Live Aid und die Folgen für Afrika

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 24. Oktober 2010.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

    Ein sehr nachdenklich machender Artikel:

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/l...-geldofs-besserwisserische-ignoranz-1.1015175

    "Nun ist die Debatte wieder neu entflammt, dank eines Buches des britischen Journalisten Peter Gill, der sich genau angeschaut hat, welchen langfristigen Einfluss Live Aid und Live 8 auf Äthiopien hatten ("Famine and Foreigners: Ethiopia Since Live Aid".) Sein Resultat ist verheerend."
    120 Millionen Dollar kamen dank Live Aid zusammen. Bob Geldof resümierte ein paar Jahre später, das Projekt sei "fast perfekt gewesen in dem, was es erreicht hat". Das kann einem, wenn man Gill liest, nur als Hohn erscheinen. Gill konzediert zwar, die Hilfsleistungen hätten vielen Menschen das Leben gerettet. Andererseits, und das macht Live Aid so tragisch, sind durch diese Gelder auch Tausende zu Tode gekommen: Die Regierungstruppen siedelten Hunderttausende Menschen aus den notleidenden Gegenden Nordäthiopiens im Süden des Landes an. Den Hilfsorganisationen verkauften sie das als Mittel im Kampf gegen den Hunger. Vor allem ging es ihnen aber darum, die Bevölkerung in den aufständischen Regionen auszudünnen.
    Die zwangsrekrutierten Menschen wurden fünf, sechs Tage lang durchs Land gefahren, bei diesen auszehrenden Transporten sind 50.000 bis 100.000 Menschen gestorben. In den südäthiopischen Gegenden starben dann viele an Seuchen und am Dreck in den Lagern. Finanziert wurden diese Zwangsumsiedlungen großteils von den Live-Aid-Spenden. Die französische Sektion der "Médécins sans Frontieres" zog sich damals unter Protest aus Äthiopien zurück - und sagte, dies sei"die größte Deportation seit dem Völkermord der Khmer Rouge". Darauf angesprochen, tadelte Geldof einen Journalisten der Irish Times: "Wir sollten Hilfe leisten, ohne uns den Kopf über Bevölkerungstranfers zu zerbrechen". Für Gill ist das ein symptomatischer Satz für die besserwisserische Ignoranz , für das Gießkannenprinzip des Westens. Hauptsache, es fließt Geld."


    :augenring:augenring
     
  2. McDil

    McDil Gast

    Solange die "helfenden Länder und Organisationen" mit korrupten Regimes kooperieren (müssen) wird sich an diesen Missständen nichts ändern. Diese Verbrechercliquen nehmen buchstäblich ihre ganze Bevölkerung in Geiselhaft und beschränken ihre administrative Tätigkeit auf den für sie selber profitablen Abschluss von Verträgen zur Ausplünderung aller Ressourcen ihres Landes. Darüber hinaus werden oft noch Guerrilakriege in Nachbarländern angezettelt, um die gierige Hand auch noch auf die dortigen Bodenschätze legen zu können.

    Die Entwicklung im nachkolonialen Afrika ist eine einzige Katastrophe.
     

Diese Seite empfehlen