Evangelikale führen Kreuzzug gegen Schüler-Autoren

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 21. Dezember 2008.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

    Aus den USA kennt man die Evangelikalen ja schon.

    Jetzt gewinnen diese christlichen Eiferer auch bei uns an Einfluss. :kotz:


    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,596970,00.html

    "In diesem Kulturkampf streitet eine mächtige Lobby gegen zwei 18-Jährige: Evangelikale Gruppen feuern mit voller Kraft gegen zwei Jungjournalisten - sie hatten in einer Schülerzeitung das frömmelnde "Christival" kritisiert. Der bizarre Kreuzzug zeigt den neuen Machtanspruch christlicher Hardliner."

    "Die beiden Nachwuchsjournalisten interessierten sich für den Teil des Frömmel-Kongresses, den sie für missionarisch, intolerant oder gar reaktionär halten. Sie schrieben, dass ein Seminar unter dem Titel "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung" nach Protesten abgesagt wurde. Und erwähnten auch die Veranstaltung "Sex ist Gottes Idee - Abtreibung auch?", die stattfand.

    Auch das islamophobe Internet-Portal "Politically Incorrect", auf dem sich Empörung oft mit Ressentiments und Hass mischt, teilte aus. Dort wird in den Kommentaren so richtig drauflosgepöbelt: Von "Mohammedaner-Propaganda" und "Gutmenschen-Kampf" ist da die Rede. "

    Und die Thomas Krüger von der Bundeszentrale zieht den Schwanz ein. :meckert:

    "Thomas Krüger und seine Bundeszentrale reagierten auf ihre Art: Sie distanzierten sich - und zwar nicht von den Evangelikalen, sondern von "Q-rage" und dem Artikel von Samuel und Hannes. "Die bpb hält diesen Beitrag in seiner Einseitigkeit und Undifferenziertheit für gänzlich unakzeptabel."

    Und das alles wegen einer Schülerzeitung. :crazy:
     
  2. edwin

    edwin New Member

    Auch die Gläubigen (egal, welcher Richtung) müssen akzeptieren, dass in einer Demokratie Meinungsvielfalt gewünscht ist.
     
  3. maximilian

    maximilian Active Member

    Moin!

    Das einzige, was ich mir in diesem Zusammenhang wünsche: Eine Grundgesetzänderung, welche die öffentliche Ausübung von religiösen Riten und jede Werbung dafür mit der schlimmstmöglichen Strafe bedroht: Lebenslange Einweisung in ein Kloster :teufel: Damit die Religionsfreiheit endlich auch im Sinne der antireligiösen (noch, aber nicht mehr lange!) Minderheit einen Sinn ergibt.

    Grüße, Maximilian
     
  4. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Heute Morgen kam im Deutschlandfunk ein Beitrag, der eine Studie vorstellte, nach welcher Religion nützlich ist. Religiöse Menschen sind nicht so egoistisch, sie können offenbar nachweislich besser und freundlicher auf ihre Mitmenschen eingehen, Beziehungen zwischen religiösen Menschen sind stabiler und Religion hilft, schwere Zeiten besser durchzustehen, um nur einige der Aspekte zu nennen, die in der Sendung angesprochen wurden. Autor der Studie ist ein Religionswissenschaftler.
     
  5. edwin

    edwin New Member

    Und welcher Religion gehört dieser Wissenschaftler an?
     
  6. Altermac50

    Altermac50 New Member

  7. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Ist das wichtig?
     
  8. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Ich finde, Religion sollte eigentlich Privatsache sein. Wann endlich hört der Staat auf, Handlanger der Kirchen zu sein und schafft die Kirchensteuer ab?
     
  9. friedrich

    friedrich New Member


    Was ich mir wünsche: Das möglichst bald die Menschheit auf Kirchen, Moscheen, Syagogen, Tempel aller Art blickt wie heute schon auf Kultstätten der Mayas, Ägypter usw. Kulturhistorisch interessant, aber ansonsten durchdrungen von der Frage: "Wie konnten die an so einenBlödsinn glauben?"

    Um Richard Dawkins zu zitieren: Wenn Außerirdische zum ersten Mal die Erde aufsuchen, wird ihre erste Frage zur Einschätzung des Entwicklungsstandes sein: »Haben sie schon die Evolution entdeckt?«
     
  10. friedrich

    friedrich New Member

    Möglicherweise gilt das auch für Raucher, Trinker, Vegetarier, Bücherfreunde, Fans von Hello Kitty oder Schweizer.
     
  11. ......... und nicht zu vergessen sind, Linke, Kommunisten, Rechte und Hilfsdemokraten die auch zu den "Verneblern" gehören.
     
  12. Da hat dann ja der Führer nicht so daneben gelegen.
     
  13. edwin

    edwin New Member

    Ja! Oder glaubst Du, dass ein Wissenschaftler tatsächlich eine "Antwort" gegen seinen "Glauben" zulässt?
     
  14. So groß ist die Auswahl doch nicht, oder?
     
  15. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Ich bin ja auch der Ansicht das Religion eher eine Art Massenpsychose darstellt die in der Summe mehr Schaden für die Menschheit bringt als Nutzen, aber gebe ich da bei der Erziehung unserer Kinder etwas klein bei:
    Ich kann zwar der Organisation der Kirche wenig abgewinnen, viel mehr aber den Christlichen Werten, und nach diesen erziehen wir unsere Kinder. Wir lesen so manches in der Kinderbibel und gehen sogar ab und zu in den (kinder)gottesdienst. Zwar geht unser Großer auf mein Drängen hin in einen gemeindlichen Kindergarten (und nicht in den evangelischen den wir auch in betracht gezogen hatten), trotzdem glaube ich das es erheblich einfacher ist den Kindern durch das einfache Weltbild vom "Lieben Gott" ethische Werte beizubringen. Ich versuche das, soweit es geht allgemein zu halten und den Religiösen Unterbau nicht zu intensivieren, aber zur Orientierung ist die christliche Lehre in unseren Augen der richtige Weg.
    Ich fände es zwar schön das von der Organisation "Kirche" zu trennen, das ist bei den Kleinen aber kaum möglich, schließlich erhält die Lehre ihre Kraft dadurch das auch die Kleinsten schon sehen das hier ein breiter Konsens besteht (Sie sehen die Menschen in der Kirche, hören die selben Geschichten und Lehren von anderen Leuten, hören die Lieder, etc....)

    Früher oder später emanzipieren sich die Kinder sowieso mehr oder weniger vom "Glauben", das ist m.E. eine recht gesunde Entwicklung.
     
  16. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Es würde mich mal interessieren, wie viele von denen, die so vehement gegen Religion wettern, tatsächlich noch Mitglieder irgend einer Glaubensgemeinschaft sind, wenn auch nur formell. Ich bin vor etwa 35 Jahren ausgetreten.
    Was ich immer wieder erlebe sind Familien, die sich wenig darum scheren, ob ihre Kinder Religionsunterricht haben oder nicht, aber wenn Konfirmation oder Firmung anstehen, wird die seelische Belastung für viele zu groß und sie knicken ein, weil Opa, Oma, Tanten und andere Verwandte oftmals enormen unterschwelligen Druck erzeugen.
    Außerdem ist die Angst, in die Hölle zu kommen, wenn man nicht in der Kirche ist, vielleicht realer, als manche es sich eingestehen wollen - sicher ist sicher...
     
  17. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Es ist offensichtlich, dass die christlichen Grundwerte, die ich in einem Wort zusammengefasst "Menschlichkeit" nennen möchte, wesentlich zur Prägung unserer abendländischen Kultur beigetragen haben. Daran hatten die Kirchen - bei allem Wahnsinn und Fanatismus, der damit einher ging, sicher ganz wesentlichen Anteil.

    Aber ich denke, dass die Zeit dieser Institutionen abgelaufen ist. Wir sind nicht mehr die gleichen Menschen, wie im Mittelalter. Wir sind - zumindest von unseren Möglichkeiten her - frei denkende, selbst bestimmte Individuen, welche die Verantwortung für ihre geistige Entwicklung selbst tragen wollen. Dieses "unter der Fuchtel der Kirche stehen" ist nicht mehr zeitgemäß, die Angst vor dem Höllenfeuer und die Hoffnung auf Erlösung, die uns mehr oder weniger automatisch zuteil wird, wenn wir nur in der Kirche sind und glauben, was uns dort erzählt wird, das passt einfach nicht mehr recht zu unserer Bewusstseinsentwicklung. Es gab mal in den 70ern eine Ulmer Band namens "Ihre Kinder". In einem ihrer Songs kamen folgende Zeilen vor: "... Gotteshäuser werden immer leerer, weil Menschen in sich gehen..."

    Für Kinder finde ich es wesentlich, dass sie die christlichen Grundwerte im Verhalten ihrer Mitmenschen verwirklicht finden, dann können sie solche ganz selbstverständlich übernehmen. Das geht bei Kindern, vor allem bei kleinen, niemals über den Kopf. Menschlichkeit gilt inzwischen global und ist nicht mehr gebunden an Zugehörigkeiten irgendwelcher Art.
     
  18. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Da bin ich ganz deiner Meinung, frage mich aber wie dieses Wertesystem seine Konstanz bewahren soll wenn die Institution fehlt die sie bewahrt. Die christliche Kirche (na, eigentlich jede Kirche) hat leider zu oft ihre Schwäche bewiesen die ihr durch diese "Meinungshohheit" zugedachte Macht aufs Übelste auszunutzen – aber ich sehe die Gefahr einer Verwässerung der Werte wenn die bewahrende Institution an Macht verliert (Wie es im westlichen Kulturkreis ja zu beobachten ist... )


    Kinder sind aber m.E. sehr viel motivierter sich nach solchen Werten zu richten wenn sie erkennen das diese eine Allgemeingültigkeit besitzen, wenn sie erleben können das ihre ganze Umgebung diese Werte kennt und lebt (Die Worte der Eltern finden hier auf wunderbare Weise Bestätigung – das beeindruckt kleine Menschen).
    Leider ist der einzige Ort wo es ein öffentliches Bekenntnis vieler Menschen zu Ihren Werten gibt die Kirche –*hier treffen sich alle und sprechen darüber. Leider ist sowas in der Form nicht ohne den spirituellen Überbau zu bekomme (der mir in den allermeisten Fällen zu "menschengemacht" ist um wirklich spirituelle Gedanken anzustoßen...)
     
  19. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Das muss natürlich jeder selbst entscheiden, wie er das sehen will. Ich kann nicht erleben, dass die Kirchen da noch eine echte Ausstrahlung haben. Wenn die "abendländische Menschheit" diese Werte nicht so verinnerlicht hat, dass sie durch das Handeln im täglichen Leben authentisch erlebbar werden, dann kann der sonntägliche Erbauungs-Spaziergang in die Kirche daran wenig ändern. Anders ist es sicher, wenn ein reges Gemeindeleben besteht, an dem teilzuhaben den Eltern ein echtes Bedürfnis ist. Aber da wirkt eben wieder die Vorbildfunktion, vor allem bei kleinen Kindern.

    Die Kirchen merken ja auch, dass es immer notwendiger wird, sich dem Zeitgeist zu öffnen und konfessionsübergreifende Projekte zu veranstalten.
     
  20. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Ja, so sehe ich das auch.
     

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