Hundehalterschulung

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von turik, 8. Mai 2005.

  1. turik

    turik New Member

    Seit letztem Sommer wohnt zum ersten Mal ein Hund in unserem Haushalt. In der Überzeugung, dass es keine dummen Hunde gibt – nur dumme Halterinnen und Halter – arbeiten wir ernsthaft mit dem Tier.
    Inzwischen haben wir bei der Hundeausbildung um uns herum enorme Unterschiede festgestellt.
    Wir haben für uns folgende Prioritäten gesetzt:
    1. Bindung aufbauen
    2. Liebevolle Konsequenz bei Erlaubt und Verboten
    3. Keine Leckerli, Guteli und so Zeugs
    4. Unterwegs: Bei Fuss streng, beim Spazieren locker (mit der Schleppleine, bis Abruf zuverlässig befolgt wird)
    5. Nie schreien, aber betont Körpersprache (ehrliche mentale Spannung) einsetzen

    Bis jetzt machen Mensch und Tier gute Fortschritte.
    Der Zeitaufwand ist enorm, mehr als erwartet, aber der Return of investement ist hoch motivierend.

    Ray Coppinger stellt in seinem neuen Buch das Dominanzgehabe stark in Frage:
    " • Der Hund, der gerne auf dem Sofa liegt... strebt nicht nach Macht, sondern liebt vermutlich schlichtweg den Komfort. Als gnadenloser Egoist versucht er einfach, sich diesen für ihn besonders bequemen Platz zu erschleichen. Ein anderer Hund hat vielleicht ganz andere Vorlieben: Wenn der dickpelzige Neufundländer das Plätzchen auf den kühlen Fliesen auf dem Boden dem warmen Platz im Sessel vor dem Kamin vorzieht, dann tut er das aus genau den gleichen Motiven.
    • Der Hund, der als erstes durch die Tür geht ... ist möglicherweise ziemlich aufgeregt, wenn es raus geht, und von seinem Besitzer einfach nicht dazu erzogen worden, zu warten. Nicht sein Versäumnis, sondern das des Besitzers, wenn dieser darauf Wert legt.
    • Der Hund, der ab und an nicht hört ... hat häufig einfach noch nicht genug mit seinem Menschen geübt. Damit alles unter jeder Ablenkung klappt, ist viel Training erforderlich! Vielleicht verlangen wir gerade Unmögliches von unserem Hund - und ziehen dann die Konsequenzen aus seinem vermeintlichen "Ungehorsam", indem wir ihn für UNSER Versäumnis bestrafen und ihn dazu noch als "ignorant" oder "dominant" abstempeln.
    • Der Hund, der Artgenossen angiftet ... ist oftmals überfordert und unsicher im Umgang mit anderen Hunden oder fürchtet sich vor ihnen. Vielleicht haben wir ihn nicht richtig sozialisiert? Vielleicht hat er im alltäglichen Zusammenleben mit uns Stress, den er auf diese Weise kanalisiert? Vielleicht haben wir ihn unbewusst unter Druck gesetzt, indem wir ihn für sein "Fehlverhalten" bestraft haben und für ihn die Situation nur noch schlimmer gemacht haben? Da Aggressionsverhalten gegenüber Menschen oder Artgenossen fast immer mit Angst oder Stress in Verbindung steht, können wir sicher sein, den ein oder anderen vorausgegangenen Hilferuf unseres Hundes schlichtweg überhört zu haben."

    Während ich hier tippe, liegt Cora gerade neben mir und schläft vertrauensvoll. Ich weiss, nur ein Tier.
     
  2. christiane

    christiane Active Member

    Guten Abend! :D

    Bei Pferden ist Dominanztraining auch ein Thema. Und es wird auch darüber gestritten, ob Dominanz das Pferd unterdrückt und eher Spannung aufbaut oder ob es gut ist, dem Pferd einen Chef zu präsentieren, dem es sich voll und ganz in jeder Situation anvertrauen kann.

    Ich denke: soviel Dominanz wie nötig und so wenig wie möglich. Wenn Erato beim Spazieren gehen anhält, um sich zu kratzen, dann ziehe ich ihn nicht weiter sondern warte bis er fertig ist. Dann allerdings geht es weiter. Der nutzt das doch tatsächlich aus, wenn er mit dem Kopf einmal unten ist, sich ein Büschel grünes Gras zu stibitzen. :rolleyes: Aber er soll nur fressen, wenn er auf der Weide ist oder seinen Fresseimer vor sich hat. Da bin ich wieder die Dominante.

    Also immer soviel um ein gutes Verhältnis aufzubauen und immer so wenig, um die Eigenständigkeit soweit zu erhalten, dass es für mich nicht gefährlich wird. Also ein gutes Vertrauensverhältnis aufbauen.

    Knuddel deine Cora mal ein wenig und lass sie auf der Couch vertrauensvoll schlafen :D Und viel Erfolg für die weitere Vertrauensbindung und Gehorsamsentwicklung.
     
  3. Dr.Mabuse

    Dr.Mabuse Olivenölimporteur

    1. fällt glücklicherweise selten schwer.:embar:
    Ihr macht das richtig. Immer schön Konsequent bleiben:D
     
  4. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Knuddelst du den Erato auch auf der Couch? Das wirkt sicher vertrauensbildend. ;)
     
  5. donald105

    donald105 New Member

    Wieso sollen eigentlich hunde von geburt an die besseren menschen sein? Was Herr Coppinger da beschreibt, kenne ich von meinen mitmenschen zur genüge.
    Merkwürdig, dass von hunden erwartet wird, das in die wiege - ne - ins körbchen gelegt bekommen zu haben, was menschenkinder vorwärts und rückwärts nicht beherrschen.
     
  6. akiem

    akiem New Member

    leider bekommt kein kind und auch kein hund etwas von geburt an in die wiege gelegt, sieht man mal von einem gewissen instinkt ab. alles muss erlernt werden, regeln müssen gesetzt werden und das möglichst früh.

    beim hund ist und bleibt das allerwichtigste die rangordnung. wenn dieser choppinger dies in frage stellt ist es nicht nur schwachsinnig, sondern geradezu gefährlich für die umwelt. ein hund der nicht seinen rang/ordnung in seinem rudel kennt überlebt nicht, oder wird im menschenrudel zum angstbeisser und tyrann. kein hund will freiwillig das im rudel sein. ihm ist es sehr recht wenn dies seine menschen übernehmen. nur viele hundehalter wissen das nicht und wundern sich wenn sie einen chaoten als haustier haben.

    leider gibt es keinen hundeführeschein, die pflicht zur vorlage eines polizeilichen führungszeugnis und eine obere altersgrenze für personen welchen sich einen hund zulegen wollen.
     
  7. maiden

    maiden Lever duat us slav

    und dabei sind es oft nur die Tiere, die uns immer wieder sanft darauf bringen, daß wir ihnen im Grunde gleich sind. Und nichts besseres.
     
  8. turik

    turik New Member

    Nein, nein. Coppinger fährt nicht die weiche Tour, das ist nur ein aus dem Zusammenhang gerissener, zitierter Ausschnitt.

    Interessant ist seine Erkenntnis, dass der Wolf nicht domestiziert wurde, sondern einzelne Wölfe begannen, aus eigenem Antrieb die Müllhaufen und Latrinen der Menschen als Nahrungsquelle zu nutzen und so das familiäre Stöbern in Kleingruppen nach minderwertigem Futter dem rudelweisen Erjagen von hochwertiger Nahrung vorzuziehen begannen. Sie domestizierten sich so gewissermassen selbst. Die Hierarchie in der Gruppe wird bei beiden, den Wilden und den Domestizierten, dabei nie in Frage gestellt, aber die Bestimmung der Rangordnung funktioniert subtil und nicht mit Theaterdonner-Dominanzgehabe.

    Ich bin gleicher Meinung wie Du. Ohne konsequente Führung und klare Grenzen werden weder Mensch noch Hund glücklich. Was für mich völlig überraschend kam: Ich glaubte, meinen Hund auf dem Höhepunkt der Erziehung zirkusreif, elegant und entspannt mit dem Stöckchen dirigieren zu können.

    Und jetzt wird von mir verlangt, mit Körperanspannung und wachem, konzentriertem Geist voll das zu wollen/darzustellen, was dieses Tier machen soll. Und es stimmt: Das Biest merkt genau, wann es mir ernst ist und wann nicht. Ohne dass ich herumbrüllen muss.
    Ich laufe schon selbst dann, wenn mein Hund nicht dabei ist, breitspuriger...

    Und es funktioniert nicht nur auch mit Pferden, sogar auch mit Menschen. Animalisch, was in der Menschenmasse abgeht, wenn Du mit gereckten Schultern, leicht ausgestellten Armen, festem Blick und wiegendem Schritt geradlinig durch die Haupteinkaufsstrasse pflügst.
    Uaahhh, uaahh, Caveman!
     
  9. Macziege

    Macziege New Member

    Schon interessant, diese Erkenntnis. Ich kann nicht beurteilen ob sie richtig ist, oder falsch. Ich war, genau wie der Autor, nicht dabei. Man kann also nur von Vermutungen ausgehen und davon gibt es viele.

    Ob die "frühen Hunde" tatsächlich aus eigenem Antrieb die Müllhalden und Latrinen als Nahrungsquelle nutzten, oder ob es nicht eher aus dem Rudel ausgestoßene Tiere waren, denen nichts anderes übrig blieb, weil sie entweder zu schwach oder verwundet waren, ist auch eher egal.

    Mir gefällt die These besser, nach der Menschen sich junge Tiere gegriffen haben, um sie zum spielen oder liebhaben zu nutzen.

    Das wichtigste, das ist hier ja auch schon gesagt worden, ist der faire, aber konsequente Umgang mit Tieren (gilt auch für Kinder). Ein Zusammenleben kann nur harmonieren, wenn jeder Teil verlässlich weiss woran er ist.
     
  10. turik

    turik New Member

    Das ist nicht zu widerlegen.
    :D
    Der Autor meint dazu:
    "Es gab eine Zeit, in der es Wölfe, Schakale und Koyoten gab, aber keine Hunde. Und irgendwann gab es Hunde, und diese waren genetisch anders als Wölfe, Schakale und Koyoten: Wölfe zum Beispiel leben in der Wildnis, vermeiden Menschen und töten ihr eigenes Futter. Hunde hingegen leben rund um die Behausungen der Menschen und lassen sich von ihnen mit Futter versorgen. Sie sind dadurch zähmbar und trainierbar geworden, und dies ist genetisch verankert.

    Es hat also eine genetische Veränderung vom Wildtier zum Haushund statt gefunden. Bisher ging man mehrheitlich davon aus, dass dies durch so genannte "künstliche Selektion" erfolgt ist: Das bedeutet nichts anderes, als dass frühzeitliche Menschen einen Wolfswelpen adoptieren, ihn dann zähmen und trainieren und ihn schließlich mit anderen, auf gleiche Weise gezähmten Wölfen kreuzen. Und heraus kommt der domestizierte Hund. Die Abfolge in diesem Denkansatz lautet also: (erlernt) zahm - (erlernt) trainierbar - (genetisch) domestiziert.

    Warum das nicht funktioniert?

    1. Ein Wolf ist kaum zu zähmen:
    Die Erfahrungen mit der Aufzucht von Wolfswelpen haben gezeigt, dass Wölfe zwar lernen können, Menschen nicht zu fürchten, sich jedoch nie wie Hunde verhalten werden. Damit dieses begrenzte Maß an Zähmung überhaupt möglich ist, muss ein großer Aufwand betrieben werden: So muss der Wolfswelpe bereits bevor er die Augen öffnet, im Alter von etwa zwei Wochen, von seinem Rudel weg genommen werden. Das Management ist nicht einfach: Es werden aufwändige Umzäunungen benötigt, die die Wölfe am Weglaufen hindern. Selbst heutzutage gezüchtete Wolfshybriden (also Mischlinge zwischen Wölfen und Hunden), wie die „Puwos“ im Kieler Haustiergarten, sind schwierig im Umgang und als Haustiere kaum zu halten. Kaum anzunehmen, dass frühzeitliche Menschen diesen Aufwand tatsächlich betreiben konnten und wollten.

    2. Wölfe sind kaum trainierbar:
    In einem Wolf Park wurde den Wölfen beigebracht, an der Leine zu gehen und sich von einem Gehege ins andere bringen zu lassen. Viel mehr konnte man allerdings im Training nicht mit ihnen erreichen. Ein eindeutiges Indiz: Es gibt keine Zirkus-Nummern, in denen Wölfe auftreten.

    3. Wölfe sind nicht (genetisch) domestizierbar:
    Selbst wenn man einzelne Wölfe im beschränkten Maße zähmen und trainieren kann, ändern sie ihre Gene nicht. Erlernte Zahmheit und trainierte Eigenschaften werden nicht vererbt. Auch wenn man davon ausginge, dass unsere menschlichen Vorfahren erkannt hätten, dass es in jeder Population von Wölfen einige leichter zu zähmende gegeben hätte, wäre es kaum möglich gewesen, diese Exemplare miteinander zu kreuzen. Zu bezweifeln ist ohnehin, dass die gerade in festen Siedlungen lebenden Menschen eine große Wolfspopulation bei sich leben hatten und zudem noch in der Lage waren, die Wölfe nach den genetisch zahmeren zu unterscheiden und diese dann noch so zu separieren, dass mit ihnen gezüchtet werden konnte. Hinzu kommt, dass davon ausgegangen wird, dass es vor 15.000 Jahren ausschließlich Wölfe gegeben hat, 8.000 vor Christus jedoch bereits verschiedene Rassen von Hunden. Die Zeitspanne wäre zu kurz gewesen, um Wölfe durch künstliche Selektion zu domestizieren."

    Tönt doch plausibel?
     
  11. Macziege

    Macziege New Member

    Ist das nicht einfach völlig egal? Erfreuen wir uns an der Vielfalt der Natur, achten und schützen wir sie, so gut wir können.
     
  12. maiden

    maiden Lever duat us slav

    und keine Angst vor Wölfen! Von mir aus darfs die bei uns ruhig wieder geben.
     
  13. turik

    turik New Member

    Das ist eine vornehm formulierte Forderung unter dem Slogan "Gut gibt's die Schweizer Bauern":

    "Wolf und Luchs
    Die neue alte Gefahr für Schafe
    In einigen Kantonen haben in der letzten Zeit wiederholt Luchse und gar Wölfe Schafe gerissen. In den meisten Fällen konnte die finanzielle Entschädigung der Tierhalter geregelt werden. Durch die zunehmende Verbreitung dieser Raubtiere, die zum Teil auch durch den Menschen bewusst gefördert wird, sehen sich die Schafhalter in ihrer Existenz bedroht. Es ist Aufgabe von Bund und Kantonen, Lösungen zu erarbeiten, die sowohl die Interessen der Schafhalter wie jene aus Naturschutzkreisen abzudecken vermögen."

    Lösungen zu erarbeiten.
    Peng.

    Aber wenn es meine Schafe wären?
     
  14. maiden

    maiden Lever duat us slav

    nachdem man in Finnland den Schafbauern Entschädigungen für durch Wölfe gerissene Schafe versprochen hatte, sind die Zahlen derart in die Höhe geschnellt, daß rein rechnerisch jeder einzelne Wolf jeden Tag zwei Schafe hätte verspeisen müssen. Ziemlich hungrig, die Tiere.
     
  15. akiem

    akiem New Member

    ja das ist richtig. rangordnung festlegen heisst nicht unterordnungdrill mit stock, beissarm und chaotengbrüll wie in den schäferhundvereinen mit ihren hunde"sport"wesen.

    der rang wird mit gesten, blicken, ignoranz sowie bestimmtem fordern geregelt. das dann folgende lernen, geschieht mit lob, belohnung und vormachen. ist eigentlich eine sehr einfache geschichte. bei einem kleinkind und späterem jugendlichen passiert nichts anderes.
     
  16. Macci

    Macci ausgewandert.

    Vormachen :D
    Ich stell mir grade Turik mit der Zeitung zwischen den Zähnen vor :party:
     
  17. christiane

    christiane Active Member

    :D :D :party:
     
  18. turik

    turik New Member

    Nächsten Sommer – so er sich jemals einstellt – mache ich der Hündin das Apportieren aus dem Zürichsee vor. Mit Tauchausrüstung.

    Gibt dann das neue Avatarbildchen.
     
  19. Macci

    Macci ausgewandert.

    ...und bis dahin gibts Hirsebrei satt...

    Hirsebreiopfer

    :klimper:
     
  20. donald105

    donald105 New Member

    bis dahin könnt ihr ja ein bisschen fitnesstraining machen.
     

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