Für und Wider "Leitkultur"

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von macixus, 20. November 2004.

  1. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Nein, mir behagt der Begriff "Leitkultur" auch nicht.

    Aber solange kein geeigneterer genannt wird, soll er zumindest als Annäherung an einen besseren dienen.


    Worum geht es?

    Vor etwa vier Jahren wurde bei uns in Deutschland schon mal nach einer "Leitkultur" gefragt bzw. gerufen - aber nicht allzu lange, dann wurde dieser Begriff (vor)schnell zum Unwort erklärt, da er sowohl im Widerspruch zur schönen Multikulti-Idee stand als auch überdies befürchten liess, dass unter diesem Deckmantel dumpfe Ressentiments hochbrodeln könnten.

    Erst als ein fanatischer Islamist vor wenigen Tagen im multikulturellen Musterland einen Regisseur abschlachtete, der es "gewagt" hatte, mit dem Frauenbild vieler Muslime abzurechnen, feierte der Begriff von der "Leitkultur" zusammen mit dem der "Parallelgesellschaften" unfröhliche Wiederauferstehung.

    Unser Sinneswandel ist mit dem Schlagwort "die Niederlande sind überall" nur unzureichend umschrieben. Tatsächlich geht es um mehr als einen Sinneswandel, wenn unser Kanzler mahnt:

    "Weder kann eine Demokratie rechtsfreie Räume noch kann sie Parallelgesellschaften dulden...Wir müssen darauf bestehen, dass unserer Integrationsbereitschaft ein Integrationswille bei denen entspricht, die zu uns kommen." Der Kanzler führt Demokratie und Aufklärung als "universelle Werte" auf und ergänzt: "Werte, die auch diejenigen akzeptieren und verinnerlichen müssen, die aus einer anderen Kultur stammen."

    Auch Heribert Prantl (Süddeutschen Zeitung) nimmt den bestialischen Mord an Theo van Gogh zum Anlass, um festzustellen, dass dieses Verbrechen "die Suche nach dem befördert (hat), was eine disparate Gemeinschaft zusammenhalten kann" und kommt zu dem Ergebnis: "Es gibt eine Leitkultur, ohne die es keine Zukunft gibt für Deutsche und Ausländer, für Alt- und für Neubürger, Christen und Muslime...Die Leitkultur ist eine Kultur des Zusammenlebens: Sie heißt Demokratie. Sie heißt Rechtsstaat. Sie heißt Grundrechte."



    Und jetzt meine Fragen:

    - Brauchen wir eine "Leitkultur"?
    - Was könnten die Inhalte bzw. Orientierungspunkte einer "Leitkultur" sein?



    Quellen:
    (1) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,328781,00.html
    (2) http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/345/43302/
     
  2. turik

    turik New Member

    Leitkultur?

    Die (West-)Europäer sind am Aussterben. Die Immigration ist, wenn auch "nur" aus ökonomischen Gründen, notwendig.

    Interessant wird es daher, wenn aus "fremdartigen" Minderheiten Mehrheiten werden, weil sich dann die Frage zur "Leitkultur" ganz einfach demografisch erledigt.
     
  3. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Bis da sind es noch ein paar Jahrzehnte hin - erst 2050 rum ist jeder zweite Europäer ein Muslim...

    Vielleicht kannst du ja doch vor 2050 noch was dazu sagen. :bart:
     
  4. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Lerne Leiten ohne zu Klagen!

    Mit einem Satz auf den Punkt gebracht.

    :party:
     
  5. graphitto

    graphitto Wanderer

    Wie man das Pferd nennt bedeutet gar nichts.

    Für mich steht fest, wer hierher einwandert, hat sich an hiesige Gepflogenheiten zu halten.
    Dazu gehört zuallererst, die Sprache zu lernen und sie vor allem auch seinen Kindern beizubringen oder beibringen zu lassen.

    Seinen Glauben soll jeder ausüben können. Ob es sich allerdings gut macht, sich am Arbeitsplatz (so man einen hat) fünf mal am Tag gen Mekka zu verneigen, muß jeder für sich entscheiden.

    Ich finde den Satz, das zur Integration außer der Förderung auch die Forderung gehört, gar nicht so blöd. Auch wenn der Herr Beck darunter wahrscheinlich etwas anderes versteht als ich.

    gruß
     
  6. bus

    bus New Member

    Dass Atta und Co(-Piloten) unserer Leitkultur nicht folgen, wäre zum ersten Mal der Bostoner Luftkontrolle aufgefallen, nicht beim Check in, nicht beim Studium in HH, nirgendwo. Wenn nötig, wären die wahrscheinlich in der Vorbereitung ihrer Anschläge zum Schein konvertiert. Die sind nie schwarz mit dem HVV gefahren und hatten für ihr letztes Verkehrsmittel sogar (fast) einen Führerschein.
     
  7. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Selten hat der Dumme-August-Smiley so gut getroffen...
     
  8. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Klingt harscher, als es vermutlich gemeint ist. Aber immerhin hast du schon mal angesetzt, Sonntagsreden-Begriffe mit konkreten Maßnahmen zu füllen. Für mich gehört die Kenntnis unserer Sprache auch zur "Leitkultur".
     
  9. turik

    turik New Member

    Als wir uns den ersten und bislang einzigen Maledivenurlaub gönnten, stand da in den Reiseunterlagen, es sei verboten, eine Bibel im Gepäck mitzuführen.
    Die sind wenigstens konsequent.

    Für mich ist es völlig klar: Wer sich bei uns nicht integrieren will oder sogar unser System ablehnt, braucht seinen eigenen Kulturbauchladen gar nicht erst auszupacken.
     
  10. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Als Schweizer kannst du sowas natürlich leicht sagen. Bei uns würdest du jetzt schon am Laternenpfahl baumeln... :cool:
     
  11. Der Begriff "Leitkultur" ist ein unmögliches Wort; suggeriert er doch die demokratischen Werte, die idealerweise existieren, die aber in sogenannten freien Demokratien der westlichen Welt bestialische Auswirkungen unter diesem Etikett annehmen können. Daherist dieser Begiff unbrauchbar. Zum anderen gibt es ja folgende Schwierigkeiten: welche Kultur haben wir in Deutschland? Ich meine nicht die politische Staatsform, die ja eine notwendige Entwicklung nach dem Desaster des "tausendjährigen Reichs" war, sondern was ist heute wirklich alltägliche kulturelle Idendität in diesem Land? Gibt es sie in diesem Sinn? Nein, sie ist multikulturell.

    Meine Kritik meint nicht, daß wir auf die Werte liberaler Gesellschaften verzichten sollen oder in ihrer Kritik sie zu den totalitären Regimen relativieren.
    Sogenannte islamische Fundamentalisten ähneln in ihrer Philosophie extremen Nihilisten oder Faschisten.

    Später vielleicht mehr. Jetzt gibt es ersteinmal Abendessen.
     
  12. graphitto

    graphitto Wanderer

    Nun ja, wenn man jeden Morgen im Bus um sich herum ein fröhliches Sprachgewirr aus Türkisch, Russisch, Französich und ab und an mal ein Brocken Deutsch hört, fragt man sich schon wo man lebt.

    Schlimmer find ich es allerdings, wenn Eltern mit ihren Kindern ausschließlich russisch oder sonst was reden, weil offensichtlich die Eltern kein Deutsch können. Damit hemmen die Eltern die Integration der Kinder gewaltig. Und ihre eigene natürlich auch.

    gruß
     
  13. graphitto

    graphitto Wanderer

    Ja, die Schweizer wieder. Könnt ihr uns nicht mal ein paar Leutchen ausborgen? Wir integrieren die auch ganz schnell. :rolleyes:

    gruß
     
  14. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Vor ein paar Tagen bei Deiner Replik auf mein „Über die Klinge springen lassen“-Posting, stand er unsichtbar darunter.
     
  15. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Gut. Fein. Schön. In Ordnung. Prima. Ganz toll.



    Und jetzt lass' diejenigen, die das Thema "Leitkultur" bewegt wie mich, miteinander diskutieren. Dein Auftritt kommt dann schon noch ab der 4. oder 5.Seite, wenn Blut fliesst und du Frieden, Freude und Eierkuchen verteilen kannst.
     
  16. graphitto

    graphitto Wanderer

    pewe, jetzt hör auf mit dem Quatsch. Wenn du was zur Diskussion beizutragen hast (was mehr als einen Satz braucht), dann tu es. Ansonsten halt dich raus. Bitte.

    gruß
     
  17. graphitto

    graphitto Wanderer

    Und du lass dich nicht immer provozieren. Dein Thema sollte dir doch wohl wichtiger sein.

    gruß
     
  18. turik

    turik New Member

    So könnte es doch funktionieren, was meint ihr? (c und p):

    "Aufgeklärte Schweizer Muslime fordern die Ausbildung von islamischen Geistlichen im Lande. «Auch wenn Imame an theologischen Fakultäten im Ausland hervorragend ausgebildet werden, die Schweizer Kultur bleibt ihnen fremd», sagt der Berner Soziologe Farhad Afshar, Präsident der Koordinationsstelle islamischer Organisationen. Heute werden die Geistlichen «importiert». Sie bleiben meist nur kurze Zeit in der Schweiz und stammen oft aus radikalen oder fundamentalistischen Schulen im Iran, in Saudi-Arabien oder Ägypten. Ein in der Schweiz aufgewachsener und ausgebildeter Imam werde bessere, auf die hiesigen Verhältnisse zugeschnittene Seelsorge leisten, macht Afshar geltend. Bei interkulturellen Konflikten könne er als Mediator wirken. Afshar versuchte mehrfach, Schweizer Universitäten für die Imam-Ausbildung zu gewinnen, stiess aber bislang auf taube Ohren."
     
  19. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Zum Begriff "Leitkultur" habe ich ja schon einleitend gesagt, dass er mir auch gar nicht schmeckt. Allerdings haben wir beide noch keinen besseren gefunden, der die von dir (dankenswerterweise) angerissene Problematik "fasst" und zu konkreten Maßnahmen überleiten kann.

    Ich will dich jetzt nicht beim Essen stören - nur soviel dazu: wie du bin ich der Meinung, dass an unserem Wesen nicht die Welt genesen soll (falls sowas überhaupt möglich sein sollte). Etwas gänzlich anderes ist es aber, wenn Menschen in unser Land einreisen (aus welchen Gründen auch immer) und dort an ihrer "Parallelwelt" bauen. Das verkraftet m.E. keine noch so tolerante Gesellschaft.

    Deine Frage nach der tatsächlichen kulturellen Identität stelle ich mir auch. Sie verbirgt hinter "Was könnten die Inhalte bzw. Orientierungspunkte einer 'Leitkultur' sein?"
     
  20. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Sehe ich genauso und dies wäre ein weiterer und wichtiger Punkt im "Katalog konkreter Maßnahmen".
     

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