Langzeitfolgen bei Lasik

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von ippili, 28. Juli 2006.

  1. ippili

    ippili New Member

    Ich möchte hier einen sehr kritischen und warnenden Bericht über sowohl unmittelbare Kurzzeiterfahrungen als auch Langzeiterfahrungen mit Lasik schreiben. Vor ca. 8 Jahren hatte ich mir von einem renomierten Innsbrucker Universitätsprofessor beide gesunden Augen operieren lassen. Die Kurzsichtigkeit war vorher minus 6,5 ohne nennenswerte Verkrümmung, und die Sehleistung mit Brille hervorragend. Aber ich wollte keine Brille mehr und mir ist gesagt worden, dass es bei 10.000!!! bisher durchgeführten und dokumentierten Operationen nur eine einzige Komplikation gegeben hätte.

    Die erste Euphorie war groß - tatsächlich keine Brille mehr - und genauso schnell verflogen. Meine ursprüngliche Sehleistung von weit über 100% ist auf 80% gesunken. Bei künstlichem Licht sah nun leichten "Nebel" über die gesamte Bildfläche. Heute weiß ich, dass beim Loslösen des Hornhautlappens Sauerstoff an Stellen des Auges kommt, wo keiner hinkommen soll. Dadurch bilden sich Kristalle, einmal mehr, einmal weniger, und die werden dann als nebeliger Film wahrgenommen.

    Mein erster Besuch in einem Einkaufszentrum brachte dann die Ernüchterung: Nachdem ich vorher so gut wie blendunempfindlich war, sah ich nun um jedes Spotlicht herum sternförmige Strahlen. Die Blendempfindlichkeit bei Nacht war enorm. Im Verkehr "Strahlen" um Scheinwerfer herum, Strahlen um Rücklichter! Kurz zusammengefasst Strahlen um alle punktförmigen und hellen Lichtquellen sowie "Nebel" um weiche Lichtquellen (z.B Mond).

    Nun habe ich angefangen, mich über Ursachen und Möglichkeiten zu informieren. Heute weiß ich, dass die Hornhautoberfläche des gesunden Auges eine hochpräzise Geometrie aufweist und der Laser im Verhältnis dazu ein ziemlich grobes und unpräzises Werkzeug ist. Durch die Laserbehandlung kommt es häufig zu Ungenauigkeiten der Hornhautgeometrie und in der Folge zu fehlerhaften Abbildungen auf der Netzhaut. Die Folge ist nun, dass das Gehirn versuchen muss, diese Fehler zu kompensieren. Dadurch kommt es zu Schwierigkeiten und Verzögerungen beim Scharfstellen. Wenn man beispielsweise auf einer weißen Fläche einen schwarzen Punkt oder ein Fadenkreuz anpeilt, sieht man um den Punkt herum mehrere "Schattenpunkte" bzw. um das Fadenkreuz herum mehrere "Schattenkreuze". Das Gehirn muss diese Fehlerbilder "ausfiltern". Ich kann seit der Operation keine präzisen Arbeiten mehr durchführen, bin nachtblind und kann gerade einmal eine halbe Zeitung lesen bevor meine Augen total ermüdet sind.

    Soviel zu den Kurzzeiterfahrungen. Jetzt nach ca. acht Jahren hat sich bei mir erneut wieder eine leichte Kurzssichtigkeit eingestellt, sowie eine Verkrümmung der Hornhat, die ich vorher nicht hatte, und die noch dazu - auch das ist eine neue Erfahrung - täglich schwankt. Vor der Operation war mene Kursichtigkeit über Jahre hindurch stabil und hat sich über einen Zeitraum von 10 Jahren maximal um -0,5 verändert.

    Ich habe Kontakte zu anderen Lasik-operierten Personen gesucht und auch gefunden. Viele, ich schätze weit mehr als die Hälfte der Leute, mit denen ich gesprochen habe, klagen über mehr oder weniger ähnliche Beschwerden. Ein LKW-Fahrer wurde sogar berufsunfähig wegen der Nachtblindheit.

    Zusammenfassung und Trost am Schluss: Wer gesunde kurzsichtige Augen hat, sollte von einer Lasik-Operation unbedingt Abstand nehmen. Es gibt heute weiche Kontaktlinsen, die so komfortabel sind, dass man sie nicht mehr spürt. Wer mit der Brille zurecht kommt, sollte bei der Brille bleiben. Ich würde heute ein Vermögen bezahlen, wenn ich die Sache noch einmal rückgängig machen könnte.
    Wenn es aber schon einmal passiert ist, dann gibt es mit Hilfe von speziell angepassten harten Kontaktlinsen die Möglichkeit, einen Großteil der Schäden zu kompensieren und eine einigermaßen gute Sehleistung wieder herzustellen. Allerdings sind diese Linsen nicht so komfortabel und ein gewisses Fremdkörpergefühl beim Tragen bleibt immer.
     
  2. laila

    laila New Member

    :crazy: Ich wollte eben noch in die Türkei fliegen, die haben die modernsten Laser dort :nicken: 5-Sterne-Klinik (mindestens) die besten Professoren (nur acht Operationen am Tag aber garantiert) und das alles für 1500€ für beide Augen :rolleyes: und jetzt kommst du... :O Ich sehe mit Kontaktlinsen schon sehr "strahlend" wie soll es dann nachher sein :confused: Hilfe!
     
  3. laila

    laila New Member

    Willkommen übrigens! :)
     
  4. sahomuzi

    sahomuzi New Member

    Du siehst mit Kontaktlinsen strahlend aus? Interessant ... :D


    Die Risiken solcher Eingriffe sind ja bekannt und ich selber trage da sowieso lieber meine Brille. Die hat nämlich den Vorteil, dass ich sie auch ohne Brille sehe (wenn ich sie runtergenommen habe), aber Kontaktlinsen ohne Kontaktlinsen suchen stelle ich mir schwierig vor. ^^
     
  5. laila

    laila New Member

    :nicken: :nicken:

    Ich könnte dir Storys erzählen vom suchen ohne Kontaktlinsen, vor allem als ich noch harte hatte war es wenn nur eine fehlte ganz tückisch... Aber seit ich weiche trag ist alles nur noch halb so schlimm, einfach eine neue rein und gut ists. :)
     
  6. donald105

    donald105 New Member

    Ein freund von mir war ebenfalls extrem kurzsichtig. Im alltag auszuhalten, aber schwimmen z.B. war fast unmöglich, weil er im abstand von 20 meter zum strand nur noch verschwommene flecken sehen konnte. Das soziale leben leidet auch, wenn man an guten bekannten grußlos vorübergeht. Er wollte sich vom dauernden brillentragen unabhängig machen und hat sich ebenfalls lasern lassen, in D.
    Seitdem kann er tagsüber auf der straße gut sehen, aber nachts auto fahren ist ein schwieriges unterfangen geworden.
    Am monitor länger als 60 bis 90 minuten konzentriert arbeiten ist ihm unmöglich geworden, weil dann die augen schmerzen. Mit brille. Die braucht er nämlich nach wie vor. Nur eine andere.
     
  7. Zerwi

    Zerwi Wiederhergestellt

    Ich trage seit der Kindheit Brille und seit 21 Jahren Kontaktlinsen. Mit den Linsen kann ich sehr gut leben, man muß halt ein paar Sachen dabei beachten, aber das ist OK. Eine Laseroperation, womöglich noch in Rußland, in Ungarn, in der Türkei oder sonstwo würde ich nie machen lassen. Das Risiko ist zu groß, dafür ist das Augenlicht einfach zu wichtig. Langzeitfolgen kann man schließlich nie ausschließen. Und Regreßansprüche gegen irgendwelche Kliniken im Ausland durchzubringen ist ja wohl eher ein Ding der Unmöglichkeit. Das ist schon im Inland mehr als schwierig.
     
  8. laila

    laila New Member

    Die Qualität der Behandlung hängt sicher nicht vom Land ab, sondern u.a. vom Zustand des Auges, dem behandelnden Arzt und dem verwendeten Laser. Meinst du in Deutschland wird überall nur beste Qualität geboten? Soll ein türkischer Arzt, der in den USA ausgebildet wurde und 40'000 Operationen gemacht hat, schlechter sein als ein deutscher, der das in einer Praxisgemeinschaft mit einem Vorkriegslaser einmal die Woche macht? Nicht wirklich. Die tiefen Preise resultieren aus günstigeren Nebenkosten, nicht von schlechterer Qualität. Ich bin der Meinung, man soll sich die erwünschte Leistung dort einkaufen, wo die Leistung und der Preis stimmt, egal ob in der Türkei, in Thailand Südafrika Singapur oder sonstwo. Gute Medizin für gutes Geld. Und wie du sagst, Regressansprüche sind hier schon fast aussichtslos, da kompensiere ich das vermeintliche Risiko gerne mit viel tieferen Preisen und besserem Service.

    So. Bis demnächst wenn es heisst: Fettabsaugen in Tunesien oder der Schwiegermutters neues Hüftgelenk aus Indien :rolleyes:
     
  9. Sunshine

    Sunshine New Member

    Also ich bin auch seit meiner Kindheit Brillenträger und habe zwischenzeitlich mal überlegt, ob ich mir die Augen lasern lasse (da ich mit Kontaktlinsen einfach nie so richtig zurecht gekommen bin).

    Letztendlich hat mich aber (neben den Kosten) vor allem die Angst abgehalten, das etwas schief gehen könnte.

    Ich gebe lieber alle paar Jahre ein paar hundert Euro für eine Brille aus und kann damit 100% sehen, als das ich mich auf irgend einen Behandlungstisch lege, ein paar tausend Euro bezahle und am Ende (wenn ich zu den wenigen gehöre, bei denen die Behandlung fehlschlägt) weniger sehen kann als vorher.

    Ich bin der Meinung, dass jede Behandlung am Auge (oder sonstigen Körperteilen), die nicht unbedingt medizinisch notwendig ist, überflüssig ist und das man es sich wirklich reiflich überlegen sollte, ob man einen solchen Eingriff vornehemen lässt.
     
  10. Zerwi

    Zerwi Wiederhergestellt

    Sunshine, so sehe ich das auch. Alle kosmetischen Operationen, welche erhebliche Risiken bergen, aber medizinisch (oder psychologisch) nicht notwendig sind, würde ich mal schön bleiben lassen.

    Eine Graue-Star-Operation ist da was ganz anderes. Das IST medizinisch notwendig. Wenn aber jemandem der Aufwand für Linsen zu groß ist...ich weiß nicht. Das Risiko ist nicht unerheblich. Auch wenn es "billig" war.
     
  11. Sunshine

    Sunshine New Member

    Ich bin sogar noch etwas radikaler. Wenn jemand Operationen durchführen lässt, die keinen medizinischen (hiermit meine ich auch psychologischen) Zweck erfüllen und im Anschluß daran Probleme bekomt, der sollte aus meiner Sicht auch die entstehenden Kosten für Folgebehandlungen usw. aus eigener Tasche löhnen.

    Ist zugegeben eine etwas extreme Position, aber ich arbeite bei einer großen Krankenkasse und weiß, was diese vermeintlich "billigen" Operationen häufig für Folgekosten hinter sich her ziehen.

    Mein Standpunkt bezieht sich dabei aber wirklich nur auf solche unnötigen Operationen. Nicht das jetzt hier noch eine Diskussion entbrennt, was mit den Rauchern, Extremsportlern usw. ist.
     

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