Kinder, Krieg und Kongo

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von macixus, 4. Juni 2003.

  1. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Kinder, Krieg und Kongo - da ist das "Abenteuer im Irak" schnell Vergangenheit. Jetzt werden wir das "Abenteuer im Kongo" erleben: Frieden schaffen ohne Waffen war gestern, heute ist selbst für die Kirchen ein "gewaltsames Eingreifen leider unabweisbar", dient es doch dem Frieden und der Bedeutung beteiligter Nationen.

    Und ein bisschen stolz (Achtung Ironie!) darf man auch sein, weil dies die erste große Militäraktion ohne den großen Bruder zu werden verspricht.

    Da kann man nur hoffen, dass sich unsere Friedensschaffer nicht verheben. Französische und belgische Soldaten haben da so ihre Kolonialerfahrungen, deutsche müssen es erst noch lernen, auf Kinder zu feuern, die Zivilisten töten oder verstümmeln.

    Ein "europäischer Krieg im Kongo" kann da tatsächlich ein "Abenteuer" werden, von dem man noch lange alp-träumt. Aber wir können sagen, diesmal sind wir dabeigewesen.
     
  2. maiden

    maiden Lever duat us slav

    tja. Manchen kann man nichts recht machen. Jenen nicht, die sich aus allem raushalten wollen und erst recht jenen nicht, die meinen man könne sich der Verantwortung nicht weiter entziehen. Ja was denn nun?
     
  3. MacELCH

    MacELCH New Member

    Nur mal so am Rande erwähnen möchte ich den Hinweis, den ich während des Irak Krieges gebracht habe - aber da scheint es keine Sau interessiert zu haben, daß im Kongo geschlachtet wurde.
     
  4. maiden

    maiden Lever duat us slav

    für Tibet interessiert sich doch auch kein Schwein.
    Eigentlich müßte man China sofort angreifen.

    Nordkorea sowieso (bei Bush`er Logik).
    Aber die kann man ja bei Bedarf auch mal ausschalten.
     
  5. Gollum

    Gollum Gast

    --->deutsche müssen es erst noch lernen, auf Kinder zu feuern, die Zivilisten töten oder verstümmeln

    damit haste probleme??? glaube kaum.
     
  6. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Mit "Blut für Öl" hätte sich bestimmt die eine oder andere Sau interessiert. Aber mit "Blut für Diamanten" lockst du halt keine Brillie-Tante von der Badematte.
     
  7. carlo

    carlo New Member

    Tja, die diskussion hatten wir ja neulich schonmal. Da kommen wir wohl nicht zusammen.
    Was wäre denn im übrigen die macixussche strategie im umgang mit solchen problemen und konkret jetzt im kongo? Wie sollte sich die deutsche regierung deiner meinung nach verhalten?
    Würd mich ehrlich interessieren.
    carlo


    @elch: doch. Nur manches mal finde ich einfach keine worte.
     
  8. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Dafür konnte man mit nichtvorhandenen erlogenen Massenvernichtungswaffen genügend naive Blauäugige fangen.

    Information:
    Verteidigungsministers Paul Wolfowitz hat erklärt, die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen sei nur nach außen als zentraler Grund für den Krieg dargestellt worden.
     
  9. carlo

    carlo New Member

    Dem toni in london wird grad der sessel angezündet deswegen. Endlich begreift mal wer, was die versammelte "koalition der willigen" mit der weltöffentlichkeit gemacht hat und weiterhin betreibt: Verarschung nach strich und faden.
     
  10. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Aus dem Bauch heraus geantwortet:

    raushalten, geht in die Hose und bewirkt nichts. Nach jetzigem Stand der Dinge soll eine Stadt "befriedet" werden, die Schlächtereien finden aber auf "dem Land" statt und das ist groß. Da sind selbst 2000 Soldaten "nichts".

    Vom Kopf her geantwortet:

    Mit der Initiative "Europäische Armee" haben sich Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Jetzt will "man" natürlich nicht nur (europäische) Worte hören, sondern auch (europäische) Taten sehen. Und da sollte "man" am besten nicht kneifen, sonst wird's sehr schnell sehr unglaubwürdig.
     
  11. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    maiden, am feinsten bist du doch raus: wenn weiterhin keine Massenvernichtungswaffen gefunden werden, dann kannst du dich weiter sonnen. Sollten doch noch welche gefunden werden, kannst du dich auch sonnen, weil sie eh bloss die Amis zum Finden verbuddelt haben.

    Also, genieße es und wir Blauäugigen wischen uns weiter die Tränen aus den Augen.

    Aber irgendwie war das hier gar nicht das Threadthema, oder?
     
  12. carlo

    carlo New Member

    In der tat dürfte das stadt-land-problem bestehen.Andererseits brauchen die leute wohl zumindest kurzfristig beschützte fluchtpunkte, um den moment zu überleben. Das darf natürlich dann nicht so aussehen wie auf dem balkan gehabt.
    Auch dass 2000 mann für ein land wie kongo bzw die betroffenen regionen wenig sind, stimmt imho. Zumal, wenn bedenkt, wieviele soldaten "mal eben" im irak zum einsatz gekommen sind.
    Wenn europa eine armee braucht, dann m.e. für solche gemeinsamen einsätze unter un-führung und unter beteiligung der staaten der region. Soweit ich das mitbekommen habe, werden sich auch afrikanische staaten beteiligen.
     
  13. carlo

    carlo New Member

    Würdest du das nach allem, was inzwischen sich ereignet hat, ausschließen wollen?
    Ich nicht.
     
  14. maiden

    maiden Lever duat us slav

    was mich halt immer wieder wundert, ist die Tatsache, daß manch einer mehr Halt am Nichts fand als am Öl.
    Außer die Amis natürlich. Das Öl war das erste worum sie sich kümmerten. Sei es, daß Ministerien oder Quellen gesichert wurden, während der Rest in Anarchie versank.
    Aber so ist die Welt. Eine heile muß es sein.

    Im Übrigen bin ich der Meinung, daß sich keiner auf den Standpunkt stellen kann, er hätte nichts gewußt. Genug Informationen aus berufenem Munde und von Menschen, die die Situation vor Ort kannten, gab es schließlich.
    Aber Wahrheiten sind keine, wenn sie nicht ins Weltbild passen, gelle?

    Und:
    << Mit der Initiative "Europäische Armee" haben sich Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Jetzt will "man" natürlich nicht nur (europäische) Worte hören, sondern auch (europäische) Taten sehen. Und da sollte "man" am besten nicht kneifen, sonst wird's sehr schnell sehr unglaubwürdig.
    >>

    findest Du nicht, daß es noch etwas verfrüht ist, in dieser Frage schon Taten zu fordern oder zumindest zu erwarten?
     
  15. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Ich auch nicht. Obwohl mir der Gedanke nicht gefällt. Aber wer derart lügt wie die Bushies und ihr Vasalle Blair, der dürfte wohl auch dazu fähig sein.
    Wäre ja nicht das erste Mal.
     
  16. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ich vermute mal, dass mich da keiner fragen wird.

    Aber ich habe es immer ganz gern, wenn nicht nur geredet, sondern auch gehandelt wird. Und so eine "schöne" Gelegenheit, den Worten auch mal Taten folgen zu lassen, ohne den "Froinden von jenseits des Atlantik" in die Quere zu kommen, wird sich so schnell nicht mehr ergeben.

    Also nichts wie dran, drauf, drüber - wenn's denn den Menschenrechten und dem Frieden dient...

    (Achtung: letzter Satz sarkastisch)
     
  17. maiden

    maiden Lever duat us slav

    schon, aber erst mal wird so eine Sache besprochen, dann müssen die logistischen und materiellen Voraussetzungen geschaffen werden. Auch die politischen. Bis dann alles durch Parlamente und Haushalte durch ist vergeht eine Zeit. Schon nach wenigen Wochen auf die Gespräche hin Taten zu erwarten ist wohl etwas verfrüht.
     
  18. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    maiden, dir als Politprofi muss ich doch wohl nicht erzählen, dass das Volk an den Fernsehschirmen Taten sehen will.

    Da spielen derartige Erwägungen keine Rolle.

    "Der Politiker" erwartet, dass wenige Stunden nach seinem Beschluss die ersten Soldaten aus dem Flieger stürmen.

    Spätestens Ende der Woche werden wir diesen Beschluss erleben. Die politischen Voraussetzungen sind längst geschaffen: Chirac geniesst seine Rolle als Friedensfürst, Deutschland kann gar nicht nein sagen nach der "Achsengeschichte", die NATO ist (Frankreich jubelt!) endlich mal nicht involviert und damit sind die Amis "raus" aus dem "Kongo-Abenteuer" - wo sie übrigens nie "reingehen" würden. So doof sind sie halt doch nicht...

    FR und BE haben da eh "alte Geschäftsinteressen" und wir als Deutsche können zeigen, dass wir doch nicht die Pazifisten sind, für die uns die "Froinde" halten.

    Jetzt heißt es, die Gelegenheit am Schopf packen. Und wenn dabei ein paar Neg... äh Menschen dunkler Hautfarbe gerettet werden, umso besser.
     
  19. maiden

    maiden Lever duat us slav

    << maiden, dir als Politprofi muss ich doch wohl nicht erzählen, dass das Volk an den Fernsehschirmen Taten sehen will. >>

    Du solltest das Volk nicht für blöder halten als es ist.
    Erinnere Dich an die Irak-Frage. Da war das Volk auch nicht so blöd, wie es manche gedacht haben oder gerne gesehen hätten.

    <<"raus" aus dem "Kongo-Abenteuer" - wo sie übrigens nie "reingehen" würden. So doof sind sie halt doch nicht...>>

    tja, in der Frage der Menschenrechte und Unterdrückung kommt es unseren Frointen halt immer nur darauf an, wie nützlich Land, Rohstoffe oder Machthaber sind.

    Ist aber insgesammt ein schönes Thema für die Verarschten. Man kann davon ablenken, wie sehr man versagt, wenn es um die Frage geht, warum man sich über ein Nichts mehr aufregt, mehr schreibt und schreit, als über die Lüge zum Nichts mit der ein Krieg begonnen wurde. Über moralische Zweifelhaftigkeiten will ich mich da schon gar nicht mehr auslassen.
    Genieß es.
     
  20. Ossi8

    Ossi8 Gast

    Du solltest nicht so über Behinderte herziehen ... George braucht eben länger als andere. Wenn der erst mal merkt, dass es dort gewaltige Bodenschätze (Diamanten etc.) gibt, wird der bestimmt auch dort befreien.


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    Eine Mail an Rumsfeld hilft.
     

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