Ich hab sooooo einen Hals!

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von macmercy, 21. Juli 2004.

  1. macmercy

    macmercy New Member

    Bin seit fast 11 Jahren im Verlag tätig. Leider hat man mir nun zum x. mal jemand vor die Nase gesetzt und mir eine versprochene Stelle nicht gegeben - weil ich ja 'in meinem Gebiet so erfogreich bin und die Kunden einen Neuen so schnell nicht akzeptieren würden'... Habe mich deshalb vor 2 Wochen auf eine Stelle bei einer Bank beworben (Werbung/Marketing).

    Heute ruft mich die Geschäftsleitung rein und sagt '...es wäre ihnen von aussen zugetragen worden, dass ich mich woanders beworben hätte.' Was denn da dran wäre. Ich war erst mal baff und habe es dann bestätigt. Wenn sie es eh schon wissen...

    Da ich mich nur auf 1 Stelle beworben habe und auch mit niemand darüber gesprochen habe, muss ich davon ausgehen, dass die Bank sich nach mir erkundigt hat. Mein Chef meinte nur 'Jetzt, da wir wissen, dass Sie den Verlag verlassen wollen, werden wir uns schon mal nach einem Nachfolger umsehen.'

    Klasse. Ich hab so einen Hals. Die Bank fragt hinter meinem Rücken meinen jetzigen Arbeitgeber - dieser ist so blöd und reibt mir das unter die Nase.

    Ich hab dann mal bei der Bank nachgefragt, ob sie eigentlich Anfragen bei dem jetzigen Arbeitgeber machen: 'Nein! So etwas machen wir nicht! Merkwürdig, dass Sie uns so etwas unterstellen.' Hab danach meine Abteilungsleiterin gefragt, die den Fall kennt und mit der ich gut kann: 'Ja, die Anfrage kam von der Bank. Wenn sie das verneinen, lügen sie.'

    So viel zum Datenschutz. Die Bank wird wohl sauer sein, weil ich ihnen auf die Schliche gekommen bin. Mein Arbeitgeber ist sauer, weil ich den Verlag verlassen will. Schöne Sch....
     
  2. RaMa

    RaMa New Member

    schlimme sache sowas...

    hattest du hofentlich die zeile: "bitte diese bewerbung verdraulich behandeln" in deiner bewerbung geschrieben?

    wenn ja, sollte dich der verlag jetzt kündigen,
    könntest du sogar rechtliche schritte gegen die bank einleiten.

    ra.ma.
     
  3. neumi

    neumi New Member

    ach du sc***e, ist ja spitzenmäßig!
    ob da arbeitsrechtlich geht, hab ich leider keine ahnung, aber einen abendlichen besuch bei dem dödel, der bei deinem arbeitgeber anruft, wäre ne überlegung wert.
    kann deine wut gut verstehen!
    aber wenn sie ohnehin einen nachfolger suchen, wäre ja der grund weggefallen, dir die beförderung zu verweigern…

    kopf hoch!
     
  4. macmercy

    macmercy New Member

    Den Zusatz hatte ich natürlich nicht in der Bewerbung. Laut Datenschutz müsste der potentielle neue Arbeitgeber erst mal mich fragen, ob sie Auskünfte bei meinem jetzigen Arbeitgeber einholen dürfen, oder? Ist meine 1. Bewerbung seit 14 Jahren. Davon abgesehen hab ich mit einem Freund über die Sache gesprochen, der ist Versicherungsmakler. Er sagte '...das hab ich auch bei meiner letzten Bewerbung drin gehabt. Nach der Einstellung hab ich dann hinten rum erfahren, dass die trotzdem bei meinem vorigen Arbeitgeber angefragt haben.' Scheint wohl Usus zu sein.

    Ich finde das nicht ok! Rechtliche Schritte? Wie soll ich so was beweisen? Erst mal abwarten, wie sich das entwickelt.
     
  5. turik

    turik New Member

    "Chef, ich muss mit Ihnen mal über meinen Lohn reden! Ich werde bedrängt von grossen anderen Firmen!"

    "Ach ja? Das ist aber interessant! Ähh..., hm, darf man fragen, um was für grosse Firmen es sich handelt?"

    "Das Elektrizitätswerk, das Gaswerk..."

    Spass beiseite. Du hast mein aufrichtiges Mitgefühl.
    Keep cool.
    Jetzt zeigt es sich, ob du im Beruf gut bist.
    Bist du es und verdienst nicht unanständig (zu)viel, würde ich als Chef dich behalten wollen.
    Das wollen die scheinbar nicht, also ist da der Wurm drin.

    Bist du leicht ersetzbar, möglicherweise auch noch durch jemand Billigeren, dann mach' dich jetzt schnell auf die Socken und suche etwas Anderes.

    Lehre daraus:
    Bei solchen Bewerbungen immer darauf hinweisen: Bin in ungekündigter Stellung und bitte deshalb um Diskretion.

    Zum abreagieren, aber wohl nutzlos:
    Der Kotz-Bank würde ich einen offenen Brief schreiben, sachlich aber hart. Versuche, deine Zeugin dazu zu bewegen, dass Sie namentlich zur Aussage steht. (Wird wohl schwierig.)

    Ich wünsche Dir Glück, Mut und Erfolg!
     
  6. Macziege

    Macziege New Member

    Ich würde das mit, dem Nachfolger nicht so ernst nehmen, solange man dir nicht kündigt, und dafür gibt es ja keinen Grund, hast du nichts zu befürchten, außer der momentanen Missstimmung.

    Es wäre aber gut, wenn die Abteilungsleiterin ihre Aussage schriftlich bestätigen würde, damit du eine Handhabe hast, gegen die Bank vorzugehen. Aber wahrscheinlich wird sie dazu den Mut nicht haben.

    Wünsche dir trotz allem alles Gute,

    Klaus
     
  7. macmercy

    macmercy New Member

    Den Zusatz '...in ungekündigter Stellung' hatte ich drin.

    Nein, es geht nicht darum, dass ich zuviel verdiene. Ganz im Gegenteil. Es geht darum, dass es sehr schwierig ist, überhaupt jemand zu finden, der dieses Gebiet zu meinen Konditionen übernimmt.

    38,5 Std./Woche, ca. 2500 km pro Monat mit eigenem Privat-PKW, kein Firmen-Handy (Gebühren gehen zu meinen Lasten). Bekomme 350 € Fahrtkosten und ein Grundgehalt ohne weitere Provision, das 30% unter dem üblichen Satz in Norddeutschland ist. Bei 21% Arbeitslosigkeit in meiner Gegend kann man sich den Job nicht aussuchen. Ich kann hier auch nicht weg, weil ich dann meine Kids aus 1. Ehe noch seltener sehen würde. Ach ja, bei der Bank haben sich 260 Bewerber auf die Stelle gemeldet...
     
  8. donald105

    donald105 New Member

    ich kann verstehen, dass du saumäßig sauer bist.
    Aber vorsicht! Jetzt nicht treten, beißen, oder was, sondern elegant bleiben.
    Dass man nach 11 Jahren in einem Betrieb, spätestens wenn der nächste neue vor die nase gesetzt wird, sich nach alternativen und eigenem MARKTWERT umsieht, ist total normal. Das sollte dein Chef auch wissen. Und so würde ich's ihm auch verkaufen.
    dass die Bank beim jetzigen arbeitgeber nachfragt, ist logo, denn nach 11 jahren hast du keine aktuellen anderen referenzen. Nur: erpressen geht nicht.
    Sollte die Bank dir ein höheres gehalt oder einen besseren posten in aussicht gestellt haben, dann würde ich das dem boss auch sagen.
    Sollte das nicht passiert sein, und du mit deinem jetzigen platz unzufrieden sein, schau dich wirklich nach was neuem um.
    Keep cool! Ärgerlich, aber alles nicht un-normal. Life is hard...
     
  9. neumi

    neumi New Member

    nach 11 jahren gibt's bei kündigung doch auch ein erkleckliches sümmchen, dienst nach vorschrift solltest du zumindest machen.
     
  10. donald105

    donald105 New Member

    dein letztes post hat sich mit meiner antwort überschnitten - bei den konditionen ist doch wohl erst recht klar, dass man sich mal umschaut, ob was anderes geht....
    ich drück dir die daumen!
     
  11. donald105

    donald105 New Member

    du meinst, er soll seinem chef einen grund geben, ihn zu kündigen? das erkleckliche sümmchen reicht ein paar monate. danach gehört er zu den 21 %....drollig.
     
  12. macmercy

    macmercy New Member

    Nein - Dienst nach Vorschrift ist keine Lösung. Zumindest weiss mein Chef jetzt, dass ich es ernst meine. Entweder findet sich was im Haus oder ich bin bei einem guten Angebot weg.

    Für die Stimmung ist das aber nun mal nicht so angenehm.
     
  13. neumi

    neumi New Member

    nee, eigentlich meinte ich "mindestens dienst nach vorschrift", gerade um keinen vorwand zu liefern.
    so mißverständlich?
     
  14. macmercy

    macmercy New Member

    Mit einem dicken Hals liest sich so schlecht - da treten die Augen etwas weiter raus. Neee, ist schon klar.
     
  15. robdus

    robdus warum gibt es Köln?

    Hallo Macmercy,

    das einzige, was ich dir raten kann ist, Professionalität bewahren. Suche den Dialog mit deinem jetzigen Arbeitgeber und erläutere ihm deine Vorgehensweise. Dabei solltest du ihn darauf aufmerksam machen, dass du nicht anstrebst, das Unternehmen zu wechseln, sondern vielmehr dich weiterentwickeln möchtest.

    Da dein jetziger Arbeitgeber ohnehin bescheid weiß, bleibt dir da nur die Flucht nach vorne. Dienst nach Vorschrift ist unbefriedigend (für beide) und zeugt von mangelnden Verantwortungsbewusstsein.

    Gruß und alles Gute,

    Robdus
     
  16. akiem

    akiem New Member

    macmercy ich würde mich mit deinem wissen und kundenpotential sofort beim wettbewerber bewerben. dein arbeitgeber wird auch das erfahren, aber was solls. du bist mit deinen 11 jahren betriebszugehörigkeit erstmal auf der sicheren seite. wenn er dich kündigen will (der wäre allerdings behämmert bei 11 jahren verkaufstätigkeit) kostet es ihn sehr viel geld. entweder er zahlt dich erstmal monatelang weiter und du machst urlaub (wettbewerbsklausel), oder er zahlt dir eine abfindung.

    neben der bewerbung beim wettbewerber, würde ich sofort mit dem chef reden und eine gehaltserhöhung verlangen. auf keinen fall mit einer fairen handlungsweise deines chefs rechnen. brutale offensive zählt jetzt.

    nein unterehmerkultur gibt es in deutschland schon lange nicht mehr. schlage skrupellos mit den gleichen fiesen waffen zurück. wenn du das nicht machst, wirst du dir später vorwürfe machen.
     
  17. AndroGrün

    AndroGrün New Member

    Also, ich denke positiv ist dass Dein Boss jetzt weiss, dass es Dir ernst ist mit der Veränderung.

    Das er einen Nachfolger suchen will ist interessant kann Dir aber grundsätzlich nicht schaden, da er Dir dann eine andere adäquate Aufgabe anbieten oder kündigen muß. Wobei letzteres bei der Info wie wichtig Du in der aktuellen Position für das Unternehmen bist eher äußerst unwahrscheinlich ist.

    Ich würde noch einmal das Gespräch mit dem Boss suchen und einfach erklären, wie gut Dir das Unternehmen und der Aufgabenbereich gefällt, nur das Du nach 11 Jahren einfach eine Veränderung brauchst, diese natürlich zuerst im Unternehmen sehen würdest.

    Grundsätzlich ist dies ein guter Anlaß über Deine Perspektive im Unternehmen (Facts orientiert) zu sprechen. Deshalb die eigene Situation erklären, Verständnis schaffen. Die Bewerbung bei der Bank hast Du gemacht, um einmal den Marktwert zu testen. Aber jetzt da Dein Boss dies weiß ist es ein guter Anlaß über Deine Zukunft zu reden.

    (Keine Angst, die wollen und können Dich nicht aufgrund dieser Geschichte rausschmeißen. Außerdem ist das Risiko ein faules Ei von außen zu bekommen und mit Dir eine arbeitsgerichtliche Trennung zu vollziehen auch relativ hoch. Sie haben Dich ja gelobt und können jetzt nicht aufeinmal das Gegenteil behaupten.)

    Gegenüber der Bank würde ich ersteinmal nichts machen, erst wenn Du Probleme bei Deinem jetzigen Arbeitgeber bekommst würde ich das ganze intensivieren. Vielleicht haben die ja auch Interesse an Dir. Wenn dem so ist hasst Du ja eine noch bessere Verhandlungsposition!
     
  18. macmercy

    macmercy New Member

    Schon geschehen - bei dem Gespräch gestern. Nach mir sind 9 oder 10 Mitarbeiter gekommen und gegangen (worden). Ich habe damals das gebiet übernommen, mit der Zusage, dass ich wechseln kann, sobald eine Stelle frei wird. Das war vor 6 1/2 Jahren.

    Jedesmal, wenn etwas frei wurde, hab ich die Hand gehoben - und wurde immer vertröstet: 'Wir brauchen Sie da im Gebiet X - Ihre Vorgänger haben es jeweils nur 1 - 1 1/2 Jahre ausgehalten. Die Kunden haben Sie akzeptiert. Wissen Sie, wie lange es dauert, jemanden zu finden, der mit diesem schwierigen Kundenstamm umgehen kann?'

    @akiem
    Würde ich gerne. Aber der Mitbewerber (nur 1 am Markt) hat noch schlechtere Arbeitsbedingungen - und zahlt noch schlechter. Das ist keine Alternative. Da bleiben die Verkäufer im Durschschnitt 6 Monate - nach der Probezeit mit Fixum merken Sie, dass sie mit der Provision verhungern. Da gibts fast mehr Alu. Die verschleissen da im Jahr mehr als doppelt so viel Mitarbeiter.
     
  19. macmercy

    macmercy New Member

    Noch was zu meiner jetzigen Stelle:

    Als mündliche Zusage bekam ich vor 6 1/2 Jahren einen Firmenwagen versprochen, da ich zu der Zeit gar kein Auto hatte (Scheidung, Frau und Kind durften das Auto behalten, ich hatte kein Geld für ein Car - ich fuhr Roller). Als ich unterschrieben hatte, hiess es: 'Nein, Firmenwagen geht leider nicht. Dann beschweren sich die Anderen. Aber wir finanzieren Ihnen ein Auto mit Null %. Den Betrag (175 €) ziehen wir von Ihrem Gehalt ab und Sie bekommen das ja re-finanziert, weil Sie 350 € Fahrtkosten bekommen.'
    Später hiess es dann, als der Wagen (9.000 €) angeschafft war: 'Leider müssen wir 5% Zinsen nehmen, die Steuerprüfer meckern sonst.'
    Der Wagen (Turbo-Diesel) musste Vollkasko versichert werden - Steuern und Versicherung zu meinen Lasten. Ich bekomme also 350,- Fahrtkosten, zahle davon Steuer, Versicherung, Reparaturen und Benzin/Öl - und man zieht mir monatl. 175,- gleich vom Gehalt ab. Im Grund zahle ich bei monatl. 2500 km drauf - und das nicht zu knapp. Noch knapp 14 Monate darf ich abdrücken...

    Worte zählen heute nicht viel...

    Nennt mich einen Deppen - viele hätten bei den Bedingungen längst geschmissen. Aber hier ist die Wirtschaftslage so bescheiden - mit fast 43 bin ich hier oben längst vom Markt.
     
  20. bus

    bus New Member

    Lass dich nicht auch noch überrumpeln nachdem du dich jahrelang hast übervorteilen lassen. Deine Bewerbung war doch nichts weiter als der legitime Versuch, jahrelange Entsagungen auszugleichen. Das scheint dein Chef genau zu wissen. Auf gute untertariflich bezahlte Arbeit bleibt er aber offenbar angewiesen (sei es um des bloßen Vorteils oder um der Existenz willen). Darum musste er schneller sein als du, als er die Gelegenheit dazu hatte. Mit deiner Erfahrung aus langer Betriebszugehörigkeit bist du selbst im Vorteil. Lass dich also bei künftigen Verhandlungen nicht wieder überrumpeln und auch nicht unter Druck setzen.

    PS: Das die Bank sich unter so vielen Bewerbungen gerade bei deiner die Mühe macht nähere Erkundigungen einzuziehen, solltest du dir schon als Ehre und Verdienst anrechnen.
     

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