Exzellenzcluster

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Holloid, 19. Oktober 2007.

  1. Holloid

    Holloid New Member

    Schon das zweite mal ist meine Arbeitsgruppe dabei... :)

    letztes Jahr gabs ein schönen neuen Mac....was gibts diesmal??

    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,512493,00.html

    Förderlinie "Exzellenzcluster"

    * RWTH Aachen: Tailor-Made Fuels from Biomass
    * Freie Universität Berlin: Topoi. The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations
    * Freie Universität Berlin: Languages of Emotion
    * Humboldt-Universität Berlin: NeuroCure: Towards a Better Outcome of Neurological Disorders
    * Technische Universität Berlin: Unifying Concepts in Catalysis
    * Universität Bielefeld: Cognitive Interaction Technology
    * Universität Bremen: The Ocean in the Earth System
    * Technische Universität Darmstadt: Smart Interfaces: Understanding and Designing Fluid Boundaries
    * Universität Erlangen-Nürnberg: Engineering of Advanced Materials - Hierarchical Structure Formation for Functional Devices
    * Universität Frankfurt/Main: Formation of Normative Orders
    * Universität Freiburg: Centre for Biological Signalling Studies - From Analysis to Synthesis
    * Universität Hamburg: Integrated Climate System Analysis and Prediction
    * Universität Hannover: Centre for Quantum Engineering and Space-Time Research
    * Universität Heidelberg: Asia and Europe in a Global Context: Shifting Asymmetries in Cultural Flows
    * Universität Kiel: Inflammation at Interfaces
    * Universität zu Köln: Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases
    * Universität Münster: Religion and Politics in Pre-Modern and Modern Cultures
    * Universität des Saarlandes: Multimodal Computing and Interaction
    * Universität Stuttgart: Simulation Technology
    * Universität Tübingen: CIN - Centre for Integrative Neuroscience
     
  2. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Als ich den Titel gesehen habe, dachte ich, daß das ein Vorschlag für das Unwort des Jahres wäre :p Vorhin im Radio habe ich es zum erstenmal gehört und mir standen die Haare zu Berge. Und noch schlimmer ist es, sowas von den neuen "Elite"Universitäten hören zu müssen, denn man sollte meinen, daß die dort auch Fakultäten für Anglistik und Germanistik haben :teufel:

    Naja, andere Zeiten, andere Sitten und vor allem neue Namen für dieselbe warme Luft. Trotzdem natürlich Glückwünsche für die Mitgliedschaft in so einem exklusiven Verein...

    Exzellenzgrüße, Maximilian
     
  3. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Wieso denke ich beim Lesen der Threadheadline ständig an Klabusterbeeren?

    :crazy:
     
  4. Holloid

    Holloid New Member

    das ist die "neue" Sprache der Wissenschaft.Die Kultursprache ist halt Englisch.
    Diese "Cluster" bringen Wissenschaftler der verschiedensten Richtungen zusammen.Es fördert also die Kommunikation,und die interdisziplinärer zusammenarbeit..Was soll daran falsch sein??
     
  5. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    An der Sache an sich ist nichts falsch.

    Auch damit habe ich kein Problem. Aber "Exzellenzcluster" ist kein Englisches Wort. Und auch kein Deutsches. Es wird also weder vom kleinen Stuerzahler, der immerhin die Zeche dafür bezahlen darf!, noch von Forschungseinrichtugungen im Ausland wirklich verstanden, um was es hier geht. Und deswegen finde ich solche Wortschöpfungen nicht nur unnötig, sondern sogar schädlich.

    Ich dachte es sei ein Merkmal jeder Universität, daß dort durch die Konzetration verschiedener Fakultäten und Fachbereiche an einem Ort interdisziplinäre Forschung und Lehre ermöglicht wird. Und zwar schon seit dem frühen Mittelalter, als sich aus vormaligen Klöstern und Priesterseminaren die ersten echten Universitäten entwickelten. Das Wort "Univerität" bedeutet sinngemäß nämlich nichts anderes als "Exzellenzcluster", nur daß es auf alten statt auf neuen Sprachen basiert.
    Für mich kann der Exzellenzcluster also nichts anderes sein als der verzweifelte Versuch, etwas durch bloßes umbenennen besser zu machen, für das einem die Mittel fehlen, um es wirklich besser machen zu können.

    Und was an Mitteln aufgewendet wurde/wird, um die Eliteuniverstäten und "ECs" besser auszustatten, ist den übrigen Universitäten weggenommen worden, die jetzt bei steigenden Studentenzahlen sehen können, wie sie mit nur noch 2/3 des Budgets pro Student im Vergleich zu vor zehn Jahren eine gute Ausbildung gewährleisten sollen.

    Drum bleibe ich dabei: Alter Wein in neuen Schläuchen oder eben die übliche warme Luft.

    Grüße, Maximilian
     
  6. Holloid

    Holloid New Member

    Gerade weil die Sprache ins Englische geht,musste so ein Kunstwort geschaffen werden.So wird es auch vom Normalsteuerzahler verstanden.

    Da hast du ja idealistische Vorstellung von der Universität.Das grösste Problem der heutigen Uni in Deutschland ist,das es zusammenarbeit sehr selten gibt.Da weis das eine "Stockwerk" nicht was das andere macht..
    Nur einige Profs. versuchen dagegen zu steuern,viele andere verziehen sich in ihre Forschung und schauen nicht mehr nach rechts oder links.Der cluster ist ja nicht auf eine UNI bezogen ,sondern auch auf außenstehende Forschungseinrichtungen (Max-Blank etc.).Wir Arbeiten in der Entwicklungsbiologie und Arbeiten mit Meereswissenschaftlern und jetzt mit Medizinern zusammen.Das ist Fortschritt,und hat uns in einigen bereichen schon weiter gebracht.
    Bei den Eliteuniversitäten stimme ich dir zu,aber wird das Geld wirklich den anderen ,nicht geförderten Unis ,Weggenommen??
     
  7. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Analog zu Stoiber, der den Begriff "Kompetenz" so sehr inflationierte, dass er schließlich von "Kompetenz-Kompetenz" sprechen musste, dürfen wir wohl bald die erste "Exzellenz-Exzellenz-Uni" erwarten, wenn es jetzt immer mehr Exzellenz-Unis in Deutschland geben wird. Vielleicht machen ja Baden-Württemberg und Bayern den Anfang.
     
  8. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Glaube mir, es wird nicht. Ich habe inzwischen reichlich Kontakt zu normalen Steuerzahlern und die reagieren zunehmend entrüstet auf jeden Versuch, ihnen noch mehr Geld für unverständliches Zeug abzuzwacken.

    Kann ich aus eigener Anschauung nicht bestätigen. Ich habe in meiner Zeit an der Universität (die übrigens nicht in der Elite-Liste auftaucht, owohl sie das in meinem Fachbereich eigentlich verdient hätte) und in den Jahren danach eine vorbildliche Zusammenarbeit von Fakultäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen erlebt.

    Wie gesagt, das habe ich vor ca. 15 Jahre schon erleben dürfen. Ich habe selbst eine mehrjährige Forschungsarbeit in einem interdisziplinären Forschungszentrum der EU im Ausland (dort lachen sie wahrscheinlich jetzt am lautesten über den "Exzellenzcluster") in Zusammenarbeit mit Universitäten in ganz Europa hinter mir. Das ging ganz ohne Kunstworte und lief letzten Endes nur auf eines hinaus: Wenn das Budget stimmt, ist alles andere auch möglich.
    Diese Extramillionen, die gerade auf diese "Elite"universitäten und Clusterdinger verteilt werden, sind im Vergleich zu den Bugdets von echten Eliteuniversitäten à la Harward und MIT aber nichtmal Erdnüsse, sondern höchsten Erdnußschalen.

    Aber ich will nicht weiter lästern, so langsam tut sich ja tatsächlich was, wenn es auch im Moment eher eine Umverteilung als ein echter Investitionsschub ist. Schon damals hatte ich einen Aufkleber am Auto in blau mit goldenen Sternen, auf dem stand "La ricerca è l'avvenire per l'Europa" (Die Forschung ist die Zukunft Europas) - nach nur 15 Jahren scheint diese Botschaft jetzt auch in unserer Politik angekommen zu sein. Immerhin.

    Ja, es wird leider. Meine beiden Schwestern sind in geisteswissenchaftlichen Fakulatäten an Nicht-Elite-Universitäten gelandet und haben schon lange die Freude an der Arbeit verloren. Eine von beiden hat jetzt die Konsequenz gezogen und wechselt nächstes Jahr ins Ausland, weil hier nichts mehr geht, bei meiner anderen Schwester ist das auch nur noch eine Frage der Zeit, denn sie kann sich ihren Job schlicht und einfach nicht mehr leisten: Für die diesjährige Ausgrabungskampagne haben sie den Archäologen die Spesenpauschalen für den Auslandseinsatz gestrichen. Wie kann ich denn von meinen Leuten gute Arbeit erwarten, wenn ich sie in Krisengebiete schicke (Bürgerkrieg und Naturkatastrophen gibt es dort!) und ihnen dann nicht einmal das Mittagessen bezahle?

    Nein, bis zur echten Exzellenz und Elite ist es noch ein weiter weg. Denn eine Handvoll Spitzenforscher (darunter vielleicht sogar der eine oder andere Nobelpreisträger) in zwei oder drei ausgewählten Gebieten (Mikrobiologie, IT, Teilchenphysik) machen aus einem Land wie unserem noch keinen konkurrenzfähigen Standort. Wir brauchen keine Spitzen, sondern einen breiten Sockel auf hohem Niveau, um das Land der "Dichter und Denker" zu bleiben. Und dafür muß man Künstler, Germanisten, Historiker und Geologen genauso fördern (nein, nicht genauso, sondern mehr, denn sie haben viel aufzuholen!) wie die Vorzeigebereiche, die gerade in Mode sind. Bis die Verantwortlichen das verstehen, wird es aber noch lange, vielleicht sogar zu lange dauern.


    Grüße, Maximilian

    PS: Wenn ich mich hier so schreiben lese, war es vielleicht doch ein Fehler, damals nicht das Angebot angenommen zu haben, und in Brüssel für die Europäische Kommission bei der Verwaltung der Wissenschaftsetats mitzuarbeiten. Vielleicht hätte ich ja was (ganz kleines zumindest) bewegen können?
     
  9. Holloid

    Holloid New Member

    Zusammenarbeit im "Cluster" bedeutet nicht das man sich ab und zu mal trifft,sonder eine Doktorandenstelle die zwischen den bereichen "pendelt".
    Das gibt es in Deutschland nicht so oft.Der letzte Exellenscluster hat 30.000 € und eine Doktorandenstelle pro Jahr gebracht.Für unsere Gruppe die von ca. 3000 € pro Monat leben muss ,eine menge Geld.
    Sicher wird das Geld verteilt nach dem was gerade Mode ist..Ich Arbeite in der molekularen Biologie,und unsere Arbeitsgruppe ist führend in der Welt ,(im unseren kleinen bereich) und sind somit gerade in Mode.Der deutsche Standort ist aber sicher nicht so schlecht wie er oft beschrieben wird,aber auch nicht so gut wie er sein könnte.Das größte Problem ist der Abbau der Mittelschicht.Postdocks (das sind die die Dr. Arbeit hinter sich haben,also fertig Ausgebildet sind)in einem Alter sind (ca.28 und älter) in dem man sich eine Zukunft schaffen will,kriegen hier nur Jahresverträge und dürfen nur wenige Jahre Arbeiten bis sie entlassen werden müssen.Deshalb (und oft nur deshalb) gehen die teuer Ausgebildeten Wissenschaftler ins Ausland.Meist in die USA weil es dort eben die meisten Stellen gibt.Unter diesen Umständen leidet auch die Ausbildung.Ich hab in meiner Arbeitsgruppe viele sehr gute Wissenschaftler gehen sehen.Als Händler,Lehrer oder sonstiges...Einfach verschenktes Potential.Ihr Problem war das sie eine Familie gründen wollten,und mehr Sicherheit haben wollten.
    Das sind meine Erfahrungen in einer Gruppe die in Mode ist...Bei den
    Geisteswissenschaften sieht es bestimmt noch schlechter aus.
    Zusammenarbeit?Ein beispiel das mein Chef mir gerade erzählt hat.Ein Chemie Professor hat eine Anfrage auf interdisziplinäre Zusammenarbeit an alle Naturwissenschaftlichen Profs gestellt...von 400 möglichen haben sich nur 12 dazu bereit erklärt.Mein Chef ist der einzige aus der Biologie...ein Armutszeugnis.Aber es geht auch anders.Ich hab ein Freund der drei Jahre in den USA als Prof gearbeitet hat,und vor einen Jahr wieder zurückgekommen ist.Der erforscht den Fischbestand.In den USA hat er Geld ohne Ende!!(aus der Fischwirtschaft).Zur Untersuchung haben sie kleine unbemannte U-Boote gebaut.Wenn es da Technische Probleme gab, hat er bei den Ingenieurwissenschaften angerufen,und ohne großen auffand hatte man einen Ingenieur für ein halbes Jahr bekommen,das gleiche für Softwarefragen.
    Das ist in Deutschland undenkbar.
    Wenn der Lockruf des Geldes ( 32 Millionen in 5 Jahren) uns zur zusammenarbeit bringt..na dann mal los..
     

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