Informatiker wollen nicht in die USA?!?!

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Delphin, 29. Januar 2004.

  1. Delphin

    Delphin Weltverbesserer

    Hallo,

    ich möchte das fettgedruckte in der folgenden Pressemeldung zur Diskussion stellen.

    Teletext des deutschsprachigen Schweizer Fernsehens, SF DRS, 28.01.2004, 13:01:

    "Google plant neues Standbein in Zürich
    Der Betreiber der Internet-Suchmaschine Google will in Zürich sein zweites Software-Entwicklungszentrum ausserhalb der USA eröffnen.

    "Der Standort Zürich muss als Standort Europa gesehen werden, denn wir werden die besten Informatiker Europas nach Zürich holen", sagte der Schweizer Google-Manager Urs Hölzle der "NZZ". "Da viele dieser Leute nicht in den USA arbeiten wollen kommen wir zu ihnen nach Europa. " Zürich liege geografisch ideal und sei investitionsfreundlich.

    Google werde in Zürich "irgendwann im Frühling" den Betrieb aufnehmen. Die Adresse stehe auch noch nicht fest."

    Wollen nicht in den USA arbeiten? Ich dachte immer, ich sei der Einzige, der nicht freiwillig in dieses Land gehen würde?

    Viele Grüsse,
    Delphin
     
  2. lemming

    lemming New Member

    Hätt ich ein Angebot würd ich aus diesem Land mit Sack und Pack (und Frau) auswandern. Mexiko oder Dominikanische Republik evtl. Ist ja nur 2h von Florida mit der Prop.
     
  3. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Soeben hast Du einen zweiten gefunden!

    (Ich bin aber strenggenommen kein Informatiker, sondern nur ein freischaffender, software-entwickelnder Ingeniuer mit anderen Nebenberufen ...)

    Nur einen Informatiker kenne ich (unter ca. 2.500, die mich an diesem Standort hier umgeben), der mal 'rübergemacht hat. Er ist aber nach einem Jahr reumütig zurückgekehrt, als ihm sein alter Arbeitgeber wieder eine Stelle angeboten hat...

    ciao, maximilian
     
  4. Delphin

    Delphin Weltverbesserer

    Hallo,

    ich muss hier den Ansatz eines Missverständnisses ausräumen: ich bin kein Informatiker oder Programmierer.

    Aber auch bei uns in den Naturwissenschaften gibt es ja auch bei vielen den Drang, da rüber zu gehen, und deshalb hat mich diese Meldung fast schon gefreut.

    Delphin
     
  5. petervogel

    petervogel Active Member

    das klingt gut! habt ihr noch ein paar plätze frei? würde mich mit meiner mannschaft dann gerne anschliessen.
     
  6. derschwabe

    derschwabe New Member

    Eigentlich ist diese Entwicklung nicht sehr verwunderlich - schließlich unternehmen die USA zur Zeit ja alles erdenkliche, um mögliche Gäste und Einwanderer abzuschrecken... Traurig, aber wahr...
     
  7. turik

    turik New Member

    In USA:
    "From where you are?"
    "From Switzerland!"
    "Ah - I know: Stockholm, Stockholm"
     
  8. Delphin

    Delphin Weltverbesserer

    So was ähnliches hatte ich auch mal, im Flug von Calgary zurück nach Frankfurt. Ein stockbesoffener Weltkriegsveteran wollte mir erzählen wie er damals in der Schweiz an der Küste stand und über die Ostsee die Lichter in Deutschland sah ...
    Daneben sass sein Sohn und dem war das so etwas von peinlich ...

    Viele Grüsse,
    Delphin
     
  9. petervogel

    petervogel Active Member

    welch wahre worte du sprichst!
     
  10. petervogel

    petervogel Active Member

    wundert mich überhaupt nicht. die amis sind eben wettbewerbsfähiger in allen lebenslagen. niederlagen spornen die an und sie versuchen besser zu werden. die deutschen lehrer wären bei einer schlechten bewertung wahrscheinlich total beleidigt, würden die schuld auf den test und dessen ansatz schieben und schmollend in der ecke sitzen.
     
  11. Duc916

    Duc916 New Member

    Noch pauschaler ging es jetzt aber nicht?
    Dasselbe, was du jetzt über Amerika sagst hat man vor längerer Zeit über Japan gesagt.
    Damals galt der Spruch "von Japan lernen heißt siegen lernen" als Leitspruch in allen Chefetagen.
    Rückblickend kann man sagen, das japanische System hat sich zumindest als etwas fehlerbehaftet dargestellt.
    Auch in den USA ist nicht alles Gold was glänzt.
    Ein großer Teil der US-Amerikanischen Industrie ist nur noch lebensfähig, weil die US-Regierung immer neue Strafzölle den Import Produkten auferlegt. (OK macht die EU auch, aber nicht in dem Maße)

    Mag sein, aber man sollte sich schon Gedanken machen welchen Sinn solche Tests haben und vor allem welche Intention dahinter steckt.
    Sicherlich hat die deutsche Schulbildung große Defizite, aber man sollte auch nachdenken, ob eine Ausbildung nach amerikanischem Muster wirklich besser ist.
    Die Jugendlichen alleine zielgerichtet auf eine spätere Funktion in der Wirtschaft auszubilden halte ich nun nicht unbedingt für die beste Lösung.
     
  12. Duc916

    Duc916 New Member

    Na ja
    in den USA sieht das im Bezug auf die Außerungen zu "Good old Germany" nicht sonderlich anders aus.
    :D

    Aber im Ernst,
    es geht nicht darum zu sagen, alles was aus den USA kommt ist schlecht, aber man muß die ganze Sache halt doch ein wenig differenzierter sehen.
    Es ist zwar im Moment eine große Mode alles was aus den USA kommt zu kopieren und vor allem zu heroisieren, beispielsweise die Umbennenung des Dipl.Ing. zum Master/Bachelor bei verkürzter Studienzeit, aber dabei wird außer acht gelassen, daß das alte System im Bezug auf die fachübergreifende Diversifizierung durchaus seine Särken hat.
    Was im Moment in den Köpfen der Reformierer des Bildungssystems (wenn es denn welche gibt) abläuft ist blinder Aktionismus der nicht weiter bringt. Man kann die Stärken anderer Systeme analysieren und in das eigene System integrieren, aber einfach nur das nach zu machen was andere machen ist sicherlich nicht der richtige Weg.
     
  13. petervogel

    petervogel Active Member

    wo nimmst du denn diese ganzen bezüge her? davon war nie die rede. es ging um lehrer und pisa und co.
    und ich habe eine einstellung der amis als menschen erläutert, die meines erachtens zutrifft.
     
  14. xl

    xl Pixelschubser

    Klar: nicht alle Amerikaner sind ungebildete Ignoranten, genauso wie nicht alle Deutschen lederhosentragende Nazis sind.

    Trotzdem kenne ich viele Leute, die momentan keine Lust haben, in einem Land zu arbeiten, in dem ehemalige Proficatcher, Schauspieler, Bodybuilding Champions und Multimillionäre zum Gouverneur oder Präsidenten gewählt werden (bzw eigentlich ja nicht gewählt werden aber trotzdem gewinnen), in dem Sozialhilfeempfänger zwei Fulltimejobs brauchen, um über die Runden zu kommen, in dem automatische Waffen leichter zu bekommen sind als Bier und von dem aus Kriege gegen Länder geführt werden, die die meisten Amerikaner noch nicht mal vom Hören kennen.

    Das hat auch wenig mit Antiamerikanismus zu tun, die jenigen Amis, die öfter mal gerne über den heimischen Tellerrand hinausschauen und ihreseits im Ausland arbeiten oder viel reisen, sind schließlich meistens recht sympatische Leutchen, die allerdings selber oft angepisst sind über die Zustände im eigenen Land.
     
  15. bambuu

    bambuu New Member

    Wie schön haben wir Schweizer es doch: EU in weiter Ferne, endlich eine rechte Regierung gewählt, die zum Rechten sehen wird, nur gaaaanz ganz selten einen, der durchdreht und in ein Rathaus läuft und wahllos um sich schiesst, die niedrigste Ausländerquote von ganz Europa (und die kriegen wir auch noch raus) und im 2.WK haben wir unsere Souveränität und Neutralität ja erfolgreich verteidigt....

    Und Amerika wird mir immer sympatischer, v.a. seit jetzt ein generelles Rauchverbot eingeführt wurde, weil das ist wirklich das schlimmste Übel, das es zu bekämpfen gilt/galt! Andere Probleme hat ja die grosse Nation fast keine...
    Ich liebe Schauspieler in verantwortungsvollen Positionen und welterfahrene Politiker wie GW imponierten mir immer schon. :crazy:
     
  16. petervogel

    petervogel Active Member

    danke! du hast es wieder einmal schön auf den punkt gebracht. man hätte ihm nicht besser auf seinen post antworten können.
     
  17. xl

    xl Pixelschubser

    Findest Du es nicht seltsam, Dich in einem Satz über "Sozialschmarotzer" aufzuregen und gleich im nächsten über Kinderarmut?

    Es ging hier ursprünglich um die Leute, die sich zwischen verschiedenen Ländern entscheiden müssen/könnnen, um dort zu arbeiten. Das ist in den meisten Fällen die Wahl zwischen zwei Übeln, ich habe ja nie behauptet, daß hierzulande alles prima läuft. Das Problem mit Amerika ist halt, daß man da im besten Fall vom Regen in die Traufe kommt.

    Die Tendenz (unter Europäern - um die ging es in dem Artikel nämlich, nicht speziell um Deutsche oder Inder) im Zweifelsfall nicht die USA zu wählen, kann ich für meinen Bekanntenkreis, in dem relativ viele im Ausland arbeiten, ganz klar bestätigen - und zwar schon seit Jahren, nicht erst seit dem Irak Krieg. Von denjenigen, die schon zum arbeiten da waren, kam meistens der Kommentar: "nie wieder USA, lieber ein weniger interessanter Job in Europa."

    (Im übrigen sollte man sich auch ab und zu mal wieder in Erinnerung rufen, daß der Lebensstandart in Deutschland, nach wie vor extrem hoch ist, das ständige Gejammere in Deutschland nervt mich inzwischen ganz schön).
     
  18. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Genauso ist es!

    Ich z.B. bin ein 'zurückgewandertes' Auswandererkind und finde es bezeichnend, dass nicht nur ich, sondern auch meine zwei Schwestern inzwischen den Weg zurück nach Deutschland gefunden haben.
    Das Gras auf Nachbars Wiese ist nämlich nur solange saftiger, wie man es von der anderen Seite des Zaunes sieht. Sobald man davon gefressen hat, stellt man fest, dass es auch nur 'Der gleiche Dreckch wiea überoi' ist, um es mit Luis Trenkers Worten zu sagen.

    Und all den Leuten, die hier nur zu motzen und zu jammern haben, würde ich doch nahelegen, aktiv etwas zu tun, um die von ihnen angeprangerten Mißstände zu verbessern: Vor allem die Kommunalpolitik braucht dringend gute und engagierte Leute.

    Ich denke, dass ich in meinen (leider) über 40 jahren schon ziemlich herumgekommen bin, und ich habe bisher nirgends _so_ _viele_ Menschen gesehen, denen es _so_ _gut_ geht wie in Deutschland (und einigern der angrenzendern Nachbarländer). Ich war auch noch nirgends, wo man _so_ _wenige_ Menschen sieht, denen es offensichtlich schlecht geht.

    ciao, maximilian

    PS: Früher hat man den Unzufriedenen immer 'Geh doch nach drüben!' hinterherrufen können, aber diese Zeiten sind glücklicherweise auch vorbei.
     
  19. petervogel

    petervogel Active Member

    dass die deutschen die weltmeister im jammern und alles schlecht reden sind, dass sollten die meisten von uns jetzt auch schon mitbekommen haben.
    ein grund dafür ist, dass es den meisten leuten hier einfach zu gut geht und sie das, was sie haben nicht mehr zu schätzen wissen und es als selbstverständlichkeit ansehen.

    wer schon einmal selber in mittel- oder südamerika, afrika, dem nahen osten, etc. war und dort nicht nur in den touristen hochburgen unterwegs war, sondern mal da hingegangen ist, wo die normalen menschen wohnen, dem sind sicherlich spätestens dort die augen geöffnet worden, dass der grösste teil der menschheit leider einen ganz anderen lebenstandard hat und damit verbunden ganz andere probleme den alltag bestimmen. meistens geht es da um das nackte überleben und die frage, wo man das nächste mittagessen hernehmen soll. von den hygienischen verhältnissen, sauberem trinkwasser, krankheiten und quasi non existenter medizinischer betreuung ganz zu schweigen.

    im tiefen inneren ahnen dies wohl auch viele meckerer, denn schliesslich sind wir ja die spendenweltmeister (neben urlaubsweltmeistern). ist auch eine art das gewissen zu beruhigen.
     
  20. xl

    xl Pixelschubser

    Nochmal: hier geht es nicht um einen Vergleich Deutschland - USA, sondern um Europäer die momentan keine Lust haben in den USA zu arbeiten. Mit meinem Posting wollte ich zum Ausdruck bringen, daß ich das sehr gut nachvollziehen kann (und selber auch keinen starken Drang dazu verspüre, für längere Zeit in den USA zu leben, trotz interessanter beruflicher Perspektiven) und außerdem diese Haltung bei vielen "Gastarbeitern" in meiner Bekanntschaft beobachtet habe (da sind zwar keine Informatiker dabei, aber es gibt ja noch andere Berufsgruppen, die oft im Ausland arbeiten). Da ich meine Freunde auch immer wieder gerne an ihren jeweiligen Arbeitsorten besuche, glaube ich mir durchaus auch ein Urteil bzgl der Lebensqualität in verschiedenen Ländern erlauben zu könnnen.
     

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