Hühnerbummler und Führersüßigkeit

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von maiden, 7. August 2004.

  1. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Die Tschechei, so mag man bei Unkenntnis der Tatsachen vermuten, besteht aus einem rückständigen Teil Landwirtschaft mit den üblichen Einsprengseln von Industriebrache und einem anderen Teil, der sich Plattenbausiedlungen nennt und aber tatsächlich eine Ansammlung von schief und krumm zusammengepappten Betonteilen ist, in deren Hohlräumen sich keine Pfützen bilden können falls Wasser eindringt oder darin verschüttet wird, da die Böden der Bauten sich stets nach einer Seite neigen und das Wasser sofort abfließen lassen.

    So kann es in Hotels passieren, daß man die wenigen Schritte zum Aufzug ohne jegliche Anstrengung zurücklegen kann, da das Gefälle dorthin Richtung und Tempo vorgibt.

    Daß die Zimmertüre hinter einem schließt, stellt schon ein kleines Wunder dar, denn der Rahmen wurde ebenfalls schief eingesetzt. Daß die Türe, nachdem man sie aufgeschlossen hat, alleine öffnet, ist indes kein Wunder, denn der schiefe Rahmen gibt auch hier die Richtung vor.

    Aber von Anfang an.
    Nachdem die drei Reisenden B, S1 und S2, ihres Zeichens Fotografen, ihre Ausrüstung im Fahrzeug verstaut haben, geht die Reise los. Zum Zwecke das Fotografierens irgendwelcher Maschinen in irgend einem Werk am Ende der Tschechei.
    Ziemlich zügig und ohne Komplikationen läßt man das Schwabenland flugs hinter sich, verabschiedet sich leise, jeder für sich vermutlich, von der Heimat, die man möglicherweise nicht mehr wieder zu sehen bekommt, oder - je nach Lage der Dinge, in anderem Zustand und seiner Besitztümer entledigt, zum Spott der Zurückgebliebenen wieder zu betreten gezwungen ist.

    Es kursieren die wildesten Spekulationen über die Einstellung der Tschechen zum Eigentum fremder Leute, es werden Späße gemacht, wohl auch um Ängste zu überspielen, es wird beschwichtigt, aufgebauscht oder wieder verharmlost.

    Die Bevölkerung des zu bereisenden Landes wird zum Opfer frohsinniger Unterhaltungen, es werden übelste Bedenken aber auch fromme Wünsche geäußert.
    Die Kochkoryphäe unter den Mitreisenden, Herr B. sinniert fortwährend über die Vorzüge der einheimischen Küche, während der Mitreisende S1, sich auf die Nichteinhaltung der Verkehrsregeln konzentriert.

    So wird die Anfahrt zur Grenze zu einem kurzweiligen Ereignis, nur unterbrochen durch einen Stop um Treibstoff zu bunkern und Kaffee in Form gefrorener Milch-Eiweiß-Fettmasse zu sich zu nehmen. Soll heißen - Kaffee gab es nicht, dafür brachte S1 Eis mit.

    Die Grenze naht, wird links liegen gelassen. Man wird ohne Zögern durchgewunken, was den Mitreisenden B., seines Zeichens Hobby-Politkommentator, trotzdem zu politisch unkorrekten Urteilen über die Grenzbeamten hinreißt.

    Der sichere Boden wird also verlassen, das Landschaftsbild ändert sich allmählich. Malerische Felder mit viel Wildwuchs dazwischen wechseln mit alten Gemäuern, den Überbleibseln ehemals riesiger Kolchosen, teils verfallen, teils in schlechtem Zustand aber noch genutzt.
    Es ist warm, die Sonne scheint. Der Fahrer kümmert sich weiter, und nun auch intensiver um die Nichteinhaltung der Verkehrsvorschriften. Ohne die zu erwartenden Folgen allerdings. Wie sich später herausstellen sollte, hat man beim Druck auf das Gaspedal die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf den gut ausgebauten Autobahnen teils um etwa 60 Km/h überschritten. Allerdings muß man zur Entlastung des Fahrers sagen, daß er es nicht wußte. Allerdings muß an dieser Stelle auch zur Belastung des Fahrers gesagt werden, daß er es hätte wissen können.

    Die Reise geht also zügig und ohne ungewollte Unterbrechungen weiter.
    Mit der Fortdauer einer Reise stellt sich allerdings auch mehr und mehr der Hunger ein. Da der Mitreisende B., ein Bewunderer guter Küche und Kenner kulinarischer Freuden, während der Fahrt wiederholt den Speichelfluß seiner leidenden Reisegefährten anregte, indem er Bilder ungeahnter Köstlichkeiten, dampfender Knödel, saftigen Fleisches und üppiger Portionen, umrahmt von mächtigen braunen Soßen in die Luft malte, wurde irgendwann beschlossen, einen Tempel heimischer Gaumenfreuden aufzusuchen um endlich das Leid zu beenden, und um die zum bersten geschwollenen Blasen zu entleeren.

    Die erste Raststätte wurde angefahren, angeguckt und abgehakt. Sie schien schon rein äußerlich, wenig vertrauenserweckend. Die zweite wurde ebenso ignoriert und die dritte oder vierte, so genau läßt sich das nicht mehr sagen, weil zu diesem Zeitpunkt bereits erste Mangelerscheinungen die Hirntätigkeit herabsetzten, wurde schließlich als akzeptabel angesehen. Bei der dritten wurde die Blase entleert, so viel weiß ich noch, und beim Einsteigen frohlockte die gesamte Reisegesellschaft über die zu leistende Bezahlung die beim Verspeisen der dann real werdenden Bilder von Bs Küchenpoesie fällig würde.
    Denn im zur Toilette mißbrauchten Autobahnlokal Nummero drei, stand am Eingang eine Tafel, auf der einige Mahlzeiten abgebildet waren, nebst Preisen. Diese ließen hoffen.

    Was zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keiner der Reisenden ahnen konnte, war die Tatsache, daß zu jedem Restaurantbesuch eine vorzügliche Unterhaltung in literarischer Form dargeboten wird, die die gesamte Mahlzeit zu einem unvergleichlich fröhlichen Ereignis werden läßt. Alles im Preis inbegriffen, der für sich alleine genommen schon einen Unterhaltungswert besitzt, an den die Darbietung der deutschen Gastronomie locker herankommt - allerdings von der anderen Seite. Denn auch dort werden mittlerweile ja bekanntlich unglaubliche Preise verlangt, die zur Erheiterung beitragen können.
    Hier war nun also aber echte Freude zu erwarten.

    Man hält, man steigt aus, man streckt sich, man betritt das Lokal, befindet es für vertrauenserweckend und setzt sich.
    Das Personal legt eine fast schon unterwürfige Haltung an den Tag, wohl ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen und Regimen.

    Nun wird die üppig ausgestattete Speisekarte gebracht und nach nur kurzem Studium derselben wird aus der anfänglichen durch Hunger und Reisestrapazen gezeichneten Runde ein sich vor Lachen biegendes Häufchen kopfschüttelnder und verständnislos rätselnder Menschen.
    An die in der Speisekarte ausgewiesenen und in deutscher - äh - Sprache vorliegenden Erklärungen kommen die Darbietungen deutscher Kabarettisten nicht im Entferntesten heran.
    So finden sich unter den in tschechischer Sprache vorliegenden Beschreibungen der Speisen die amerikanische und darunter schließlich die deutsche wieder. Und vermutlich wurden die Beschreibungen auch genau in dieser Reihenfolge übersetzt. Allerdings muß das Vertrauen der Tschechen in computergestützte Übersetzungsprogramme grenzenlos sein, denn um diese Art der Übersetzungstechnik muß es sich zweifellos handeln, da selbst ein der deutschen Sprache wenig mächtiges menschliches Wesen kaum auf derart kuriose Beschreibungen kommen kann.

    Nach einiger Überlegung entscheide ich mich für das Gericht „Führersüßigkeit“.
    Der Leser dieser Zeilen liegt aber völlig daneben, wenn er glaubt, es handele sich bei hierbei um eine zuckerhaltige Nachspeise. Das Gegenteil ist der Fall. Auf den Teller kommen dreierlei Fleisch mit Käse überbacken, dazu Pommes. Dazu noch Salat.
    Es mundet allen, wobei die beiden anderen Mitreisenden sich mit einer anderen Mahlzeit verlustierten.

    Während des Essens ergötzt man sich weiterhin an Preisen und Übersetzungskapriolen.

    Man fährt schließlich weiter, wobei der Hobbyökonom B. erstmals das Kunststück währungstechnischer Flexibilität fertig bringt indem er in seinem Rededrang von der landesüblichen Währung Kronen abgleitet und plötzlich von Kopeken und anderem Kleinkram zu schwadronieren beginnt.
    Selbst mehrmalige Hinweise auf das landestypische Zahlungsmittel beeindrucken ihn nicht. Er scherzt weiter über Preise und Währung.

    Unser Fahrer konzentriert sich wieder auf die kontrollierte aber mit großem Eifer betriebene Nichtbeachtung einheimischer Verkehrsvorschriften. Bei 130 Km/h sollte eigentlich Schluß sein, aber es bereitet ihm keinerlei Mühe, die Toleranzen für deutsche Mercedesfahrer um ein Vielfaches zu ignorieren. Das ganze bleibt allerdings wieder ohne Folgen. Wobei es sicher sehr interessant gewesen wäre und die Reise um eine weitere Anekdote bereichert hätte, wenn man den Mitreisenden S1. bei der örtlichen Polizei mit einer Handvoll Kopeken - oder Zloty hätte auslösen müssen. Forint, rumänische Leu oder lettische Lats wären sicher auch noch gegangen, und dafür hatte der Finanzspezialist B. sicher auch eine lustige Erzählung parat gehabt mit der er die, wie er sie nannte: „Scheißbullen-Dreckschweine - verkackte“, sicher zum Schmunzeln gebracht hätte.
    Leider blieb uns die Freude dieses Erlebnisses verwehrt und der Fahrer S. auf freiem Fuß.

    Die Reise geht über gut ausgebaute Straßen flüssig voran. Weite Kornfelder, goldgelb und prachtvoll stehen neben üppigen Wildwiesen, Hügel wechseln mit Flachland, alte Höfe machen Plattenbauten Platz. Wir kommen nach Prag. Das allerdings wollen wir links liegen lassen, da es ja nicht Ziel unserer Reise ist.
    Häßliche Trabantenstädte stehen am Horizont, aber auch kleine Eigenheime neueren Datums sind zu sehen.

    Das Land ist voller Werbung. Entlang der Autobahn fortwährend Werbung. Man hat regelrechte Werbetürme erstellt - stabile Metallkonstruktionen an deren Spitze beleuchtete Werbetafeln monströsen Ausmaßes befestigt sind. An strategisch günstigem Standort hat man mitten in Feldern über 20 Meter lange und bestimmt über sechs Meter hohe Werbewände angebracht. Werbung wohin das Auge sieht. Die Tschechei ist das Land der Werbung.

    Bei Prag hängen schmucke, alte Häuschen an den Hängen. Viele mit Holz gebaut und in augenscheinlich gutem Zustand. Aber auch die Glaspaläste westlicher Konsumterroristen stechen ins Auge. Ikea, Lidl, Penny und Elektronikriesen - alle sind sie da. Sie haben den Markt nach Mafiamanier unter sich aufgeteilt. Für einheimische Versuche unternehmerischer Wagnisse wird da wohl kein Platz mehr geblieben sein.

    Es wird dunkel. Den letzten Teil der Reise legen wir bei Dunkelheit zurück, so daß sich Reiseerzählungen hier auf die Fahrgastzelle beschränken müssen.
    Der Mitreisende B. schwelgt abwechselnd in kulinarischen Phantasien oder politisiert mangelhaft. Es werden wieder üppige landestypische Köstlichkeiten versprochen die, das gleich vorneweg, nie erfüllt werden sollten.
    S1. hat auch immer noch nicht verstanden, daß seine Versuche, den Streckenrekord zu brechen, in einer vergitterten Unterkunft enden könnten.
    Man erzählt Witze, macht sich über die Bewohner des Landes lustig und kommt schließlich in Hodonin an.

    Hodonin ,mit etwa 4000 Einwohnern ist ein in Teilen heruntergekommenes Industriestädtchen, wenig sehenswert und liegt am Arsch der Welt 5 Kilometer vor der slowakischen Grenze.
    Das Hotel ein Plattenbau. Draußen ist es warm und stickig. Die Luftfeuchtigkeit scheint hoch zu sein. Wie sich später herausstellen sollte, liegt der Ort an großen Gewässerflächen, was auch die Mückenplage erklärt.

    Die Rezeptionsdame ist freundlich und nett anzuschaun, weiß aber leider nicht, wo ein Lokal um diese Zeit geöffnet hat, was die beiden Mitreisenden B. und S1 zu übelsten Beschimpfungen veranlaßt. Allerdings erst, als es die Frau nicht mehr hören kann. Aber auch dazu hätte sie sicher noch freundlich gelächelt.

    Die Zimmer sind klein, mit Dusche und WC ausgestattet, diesmal auch mit Fenster, nicht wie im Elsaß, das Bett schmal, es sind zwei Tischchen vorhanden und zwei Stühle. Unter einem Tisch befindet sich im Kühlschrank die Zimmerbar, die gleich ausgeschaltet wird, da sie ohnehin leer ist. Es ist, wie draußen, warm und stickig.

    Der Zimmerboden wurde seinerzeit ganz sicher nicht mit einer Wasserwaage ausnivelliert, jedenfalls nicht mit einer funktionierenden.
    Die Bar im Erdgeschoß ist bereits geschlossen, was die beiden Mitreisenden B. und S1. abermals zu übelsten Beschimpfungen und Flüchen hinreißt.
    So verläßt man das Hotel und macht sich auf die Suche nach einem Biergarten. Vorbei an schönen alten Häusern, verfallenen und noch mit den Einschußlöchern des letzten Krieges versehenen Bauten laufen wir durch die relativ ruhige Stadt. Ein paar Jugendliche hängen herum, eine Spielothek hat geöffnet, Restaurants haben bereits geschlossen oder schließen bei unserer Ankunft, was B. und S1. zu wiederholt übelsten Beschimpfungen veranlaßt. Natürlich immer nur aus gebührendem Abstand und ohne, daß die Opfer etwas davon mitbekommen.
    Schließlich finden wir eine Art Biergarten, bestehend aus ein paar Plastiktischen westlicher Bauart, Stühlen, ebenfalls Plastik und westlicher Bauart und italienischen Sonnenschirmen, die um diese Zeit natürlich keinen praktischen Nutzen mehr haben.

    Es wird natürlich Bier bestellt, daß hier ja sehr gut ist, und Cappuccino. So verbummelt man den Abend.
    Ich weiß nicht mehr wann der Mitreisende B., seines Zeichens Hobby-Psychologe, Anthropologe, Verhaltensforscher, Politologe und Arzt, sich zu einem langatmigen Vortrag über den Knöchelumfang europäischer Frauen hinreißen läßt, aber seine Ausführungen waren durchaus geeignet, die selbigen gleich wieder zu vergessen. Jedenfalls haben seine Studien ergeben, daß, vereinfacht gesagt, alle deutschen Frauen eher dem slawischen Typus zugehörig sind und damit fette Knöchel haben, während sich naturgeile Tschechinnen auf schlanken Fesseln fortbewegen.

    Das Bier mundet, was dazu führt, daß gleich mehrere pro Kehle die Organe umspülen und schließlich den Weg über die Blase in die Toilettenschüssel nehmen.
    Die Nacht verläuft ruhig, aber an erholsamen Schlaf ist wegen der fremden Umgebung und der stickigen Zimmer trotzdem kaum zu denken.
    Allenfalls der Mitreisende Philosoph B. berichtet am nächsten Morgen über guten Schlaf, wohl weil er sich bei seinen biologisch zweifelhaften Ausführungen über die Fesseln teutscher Frauen ideologisch etwas verausgabt hat und zusätzlich nach dem reichlichen Genusse alkoholischer Getränke viel zu müde geworden war.

    Das Frühstück ist keine Offenbahrung. Man wählt zwischen verschiedenen Menüs, wobei man eigentlich alle Bedenken ob der Qualität dieser Speisen über Bord werfen muß um überhaupt einen Bissen herunter zu bekommen. Denn schließlich geht man auf dem Weg zum Frühstücksraum an der Hotelküche vorbei und sieht einen etwas verkommenen Koch am Herd stehen. Die gleichen Klamotten wie am Vortag tragend, die gleiche verdreckte Schürze um den Bauch gebunden, rührt er in einem riesigen Topf etwas an. Was, wollen wir lieber nicht wissen. Aber für das Mittag-, bzw. Hauptessen des Tages werden wir uns ohnehin wieder einen jener lustigen Speisetempel aussuchen, die mit ihren Speisekarten ein ganzes Abend-Komedy-Programm im deutschen Fernsehen mühelos ausfüllen könnten.
    Schade, daß statt dessen Scheintote wie Dieter Hallerforden oder diese pseudolustige Bumsschwuchtel Thomas Herrmanns mit ihrer krankheitsbedingten fiesen Grinsfresse auf das deutsche Fernsehpublikum losgelassen werden. Aber die sind ja noch richtig gut gegenüber dem was uns aus den Tiefen der RTL-Fernsehunterhaltung entgegenspringt.
    Der Fahrer S1. drängt zur Eile und so wird das Frühstück beendet und wir fahren nach 10 Minuten zu unserem Ziel.
    Dort angekommen, stellen wir wieder mit einer gewissen Genugtuung fest, daß tschechische Frauen im Allgemeinen hübsch anzuschauen sind. Von diesem Gedanken, der ebenfalls einen ganzen Abend zur Unterhaltung füllen könnte, müssen wir uns aber schnell losreißen, da die Arbeit wartet. Das Unternehmen besticht durch westliche Standards, was die Ausleuchtung und Sauberkeit der Räume angeht. Alles ist neu, hell, freundlich. Es sind gut funktionierende Absauganlagen vorhanden aber die Luft ist trotzdem nicht sonderlich erträglich. In der riesigen Halle ist es sehr warm.

    Kurze Zeit später muß der Bedarf an Wasser gedeckt werden, da alle Beteiligten bereits starken Flüssigkeitsmangel aufweisen. Der Fahrer S1 schwitzt wie ein schlechter Schüler vor einer Prüfung und auch der Anthroposoph B. hat einen breiten dunklen Streifen auf dem Rücken. So habe ich das exclusive Vergnügen, in der Kantine nach Wasserflaschen zu suchen, die ich auch gleich finde und beim Bezahlen einen unfreiwilligen aber äußerst angenehmen und aufschlußreichen Einblick, in die Vorlieben tschechischer Frauen für reizvolle Unterwäsche zu erhalten.
    Die Kassenbedienung trägt klimabedingt nur ein Jeanskleidchen, das beim Sitzen vor der Kasse einen Hauch zu weit nach oben verrutscht ist und so den Blick auf ihren Slip freigibt. Unfreiwillig, wie ich betone - mein Einblick. Ob es bei ihr auch unfreiwillig geschah, bezweifle ich ein wenig.
    Als ich die Wasserration bei meinen Mitreisenden abliefere und von meinem kurzweiligen Vergnügen berichte, läßt sich der Frauenkenner B. gleich zu einem Vortrag über seine ebenso kurzweiligen Erfahrungen und Einschätzungen tschechischer Frauenpsyche hinreißen, worauf ich hier aber nicht näher eingehen will, weil der Leser dieses Berichtes in Unkenntnis der Ereignisse, tieferen Betrachtungen dieses Themas ohnehin nicht zu folgen im Stande ist. Belassen wir es also dabei und das Erlebte in freudiger Erinnerung.

    Der Tag ist anstrengend, die Hitze raubt zusätzlich Kräfte und die gelegentlichen Ausflüge in die Kantine und den dort befindlichen Erholungen bringen nur geringe Linderung.
    Der Wasserbedarf ist enorm, die Preise sind es nicht, dafür aber wiederum die Belustigung über dieselbigen.
    Irgendwann sind wir fertig. Ich habe wieder einmal das unvergleichliche Vergnügen, eine der Damen in einem der Büros aufzusuchen um sie um einen sicheren Raum für die Ausrüstung zu bitten, die wir über Nacht nicht wieder ins Hotel schleppen wollen um sie am nächsten Tag erneut in die Halle zu transportieren. So findet sich ein Schlüssel und sie stöckelt vor mir den Gang entlang um uns ein Zimmer zu suchen. (Räusper)
    Ihr Kleidchen ist klimabedingt sehr dünn, sie selbst ist herrlich schlank und groß, hat wunderbare Beine und ist auch sonst... - lassen wir das.
    Auch dieses Erlebnis wird nurmehr in freudiger Erinnerung bleiben. Jedenfalls bot sie den gleichen leckeren Anblick wie die Dame beim Empfang.

    Die Ausrüstung wird also in diesem Raum verstaut und wir verlassen die Firma um ins Hotel zu kommen, zu duschen und für den Abend eines dieser unterhaltsamen Restaurants zu suchen. Leider müssen wir uns damit zufrieden geben, daß ein Herr von der deutschen Firma, die die zu fotografierenden Maschinen herstellt, das Abendessen übernehmen will. So wird nichts aus dem Studium von aus dem Tschechischen ins Englische und von da aus ins Deutsche übersetzter Speisekarten.

    Einen weiteren kleinen Einblick in die Übersetzungsküste tschechischer Gastronomen oder deren computergestützer Übersetzungsprogramme durften wir noch erleben, als der Feinschmecker und Testesser B. bei einem Abstecher in die Innenstadt die Speisekarte eines örtlichen Restaurants studierte. Wir blieben im Auto sitzen und konnten seinen vor der an der Hauswand angebrachten Karte stehenden Körper zucken und sich krümmen sehen, während er sich die Mühe machte, das niedergeschriebene zu verstehen. Hin und wieder hielt er sich die Hand vor den Mund, wohl um ganz verschämt, seinen Spott zu verbergen. Auch wurde beobachtet, wie er den Kopf regelmäßig schüttelte. Seine ganze Körpersprache ließ nur den eindeutigen und unzweifelhaften Schluß zu, daß man es bei der hier vorliegenden Speisekarte mit einem besonderen Exemplar sprachlicher Desorientiertheit zu tun haben muß, was uns der vergnügt zum Auto zurückschlendernde B. auch sogleich bestätigte. Seine Schilderungen waren derart niederschmetternd, daß der Fahrer S1 und ich uns genötigt sahen, den Grund der Heiterkeit selbst in Augenschein zu nehmen.
    Was uns dort an der Hauswand erwartete übertraf aber alle Erwartungen.

    Neben „Hühnerbummler“ und „Gebackener Gebäck“ mit Sahne fanden sich solch undefinierbare Angebote wie „Roller mit Sahne“, „Ertrunkener lächende Schankwirtin“ (kein Schreibfehler) und, sozusagen als Gipfel aller Gaumenfreuden, ein Gericht, das die kuriose Bezeichnung „Durstiges Weihnachtslied“ trug.

    Weitere Erklärungen zu den Bestandteilen solch brutalstmöglich übersetzter Gerichte erübrigen sich wohl, da es eigentlich völlig nebensächlich ist, was auf den Teller kommt, sofern das Essen zur Unterhaltung beiträgt. Was hier auf jeden Fall der Fall ist.

    Aber für tiefergehende Studien der so werbenden Küche bleibt leider keine Zeit.

    Statt dessen ist man ja für den Abend in einem mexikanisches Restaurant verabredet, wo die Speisekarte zwar den Magen erfreut und mit ausgesprochener Vielfalt aufwartet, aber der ins Deutsche übersetzte Text leider keinerlei belustigende Elemente bietet. Eher beeindruckt er durch vorzügliches Deutsch, von dem sich die deutschen Vertreter eines ins pidginhaft abgeglittenen Jugendkulturgeschwafels durchaus so manche Scheibe abschneiden könnten. Wenn sie es denn verstünden. In der gesamten Karte findet sich kein einziger Fehler.
    Die Welt ist klein. Da fährt man also ans andere Ende der Tschechei, 5 Kilometer vor der slowakischen Grenze, am Arsch des Nirgendwo sozusagen und findet bei einem mexikanischen Tschechen oder bei einem tschechischen Mexikaner eine perfekt ins Deutsche übersetzte Speiskarte vor.

    Die Bedienung freundlich und fix, die Gespräche mal langweilig mal interessant, es mundet allen. Das Steak perfekt gebraten. Selbst an marottenverliebte und fanatisierte Randgruppen ist gedacht - die Speisekarte hat auch einen fleischlosen Teil.

    Der Abend wird lang, die Gespräche auch, langatmig, langweilig. Die beiden Mitreisenden schweigen irgendwann zu allem. Zwischenzeitlich bringt der Anblick tschechischer Schönheit etwas Licht ins Dunkel. Leider sitze ich strategisch sehr ungünstig und kann eintretende oder das Lokal verlassende Frauen nur unauffällig aus den Augenwinkeln beobachten. So bleibt mir die erhebende Erscheinung, knapper Kleidchen, langer schlanker Beine und entzückender Rücken weitgehend verwehrt, während sich die beiden Mitreisenden daran laben. Sie hatten sich natürlich die besseren Plätze genommen.

    Irgendwann brechen wir auf.
    Im Hotel angekommen, die üblichen Beschimpfungen wegen geschlossener Hotelbar.
    Die beiden Mitreisenden beschließen das Ende der Nacht für den nächsten Morgen halb sieben Uhr was einer nach der Genfer Konvention verbotenen Foltermethode gleichkommt. Frühstück um 7:15 Uhr.
    Und, und das schlägt dem Ganzen noch die Krone aus dem Auge - sie wollen weitersaufen. So gehen sie dann gleich in Richtung Innenstadt los um ein Lokal aufzusuchen. Ich für meinen Teil verabschiede mich von ihnen, da ich müde bin und die Nacht bis 6:30 Uhr kurz genug ist.
    Am nächsten Morgen steht wieder ein verdrecktes Etwas in der Küche und rührt im Kessel.

    Kurzes Frühstück. Ab zur Firma. Netter Anblick beim Empfang. Noch netterer Anblick beim Schlüsselholen für den Raum mit unserer Ausrüstung - der Sommer hat auch sein Gutes.
    Losgelegt.
    Der Anblick beim Wasserholen in der Kantine erfüllt die Hoffnungen diesmal nicht. Es herrscht der eher slawische Typus vor.

    In der Halle das Übliche. Viel Schweiß, hin und wieder eine hübsche Tschechin. Die Leute, die dort ihrer Arbeit nachgehen sind allesamt freundlich und hilfsbereit. Man meint oft, sie verstünden nicht was man meint, wenn man sie anspricht, aber irgendwie klappt die Verständigung immer.
    Man kann nur hoffen, daß wir bei ihnen das gleiche Maß an Sympathie hinterlassen haben, wie sie bei uns, denn schließlich haben wir ihre gesamten Wasservorräte weggesoffen.
    Die anfänglichen Bedenken wegen der möglichen Einstellung der Tschechen zu fremdem Eigentum erweisen sich allesamt als unbegründete Boshaftigkeiten. Einer der Arbeiter trägt uns sogar noch ein vergessenes Akkuladegerät nach.

    Gegen 13 - 14 Uhr zusammenpacken und abfahren.

    Auf der Heimfahrt die üblichen Vorträge von Bs Lebensphilosophien. Wie gut, daß das Abhalten solcher Vorträge im Fahrzeug nicht durch das Zeigen von Dias bereichert werden kann. Irgendwann auf halber Strecke fällt linker Hand ein großer brauner Berg auf der keinen anderen Schluß zuläßt, als den einen: das muß also Bs Phrasenberg sein. Er dampft nicht, was aber wohl nur auf die zu geringe Temperaturdifferenz zwischen Berg und Umgebungsluft zurückzuführen ist.

    Und auch wieder die bereits bekannten Entwürfe zu erwartender kulinarischer Erlebnisse, die man noch anzustreben gewillt ist, die aber allesamt Illusion bleiben.
    Der Fahrer S1 verweigert sämtliche Befehle, die vorgesehene Strecke zu verlassen um ein Gasthaus anzusteuern.
    Irgendwann ist die Grenze erreicht, der an Lebenserfahrung unendlich reiche Polit-Agitator B. findet seinen Ausweis nicht und muß aussteigen um ihn zu suchen. Dabei hätte er nur einen Blick in das vor ihm befindliche Handschuhfach werfen müssen.
    Nachdem er seinen Ausweis vorgezeigt hat dürfen wir weiterfahren, was, nach Erreichen eines gebührenden Abstandes die bereits hinlänglich bekannten Beschimpfungen zum Nachteil der Zöllner nach sich zieht.

    Irgendwann läßt sich der Fahrer der Expedition doch noch dazu hinreißen, ein Wirtshaus anzusteuern. Allerdings in Bayern.
    Die Karte ist spartanisch ausgestattet, aber wir sind froh, endlich überhaupt etwas zu essen zu bekommen. Es kostet auch nicht viel. Der Wirt erzählt immer wieder irgendwelche lustigen Sachen, die man kaum versteht, da er ein Bayer zu sein scheint. Und er wäscht sich nicht die Hände nachdem er auf dem Klo war.

    Wir fahren weiter. Jetzt aber wird der Fahrer ausgetauscht und am Steuer sitzt der Lenker und Denker B. Die Strecke ist frei. Und so kommt es, daß der neue Fahrer die vorzügliche Reiselimousine auf 190 Sachen hochjagt und dabei so manches Schild übersieht. Aber auch hier bleibt der Verstoß gegen die Regeln ungeahndet.

    Schließlich kommen wir wieder in Stuttgart an.

    Das war sie also, die Tschechei mit ihren deftigen Knödeln, wuchtigen Soßen und üppigen (Pro)Portionen.
     
  2. macKnall

    macKnall Halbtagsphilosoph

    Ein Riesending
    Ich hab's mit Freude gelesen.
    Danke
     
  3. maceddy

    maceddy New Member

    weniger ist oft mehr

    maceddy
     
  4. maiden

    maiden Lever duat us slav

    ja ja ja. Soll ich es nochmal in gekürzter Fassung reinstellen?:D
     
  5. maiden

    maiden Lever duat us slav

    kann mich nur ärgern, daß ich die Speisekarten besagter Restaurace nicht mitgenommen oder wenigstens ein paar Kuriositäten daraus aufgeschrieben habe.
     
  6. macKnall

    macKnall Halbtagsphilosoph

    Blödsinn!
    Gekürzter Spass ist null Spass
     
  7. akiem

    akiem New Member

    am besten hat mir die stelle gefallen:

    Die Rezeptionsdame ist freundlich und nett anzuschaun, weiß aber leider nicht, wo ein Lokal um diese Zeit geöffnet hat, was die beiden Mitreisenden B. und S1 zu übelsten Beschimpfungen veranlaßt.

    auch wie du versuchst hast den slip der tschechin besser zu sehen hat was.

    klasse bericht. tschechei kenn ich sehr gut. war immer in hradec kralove ca 130 km hinter prag sld anlaufstelle. ich denke mal ich war da 20-25 mal. allerdings bevor die grenze offen war. ich habe auch 20-25 antike wanduhren und diverses porzellan. waren immer faire geschäftspartner die pepiks und lydias :)
     
  8. maiden

    maiden Lever duat us slav

    eh, ich habe den Slip nicht gesucht. Da konnte man garnicht dran vorbei schaun.

    Die haben so was offensichtliches, die Tschechinnen, so was direktes und selbstbewußtes. Die wissen ganz genau, wie sie auf uns Männers wirken.

    Wie blöd, daß ich auf Frauen nicht auch so eine Wirkung habe...
     
  9. akiem

    akiem New Member

    wieder doppelt. mist!
     
  10. maiden

    maiden Lever duat us slav

    ich habe es verstanden!:D
     
  11. akiem

    akiem New Member

    ja ja...
     
  12. akiem

    akiem New Member

    is ja gut :)
     
  13. maiden

    maiden Lever duat us slav

    er glaubt mir nicht...

    hmm
     
  14. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    maiden, ich hab' jetzt nur mal die "Stellen" gelesen, aber ich denke, der Rest ist auch interessant. :cool:












    Nee nee, übler Scherz. Danke für deine Schilderungen.
    Ein Jammer, dass du nicht wie wir Deutschen sonst diese wunderbaren Speisekarten geklaut hast. Dann hätten wir mal tauschen können. :D

    Jetzt bin ich gespannt, wann der erste auf den Zitatknopf drückt. :bart:
     
  15. maiden

    maiden Lever duat us slav

    verrückt ist ja echt, daß die Restaurants mit den lustigen Karten tatsächlich teils hunderte Kilometer auseinanderlagen.
    Das hat also Methode.

    Warum hat aber der tschechische Mexikaner eine so perfekt übersetzte Karte.
    Sogar "die Baguette" stand da drin.
     
  16. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Gerade tschechische Mexikaner sind doch bekannt dafür, dass sie französisches Brot in deutsch richtig schreiben können. Also mich wundert das kein bisschen!

    Übrigens: 00:20 Uhr, Aussentemperatur 24,5°C.
     
  17. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Innentemperatur 61,4 Grad


    die Prozessoren
     
  18. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ich überlege schon die ganze Zeit, wo unsere tschechischen Freunde das Wort "Hühnerbummler" her haben. Ob es da ein MS-Übersetzungsprogramm gibt?

    Und die zweite Frage, die mich beschäftigt: was passiert, wenn ich morgen vor der Kirche "Guten Morgen, ihr Hühnerbummler!" sage...

    Es sind immer noch 24,5°C draussen... :embar:
     
  19. maiden

    maiden Lever duat us slav

    rätsel...

    Die Führersüßigkeit könnte man ja noch mit der verunglückten Ableitung von "Liebling des Chefs" oder "Lieblingsspeise des Chefs" erklären.
    Aber bei "Hühnerbummler" oder "Ertrunkener lächelnde Schankwirtin" und "Durstiges Weihnachtslied" fällt mir nix mehr ein.
     
  20. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ich habe jetzt mal die tschechische Botschaft angerufen. Die sehr zuvorkommende Dame am anderen Ende meinte, "Hühnerbummler" wäre eine missglückte Übersetzung von "Ente im Schlafrock".

    Auf meine Zusatzfrage "wer um Himmels willen isst denn
    sowas?!?" wusste sie auch keine Antwort.
     

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