Lustig, was mach einer als "professionell" ansieht

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von maiden, 27. März 2007.

  1. maiden

    maiden Lever duat us slav

  2. benqt

    benqt New Member

    Vielleicht sollte man nicht fragen OB, sondern WANN die Kamera professionell war. :D
    Einen Seelenbelichtungsmesser sollte man sich doch schon alleine wegen des Namens kaufen, und eine Schiffreise auf 'nem Seelenverkäufer machen.


    Gruß
    Markus
     
  3. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Naja, im Text schreibt er dann ja auch "semiprofessionell". Und dennoch möchte ich wetten, daß Jim Rakete (den ich gestern kurz in einem Radiointerview gehört habe) mit dieser Kamera von ersten Knips an fettes Geld verdienen könnte, während ich mit einer Hasselblad mit Zeiss-Objektiven und Digitalrückwand keinen Cent für meine Bilder bekommen würde... (nicht, daß ich diesbezüglich Ambitionen hätte, nur so als Beispiel)!

    Grüße, Maximilian
     
  4. maiden

    maiden Lever duat us slav

    sicher, es ist richtig, daß der, der hinter der Kamera steht, wichtiger ist als die Kamera selbst. Und ein guter Fotograf macht mit einer weniger guten Kamera u. U. bessere Bilder als ein schlechter mit einer guten.

    Ich hab mich aber auch immer über Amateure gewundert, die sich die fettesten Teile zulegen, Hauptsache, es steht Nikon oder Canon drauf. Vorne drauf dann ein Billichobjektiv, weil dafür kein Geld mehr da war oder kein Verständnis der Materie.

    Bei der Kiev liegt die Sache allerdings so, daß ich in meiner ganzen Berufsfotografenlaufbahn noch keinen der sogenannten Profis mit diesem Teil gesehen habe. Das hat seinen Grund. Die KAmera ist halt ein schlechter Nachbau einer Hasselblad und hat vor allem durch mäßige Optiken, sehr oft durch Lichteinfall, schlechte Mechanik und unregelmäßige Belichtungszeiten auf sich aufmerksam gemacht.

    Ich hab selbst mal eine getestet, weil ein entfernter Bekannter sich eine gekauft hatte und sich über die vielen Fehlbelichtungen wunderte.

    Also habe ich das Teil durchgetestet und fand die in Testberichten bemängelten Macken bestätigt.

    Die Filme hatten Schlieren - Lichteinfall. Da war dann erst mal Bastelarbeit nötig um die Aperatur lichtdicht zu bekommen. Dafür gab es dann Anleitungen und Material zu kaufen.

    Belichtungszeiten unregelmäßig. Vergleichbare Zeit-Blendenkombinationen brachten völlig unterschiedliche Ergebnisse. Belichtungsreihen mit teils massiven Sprüngen.

    Mechanik funzte - aber was ist nach 100 belichteten Filmen?
    Schärfe und Kontrast des Objektivs - natürlich kein Vergleich zu Objektiven anderer Hersteller.

    Mit einer Kiev professionel zu fotografieren, ist in etwa so, wie wenn ich mit einem Lupo eine Spedition für sperriges Gut aufmachen wollte.

    Ich vermute mal, der Verkäufer der Kiev hat sich halt auch, wie so viele, von ihrem hasselblad-like blenden lassen.
     
  5. MacJoerg

    MacJoerg New Member

    Also für LOMOgraphie ein wirklich professionelles Gerät :))
     
  6. Holloid

    Holloid New Member

    ne das Wort "Mittelformat" und das zu einen Bezahlbaren Preis hat eine ungemeine Anziehungskraft..
     
  7. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Ja, da war ich auch schon in Versuchung. Die Fotoversender haben für dieses Kiev-Teil auch immer fleissig geworben (ich weiss nicht, ob das jetzt noch so ist, denn ich bekomme fast keine Katáloge mehr geschickt, wahrscheinlich zu wenig bestellt...). Ich kann mich erinnern, dass diese Kamera mit zwei Objektiven um die 300 DM gekostet hat ("Ihr Einstieg ins Mittelformat"), da hat es einen schon in den Fingern gejuckt. Zum Glück haben mich die Folgekosten (bzw. die fehlende Zeit um die Laborarbeiten selber zu machen) davon abgehalten.

    Das Problem bei optischen Geräten aus Russland (bzw. anderen ex-Sovietstaaten) scheint die enorme Streuung in der Qualität, auch innerhalb einzelner Marken!, zu sein. Da gibt es glühende Verehrer von "Helios" und "Rubinar"-Objektiven, dann wieder Lomo-Hasser, wobei manche Astronomenkollegen von mir wiederum auf Teleskope von Lomo ("Astele") ganz besonders wild sind. Sollte man also besser nicht im Versand kaufen solches Zeug, sondern vorher selber durchgeschaut haben.

    Grüße, Maximilian
     
  8. maiden

    maiden Lever duat us slav

    300 Mark muß dann aber schon das Ende gewesen sein. Ich meine, mich zu erinnern, daß das Set mal zu 995 Mark über den Tisch ging.
    Und ich hab die Kiev als ziemlich stark nach Lösemitteln stinkendes Teil in Erinnerung. Lag wohl an der dazugehörenden Tasche.

    Aber wer Mittelformat zu annehmbarem Preis will, dem empfehle ich eine gebrauchte Zenza Bronica SQ, SQ A oder SQ Ai. Da bekommt man für vergleichsweise wenig Geld genug gute Gegenleistung, wenn es aus Kostengründen schon die Königsklasse nicht sein kann.
     
  9. maiden

    maiden Lever duat us slav

    ich kenne Hasselblad eigentlich nur als sehr zuverlässiges Arbeitspferd. Hat uns nie im Stich gelassen und selbst die alten Klopper funktionieren noch richtig. Einmal in all den Jahren mußte mal eine gereinigt werden weil sich Staub in der Mechanik angesammelt hatte. Sonst war nie was.

    Und ohne digital geht eh nix mehr bei uns. Wir haben noch Filme in einer Schachtel rumliegen, die 1999 abgelaufen sind.

    Einfach unglaublich, welche Entwicklung das genommen hat. Im letzten jahr vor dem Umstieg auf digital haben wir noch etwa 40000 Mark nur an Entwicklungskosten ins Labor getragen. Heute kommen wir nicht mal mehr auf 40 Euro. In der ganzen Branche haben die Labore massiv gelitten.

    Sollte tatsächlich ein Kunde noch Film wollen, bekommt er das natürlich. Aber eigentlich isses vorbei.
     
  10. maiden

    maiden Lever duat us slav

    meine Dunkelkammer ist verkauft. Nichts geht über Bildbearbeitung am Rechner.
    Zum Studio 13 gehe ich manchmal noch mit 6x6 Filmen. Meine "Abzüge" drucke ich selber. Was besseres bekomme ich im Labor auch nicht.
     
  11. D_Stahl

    D_Stahl Active Member

    Ich war mit Hasselblad immer sehr zufrieden. Wenn auch das Auslösegeräusch mit 140 dB(A) mir doch immer etwas zuviel Aufmerksamkeit unter den Mitmenschen eingebracht hatte.
     
  12. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Ich habe meine noch, denn ich möchte meinem Sohn erst das "klassische" Verfahren zeigen, damit er später weiß, was er in Photoshop und dergleichen eigentlich macht. Sonst sind Sachen wie "Farbig Nachbelichten" doch irgendwie schwer zu begreifen, denke ich.

    Und vielleicht nehme ich ja irgendwann auch meine kleine Minox wieder in die Hand, und dann ist selber vergrößern die einzige vernünftige Möglichkeit an Abzüge zu kommen.

    Ciao, Maximilian
     
  13. maiden

    maiden Lever duat us slav

    da tust du gut daran. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig die heutigen Fotografenlehrlinge wissen - und wissen wollen. Wo die Grundlagen fehlen, fehlts auch an anderen Stellen
     
  14. Lila55

    Lila55 New Member

    Da wäre dann die Rolleicord auch einen Blick wert - die liefert für Fotografen, die qualitativ gute Bilder möchten, besseres.
    Und für die anderen, die Lichteinfall und andere Imperfektionen und Zufälligkeiten schätzen dann gleich eine Lubitel, die ist preislich wenigstens noch niedriger angesiedelt :D
     
  15. maiden

    maiden Lever duat us slav

    klar, viele Dinge werden mit der Zeit überflüssig. Aber heutige Lehrlinge wissen teilweise ja schon nicht mal mehr wie man einen Film in ein Hasselbladmagazin einlegt, oder was eine Belichtungsreihe ist. Beides wird zwar durch die Digitalfotografie auch überflüssig, aber was ist, wenn der LEhrling nach seiner Ausbildung in einen Betrieb kommt, wo keine Digitale steht? Dann steht er, und zwar auf dem Schlauch.

    Das habe ich versucht, dem derzeitigen Lehrling zu erklären - mit mäßigem Erfolg. Es interessiert ihn einfach nicht.

    Gerätepflege im Zeitalter des Digitalen? Fehlanzeige. Die Geräte können vor Dreck und Staub stehen. Juckt nicht.

    Sauberkeit in den Aufnahmen? Wozu? Gibt doch Bildbearbeitung.

    Daß aber 5 Minuten putzen und Staubentfernen im Aufbau mitunter eine halbe Stunde Bildbearbeitung ersetzen können - ich erkläre es immer wieder. Aber es kommt nicht an. Es wird gar zurückgemault. Wären es meine Lehrlinge, würde es was setzen. Aber deftig.

    Man muß ja froh sein, wenn sie drei Wochen vor Ende der Ausbildung wissen, was eine optische Achse ist.

    Der jetzige, in diesem Jahr die Prüfung ablegende Lehrling hat noch keinen einzigen Scheimpflug eingestellt. Interessiert nicht.

    Es wird während der Arbeitszeit mehr im Internet gedaddelt als mal eine eigene Aufnahme zur Übung gemacht.
     
  16. MacJoerg

    MacJoerg New Member

    Wie kriegen die denn dann solche Lehrstellen? Bei solcher Ignoranz.
    So wie das klingt ist da Null-Interesse an der Fotografie zu erkennen.
     
  17. maiden

    maiden Lever duat us slav

    du weißt wohl wie das bei einer Bewerbung funktioniert. Man kann Interesse auch spielen. Es ist ja auch nicht so, daß gar kein Interesse da ist, aber viele der jungen Leute glauben tatsächlich, sie könnten beurteilen, was für sie wichtig und richtig ist in der Ausbildung, was sie brauchen und was sie nicht brauchen. Ihnen zu erklären, daß sie es eben oftmals nicht beurteilen können, ist leider häufig sinnlos, weil sie dann die Schotten dicht machen. Es gibt Bereiche, da sind sie interessiert, für andere interessieren sie sich nicht.

    Als ich einen der Lehrlinge fragte, ob er überhaupt je einen Film in die Planfilmkassetten oder in die Hasselbladkassette eingelegt hätte, meinte er nur, das brauchte man doch heute nicht mehr. Er kennt halt nur die Digitalfotografie. Daß er aber nach seiner Ausbildung woanders vielleicht noch analog arbeiten muß, inclusive Belichtungsmessung (machen wir heute auch kaum mehr), inklusive Filmeinlegen, inklusive sauberes Arbeiten - auf so eine Ideee kommen solche Leute von alleine gar nicht.

    Wir haben während unserer Ausbildung Kameras von KB bis zur Sinar übers Wochenende mit nach hause genommen um damit herum zu probieren. Haben Filme damit belichtet, die der Arbeitgeber zahlte, haben so die Technik erlernt. Aus Interesse. Wir haben auch Aufnahmen im Studio für uns selbst gemacht, sind dafür am Wochenende gekommen und konnten uns austoben. Das wurde sogar gerne gesehen. So kam es, daß wir halt auch bereits im zweiten Lehrjahr voll in die Produktion einbezogen waren und selbstständig Aufnahmen machten.

    Heute?

    Ich hab noch keinen der letzten Lehrlinge am Wochenende im Studio, oder während der Woche abends noch Aufnahmen für sich machen sehen. Die Kameras liegen unangetastet im Schrank und wurden auch noch nie herausgenommen, wenn es nicht sein MUSSTE. Allerdings kann man den Lehrlingen nicht alleine die Schuld an diesen Zuständen geben. Wenn etwas nicht gefordert wird, wird es halt auch nicht erbracht. Das hat schwer nachgelassen, obwohl heute durch die Digitalisierung des Berufes viel mehr Zeit da ist, das zu tun, was wir damals noch neben der Arbeit machen mußten.
     
  18. MacJoerg

    MacJoerg New Member

    Na ja. Die Zeiten ändern sich halt. Die Spreu wird dann eh erst in der Praxis vom Weizen getrennt. Und wer sich wirklich für das Medium Fotografie interessiert wird den Rest dann halt später in seiner Freizeit lernen.
     
  19. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Die erste schon, die zweite auch noch, aber ab der dritten wurde es dann doch ziemlich ätzend. Fast eine halbe Stunde pro Abzug wurde einem dann irgendwie doch zuviel: Erstentwickler, Farbentwickler, Unterbrecher, Bleichbad, Fixierbad, anschliessend den Chemiecocktail noch neutralisieren. Ich wollte das dann abkürzen und habe mir im Sonderangebot ein "Ektaflex"-Kit gekauft (erinnert sich da noch wer dran? Das war wie Polaroidfilm für die Dunkelkammer: Fotopapier belichten, auf ein "Farbübertagungspapier" legen und durch eine kleine Maschine kurbeln, in der eine übelriechende Wunderflüssigkeit alles gleichzeitig entwickelt und fixiert hat). Der Spaß war dann vorbei, als Starterpackung Verbrausmaterial aus war und es ans Nachkaufen ging, da hat das kleinste Päckchen Fotopapier dann einen dreistelligen DM-Betrag gekostet und ich bin reumütig zum Schwarz-Weiss Vergrößern zurückgekehrt. Aber irgendwo im Keller bei meinen Eltern muss diese Ektaflex-Maschine noch liegen...

    Ciao, Maximilian
     
  20. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Labor war auch nie meine Sache. Wohl weil es immer zu klein war, zu stickig. Dann die Chemiedämpfe - bärks!

    Wenn man dann zu zweit in so einer Bude steht und 400 SW-Abzüge durch die Brühe jagt, hat man keine Freude mehr daran.

    Mehr Spaß haben die freien Sachen gebracht, etwa Pola-Transfer. Wobei da auch mal eben 1200 Mark verballert wurden. Allerdings hatte man dann auch ein vorzeigbares Ergebnis, das nicht jeder Fotografenkollege selbst machen konnte.
     

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