch gar nicht sein, denn Angebot und Nachfrage regulieren zur Zeit den Preis in lehrbuchmäßiger Manier und damit werden die Alternativen zum Öl endlich wirtschaftlich konkurrenzfähig. Erneuerbare Energieträger gibt es nämlich nicht erst seit zwei Jahren, sonden samt und sonders schon länger als das Öl (sowohl Menschheits-, als auch Erdgeschichtlich gesprochen!).

    Als wir vor etwa 10 Jahren eine Zentralheizung eingebaut haben und ich gerne Solarkollektroren und Holz als Wärmequelle dafür wollte, sagte der Heizungsbauer noch: "Des isch doch viel z'teuer, des lohnt sich doch in hondert Johr net!". "Mir doch egal, ich will das aber so haben" war meine Antwort. Heute schlagen die Heizungsbauer unsere Option von sich aus vor, und in nochmal zehn Jahren wird man gar keine Öltanks und Ölbrenner mehr kaufen können. Angebot und Nachfrage regulieren nicht nur den Preis, sondern auch unsere Gewohnheiten. Aber nicht von heute auf morgen.

    Grüße, Maximilian
     
  20. batrat

    batrat Wolpertinger

    Was ist "das" ? :confused:
     

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