Erinnerungen an den Grundwehrdienst

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 21. Juli 2008.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

    Als ich diese Meldung ( http://www.n-tv.de/Kollaps_von_drei_Rekruten_Bundeswehr_prueft_Vorfall/210720080119/997281.html ) las, musste ich wieder an meine Grundausbildung denken. :D

    Schwächeanfälle gab es bei uns in der Kompanie auch, sowohl im Gelände :O als auch im Manschaftsheim. :rolleyes:

    Ich war in Holland (!) zur Grundausbildung ( Budel, das, wie ich gelesen habe, dichtgemacht wird ) :crazy:

    Hatte aber auch Vorteile : Doppelter Wehrsold und diese netten holländischen Lokale mit spezieller Karte. :biggrin: :teufel:

    Wie war eure Zeit beim Bund ? :)
     
  2. Singer

    Singer Active Member

    Damals dauerte die Alternative zum Kriegsdienst mit der Waffe - nämlich der Zivildienst - mal so eben 20 Monate. In meinem Fall: Pflegedienst auf der internistischen Station eines Krankenhauses. Hat mich krank gemacht und mich nach Beendigung noch ca. anderthalb Jahre jede (!) Nacht von der "Station" träumen lassen.

    Damals ('87 - '89) war ja noch kalter Krieg zwischen den Blöcken. Möglich, daß ich heutzutage eher Kriegsdienst leisten würde.

    Das KH war übrigens nicht weit von der holländischen Grenze entfernt; von den speziellen Karten bekam ich also damals durchaus auch einiges mit/ab…

    ;)
     
  3. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich war W18 und musste vom 03.01.67 bis 27.06.68 dienen. Man war das eine Scheiße! In der Alheimer Kaserne in Rotenburg/Fulda verbrachte ich die 18 Monate, dieses Bataillon galt als eine Art Strafbataillon für die Division. Wer mehr als 10 Disziplinarstrafen hatte, kam nach Rotenburg. Da gab es nicht wenige üble Kerle, ich war auf dem Geschäftszimmer und hatte Einblick in die Unterlagen, wenn mal wieder einer von einem anderen Bataillon zu uns abkommandiert wurde.

    Das waren noch richtige Schleiferzeiten damals. Ich ließ mir nicht all zu viel gefallen und beschwerte mich des öfteren und nicht so selten mit Erfolg, die letzte Beschwerde ging bis zum Verteidigungsministerium und ich erhielt die negative Antwort erst 3 Monate nach meiner Entlassung. Dadurch hatte ich schnell einen Namen und mir gegenüber verhielten sich sadistische Vorgesetzte vorsichtiger.

    Ich hätte gut auf diese Zeit verzichten können und lieber Zivildienst gemacht. Aber ich war 14 Tage vor meinem Soldat sein 19 Jahre alt geworden und mit Informationen etwas anderes zu machen als diesen Mist, wurde man in einer hessischen Kleinstadt nicht gerade überschwemmt.

    :meckert:
     
  4. maximilian

    maximilian Active Member

    Moin!

    Wieso Mist? Hättet Ihr damals nicht so heldenhaft die Stellung gehalten, dann hätte der Ostblock uns schon 20 Jahre früher überrannt :p

    Grüße, Maximilian
     
  5. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Fehlt noch die Angabe wann das war, McDil. Oder willst Du jeden Hinweis auf Dein Alter vermeiden? :biggrin:

    In Münsingen war ich im Juni 1967. Damals waren die Baracken gerade von franz. Soldaten aus Nordafrika geräumt. Wir wurden von Flöhen geplagt und der Oberstabsarzt geruhte uns zu verarschen, indem er sagte, dass das keine Flöhe sondern kleine graue Springtierchen wären. Schlag mal bei Brehms unter Flöhe nach, das steht was von kleinen grauen Springtierchen.

    Nazis gab es damals nicht wenige in der Bundeswehr. Man schenkte sich in Unteroffzierskreisen zum Geburtstag gerne den letzten Funkspruch aus dem Führerhauptquarier in eine Holzscheibe eingebrannt.

    Auch schlimm, man zwang uns dieses Lied zu singen und ich protestierte (natürlich erfolglos) dagegen:

    Hätt’ ich nur eine Krone,
    wohlan ich schenkte sie
    der Tapferkeit zum Lohne
    der deutschen Infantrie.

    Sie hat den Ruhm, der nie vergeht,
    der ewig in den Sternen steht,
    sich vor der Welt erworben.

    Ich mit meiner großen Klappe sagte, dass das doch wohl ein äußerst trauriger Ruhm wäre, hinter dem Millionen von Toten stünden. Zu mehr kam ich nicht, wurde niedergebrüllt.
     
  6. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Toll! Romantisch in Stahlgewittern.
     
  7. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    1967 erhielt ich meinen Musterungsbescheid. Daraufhin habe ich sofort verweigert und wurde anerkannt. Als ich dann das ABI hinter mir hatte, bewarb ich mich an der Psychiatrie der Uni-Klinik Tübingen. Das hat mich damals interessiert. Ich wurde genommen und tat Dienst auf einer geschlossenen Station. Das war das reinste Gruselkabinett. Die Patienten - vorwiegend manisch-depressive, schizophrene und schwer depressive Menschen - waren die meiste Zeit "ruhig gestellt" durch Medikamente wie Haluperidol u.ä.. Das bedeutete, wenn ich morgens meinen Dienst antrat, saßen sie meistens schon völlig apathisch in den Sesseln des Aufenthaltsraumes, stierten vor sich hin und reagierten nur langsam. Ich kam dann einmal auf die wahnwitzige Idee, diese Situation mit leicht erweitertem Bewusstsein zu erleben. Das war Horror pur. :augenring
    Zwei Patienten begingen während meiner Dienstzeit Selbstmordversuche (beide nachts, ich war nicht dabei!). Der eine erwischte eine große braune Medizinflasche, zerschlug sie und zerhackte sich mit dem gesplitterten Flaschenhals den linken Arm. Der andere wickelte sich das Handtuchband aus dem Handtuchhalter der Toilette um den Hals und versuchte sich auf diese Weise zu strangulieren. Beide konnten gerettet werden.
    Das hat mich damals schon ziemlich mitgenommen, vor allem, weil ich erlebte, dass außer Maßnahmen zur Ruhigstellung nur wenig geschah.
     
  8. batrat

    batrat Wolpertinger

    Unvergessen ist für mich der Satz eines Stabsunteroffiziers beim Aufbauen unserer Zelte bei der 36-Stunden-Übung
    "Immer daran denken Männer : In der Schräge fliesst das Wasser immer nach unten" :eek:) :rolleyes: :D

    Genauso irritierend war allerdings, dass einige Rekruten dreinblickten, als ob man ihnen gerade die Geheimnisse der Universums verraten habe. :crazy: :augenring
     
  9. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Aber wenn ich dass mit den hier schon erwähnten Äußerungen militärischer Würdenträger vergleiche, entbehrt es nicht einer gewissen praktischen Intelligenz. :biggrin:
     
  10. batrat

    batrat Wolpertinger

    Nie vergessen werde ich auch folgenden Dialog:

    Ausgangssituation: Ich war GvD (Gefreiter vom Dienst), eine Art Pförtner der Kompanie.
    Ich lese gerade "Der Herr der Ringe" in meinem "Büro".
    Der StUfzz blickt zu mir, erkennt ein Buch und brüllt:

    "Ist das dienstlich"
    "Nein"
    "Dann hören Sie sofort auf zu Lesen"
    "Gibt es etwas für mich zu tun ?"
    "Nein"
    "Dann lese ich weiter" :p
    "Soldat, ich lasse mich nicht verarschen. Sofort weg mit dem Buch"

    Ich lese ungerührt weiter. Der StUffz brüllt wie ein Elch. Vom Brüllen angelockt kommt der Kompanieführer (Leutnant) .
    "Was ist hier los ?"
    "Der Soldat leistet einem Befehl nicht folge"
    "Soldat, warum leisten Sie dem Befehl nicht folge ?"
    "Weil in den Dienstvorschriften der GvD steht "Soweit es dem Dienst nicht entgegensteht, darf der GvD private Bücher lesen"" :nicken:

    Der StUfzz schaut etwas dämlich. Der Kompanieführer lobt mein Buch. Ich verstecke mein Grinsen hinter dem Buch. :biggrin:
     
  11. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Ich hatte schon immer den leisen Verdacht, dass bei der Truppe eine ganze Menge Männer mit unterentwickeltem Selbstwertgefühl die Laufbahn der unteren Dienstgrade einschlagen wollen, um sich mehr Geltung zu verschaffen, ohne es wirklich zu können, was dann im Ernstfall gerne in schrecklichen Katastrophen endet.
    Dieser Stabsunteroffizier scheint mir in solch ein Raster zu passen. :augenring
    Bravo, dass du standgehalten hast!
     
  12. wilzim

    wilzim MacWilly

    Bei den Schilderungen kann ich verstehen, das die Bundeswehr sich sogar das Ende von Deutschland auf Nummerschild ihrer Transportfahrzeuge schreibt(y). Mir war der Gedanke ein Greuel, zu so einem komischen Haufen zu gehören und meine Zeit so unsinnig zu vergeuden. :gaehn:
    Ich hab den Wehrdienst erfolgreich verweigert. Nach einigen Querelen mit der Musterungsbehörde kam man zur Einsicht, daß ich nicht zum Wehrdienst tauglich sei.
    "Lieber ungekämmt als vom Stahlhelm frisiert!" :biggrin:
     
  13. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich kann nur jeden beglückwünschen, der Zivildienst leistete.

    Was ich bei der Bundeswehr mit dummen und sadistischen Menschen erlebte, geht schon nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut.

    Ich kann nur hoffen, dass sich in den 40 Jahren einiges zum Guten geändert hat. Damals kam es mir so vor, als ob alle, die im richtigen Leben nichts werden konnten, Unteroffizier der Bundeswehr wurden, um die zu quälen, die im richtigen Leben noch was werden wollten.
     
  14. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Watt is? Nur Drückeberger hier?

    :teufel:
     
  15. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Hättest Du Dich etwa freiwillig bei denen gemeldet, wenn die sich nicht bei Dir gemeldet hätten? Also. Von "Drückeberger" keine Rede :p

    Grüße, Maximilian (immer im richtigen Moment am falschen Ort ... oder so)
     
  16. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann –
    frage, was Du für Dein Land tun kannst!

    Ich tat!

    :augenring

    Auch Du wirst mir dereinst dafür dankbar sein. Spätestens dann, wenn ich einen Russen von Deiner Frau runter schieße!

    :biggrin:
     
  17. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Kannst du das ein wenig ausführen?
     
  18. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Wow, ich hätte die Militaristenquote unter Mac Usern eigentlich geringer eingeschätzt –*wahrscheinlich ist das hier ja nicht repräsentativ. :teufel:

    Ich war Zivi – Von den wenigen meiner Freunde die tatsächlich zum Bund gingen wurde die Mehrheit zu echten Kampftrinkern (einige sinds auch heute noch). Ganz im Ernst, die Geschichten waren fast zum Weinen: Nichts als Saufen, sinnloseste Beschäftigungen (LKW im Übungsgelände eingraben, Gewehr putzen) und wieder Saufen (Das war offensichtlich der kleinste gemeinsame Nenner, Drogentechnisch war für jeden geschmack etwas zu haben).
    Die einzige Ausnahme waren die Jungs die extrem sportlich begabt waren und sich bei den gebirgsjägern verdingt haben – die hatten keine Zeit zum trinken..

    Als Zivi hab ich mir auf meiner Stelle im Krankenhaus 15 Monate lang den Allerwertesten abgelangweilt. Bis auf ein paar Erfahrungen war es völlig vergeudete Zeit (aber immer noch besser als mit lauter Halbdebilen im Feinripp auf Stube Kastentrinken zu verantstalten) :eek:)
     
  19. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Mir musst Du mein zartes Alter und die Zeit – die muffigen 60er – zugute halten. Ein Jahr später hätte ich verweigert!
     
  20. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Ja, da war Verweigern wohl auch noch ein echtes Abenteuer, Anfang der Neunziger war es schon so das ich als potentieller Zivi durch die Musterung gelobt wurde als wäre ich Jürgen Hingsen –*ich dachte mir immer es wäre klüger gewesen erst hinterher das Kreuzchen bei "Verweigern" zu setzen (Vor allem wenn man damals mitbekommen hat das nicht mal die Hälfte aller Freunde und bekannten überhaupt das "tauglich"-Siegel bekommen haben)

    Wehrgerechtigkeit – wenn ich das schon höre! :kotz:
     

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