Mal was anderes

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von noah666, 24. November 2002.

  1. noah666

    noah666 New Member

    Da sich einige Mitinsassen der BCA hier über das fehlende Niveau beschweren, dachte ich es wäre Zeit dieses einmal über die Gürtellinie zu heben. Vielleicht funktioniert es ja.

    Ich war gestern Abend auf einer Feier, während der es zu vorgerückter Stunde zu einer ziemlich heftigen Diskussion über das Niveau in unserer Gesellschaft kam.
    Ein Lehrer auf dieser Feier meinte, dass er den Bildungsstand in seiner Klasse gerne viel weiter anheben würde, er es aber vom Kultusministerium aus nicht dürfe.
    Die Folge ist natürlich, dass sich die Schüler mit Potential langweilen und dieses Potential langsam vergeuden. Er fand es nicht richtig die intelligenteren Schüler zu unterfordern und somit zu schwächen, nur um die schwächeren Schüler mitzuschleifen.

    Die Diskussion entwickelte sich schließlich in eine mehr "Ganzheitliche Richtung", da auch die These aufgeworfen wurde, dass auf den Hauptschulen langsam aber sicher nur noch die Schüler sind, deren "intelligenteste Leistung es ist ohne Anlauf bis 3 zu zählen", weil das Niveau auf den Gymnasien so sehr gesenkt wurde. Schließlich würden dann diesen Schülern, die vielleicht besser mit einer Lehre bedient gewesen wären, einen Abschluss geschenkt werden und diese Schüler hätten dann die Möglichkeit zu studieren, was vielleicht absolut nicht ihrer Leistung entspräche.
    Folge: Übervolle Universitäten voller Leute die "zu blöd sind um geradeaus zu laufen".
    Einige der Partygäste schrieben unsere Wirtschaftliche Entwicklung eben diesen Gründen zu.

    Die Entwicklung geht leider in eine Richtung, in der ein früher durchaus respektabler Hauptschulabschluss mit anschließender Lehre heute nicht mehr attraktiv ist. Eltern wollen für ihre Kinder zumindest Realschule, besser noch Gymnasium, auch wenn das Kind damit überfordert wäre.

    Was haltet ihr von diesen Thesen, wie seht ihr das Bildungsniveau unserer Gesellschaft ?

    mfg Noah
     
  2. CChristian

    CChristian New Member

    Hallo Noah,
    nun, das Problem, das Du schilderst geht auf die Maßnahmen gegen den Bildungsnotstand Ende der Sechziger Jahre zurück. Damals wurde das Bildungssystem quasi "nach oben hin" geöffnet, um mehr Menschen in die Hochschulen zu leiten, da es damals einen Mangel an studierten Arbeitnehmern gab.

    Ich bin ähnlcher Ansicht: durch die zunehmende Durchlässigkeit des Schulsystems von der Hauptschule zum Gymnasium hat sich eine Verschiebung im Anspruch an den jeweils stattfindenden Unterricht ergeben. Im Konkreten: aus Haupt- und Realschulen rücken junge Menschen in die jeweils nächste Schulform, obwohl ihnen der Inhalt, der dort geöehrt wird, nicht liegt. Es gibt eben Menschen, denen das Ermitteln von zweiten und dritten Ableitungen, der Rousseausche Gesellschaftsvertrag und die Konsequenzen der Reparationszahlungen des Deutschen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg nichts bedeutet oder sie nicht den Draht dazu finden. Was auch okay ist. Im Philosophischen stand ich manchmal hart am Verzweifeln. *g*
    Auf der anderen Seite wären gewisse Leute niemals in der Lage, die Ausbildung eines Zimmermanns erfolgreich hinter sich zu bringen, weil es ihrem Talent einfach nicht entspricht. Sie würden kläglich scheitern.

    Und so braucht jede Art von beruflichem Anspruch seine eigene Vorbildung.

    Wenn dies durch besagte "halbe" Verschiebung der Schulpflichtigen in die nächste Schulform konterkariert wird und immer wieder jemand wider seinen Fähogkeiten durchgeschleift wird, kann das auf Dauer nicht gut gehn.

    Ach ja: wer das nicht alles lesen will, kann sich auf folgenden Satz beschränken:
    Immi, ich bin ganz Deiner Meinung!
    *g*

    Gruß
    CChristian

    PS: Was ich Dir natürlich schuldig geblieben bin ist mein Lösungsvorschlag. Kommt noch. ;-)
     
  3. rmweinert

    rmweinert New Member

    ... ich denke, dass ich mit meinem durchaus respektablem Hauptschulabschluss und drei abgeschlossenen Berufsausbildungen
    zwar sicherlich das ein, oder andere Mal grammatikalisch nicht ganz richtig liege (obwohl ich selbst entscheide, was für mich richtig ist), bin aber bei weiten garantiert nicht zu blöd ohne Anlauf bis 3 zu zählen, oder selbst geradeaus zu laufen. Wenn ich mich jedoch nur mit meinem Asterixlatein, dem Dreisatz, sowie Prozentrechnen in der Hauptschule beschäftigt habe, so liegt das auch sicher daran, dass ich von nichts anderem in Kenntnis gesetzt wurde.

    Mit zunehmendem Alter habe ich erkennen dürfen, dass mir in der horizontalen und vertikalen Durchlässigkeit unseres Bildungssystems alle mir erdenklichen Wege des Weiterkommens offen stehen. Also nutzte und nutze ich die, die ich für richtig halte.

    Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner - außer in diesem niveaureichem Forum!

    Mike

    P.S.: Vorschläge an das Kultusministerium für neue Unterrichtsfächer:

    - Lernen lernen
    - Umgang miteinander
    - Umgang mit Geld :)
     
  4. noah666

    noah666 New Member

    Dann scheinst du ja ein weiteres Beispiel dafür zu sein, dass die Schulform Hauptschule von allen unterschätzt wird.
    Ich habe in meinem Semester insgesammt 14 Mitstudenten die nach ihrem Hauptschulabschluss und einer Berufsausbildung nun auch Architektur studieren. Mag sein, das dieser Weg vielleicht etwas länger dauert, allerdings sind mir ausgebildete Bauzeichner, was die technischen Fähigkeiten angeht, weit überlgen.
    Ich frage mich deshalb, warum viele meiner Bekannten und Nachbarn sich weigern ihr Kind auf eine Hauptschule oder Realschule zu schicken, sondern, obwohl dafür der Notendurchschnitt einfach nicht ausreicht, das Kind auf ein Gymnasium zwingen.

    Warum hat die Hauptschule so einen schlechten ruf in der Bevölkerung ? Warum wollen viele Eltern ihr Kind auf eine Schulform zwingen, wo es (vielleicht ?) zum Scheitern verurteilt ist.

    Ich habe es bisher (auch mit Glück und viel Abschreiben in den Arbeiten) auf dem ersten Bildungsweg zum Studium geschafft. Schön für mich.
    Allerdings will mir nicht in den Kopf, warum man als Eltern sein Kind, dessen Begabung vielleicht eher im handwerklichen als im theoretischen liegt, koste-was-wolle zu einem Akademiker erziehen will, was dazu für, dass das heutige Abitur nichts mehr wert ist (im Vergleich zum Abitur aus den 60ern und 70ern)
    Und da wundern sich wirklich noch die Leute, dass wir bei Pisa so schlecht abschneiden.
    Armes Deutschland.

    mfg Noah
     
  5. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    >Mit zunehmendem Alter habe ich erkennen dürfen, dass mir in der horizontalen und vertikalen Durchlässigkeit unseres Bildungssystems alle mir erdenklichen Wege des Weiterkommens offen stehen. Also nutzte und nutze ich die, die ich für richtig halte.<

    Respekt, leider gibt es m.E. nicht allzu viele, die das in Anspruch nehmen und für sich durchhalten, besser noch, sich "durchbeißen".

    Ich war am Freitag Nachmittag bei fast allen Lehrern meiner Tochter (nicht, weil ich Sorgen um ihr Weiterkommen habe, sondern um in Kontakt mit der Lehrerschaft zu bleiben und um ihnen zu "demonstrieren", dass ich ihre Arbeit würdige). Von allen mit einer Ausnahme hatte ich den Eindruck, dass sie ihre Arbeit engagiert angehen - zumindest in meiner kleinen Stadt ist das noch so.

    Gleichzeitig konnte man beobachten, dass von den fast 30 MitschülerInnen meiner Tocher etwa ein Viertel der Eltern anwesend waren und meist die, bei denen der Nachwuchs "notenmässig" Sorgen macht. Alle anderen Eltern haben einmal (!) im Halbjahr keine Zeit, keine Lust, kein Interesse. Der Staat wird's schon richten, wozu bezahle ich die Scheißlehrer überhaupt, wenn sie mit den Plagen nicht zu Rande kommen...

    Und woher soll das Interesse der Kinder kommen? Ist doch alles da - Wohnung, Auto, Urlaubsreise, eigener TV, eigene HiFi-Anlage und die Aussicht, per Talentwettbewerb auf RTL reich und berühmt zu werden...Es fehlen Anreize, Ziele, Erstrebenswertes ausserhalb von reich, schön und berühmt.

    Und wenn die Kids Nachrichten oder "Politik" überhaupt verfolgen, dann News wie: keine Arbeitsplätze, keine Ausbildungsplätze, Unis überfüllt, Berufsaussichten überall trübe bis beschissen. Ergebnis: enjoy your life, have fun, null Bock auf nothing.

    Abhilfe? Bin so ratlos wie alle. Ich meine aber, dass in erster Linie die Eltern "versagen" und nicht die "Schule" oder die "Politik."
     
  6. Baerbel

    Baerbel New Member

    Ich bin kein regelmäßiger Leser dieses Forums, und habe bisher nicht aktiv teilgenommen. Die heutige Diskussion hat mich als Mutter von vier Schulpflichtigen Kindern besonders bewegt. Ich kann mich der Meinung, daß es nur an den Eltern liegt, wenn es in der Schule nicht klappt, nicht anschließen. Auch ist der Besuch des allgemeinen Gesprächstages in der Schule noch lange kein" Qualitätsnachweis" für engagierte Eltern. Ich persönlich bin der Meinung, daß es besser ist, die Lehrer wenn nötig in ihren Sprechstunden aufzusuchen. Meine jüngste Tochter ist im Sommer in die Schule gekommen.Sie war hochmotiviert, voller enthusiasmus und neugier.Naturgegebenermaßen kann ein aufgewecktes Kind mit drei älteren Geschwistern schon einiges vom Stoff der ersten Klasse. Sie schaltet in der Schule ab und findet es langweilig. Meine Frage an die Lehrerin, was ich tun könnte, um ihr Interesse aufrechtzuerhalten wurde weggewischt. Sie müsse lernen sich zurückzunehmen, hieß es. In ein paar Monaten seien die anderen Kinder auch so weit wie sie, dann würde es für sie wieder interressant. Warum werden lernwillige Kinder ausgebremst zugunsten derer, die noch nicht so weit sind- oder nie so weit kommen werden. Dieses Problem ist für mich nicht neu, unsere beiden größeren Kinder schicken wir auf eine Schule mit bilingualem Zweig, was beiden sehr gut tut. Aber ich bin eigentlich nicht gewillt bei der jüngsten bis zur fünften Klasse zu warten. So wie es aussieht, wird mir wohl nicht viel anderes übrigbleiben. Die Lehrer sind überfordert bei Klassengrößen von bis zu 35 Schülern können sie sich unmöglich um jeden einzelnen bemühen, aber wir vergeuden unsere Zukunft, wenn wir nicht lernen flexibel mit den Fähigkeiten unserer Kinder umzugehen.
    Barbara
     
  7. MacELCH

    MacELCH New Member

    Ich kann dazu gerade nicht sehr viel sagen, da ich mich mal langsam aber sicher auf den Weg nach Hause begeben werde nur soviel sei verraten: Ich habe alle Abschlüße gemacht, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Diplom Biologie, und irgendwann nächstes Jahr Doktor rer. nat.

    Soll jetzt nicht als Angeber oder sonst was wirken, nur soviel offensichtlich waren meine damaligen Lehrer nicht in der Lage mein "Potential" korrekt einzuschätzen, ich fühlte mich auch nicht wirklich unterfordert, da ich mich schlichtweg mit anderen Dingen beschäftigt habe, wenn es mir mal zu blöd wurde. Das führte so weit, daß ich wegen aktivem Fernbleiben des Mathematik Unterrichts (und stattdessen Basketball auf dem Schulhof spielte) einen netten blauen Brief bekam (ich konnte den nicht wie Bundesschröder unter den Tisch reden *g*)

    Ich glaube es hängt sehr viel von den äußeren Umständen ab und inwiefern sich jemand beeinflussen läßt (labil/stabil) etc.

    Was ich nicht gut finde, ist das manche Eltern unbedingt ihre Kinder in irgendwas pushen wollen. Es ist speziell in Deutschland vermehrt eine Anspruchshaltung gegenüber jedem und allem entstanden.

    Ich spreche jetzt nicht von "schweren Fällen", zerüttete Familien, Kriminalität, Drogen etc. Eltern sollten stets ein Auge auf ihren Nachwuchs werfen und lenkend einschreiten, falls etwas aus dem Rahmen fallen sollte, sie sollten aber nicht ihre Wünsche auf das Kind aufoktruieren.

    Gruß

    MacELCH
     
  8. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Hallo Baerbel, erst mal willkommen bei uns :)

    Ich geb's ja zu: ich habe den "Schwarzen Peter" zu einseitig uns Eltern untergejubelt, weil ich bei allen PISA-Diskussionen erlebe, dass die Lehrer - und meistens nur sie allein - für die Misere verantwortlich gemacht werden. Ausserdem bin ich der Auffassung, dass man immer zuerst bei sich nach Abhilfen suchen sollte, bevor man den "Schwarzen Peter" erleichtert weiterreicht.

    Meine persönliche Situation ist gewiss nicht symptomatisch (Stichwort Kleinstadt habe ich bereits genannt). Und "natürlich" tragen auch "die" Lehrer und "die" Politik ihr Scherflein zur Misere bei.

    Die Lehrer wegen

    - Überalterung
    - Weiterbildungsunwilligkeit (meine jetzt studierenden großen Kinder haben vor etwa 5 - 7 Jahren den identischen Stoff gepaukt...)
    - nachlassendes Engagement
    - "68er"-Bildungsideale (Gesamtschule, jeder ist gleich intelligent, keine Eliten und dgl. Quatsch mehr)

    Die Politik wegen

    - Grundschulen mit 70% ausländischen Kindern, die zuhause ihre Herkunftssprache sprechen müssen)
    - Klassengrößen
    - urzeitliche Schulausstattung
    - beschissene Infrastruktur

    Mir fehlt der Aufstand der Eltern. Und bei entsprechenden Elternabenden ("Klassenpflegschaftssitzungen", allein dieses Wort...) macht kaum jemand das Maul auf, um Schaden vom Sprößling zu wenden.

    Deine Sorgen um die Zukunft unserer Kinder teile ich daher durchaus.
     
  9. charly68

    charly68 Gast

    öhm... wir haben ein bildungssystem?? ja wo isses? ich suche es schon seit 35 jahren und kann es nicht finden. H E L P
     
  10. noah666

    noah666 New Member

    Zuerstmal bin ich froh, dass sich jemand diesen Threat zu Nutze macht das Niveau im Forum wieder zu heben ;-)

    Was die Lehrer angeht, so muss ich dir im Bezug auf "Überalterung" und "Weiterbildungsunwilligkeit" vollkommen recht geben. Zwar habe ich keine Kinder mir deren schulischer Entwicklung ich diese Argumente jetzt direkt verfolgen könnte, doch habe ich aus eigener Erfahrung ( mein Leher in der Grundschule war 65 Jahre und blieb bis zu seinem 69 Lebensjahr aktiver Lehrkörper, weiß der Geier warum) diese Aussagen bestätigen.

    Was die Bildungsideale der 68er Generation angeht, so haben wir in Deutschland (wie es in anderen Ländern ist kann ich nicht beurteilen) das Problem, dass wir niemals ein Mittelmaß finden. Entweder alle auf dem gleichen Niveau, das dem schlechtesten der Klasse angepasst wird, oder eine Elitenbildung, die bewirkt, dass man ohne Zulassungsprüfung auf kein Gymnasium kommt.
    Ein Mittelweg wäre hier, wie bei so vielem im Leben, eine Überlegung wert.
    Das System der Haupt- und Realschulen, mit dem Gymnasium als "höchste Schulform" ist an sich nicht schlecht, allerdings drängt sich den Eltern dann der Irrglaube auf, sie würden ihrem Kind die Zukunftschancen rauben wenn sie es nicht auf das Gymnasium schicken.

    Alternative Schulformen wie Gesammtschulen (die leider gar nicht mehr so alternativ sind) oder Montessori- bzw. Waldorfschulen lehne ich schon aus Prinzip ab (meine Erfahrung mit diesen Schulformen hat dieses Prinzip sehr bestätigt).
    Alle Kinder sind voneinander verschieden und sollten entsprechend gefördert werden. Es ist demnach Unsinn alle Kinder in einer Klasse zu unterrichten, wobei man bei einer Gesammtschule bis zur 9. Klasse mitgeschleift wird und dann nach versiebter Abschlussprüfung vielleicht ohne irgendeinen Schulabschluss dasteht.(So geschehen in meinem Bekanntenkreis).

    Leider ist es nun mal so, dass viele Kinder kein geregeltes Zuhause mehr vorfinden, in dem sie auch von den Eltern entsprechend zum Lernen animiert werden.
    Vor allem die sogn. "Arbeiterkinder" (beide Eltern ganztags berufstätig, bzw. Alleinerziehende Elternteile, wobei das Kind dann vom Babysitter Fernsehen erzogen wird) befinden sich dann in einer Situation, die absolut kontraproduktiv zu einem schulischen Erfolg ist. Eine Förderung des Staates für die Eltern (damit eine Halbtagsstelle ausreicht), Kinderhorte oder ähnliche Massnahmen könnten hier fruchten, allerdings bezweifele ich, dass bei der momentanen Wirtschaftslage für so etwas Geld da ist.
    Als Beispiel sei hier nur gesagt, dass in meiner Heimatstadt die Schulen teils Baufällig sind, ohne intakte Heizungsanlage, dass die einzelnen Fächer mit sehr schlechtem Unterrichtsmaterial auskommen müssen, wenn es denn überhaupt vorhanden ist, und dass die Lehrer absolut mit der Klassengröße und den, nicht gerade aus bester Erziehung kommenden Kindern fertig werden.
    Allerdings wird in der gleichen Stadt ein neues Hallenbad für 15 Mio. Euro gebaut (Das Freibad wurde vor 2 Jahren eingeweiht und hat 20 Mio Euro gekostet).

    Da komme ich doch ins grübeln, was denn nun eigentlich Priorität haben sollte, und ob es nicht doch vielleicht die Schule einiger politischer Fehlentscheidungen ist, dass wir auf der PISA Studie so abgeschnitten haben.
     
  11. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    >Das System der Haupt- und Realschulen, mit dem Gymnasium als "höchste Schulform" ist an sich nicht schlecht, allerdings drängt sich den Eltern dann der Irrglaube auf, sie würden ihrem Kind die Zukunftschancen rauben wenn sie es nicht auf das Gymnasium schicken.<

    Leider werden die Eltern in ihrem Drang zum Gymnasium für ihre Kinder durch die Realität bestätigt. Zu meiner Jugendzeit reichte es aus, für eine Banklehre einen guten Realschulabschluss vorweisen zu können. Heute ist es da mit Abitur nahezu unmöglich. Diese Beispiele liessen sich beliebig fortsetzen. Mit "nur" einem Hauptschulabschluss ist heute ein Jugendlicher nicht mehr "wettbewerbsfähig". Nicht Schuld des Jugendlichen, sondern des "Angebots" an Abiturienten.

    Dazu kommt, dass sich heutzutage kaum ein Youngster noch "schmutzig" machen will, sondern sofort als "Manager" die ihm aufgrund seines Bildungsgrades vermeintlich zustehende Kohle abholen will.

    Ja, ich übertreibe...
     
  12. noah666

    noah666 New Member

    >>>Es gibt eben Menschen, denen das Ermitteln von zweiten und dritten Ableitungen, der Rousseausche Gesellschaftsvertrag und die Konsequenzen der Reparationszahlungen des Deutschen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg nichts bedeutet oder sie nicht den Draht dazu finden. Was auch okay ist.<<<

    Dem stimme ich voll und ganz zu. Allerdings sollte es in jeder Schulform ein mindestmaß an Allgemeinbildung geben.
    "Wer seine Geschichte nicht kennt ist verdammt sie zu wiederholen", das war der Lieblingssatz meines Geschichtslehrers. Leider wissen die wenigsten Absolventen einer Hauptschule (ich kann jetzt nur von den Leuten sprechen die ich persöhnlich kenne, als bitte ich diese Bemerkung nicht allgemein aufzufassen) wer Bismarck war, was die Gründe für den 2. Weltkrieg waren und wieso es eine Mauer in Deutschland gab. Allerdings sind die selben Leute sehr gut darüber informiert mit wem Jenny Elvers im Bett war und auf welchem Chartplatz der neue Bro´Sis Song ist. Es kann also nicht nur daran liegen, dass sie diese Leute nichts merken können. Vielmehr liegt es wohl daran, dass ihnen der Stoff (wenn überhaupt) nur von Lehrern vermittelt wurde die mit ihrer beruflichen Kariere bereits abgeschlossen haben und die jegliches Engagement für ihre Arbeit verlohren haben.

    Jeden nach seiner Facon zu unterrichten wäre sehr förderlich, v.a. für ein langfristiges Wirtschaftswachstum, allerdings wird wiedereinmal am falschen Ende gespart und so die Mittel für das Bildungssystem soweit gekürzt, dass ein informativer Unterricht nicht mehr möglich ist.

    mfg Noah

    P.S.: Auf deinen Lösungsvorschlag bin ich aber gespannt ;-)
     
  13. Risk

    Risk New Member

    @charly68

    Endlich mal wieder eine Diskussion die Interessant ist und zum nachdenken anstößt.

    Und nun Du.... *g*

    @Bearbel

    Hallo und Willkommen im Forum,

    wir haben eine Tochter 14 Jahre in der 8 Klasse Realschule mit Englisch und Französisch.Sie ist eine mittelprächtige Schülerin und hat mit dem Lernen kein Problem.Die Unruhe in der Klasse und schlechte Lehrer sind aber mehr als störend und machen in einigen Fächern das Lernen fast unmöglich.Nora und andere Kinder schalten dann eben ab.

    @macixus

    An den Eltern liegt es bestimmt nicht.Vor einer Woche waren wir auf so einer Elternveranstaltung und ich war wirklich überrascht wie offen da die Probleme angesprochen wurden.
    Ich erlebe das gleiche wie Baerbel.Nora wird nicht da abgeholt wo Sie lernmäßig steht. Ich habe das Gefühl viele Lehrer sind überfordert.
     
  14. MacELCH

    MacELCH New Member

    >>Dazu kommt, dass sich heutzutage kaum ein Youngster noch "schmutzig" machen will, sondern sofort als "Manager"

    Da haben wir es wieder, Anspruchsdenken !

    Ich hau ab, bis Morgen

    MacELCH
     
  15. Baerbel

    Baerbel New Member

    Vielen Dank erstmal für die freundliche Aufnahme ins Forum.

    Es liegt mir sehr fern irgendwelche schwarzen Peter abzuschieben oder meine Kinder zu Höchstleistungen zu pushen.

    Das Stichwort Elternabend kommt mir sehr gelegen, da Elternabende entweder als Pflichtveranstaltungen abgesessen werden, oder dazu genutzt werden persönliche Probleme zu klären - wozu sie nicht da sind.

    Wir Eltern müssen lernen für die Schüler im allgemeinen einzutreten, und nicht für unseren Schüler im Einzelnen - dafür, wie schon erwähnt, sind Sprechzeiten der Lehrer vorhanden-von denen ich schon die eine oder andere in Anspruch nehmen musste/durfte. Wir Eltern sollten ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, zum Beispiel genügend Lehrer. An der Schule unserer großen Kinder fehlte bis zu den Herbstferien eine volle Mathemetik und Physikstelle. Die Schüler diverser Klassen hatten Wochenlang weder Mathe noch Physik-was die Kinder natürlich cool fanden. Was mir fehlt ist das gemeinsame Vorgehen der Eltern, jeder ist bereit für sein Kind etwas zu tun, unabhängig von der Gesamtheit.

    Es ist klar, daß dieses Thema bei uns zu Hause wichtig ist. Wir Haben Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren, aber es freut mich auf diesem Wege zu hören, das ich nicht allein mit meinem unwillen und meiner Hilflosigkeit bin.

    Barbara
     
  16. noah666

    noah666 New Member

    >>> Ja, ich übertreibe... <<<
    Leider übertreibst du nicht. Das Traurige ist ja, dass die meißten wirklich so denken (ich bin da sicherlich keine Ausnahme).
    Jeder Jungendliche will berühmt oder wenigstens reich werden. Wie du schon erwähnt hast sind die heutigen Vorbilder "bro´Sis" und sonstige "teenstars". Der Jugend wird durch diese Art Sendungen eine Welt nahe gebracht, von der sie aber nur den Glamour wahrnehmen, zu der sie unbedingt dazugehören wollen. Allerdings sehen sie nicht die 10.000 Anderen die nicht das "Glück" hatten von Plattenfirmen durch einen Knebelvertrag abgezockt, als Idol ausgenutzt und bis zum geht-nicht-mehr vermarktet zu werden.
    Die Folge ist dann, dass sich viele scheuen einen Job oder eine Lehre zu beginnen und sich dafür wirklich zu engagieren. Denn immerhin wird ja bald ein Manager in der Fußgängerzone auf sie zu kommen und aus ihnen den nächsten Eminem machen.
    Klar ist es schön einen Managerposten zu haben, Geld bis zum abwinken und jeden Tag in einem anderen S-Benz zur Yacht am Strand zu fahren.
    Doch realistisch betrachtet sind die Chancen das zu erreichen verdammt gering.

    Was das "Angebot an Abiturienten" angeht, so ist es ein Teufelskreis aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Je mehr Jugendliche Abitur machen, desto mehr Abiturienten gibt es, desto besser muss der Abschluss sein um einen Job zu bekommen, dest mehr Jugendliche wollen Abitur machen......

    Eine großangelegte Schulreform analog zu der der Bildungreform durch Wilhelm von Humbold 1810/1812 könnte vielleicht etwas nützen, jedoch gibt es dafür weder Geld noch Befürworter. Vielleicht müssen wir erst wieder ein neues Jena und Auerstedt erleben bevor wir Deutschen uns von unseren Wirtschaftwunder-Lorbeeren erheben und anfangen zu denken.

    mfg Noah
     
  17. Risk

    Risk New Member

    Das Problem ist doch das sich Eltern einfach über die Empfehlung der Schule über die weitergehende Schulform hinwegsetzen.

    Nach der Orientierungsstufe haben zwei Freundinnen von Nora die Empfehlung Hauptschule vielleicht Realschule bekommen und gehen jetzt aufs Gymnasium.
    Kommen nur schlecht mit und brauchen Nachhilfeunterricht.
    Wie entwickelt sich wohl das Niveau am Gymnasium ?

    Aber die Väter oder Mütter haben auch Studiert.....
     
  18. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    s gern zu, dass ich zu den "Klassenpflegschaftssitzungen" nur mit Widerwillen hingehe, weil genau das stattfindet, was du beschreibst - "Einzelschicksale" werden lang und breit erörtert...

    Ich weiß nicht, aus welchem Bundesland zu stammst. Hier in Niedersachsen stößt mich zudem die überall vorhanden "Regulierungswut" amtlicher Verlautbarungen ab. Allein die Wahl der Vorsitzenden ist ein Akt, gegen den die Bundestagwahl und das Bundeswahlgesetz als sehr simpel und zu einfach gestrickt erscheinen. Dann die Vereinsmeierei der Immer-wieder-gern-Redner und Profilierungsbäuerchenproduzierer...

    Natürlich mache ich mich da sehr gern unbeliebt und natürlich bekomme ich auch mal ein zustimmendes heimliches (!) Nicken einer anwesenden Mutter (Väter tauchen da fast nie auf...), aber das war's dann schon.

    Engagement und/oder Protest der Eltern gleich null. Lobby nicht vorhanden. Erfolg bleibt aus. Da kostet es dann schon Überwindung, nicht auf dem Sofa zu verharren.

    Aber wem erzähle ich das ;-)
     
  19. noah666

    noah666 New Member

    Nun, ich glaube allein bist du sicherlich nicht. Allerdings (so war es zumindest auf der Grundschule die ich besucht habe) hatte 30% der Eltern viel mehr Sorgen um ihre Finanzen, ihr Haus, oder wie sie das Essen für den Rest des Monats bezahlen sollten. Weiteren 50% war es, so schätze ich, ziemlich egal was die Kinder machen, wenigstens sie hängen nicht zu Hause rum.
    Die Restlichen 20% hatten im ersten Jahr noch sehr viel Interesse gezeigt, bis sie merken, dass sie die Arbeit machen müssen und ein Großteil der Eltern nicht mithilft. Die Verdrossenheit war dementsprechend groß.

    Ich hoffe du versuchst weiter das System zu verbessern und für deine Kinder und alle anderen Schüler das beste Herauszuholen. Wenn du aufgibst dann hast du einen Stillstand, und das ist genau der Grund, weswegen wir heute in dieser Situation sind.

    mfg Noah
     
  20. noah666

    noah666 New Member

    Genau dies war auch meine Beobachtung. Und da laut Regel mindestens 2/3 der Schuler bei einer Arbeit eine Note im "schwarzen" Bereich bekommen müssen, haben wir am Gymnasium Arbeiten, bei denen der Schüler mit der Note 1 doch noch 12 Fehler hat. Und durch diese Gleichmacherrei sinkt das Niveau auf den Deutschen Gymnasien ins Bodenlose, es gibt ein Überangebot an Abiturienten mit allen Konsequenzen.
    Ein etwas strafferes System (natürlich kann ich das jetzt leicht sagen, den mein Abitur habe ich ja schon...) wäre vielleicht von Vorteil um die Stellung des Gymnasiums als "höchste Schulform" zu festigen und gleichzeitig Haupt- und Realschulen aus ihrem "Sonderschulimage" zu ziehen, das sie leider (wirklich völlig zu Unrecht) inzwischen haben.
     

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