er wollte den Krieg verhindern

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von maiden, 4. Januar 2003.

  1. maiden

    maiden Lever duat us slav

    und baute in mühevoller nächtelanger Arbeit die Bombe, die im Bürgerbräu-Keller am 8. November 1939 Hitler töten sollte. Aber der Diktator verließ den Saal vorzeitig und blieb verschont.

    Georg Elser wäre heute 100 Jahre alt geworden. Sein Gerechtigkeitssinn war so ausgeprägt, daß er schon wegen Kleinigkeiten Streit anfing. Und Georg Elser sah voraus, was viele 1938 nicht sahen, oder nicht sehen wollten: den Krieg.

    "Ich habe den Krieg verhindern wollen", sagte er bei späteren Verhören aus.

    Zu Lebzeiten verweigerte er sich dem Hitlergruß.

    Kurz vor Kriegsende wurde der Bauernsohn aus dem württembergischen Königsbronn im Konzentrationslager Dachau von den Nazis ermordet.
    Ruhm wurde Elser nie zuteil - nicht im Leben und nicht nach seinem Tod.

    Erst jetzt wird ihm die gebührende Ehrung zuteil. Seine Heimatstadt ehrt ihren Helden mit der Namensgebung einer Schule. 1998 wurde eine Gedenkstätte eröffnet und jetzt soll eine Briefmarke an diesen mutigen Mann erinnern.
     
  2. sevenm

    sevenm New Member

    Wo hast du das gelesen?
     
  3. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Esslinger Zeitung. Und kam auch im Radio.
     
  4. grufti

    grufti New Member

    steht doch schon seit Tagen in der Presse. Und ein rechter Schwob weiß das sowieso.
    Weniger bekannt ist, dass ein Verwandter von mir nach dem Attentat vom 20.7.44 auch hingerichtet wurde. Er war lediglich Diener bei Graf Stauffenberg.
     
  5. charly68

    charly68 Gast

    ich wollte hitler auch töten, war aber leider zur falschen zeit , am falschen ort....
     
  6. billy idol

    billy idol New Member

    komisch, hab ich auch grad wortwörtlich so in den stuttgarter nachrichten gelesen...
     
  7. Mekki Messer

    Mekki Messer New Member

  8. grufti

    grufti New Member

    ob das aber ausreicht, für eine eigene Briefmarke?
     
  9. Aschie

    Aschie New Member

    Finde ich gut, daran zu erinnern.

    Grüße
     
  10. maiden

    maiden Lever duat us slav

    eben. Dieser Mann hatte Mut. Heute sind ja viele schon zu feige oder zu denkfaul, auch nur das Maul aufzumachen.
     
  11. johngo

    johngo New Member

    Ja, der Mann hatte Mut! ... Aber hätte es keinen Krieg gegeben,
    so wäre meine Mutter nie vertrieben worden, hätte meinen
    Vater nicht kenngelernt und ich hätte nie existiert! Dies allein
    schon macht das Gedankenspiel irgendwie seltam.

    Ich frage mich: Wieviel haben wir von den Helden der Vergangenheit
    gelernt? Sollten wir so viel über die Vergangenheit nachdenken
    oder sollten wir uns nicht ein bisschen mehr der Zukunft zuwenden?
    Für Georg Elser war das, worüber wir hier sprechen auch Zukunft!
    Nur für uns ist es seine Vergangenheit.

    Und der nächste Krieg steht bald zuvor. Das macht mich irgendwie
    nachdenklicher.
     
  12. maiden

    maiden Lever duat us slav

    ob es Dich nicht gegeben hätte, ist eine nicht zu beantwortende Frage.

    Was wir von diesen Helden lernen? Von Georg Elser, der ja eigendlich ein einfacher Mensch war, wie Du und ich, lerne ich, daß man sehen kann, wenn man will, daß man hören kann, wenn man will und daß man wissen kann, wenn man will.

    Wie viele unserer sogenannten Väter sagten immer: wir haben ja von nichts gewußt.

    "Mein Kampf" war nach der Bibel das meistverkaufte Buch. Man kann davon ausgehen, daß es die meisten auch gelesen haben. Aber gemerkt haben, will keiner etwas. Gewußt haben, will auch keiner etwas. Und gesehen schon gleich gar nicht.
    Man muß es sagen wie es ist: die meisten wollten nichts sehen, hören, wissen.
    Wer "Mein kampf" gelesen hat und/oder Augen und Ohren offen hatte, wußte was geschehen wird und was geschieht.

    << der nächste Krieg steht bald bevor >>

    Stimmt. Aber soundsoviele halten es da auch wieder mit der Bequemlichkeit des Nichtsehenwollens, Nichtwissenwollens. Es ist einfacher, dumpfen aber starken Parolen zu glauben, nichtgenehme Informationen auszuklammern und ansonsten mit denen zu schreien, die man hinterher auf dem Siegertreppchen vermutet.
     
  13. Aschie

    Aschie New Member

    > ... und ich hätte nie existiert!

    Nun ja, wahrscheinlich schon, aber vermutlich nicht als der, der Du heute bist.

    Falls es jemanden interessiert: das Bayerische Fernsehen bringt am 12. Januar einen biografischen Spielfilm über Georg Elser. Mit Klaus Maria Brandauer.

    Grüße
     
  14. smilincat

    smilincat New Member

    Ob Elser ein Held war ist eine eben so schwierig zu beantwortende Frage.
    Es hat sich glaube ich seitdem vielleicht geaendert dem Tyrannenmord zuzustimmen wenn - aber hieb und stichfest - bewiesen ist dass es sich um einen solchen handelte.
    Das persoenliche Empfinden von Ohnmacht und Angst wird "damals" nicht anders gewesen sein.
    In diesen Tagen wird aber jeglicher Versuch wie der eines G. Elser eine "Tat eines geisteskranken Einzeltaeters" oder "ein weiterer Terrorakt fundalistisch-islamischer Zellen welche Saddam Hussein und der Al Quaida nahestehen" darstellen.
    Ebenso eine feige Rechtfertigung des Resignierens einerseits wie eine bloede Zwickmuehle.
    Bei FJS seinerseits war es noch einfach - man haette ihm wirklich die Haende abhacken sollen nachdem er wieder eine Waffe in jene genommen hat....
    Rueckblickend auf die 70er Jahre (war da allerdings erst 10-15)
    glaube ich es werden heute zu wenige Leute erschossen.
    Zumindest die falschen.

    cat
    PS.: auweia, hab mich schon wieder bissl in Rage geschrieben
     
  15. maiden

    maiden Lever duat us slav

    in Rage geschrieben - ja und dabei wirftst Du Saddam und die Al Quaida in einen Topf.

    Aber zu Saddam: es wird ihm immer vorgeworfen, er habe tausende Kurden mit Giftgas gemeuchelt. Das stimmt und ist auch zu Recht zu verurteilen. Aber es war nicht das erste Mal. Er hat schon weit früher Giftgas gegen Kurden eingesetzt, auch gegen die Iraner im irakisch/iranischen Krieg. Nur war es denen, die heute die Beseitigung Saddams verlangen damals wurscht - im Gegenteil - er durfte sich soger der militärischen und logistischen Unterstützung seiner damaligen Freunde sicher sein. Genau die, die ihn heute mit Krieg bedrohen, weil er so ein böser böser Gewaltherrscher ist. Dabei hat die Unterstützung von Gewaltherrschern bei amerikanischen Regierungen eine lange Tradition.
     
  16. noah666

    noah666 New Member

    Das ist eine Frage mit der ich mich schon länger befasse. "Hätte ich den 2. Weltkrieg verhindert wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte?"

    Von der damaligen Lage aus war es richtig ein Attentat auf Hitler zu verüben, und es ist wünschenswert, dass ein ähnlich mutiger Mann wieder da ist wenn der nächste Diktator kommt. Aber der 2. Weltkrieg führte, neben den schrecklichen Verlusten die mit einem Krieg einhergehen, und dem Völkermord an vielen Bevölkerungsgruppen, auch zu einer inneren Stabilisierung in Europa.
    Hätte es den Krieg nicht gegeben, so hätte das Deutsche Reich bis 1989 Reparationszahlungen an Frankreich geleistet. England und Frankreich waren auch bis 1938 durch die Haltung Frankreich beim Versailler Vertrag zerstritten.
    Manchmal kann ein Krieg auch langfristig gutes Bewirken. Da wir aber nur Menschen sind und nicht wissen können wie sich die Zukunft entwickelt, sollten wir alles tun um einen Krieg zu verhindern, egal wer ihn beginnt.

    Vielleicht bringt auch ein Krieg der USA gegen alle reichen Ölstaaten etwas gute, aber irgendwie kann ich zur Zeit nichts gutes daran erkennen. Im besten Fall entsteht eine noch stärkere Weltmacht die dem Rest der Welt ihren Weg aufdrückt, im schlimmsten Fall gibt es einen Weltkrieg.
     
  17. charly68

    charly68 Gast

    -->Hätte ich den 2. Weltkrieg verhindert wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte?"

    NEIN !
     
  18. noah666

    noah666 New Member

    Es ist ein schmaler Grad, auf dem diese "Helden" wandeln. Man muss genug wissen um seine Taten vor sich selbst zu rechtfertigen, aber wenig genug um sich nicht vor einer unüberwindbaren Aufgabe zu sehen.

    Sicherlich haben viele "Mein Kampf" gelesen, aber erstens ist das Buch so langweilig, dass es wohl niemand wirklich ganz gelesen hat, und zweitens war das darin beschriebene Szenario wohl auch für viele undenkbar.
    Die Hälfte der Deutschen wollten nicht erkennen was passiert, die andere Hälfte der Deutschen erkannte es, fühlte sich aber nicht in der Lage etwas zu ändern und versuchte nur irgendwie durchzukommen.

    Ich will jetzt hier keinesfalls die Bevölkerung des 3. Reiches als Feiglinge denunzieren, ich hoffe im Gegenteil, dass ich selbst in einer ähnlichen Lage erkenne was richtig ist und was getan werden muss.
    Im nachhinein können wir uns jedoch sehr leicht hinstellen und alles analysieren.

    Was geschehen ist ist geschehen. Den 2. Weltkrieg kann man nicht ungeschehen machen (und wie weiter oben beschrieben könnten wir auch die Folgen einer solchen Handlung niemals ermessen).
    Es ist falsch, dieser Generation ihre Fehler aufzuzeigen und immer wieder vorzuhalten. Ich habe das schon so oft bei Diskussionen mit Verwandten erlebt.
    Alles was wir tun können ist aus den Fehlern und der Schuld dieser Generation zu lernen damit wir in unsere Zukunft weiser handeln.
     
  19. maiden

    maiden Lever duat us slav

    << Im besten Fall entsteht eine noch stärkere Weltmacht die dem Rest der Welt ihren Weg aufdrückt, >>

    im besten Fall? Das ist sicher nicht der beste Fall.
    Ob wir es mit einem größenwahnsinnigen Diktator im Irak oder mit einer größenwahsinnig gewordenen Weltmacht zu tun haben, macht insofern kaum einen Unterschied. Wenn eine Supermacht für sich in Anspruch nimmt, wann immer sie es für richtig erachtet, Kriege zu führen, weil ihr die Politik anderer Nationen nicht gefällt, ist das eine sehr schlechte Entwicklung.
    Man muß sich daran erinnern, daß die USA dem Irak den nicht zu beweisenden Besitz von Massenvernichtungswaffen vorwirft. Die USA selbst haben aber die Atombombe in die Welt gebracht und bereits zwei Mal eingesetzt. Jüngste Drohungen der besten Nation der Welt bringen die Atombombe wieder ins Spiel. Hier schafft sich die Nation der besten Menschen der Welt einen Machtanspruch und die Berechtigung, nach Gutdünken darüber zu entscheiden, wann sie es für richtig erachtet, anderen Staaten den Besitz von Waffen zu erlauben oder zu verbieten.

    Sieht man den Spruch: "wer nicht für uns ist, ist gegen uns" im Kontext mit dem offen geäußerten Anspruch, Krieg zu führen, wenn die Regierung eines anderen Staates nach Meinung der gesegneten Nation eine zu starke Rüstung betreibt und gleichzeitig amerikafeindliche Äußerungen ertönen läßt, muß man zu dem Schluß kommen, daß sich hier eine gefährliche Politik entwickelt.

    << Manchmal kann ein Krieg auch langfristig gutes Bewirken. Da wir aber nur Menschen sind und nicht wissen können wie sich die Zukunft entwickelt, sollten wir alles tun um einen Krieg zu verhindern, egal wer ihn beginnt. >>

    So ist es. Ziel muß sein, keine Kriege zu führen. Und das erreichen wir nicht durch Gewalt oder damit, daß wir anderen Vorschriften machen.

    Welcher Irre ist eigentlich auf die Schwachsinnsidee gekommen, man könne Terrorismus mit Krieg bekämpfen?
     
  20. noah666

    noah666 New Member

    Ich habe auch nie gesagt, dass der Irakkrieg ein positives Resultat hätte. Wir haben meiner Ansicht nach nur die Wahl zwischen schlechten Möglichkeiten. Entweder eine Welt unter der Supermacht USA, die uns mit Öl und Waffen kontrolliert, oder die Vernichtung in einem 3. Weltkrieg.
    Eines ist sicher, als die Türme fielen standen die Zeichen auf Krieg. Es war klar, dass er kommen würde, es war nur nicht sicher wann.
    Und nun sehen wir in den Nachrichten wie täglich Tausende von britischen und amerikanischen Soldaten an den Persischen Golf und an Mittelmeer verlegt werden. Wir sehen Berichte in CNN in denen Flugzeugträger mit einer Flotte von 30 Zerstören, Fregatten und Tankern in Richtung Öl ziehen, wie Panzerkolonnen auf den Militärbasen in die Transportflugzeuge verladen werden. Und wir sehen einen grenzdebilen Präsidenten der vor einem 25m breiten Stars and Stripes Banner erklärt, dass "Saddam anscheinend die Warnungen nicht versteht."
    Und im gleichen Atemzug sehen wir, wie der irakische Verteidigungminister nach internationaler Solidarität fleht. Wie er die Welt warnt, dass die USA nach dem Irak nicht aufhören werden.

    Wenn man diese Bilder sieht und diese Reden hört erkennt man, dass ein Krieg wohl nicht mehr zu verhindern ist. Und wer nicht für die USA ist, ist gegen sie.

    Also entweder überleben wir als Vasallen, oder wir sterben als Terroristen. Überspitzt und dramatisch ausgedrückt, aber leider nahe an der Wahrheit.

    mfg Noah
     

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