Entbürokratisierung - ein Hohn!

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Macmacfriend, 28. Dezember 2003.

  1. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Da hat allen Selbstständigen Berlin mal wieder ein hübsches "Weihnachtsgeschenk" geschnürt:

    Unter dem verheißungsvollen Motto "Entbürokratisierung" hat der Bundestag mit dem Steueränderungsgesetz 2003 neue Vorschriften erlassen, wie eine ordnungsgemäße Rechnung künftig auszusehen hat. Ab 2004 muss dann jede Rechnung, die Selbstständige anderen Unternehmen ausstellen, diese Angaben enthalten:

    - Namen und vollständige Adresse des Ausstellers
    - Namen und vollständige Adresse des Empfängers
    - Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Ausstellers
    - Rechnungsdatum,
    - (fortlaufende) Rechnungsnummer,
    - den Umsatzsteuersatz und den Umsatzsteuerbetrag oder
    - bei Rechnungen ohne Umsatzsteuer eine Begründung, z.B. "umsatzsteuerbefreit als Kleinunternehmer" oder "umsatzsteuerfrei nach § 4 Nr. 21 UStG".

    In Kleinbetragsrechnungen bis 100 Euro dürfen gnädigerweise Empfänger, Steuernummer, Rechnungsnummer und Umsatzsteuerbetrag fehlen; elektronisch übermittelte Rechnungen sind nur mit einer elektronischen Signatur erlaubt. Mit dem Verschicken von Rechnungen per E-Mail ist es künftig also auch vorbei.

    Fehlt eines der vorgeschriebenen Elemente auf einer Rechnung und der liebe Fiskalbeamte hat grad seinen schlechten Tag, so darf der Käufer die darin enthaltene Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer abziehen.

    Selbstständige müssen also nicht nur penibelst korrekte Rechnungen ausstellen, sondern auch darauf achten, dass Rechnungen, die sie bekommen, diesen Anforderungen entsprechen.

    Die unsägliche und kaum zu erfüllende Forderung, dass sie auch noch die Richtigkeit dieser Angaben nachprüfen sollten, wurde zum Glück aus dem Gesetzentwurf gestrichen.

    Das Gesetz gilt für alle Rechnungen ab 01.01.2004. Da das Finanzministerium aber noch Ausführungsbestimmungen dazu erlassen will, soll`s wohl eine "Schonfrist" bis zum 1. Juli geben.


    Und das nennt der Eichel Hans "ENTBÜROKRATISIERUNG" ... ;( ;( ;(
     
  2. Duc916

    Duc916 New Member

    Hmmmmm,

    und wo ist jetzt der Unterschied, zu den Vorschriften die vorher gegolten haben?

    :confused:
     
  3. Macowski

    Macowski New Member

    Rechnungen werden doch gar nicht mehr beglichen seit der großen Scheinrezession. :cool:
     
  4. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member


    Neu ist, meine ich, die Nummer mit der fortlaufenden Rechnungsnummer und dass ein Kleinunternehmer, der keine MwSt. erhebt, das jetzt noch schriftlich begründen muss.

    Ich wäre dafür, dass künftig auch Fingerabdruck, Spermaprobe bzw. Vaginalabstrich auf jede ordentliche Rechnung gehören - wo kommen wir sonst hin?! ;(
     
  5. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Dein ...007-Posting bringt mich da auf eine ausgezeichnete Idee ...

    *energieversorgerrechnunginreißwolfschieb* :cool:
     
  6. Duc916

    Duc916 New Member

    Wenn du eine Steuerprüfung hast, wirst du feststellen, daß fortlaufende Rechnungsnummern extrem wichtig sind, und es schon immer waren.
    Steuerprüfer sind eher schlichte Gemüter und bei fehlenden Rechnungsnummern, oder einer völlig wirren Nummerierung, werden sie extrem hellhörig und fangen erst recht an zu suchen.
     
  7. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member


    Keineswegs - die sind ausgefuchster und gewiefter als du glaubst. Habe da selbst so ein Steufa-Exemplar in meinem Bekanntenkreis.
     
  8. Duc916

    Duc916 New Member

    Na ja,

    was ich damit eigendlich meinte ist, Steuerprüfer haben gewisse Grundkriterien, nach denen sie bei ihrer Prüfung vorgehen.
    Rechnungsnummern gehören, genau wie Barentnahmen und Ausgaben für KFZ, dazu.
    (ein Porsche als Firmenfahrzeug ist halt auch nur schwer darstellbar :D )
    Wenn man diese und noch ein par andere Klippen umschifft, haben die Jungs selten Lust und Zeit sich mit den einzelnen Buchungsposten genauer zu beschäftigen.
    Wichtig ist auch, immer eine optisch und formal ansprechende Buchhaltung zu präsentieren.
    Bei der berühmt berüchtigten "Schuhkarton-" Buchhaltung handelt man sich meist mehr Probleme ein, als man je haben wollte.
    Einmal mißtrauisch geworden kriegt man die Jungs kaum noch aus dem Büro.

    Und noch ein Tipp aus eigener erfahrung.
    Man sollte ihnen immer eine Kleinigkeit zu finden geben (dabei sollte man es ihnen aber nicht zu einfach machen).
     
  9. ughugh

    ughugh New Member

    >>- (fortlaufende) Rechnungsnummer, <<

    Ist es nicht schön, wenn künftig jeder Geschäftspartner weiß, ob es Dir gerade gut oder schlecht geht?
     
  10. Duc916

    Duc916 New Member

    Dann vergib die Rechnungsnummer in Kombination mit der Kundennummer
    Dazu noch einige kryptische Zahlen und Buchstaben Kombinationen und schon weiß kein Kunde das er dein einziger ist

    :D :D

    für den Steuerkasper muß das Ganze nur nachvollziebar sein
    die Logik die dahinter steckt bleibt dir überlassen
     
  11. ughugh

    ughugh New Member

    Fortlaufend bleibt fortlaufend, egal, wie viele Nümmerchen ich dazukritzel.
     
  12. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Naja, das mit den Potemkinschen Dörfern für die neugierige Kundschaft geht schon - musst dem Fiskalritter dann halt bloß deinen "Code" verraten. Du kannst ja gleichbleibend und fortlaufend z.B. in 30er-Schritten verfahren.

    Beispiel:

    Kunde Meyer: Re. vom 01.02.2004 mit Re.-Nr. 2004-10
    Kunde Müller: Re. vom 04.02.2004 mit Re.-Nr. 2004-40
    Kunde Meyer: Re. vom 06.02.2004 mit Re.-Nr. 2004-70

    Kunde Meyer denkt sich: Wahnsinn, 60 Rechnungen in 6 Tagen - und Aachen wird zur Boom-Town. :wink:
     
  13. neumi

    neumi New Member

    lol!
    :D
    ich nehm jetzt hunderter-schritte und der kunde denkt sich: "wahnsinn, ein als selbsständiger getarnter großkonzern!"
     
  14. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member


    :D

    Usires und PM, könntet ihr bitte mal meinen Postingzähler so einstellen??? :cool:
     
  15. Da stimmt so leider nicht.
    § 14 Abs. 1 UStG setzt Art. 22 Abs. 3 Buchst. c) erster Unterabsatz der 6. EG-Richtlinie um. Danach sind Rechnungen auf Papier oder, vorbehaltlich der Zustimmung des Empfängers der Rechnung, auf elektronischem Weg zu übermitteln. Die Zustimmung des Empfängers der elektronischen Rechnung bedarf keiner besonderen Form; es muss lediglich Einvernehmen zwischen Rechnungsaussteller und Rechnungsempfänger darüber bestehen, dass die Rechnung elektronisch übermittelt werden soll. Wegen der zulässigen Übermittlung der Rechnung auf elektronischem Weg wird der bisher verwendete Begriff der Urkunde (ehem. § 14 Abs. 4 UStG) durch den Begriff “Dokument” ersetzt.



    Ansonsten verstehe ich die ganze Aufregung nicht.
    Es wird das ganze einheitlich geregelt.
    Und hoffentlich die eine odere andere Schwarzarbeit unterbunden.
    (Was wahrscheinlich nicht der Fall sein wird)
     
  16. ughugh

    ughugh New Member

    Sprich einfach nochmal mit Deinem Finanzbeamten darüber. Entweder ist das Gesetz wieder mal arg schwammig oder ein Finanzbeamter versteht unter "fortlaufend" tatsächlich etwas vollkommen anderes als Du.

    Meine bisherige Listung zumindest war ihm im Gespräch nicht fortlaufend genug - und die entspricht weitestgehend Deinem Beispiel.

    Was solls. Schreibe ich halt keine Rechnungen mehr, sondern arbeite gleich schwarz - lohnt sich sowieso mehr. :)
     
  17. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member


    Die "ganze Aufregung" besteht darin, dass hier mal wieder ein Mehr an Bürokratie und ein Mehr an gesetzlichem Verordnungswust dem Steuerzahler als "Entbürokratisierung" verkauft werden soll (s. Thread-Titel).

    Falls das den einen oder anderen nicht stört, scheint die Berliner Volksverdummung bereits Früchte zu tragen.
     
  18. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member



    :cool: :cool: :cool:
     
  19. Ja, Schwarzarbeit rockt.

    Die kleinen Argenturen die sich gerade noch über Wasser halten können, machen wir auch noch fertig.
    Dumpingpreise durch Schwarzarbeit.
    Nur so gehts aufwärts.
     

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