Lese-Ecke (Teil 2): Tucholsky

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Thine, 8. September 2004.

  1. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Autobiographie

    Soweit ich mich erinnere, wurde ich am 9. Januar 1890 als Angestellter der “Weltbühne” zu Berlin geboren. Meine Vorfahren haben, laut “Miesbacher Anzeiger”, auf Bäumen gesessen und in der Nase gebohrt. Ich selbst lebe still und friedlich in Paris, spiele täglich nach Tisch mit Doumergue und Briand ein halbes Stündchen Schafkopf, was mir nicht schwer fällt, und habe im Leben nur noch einen kleinen Wunsch: die Rollen der deutschen politischen Gefangenen und ihre Richter einmal vertauscht zu sehen.

    (1926)





    Kurt Tucholsky (1890 Berlin-Moabit–1935 Hindås/Schweden). Satiriker und Gesellschaftskritiker. Unter den Pseudonymen Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, Kasper Hauser und seinem tatsächlichen Namen fünffacher Mitarbeiter der “Schaubühne” und der späteren “Weltbühne” (neben S. J. = Siegfried Jacobsohn und Carl von Ossietzky, späterer Friedensnobelpreisträger). 1935 nahm sich Tucholsky – wie so viele Künstler in jener Zeit – als Emigrant in Schweden das Leben.
     
  2. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    “Sie sind der ungeborene Peter Panter – ?” sagte der liebe Gott und strich seinen weißlichen Bart, der stellenweise etwas angeraucht war. Ich schwamm als helle Flocke in meinem Reagenzgläschen und hüpfte bejahend auf und nieder. “Für Sie gibt es drei Möglichkeiten”, sagte der himmlische Vater und zerdrückte in unendlicher Güte eine Wanze, die ihm über das Handgelenk lief. “Drei Möglichkeiten. Wollen Sie sie bitte überprüfen und mir dann mitteilen, welche Wahl Sie getroffen haben. Es liegt uns viel daran, bei dem herrschenden Streit zwischen Deterministen und Indeterministen es mit keiner von beiden Parteien zu verderben. Suchen Sie hier oben aus, was Sie einmal werden wollen – unten können Sie nachher nichts dafür. Bitte.” Der alte Mann hielt mir einen Pappdeckel vor das Gläschen, auf dem stand zu lesen:

    I.
    Peter Panter (1. Verarbeitung). Geboren am 15. April 1889, als Sohn armer, aber gut desinfizierter Eltern, zu Stettin auf der Lastadie. Vater: Quartalssäufer, das Jahr hat fünf Quartale. Mutter: Abonnentin des “Berliner Lokal-Anzeigers”. Studiert das Tierarzneiwesen in Hannover und wird 1912 städtisch approbierter Kammerjäger in Halle. Zwei Frauen: Annemarie Prellwitz, edel, Schneckenfrisur, in Flanell (1919-1924); Ottilie Mann, sorgfältig, korrekt, von großem Gebärfleiß, in Ballonleinen (1925-1937). Vier Söhne; danach Anschaffung eines deutschen Perserteppichs. 1931: Reinigung des Bartes von Hermann Bahr, Bahr kommt heil davon, P. wird katholisch. Wird im Juni 1948 nach Wien berufen, um die Wanzen, die sich in der Feuilletonredaktion der “Neuen Freien Presse” angesammelt haben, zu vertilgen. Da die Operation selbstverständlich misslingt, wird Kammerjäger P. trübsinnig. Hört in dieser Geistesverfassung am 20. April 1954 einen Keyserling-Vortrag. Tod: 21. April. Panter geht mit den Tröstungen der katholischen Kirche versehen dahin, nachdem er kurz zuvor mit großem Appetit ein Mazze-Gericht verzehrt hat. Beerdigungswetter: leicht bewölkt, mit schwachen, südöstlichen Winden. Grabstein (Entwurf: Paul Westheim): 110,30 Mark, Preis des Marmors: 100 Mark. Stets in Ehren gehaltenes Andenken: acht Monate.
    “Nun –?”, sagte der liebe Gott. “Hm –”, sagte ich.
    Und las weiter:

    II.
    Peter Panter (2. Verarbeitung). Geboren am 8. Mai 1891 als ältester Sohn des Oberregierungsrats Panter sowie seiner Ehefrau Gertrud, geborerener Hauser. Das frühgeweckte Kind hört schon als Knabe auf dem linken Ohr so schwer, dass es für eine Justizkarriere geradezu prädestiniert erscheint. Tritt in das Corps ein, in dem ein gewisser Niedner alter Herr ist – Der liebe Gott behakenkreuzigte sich. Ich las weiter: – und bringt es bald zu dem verlangten korrekt-flapsigen Benehmen, das in diesen Kreisen üblich ist. 1918: Kriegsassessor, gerade zu Kaisers Geburtstag. Schwört demselben ewige Treue. 1919: Hilfsbeamter im Staatskommisariat für öffentliche Ordnung; der Staatskommissar Weismann sitzt, aus altpreußischer Schlichtheit, in keinem Fauteuiul, sondern auf einer Bank und hält dieselbe Tag und Nacht. Landgerichtsrat Panter leistet der Republik die größten Dienste sowie auch ihrem Präsidenten. Schwört demselben ewige Treue. Beteiligt sich 1920 am Kapp-Putsch, berät Kapp in juristischen Fragen und schwört demselben ewige Treue. Durch das häufige Schwören wird man auf den befähigten Juristen aufmerksam und will ihn als obersten Justitiar in die Reichswehr versetzen. Inzwischen wird Rathenau ermordet, weshalb die Republik einen Staatsgerichtshof über sich verhängt, wo ohne Ansehen der Sache verhandelt wird. Dortselbsthin als Richter versetzt, verstaucht er sich im Jahre 1924 beim Unterschreiben von Zuchthausurteilen gegen Kommunisten den Arm. Eine Beerdigung entfällt, da ein deutscher Richter unabsetzbar ist und auch nach seinem Tode noch sehr wohl den Pflichten seines Amtes nachkommen kann.

    “Wie kann man so tief sinken –!”, sagte der liebe Gott, weil ich inzwischen auf den Boden des Reagenzgefäßes gekrochen war. Ich wackelte mit dem Schwänzchen, der liebe Gott erriet richtig “Nein!”, bedavidsternte sich und gab mir

    III.
    zu lesen:
    Peter Panter (3. Verarbeitung). Geboren am 9. Januar 1890 zu Berlin mit ungeheuren Nasenlöchern. Seine Tante Berta umsteht seine Wiege und hat es gleich gesagt. Gerät nach kurzen Versuchen, ein anständiger Mensch zu werden, in die Schlingen des Herausgebers S. J., der ihn zu mannigfaltigen Arbeiten verwendet: er darf zu Beginn der Bekanntschaft Artikel und Gedichte schreiben, bringt es aber schon nach fünfzehn Jahren zum selbständigen Briefefrankieren und andern wichtigen Büroarbeiten. Nimmt nacheinander die Pseudonyme Max Jungnickel, Agnes Guenther, Waldemar Bonsels und Fritz v. Unruh an. Kann aber niemand darüber hinwegtäuschen, dass hinter diesen Namen nur ein einziger Verfasser steht. Wird von Professor Liebermann in Öl gestochen und schenkt ihm als Gegenangebinde einen echten Paul Klee, den Liebermann jedoch nicht frisst. Panter stirbt, als er alles weiß und nichts mehr kann – denn so kann man nicht leben.
    “Nun –?”, fragte der liebe Gott. “Hm –”, sagte ich wieder. “Könnte man nicht die drei Biographien kombinieren? Vielleicht so, dass ich als Sohn des Oberregierungsrats Kammerjäger bei der ‘Weltbühne’ ...”
    “Beeilen Sie sich!”, sagte Gottvater streng. “Ich habe nicht viel Zeit. Um zehn Uhr präsidiere ich drei Feldgottesdiensten: einem polnischen und einem italienischen gegen alle andern. Da muss ich bei meinen Völkern sein. Also – wählen Sie.” Und da habe ich dann gewählt.

    (1926)
     
  3. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Tucholsky mit Pfeife usw.

    Bild 1 für akiem
     
  4. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Daß die wichtigsten Dinge durch Röhren gethan werden.
    Beweise: erstlich die Zeugungsglieder, die Schreibfeder
    und schließlich unser Schießgewehr.
    (Lichtenberg)



    Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.

    Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nichtlochs: Loch allein kommt nicht vor, so leid es mir tut. Wäre überall etwas, dann gäbe es kein Loch, aber auch keine Philosophie, und erst recht keine Religion, als welche aus dem Loch kommt. Die Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: Es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt werden. Loch ist immer gut.
    Wenn der Mensch “Loch” hört, bekommt er Assoziationen: Manche denken an Zündloch, manche an “Knopfloch” und manche an Goebbels._
    Das Loch ist der Grundpfeiler dieser Gesellschaftsordnung, und so ist sie auch. Die Arbeiter wohnen in einem finstern, stecken immer eins zurück, und wenn sie aufmucken, zeigt man ihnen wo der Zimmermann es gelassen hat, sie werden hineingesteckt, und zum Schluß überblicken sie die Reihe dieser Löcher, und pfeifen auf dem letzten. In der Ackerstraße ist Geburt Fluch; warum sind diese Kinder auch gerade aus diesem gekommen? Ein paar Löcher weiter, und das Assessorexamen wäre ihnen sicher gewesen.
    Das Merkwürdigste an einem Loch ist der Rand. Er gehört noch zum Etwas, sieht aber beständig in das Nichts, eine Grenzwache der Materie. Das Nichts hat keine Grenzwache: während den Molekülen am Rande eines Lochs schwindlig wird, weil sie in das Loch sehen, wird den Molekülen des Lochs ... festlig? Dafür gibt es kein Wort. Denn unsre Sprache ist von den Etwas-Leuten gemacht; die Loch-Leute sprechen ihre eigne.

    Das Loch ist statisch; Löcher auf Reisen gibt es nicht. Fast nicht.

    Löcher, die sich vermählen, werden ein Eines, einer der sonderbarsten Vorgänge unter denen, die sich nicht denken lassen. Trenne die Scheidewand zwischen zwei Löchern: Gehört dann der rechte Rand zum linken Loch? oder der linke zum rechten? oder jeder zu sich? oder beide zu beiden? Meine Sorgen möcht ich haben.
    Wenn ein Loch zugestopft wird: wo bleibt es dann? Drückt es sich seitwärts in die Materie? oder läuft es zu einem anderen Loch, um ihm sein Leid zu klagen - wo bleibt das zugestopfte Loch? Niemand weiß das: unser Wissen hat hier eines.
    Wo ein Ding ist, kann kein anderes sein. Wo schon ein Loch ist: kann da noch ein anderes sein?

    Und warum gibt es keine halben Löcher-?

    Manche Gegenstände werden durch ein einziges Löchlein entwertet; weil an einer Stelle von ihnen etwas nicht ist, gilt nun das ganze übrige nichts mehr. Beispiele: ein Fahrschein, eine Jungfrau und ein Luftballon.
    Das Ding an sich muß noch gesucht werden; das Loch ist schon an sich. Wer mit einem Bein im Loch stäke und mit dem andern bei uns: der allein wäre wahrhaft weise. Doch soll dies noch keinem gelongen sein. Größenwahnsinnige behaupten, das Loch sei etwas Negatives. Das ist nicht richtig: der Mensch ist ein Nicht-Loch, und das Loch ist das primäre. Lochen sie nicht; das Loch ist die einzige Vorahnung des Paradieses, die es hienieden gibt. Wenn sie tot sind, werden sie erst merken, was Leben ist. Verzeihen sie diesen Abschnitt; ich hatte nur zwischen dem vorigen Stück und dem nächsten ein Loch ausfüllen wollen.

    (Peter Panter, Vossische Zeitung 558, 25.11.28)
     
  5. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Danke für einen heiteren Tagesabschluss. Satire at its best (die Panter-Biographien). :D











    pssssssst - bei Panter 2 streiche "weige", setze "ewige"
     
  6. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    :embar:

    Erledigt!
     
  7. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Und hier, meine Damen und Herren, wenn Sie diese linke Seite betrachten, so sehen Sie, was ein unbeschriebenes Blatt ist ...






    Bild 2 für akiem :)
     
  8. naklar

    naklar New Member

    sehr löchrig das ganze...:D
     
  9. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    ... es ist sozusagen ein Nichts auf dem Papier. Doch wenngleich Professor Hagelhauer der Ansicht war, das Höchste sei das Nichts, so ist einschränkend zu sagen, dass dieser Satz nicht für das Bankkonto gilt, was die Nationalökonomie hinreichend geklärt hat.
    Frei nach Dr. Peter Panter, Universität Saarow-Pieskow, wird ja die Nationalökonomie in drei Perioden gegliedert; erstens die ganz alte, die darin bestand, dass die Leute sich wunderten, warum sie kein Geld hatten; zweitens die ältere, dadurch gekennzeichnet, dass die Leute zwar immer noch kein Geld hatten, aber wenigstens wussten warum; und drittens die neuere, die damit begann, dass die Leute sich wunderten, warum sie Geld hatten, wo es ihnen theoretisch immer noch schlecht gehen sollte.
    Und was tut der Mensch, um sich der Theorie anzupassen? Er legt sein übriges Geld, das er gar nicht haben sollte, beschämt beiseite. Nur so, meine Damen und Herren, sind die hohen Sparquoten der heutigen Zeit zu erklären.

    (Kaspar Hauser, Weltbühne 37, 15.9.31)
     
  10. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    In der Tat! Die Welt ist ein Schweizer Käse. :D
     
  11. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn's ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.
    Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird.
    Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er dies als unnatürlich und spricht nicht gern davon. Er wird gemacht, hingegen nicht gefragt, ob er auch gemacht werden wolle.
    Der Mensch ist ein nützliches Lebewesen, weil er dazu dient, durch den Soldatentod Petroleumaktien in die Höhe zu treiben, durch den Bergmannstod den Profit der Grubenherren zu erhöhen, sowie auch Kultur, Kunst und Wissenschaft.
    Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören. Man könnte den Menschen geradezu als ein Wesen definieren, das nie zuhört. Wenn er weise ist, tut er damit recht: denn Gescheites bekommt er nur selten zu hören. Sehr gern hören Menschen: Versprechungen, Schmeicheleien, Anerkennungen und Komplimente. Bei Schmeicheleien empfiehlt es sich, immer drei Nummern gröber zu verfahren, als man es gerade noch für möglich hält.
    Der Mensch gönnt seiner Gattung nichts, daher hat er die Gesetze erfunden. Er darf nicht, also sollen die andern auch nicht.
    Um sich auf einen Menschen zu verlassen, tut man gut, sich auf ihn zu setzen; man ist dann wenigstens für diese Zeit sicher, daß er nicht davonläuft. Manche verlassen sich auch auf den Charakter.
    Der Mensch zerfällt in zwei Teile: In einen männlichen, der nicht denken will, und in einen weiblichen, der nicht denken kann. Beide haben sogenannte Gefühle: man ruft diese am sichersten dadurch hervor, daß man gewisse Nervenpunkte des Organismus in Funktion setzt. In diesen Fällen sondern manche Menschen Lyrik ab.
    Der Mensch ist ein pflanzen- und fleischfressendes Wesen; auf Nordpolfahrten frißt er hier und da auch Exemplare seiner eigenen Gattung; doch wird das hier und da durch den Faschismus wieder ausgeglichen.
    Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten zu Klumpen geballt sein Leben verbringt. Jeder Klumpen haßt die anderen Klumpen, weil sie die andern sind, und haßt die eignen, weil sie die eignen sind. Den letzteren Haß nennt man Patriotismus.
    Jeder Mensch hat eine Leber, eine Milz, eine Lunge und eine Fahne; sämtliche vier Organe sind lebenswichtig. Es soll Menschen ohne Leber, ohne Milz und mit halber Lunge geben; Menschen ohne Fahne gibt es nicht.
    Schwache Fortpflanzungstätigkeit facht der Mensch gern an, und dazu hat er mancherlei Mittel: den Stierkampf, das Verbrechen, den Sport und die Gerichtspflege.

    Menschen miteinander gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die herrschen, und solche, die beherrscht werden. Doch hat noch niemand sich selber beherrscht; weil der opponierende Sklave immer mächtiger ist als der regierungssüchtige Herr. Jeder Mensch ist sich selber unterlegen.
    Wenn der Mensch fühlt, daß er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise; er verzichtet dann auf die sauren Trauben der Welt. Dieses nennt man innere Einkehr. Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedne Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, daß sie alt werden können.
    Der Mensch möchte nicht gern sterben, weil er nicht weiß, was dann kommt. Bildet er sich ein, es zu wissen, dann möchte er es auch nicht gern; weil er das Alte noch ein wenig mitmachen will. Ein wenig heißt hier: ewig.
    Im übrigen ist der Mensch ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen läßt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.
    Neben den Menschen gibt es noch Sachsen und Amerikaner, aber die haben wir noch nicht gehabt und bekommen Zoologie erst in der nächsten Klasse.

    (Kaspar Hauser, Weltbühne 24, 16.6.31)_
     
  12. naklar

    naklar New Member

    du weisst ja wie die löcher im käse entstehen, oder?
     
  13. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Woran liegt's, dass wir heutzutage keine Satiriker der Klasse Tucholsky mehr haben?

    - an der "langweiligen" Demokratie?

    - an den langweiligen Politikern?

    - an den langweiligen Satirikern (Ausnahmen: Mathias Richling und Georg Schramm)?



    pssssssst - bei Der Mensch streiche "Leben", setze "Leber"
     
  14. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Nun, man setzt den Akkuschrauber an und ... hm, ich glaub' das ist falsch. Vielleicht so: Der Käse hat Blähungen, weswegen durch den inneren Druck ... hm, auch irgendwie kaum glaubwürdig, denn warum bekommt ein Käse Blähungen? Ich könnte es nicht erklären. Also, warum hat ein Schweizer Käse Löcher? Ich erinnere mich, wie dazumal eine Verkäuferin verständnislos den Kopf schüttelte – es war zu DDR-Zeiten, und vor dem Milch- und Käseladen stand eine Schlange, die bis zum Dresdner Altmarkt reichte – also die Verkäuferin schüttelte den Kopf und meinte, sie verstünde überhaupt nicht, warum die Leute so verrückt auf diesen Käse mit Löchern wären, wo es doch nun wegen der Löcher weniger Käse am Stück gäbe.

    Nun interessiert mich doch wirklich, woher die Löcher kommen und wozu sie da sind, wo man sie doch nicht essen kann!
     
  15. naklar

    naklar New Member

    also...man nehme ein loch und pappe käse drumherum, as simple as that! ;)

    wenn es dich genauer interessiert guck mal hier.
     
  16. naklar

    naklar New Member

    *lach*

    gar nicht mal so schlecht...

    Die Bläschen werden dann - wie ein Furz - von den Bakterien ausgestoßen. Unzählige von diesen Kohlensäurebläschen sind notwendig, damit sich die unterschiedlich großen Löcher im Käse bilden können.
     
  17. Ganimed

    Ganimed New Member

    Bin ja selber eher weniger eine Leseratte, vertreibe aber weiterhin die Tucholsky Lektüre, die mein Papa sennemals im Eigenverlag herausbrachte. Es handelt sich um eine witzige Wanderung, die Tucholsky damals mit zwei Weggefährten unternahm. Sie zogen durchs Frankenland und den Spessart.
    Eine "seit Jahren angesagte, organisierte, verabredete, immer wieder aufgeschobene und endlich zustande gekommene Fußtour" wird hier als eine Art Tagebuch dokumentiert.
    Der Wein spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle...
    Für interessierte Forumsmitglieder gibts je ein Gratisexemplar.
    Mail mit Adresse an:

    thrummel@freenet.de
     
  18. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Ich weiß es, offen gestanden, nicht. Vielleicht gibt es sie ja, und wir wissen noch nicht davon. Vielleicht ist die Gesellschaft zu müde, weswegen aus ihrem Schoß keine spritzige und kritische Satire kommen kann. Vielleicht ... ach, ich weiß es nicht. Ich stelle es wie Du fest, bin aber in der Literaturwissenschaft zu wenig bewandert, als dass ich eine Analyse hinblättern könnte. Fakt ist, dass die zeitgenössische Kunst recht schwachbrüstig, oberflächlich daher kommt. Nagut, mir (!) scheint es jedenfalls so. Das mögen andere vielleicht anders wahrnehmen. Aber irgendwie fehlt Tiefe. Und die Satire schürft von Haus aus ebenso darin bzw. daraus. Bei Tucholsky sitzt jeder Satz, jedes Wort - alles gründet auf tiefem (gebildeten) Gedankengut, auf der Auseinandersetzung mit der Welt, der Gesellschaft, der Politik, der Kunst, des Menschen. Vor hundert Jahren waren Künstler noch Universal-Künstler, sie haben sich mit dem ganzen Menschen-Kosmos auseinandergesetzt. Heute kommt es mir so vor, dass die Künstler, die die Kunsthochschulen so gebären, einzig und allein "Künstler" sein wollen, am besten noch mit angeheftetem Sockel. Das drumherum wird viel zu oft ausgeblendet.


    Wohin soll ich die Leber setzen?
     
  19. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Jeder Mensch hat eine LebeR, eine Milz, eine Lunge und eine Fahne...

    Und danke für meine neue Signatur.
    Und für die einleuchtende Begründung, warum wir keine Satiriker der Tucholsky-Klasse mehr geniessen dürfen.
     
  20. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Danke. Korrigiert! :)
     

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