Militärschlag gegen Iran wird wahrscheinlicher

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von starwatcher, 17. September 2004.

  1. starwatcher

    starwatcher New Member

    Quelle: Financial Times Deutschland

    Militärschlag gegen Iran wird wahrscheinlicher
    Donnerstag 16. September 2004, 11:37 Uhr



    "Wenn die Iraner so unklug sind, die europäischen Forderungen zu ignorieren, wenn sie ihr Atomwaffenprogramm fortsetzen und sich dabei der Einsatzfähigkeit nähern, dann könnte das für die USA Grund genug für einen Militärschlag sein", sagte Charles Grant, Direktor des Centre for European Reform in London und Vertrauter des britischen Premiers Tony Blair. "Das könnte mit der stillschweigenden diplomatischen Unterstützung geschehen."

    Auch Analysten im Umkreis der Regierung von US-Präsident Anzeige

    George W. Bush sagen, militärische Optionen gegen den Iran würden erwogen. Hochrangige Mitarbeiter im Weißen Haus betonen, Bush schließe keine Handlungsmöglichkeit gegen den Iran aus, glaube aber noch an eine diplomatische Lösung.

    Streit über den wirksamsten Weg

    Ein Militärschlag galt noch bis vor kurzem als unrealistische Option. Doch die Weigerung der konservativen Regierung in Teheran, glaubwürdig jedem Streben nach Atomwaffen abzuschwören, förderte einen Meinungsumschwung. Erst am Mittwoch sagte der weiter extrem einflussreiche iranische Ex-Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani: "Wir sagen entschieden: Wir können niemals das Recht unserer Nation preisgeben, Nukleartechnologie zu entwickeln." Bei der Gouverneursratssitzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien streiten Europäer und Amerikaner zurzeit über den wirksamsten Weg, Teheran zu einer Aufgabe seiner nuklearen Ambitionen zu bewegen.

    Besonders in Europa ist die Beunruhigung groß. Bundesaußenminister Joschka Fischer warnt die iranische Führung regelmäßig vor "fatalen Fehlkalkulationen." In Berlin und anderen westlichen Hauptstädten setzt sich die Erkenntnis durch, dass Teheran sehr rechnet. Die USA gelten bei den Konservativen in der iranischen politischen Klasse durch den Irak-Krieg als stark geschwächt. Die Europäer werden hingegen als unentschlossen eingeschätzt und als unfähig, militärisch zu handeln. Deshalb glaubt man in Teheran, auf der Basis des zivilen Nuklearprogramms gefahrlos auch die Produktion von Atomwaffen vorbereiten zu können.

    "Dramatische Veränderung" der Region befürchtet

    Eine Nuklearisierung des Iran würde zu einer "dramatischen Veränderung" der strategischen Lage im gesamten Nahen Osten führen, so die Analyse im EU-Ministerrat in Brüssel. Ein atomarer Rüstungswettlauf in dem Gebiet dürfte beginnen. "Wir könnten eine Region bekommen, die von Israel bis Pakistan atomwaffenfähig ist", sagte der CDU-Politiker und Chef des Außenausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok.

    Dann könnten die Iraner mit ihren Mittelstreckenraketen überdies Europa atomar angreifen. "Es ist nicht auszuschließen, dass der Konflikt dann auch die EU erreicht", hieß es bei der Union. "Und dann wäre auch die Nato mit drin", sagte ein Vertreter der Allianz in Brüssel.

    Tatsächlich plädiert in der US-Regierung derzeit niemand offiziell für einen Militärschlag in kurzer Frist. Das hat einen einfachen Grund: Derzeit sind die notwendigen Tarnkappenbomber und andere Militär-Hardware gar nicht in der Region.

    Militärschlag Israels möglich

    Doch nach den Präsidentenwahlen am 2. November könnten technische Fortschritte der Iraner die Amerikaner zum Handeln zwingen. "Das Fenster, Iran durch Militärschläge zu entwaffnen, schließt sich im Jahr 2005", heißt es bei der US-Militärdenkfabrik Globalsecurity.org. Denn dann würden Schlüsselatomanlagen ihre Arbeit aufnehmen. Der Irak hat nach Angaben von Globalsecurity.org etwa ein Dutzend verdächtiger nuklearer Einrichtungen.

    Die USA könnten dann zum Handeln genötigt werden, um einen Militärschlag Israels zu vermeiden. Israel würde Atomwaffen in iranischen Händen als eine Bedrohung seiner Existenz sehen und auf jeden Fall militärisch dagegen vorgehen, sagen Sicherheitsexperten.

    John Pike, der Direktor von Globalsecurity.org, hält einen US-Militärschlag für machbar. Dieser müsse allerdings sehr umfassend sein. Eine große Zahl von Einrichtungen, die verbunkert sind und von guter Luftabwehr verteidigt werden, müssten gleichzeitig getroffen werden. Doch niemand könne ausschließen, dass Teheran wie auch Nordkorea geheime Anlagen betreibe, von denen die USA nichts wissen. "Es besteht das Risiko, dass Teheran am Tag nach einem Präventivschlag einen Atomtest durchführt", so Pike.
     
  2. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Mal als des Teufels Advokat gefragt: Wäre es denn von großem Nachteil für den zukünftigen Frieden in der Region, im Falle des Scheiterns aller diplomatischen Bemühungen die iranischen Forschungs- und Anreicherungsanlagen zur Herstellung atomarer Waffen, so sie denn existieren, mit einem gezielten Luftangriff zu zerstören?
     
  3. mac_the_mighty

    mac_the_mighty New Member

    Desweiteren finde ich es mehr als bedenklich, wenn diverse andere Staaten Atomwaffen besitzen. Besonders diejenigen, die ab und zu mal völkerrechtswidriege Angriffskriege durchführen.
     
  4. RaMa

    RaMa New Member

    is aber auch ein unterschied oder nicht?
     
  5. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Mag sein, aber Thema des Threads ist die Atomrüstung des Iran.

    Aber um dir entgegen zu kommen: Man könnte die Völkerrechtswidrigkeit eines Angriffs auf iranische Produktionsstätten mit einem UN-Mandat verbinden.
     
  6. mac_the_mighty

    mac_the_mighty New Member

    Kommt drauf an, wenn es um Krieg geht, sind die Fronten ziemlich schnell ziemlich klar. Wenn es um Geschäftemachereien geht, haben viele Leute mit dem Iran und den dortigen Verhältnissen kein Problem.

    In abgewandelter Form ist das in der Türkei auch der Fall. Aber die gehören ja inzwischen zu den Guten, denn die haben alle Kurden jetzt tierisch lieb und die Folter ist offiziell abgeschafft. Hat aber keinen dran gehindert, dort Urlaub zu machen und sich mit den neusten Fälschungen westlicher Markenartikel einzudecken. Aber wenn die jetzt auch Atomwaffen hätten...
     
  7. starwatcher

    starwatcher New Member

    ich sehe es als ein wahrscheinliches scenario an, dass Israel die ersten massnahmen ergreift, sofern die USA bis dahin keine eigene entscheidung getroffen hat.
    Auch eine unkalkulierbare gegenreaktion des Iran wird in kauf genommen werden, um erst einmal eine faktenlage zu schaffen. Insolchen einschätzungen ist Israel erheblich wagemutiger als die USA.
    Das von globalsecurity.org benannte fenster wird wohl den zeitrahmen definieren, innerhalb dessen die massnahmen zu ergreifen sind.
    Ich befürchte, dass der diplomatischen klärung hier sehr enge grenzen gesetzt sind und eine militärische lösung immer wahrscheinlicher wird.
    Der zukünftige friede in der region wird durch militärische massnahmen mit sicherheit nicht nachhaltig gefördert, dürfte aber die "vernünftigere" wahl zwischen skylla und charybdis sein.
     
  8. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Ich finde, da vergleichst du aber Äpfel mit Birnen.
     
  9. mac_the_mighty

    mac_the_mighty New Member

    Ich wollte ja nur mal kurz drauf verweisen, daß das nicht der einzige Staat mit zweifelhafter Führung ist, der einem gefährlich werden kann.

    Und sicherlich wäre ich um jeden Staat froh, der atomar gesehen vollkommen abrüstet. Nur auf den Trichter kommt ja keiner, denn man braucht die A-Waffen ja als Abschreckung für die anderen.

    Nur denke ich mir: Wenn die eine Rakete abfeuern, feuert die Gegenseite auch eine ab, und dann ist Schicht auf beiden Seiten.

    Für den Iran bzw dessen Führung wird es nicht diskutabel sein, sich einem westlichen Willen zu fügen - und der Besitz von Atomwaffen auf westlicher Seite ist für die doch der erste Rechtfertigungsgrund in der Argumentationskette. Die Amis haben welche, warum wir nicht auch? Was soll man in einer solchen Situation diskutieren? "Warte mal, die Amis sind die Guten und ihr nicht"? Ich weiss es nicht, aber ich sage mal, wer keine A-Waffen hat soll den ersten Stein werfen...
     
  10. RaMa

    RaMa New Member

    was sollen sie damit machen? die gucci zentrale bombadieren um ihre fälschungen teuer als original an den mann zu bringen?
     
  11. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Es geht hier vermutlich tatsächlich um die Wahl des geringeren Übels. Aber eine Gewaltanwendung macht dann und nur dann Sinn, wenn sie künftige, größere Gewalt verhindern kann. Und die würde bei einem Iran mit Atomwaffen sicher drohen.
     
  12. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Im Moment kann der Iran glücklicherweise nur Raketen mit konventionellen Gefechtsköpfen und 1500 km Reichweite einsetzen. Und dies sollte auch so bleiben.

    Natürlich ist jede A-Waffe auf der Welt eine zu viel. Aber eine A-Rakete im Silo einer Demokratie bereitet mir weniger Magengrummeln als im Silo eines Gottesstaates, einer Diktatur oder jeder anderen menschenverachtenden Staatsform.
     
  13. mac_the_mighty

    mac_the_mighty New Member

    :)

    Nein, aber zum Schurkenstaat wird man schnell erklärt. Irgendwo ist der Fokus wieder mal komplett falsch. In Tschetschenien tobt seit Jahren ein Völkermord. Nichts passiert. Über den Iran diskutiert man aber gerade wieder gerne. Könnte Atomwaffen entwickeln. Klar finde ich das bedrohlich, aber jede Atomwaffe auf jedem Fleck dieser Erdenkugel ist genauso bedrohlich.

    Genauso kann man sich doch auch Gedanken darüber machen, ob nicht eine solche Waffe beispielsweise in Frankreich gestohlen werden kann. Oder man macht sie sich zunutze und lässt sie detonieren. Grauenhafte Vorstellung. Und theoretisch möglich.
     
  14. mac_the_mighty

    mac_the_mighty New Member

    Wir müssen uns nur fragen, wer in dem Fall berechtigt sein soll, gegen diesen Staat vorzugehen, und mit welcher Begündung das geschehen soll. Weitere Einsätze im Stile des Irak-Kriegs würden die arabische Welt vielleicht stärker zusammenschweissen als es jetzt schon der Fall ist.
    Die Konsequenzen daraus könnetn verstärkter Terror sein, und den möchte niemand, wirklich niemand riskieren, oder?
     
  15. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Gott/Allah bewahre! Wenn überhaupt käme nur ein kurzer Luftschlag gegen die Forschungs- und Produktionsstätten in Frage. Mehr nicht!
     
  16. starwatcher

    starwatcher New Member

    es klingt zynisch und ist dennoch wahr: terror ist ein lokales ereigniss, der einsatz von a-waffen erzeugt einen flächenbrand. Letzteres muss mit aller macht/gewalt verhindert werden. Hier stellt sich nicht mehr die frage nach gerechtigkeit, sondern präventivem wirken.
    Eine grossmacht kann mit solchen waffen erheblich souveräner umgehen als ein staat, der sich (ob gerechtfertigt oder nicht) an die wand gedrückt fühlt. Da schwebt immer die frage im raum: was hab ich noch zu verlieren...
     
  17. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Mullahs mit Nukes?

    Interessantes und brisantes Thema.

    - die Amis werden uns (Europäern) nicht den Gefallen tun, die Mullahs zu entatomwaffnen, die haben zur Zeit ganz andere Sorgen;

    - die Europäer möchten zwar wollen können, aber irgendwie ist immer das Hemd viel zu kurz und was wird dann aus dem "Dialog"?

    - die Israelis werden den Reaktor zerdeppern, wenn sie sich stark genug bedroht fühlen. Und dann wird es erst recht spannend, wie die "islamische Welt" darauf reagiert.

    Aber "die UNO" wird's bestimmt richten... Manchmal bin ich richtig neidisch auf Mmfs Gott- äh UN-Vertrauen.
     
  18. RaMa

    RaMa New Member

    ja genau.
    zum glück, haben sich die iranis verpflichtet auf jede produktionsstätte, und sei sie noch so geheim, ein dickes fettes aufdringliches X draufzupinseln.
     
  19. mac_the_mighty

    mac_the_mighty New Member

    Die Geschichte lehrt uns im Falle von Hiroshima und Nagasaki das Gegenteil von dem was Du schreibst, leider.

    Das Problem ist: der Iran mag die USA nicht und umgekehrt, und die haben ihre Waffen und haben diese auch bereits vernichtend eingesetzt. Der Irak hat noch keine, über den Rest spekuliert man.

    Wir müssen uns doch auch fragen, durch was sich ein Staat an die Wand gedrückt fühlt. Mit Sicherheit empfindet die iranische Führung sich unter Druck gesetzt. Die wollen sich nicht in die Karten gucken lassen.

    Es hat lange schon keine massiven Bestrebungen zur Abschaffung aller A-Waffen gegeben. Das wäre womöglich der einzige Weg, die Bedrohung langfristig vom Tisch zu kriegen. Aber ich vermute mal, daß mit Leuten wie Bush und Putin eine solche Diskussion gar nicht erst geführt werden kann.

    Ich befürchte eine weitere Stärkung der extremen Kräfte und eine deutliche Ausweitung des Terrors wenn der Westen versucht, dem Iran Vorschriften zu machen. Und das könnte wirklich viele Tote bedeuten. Man sehe sich nur all die schrecklichen Entführungen und Ermordungen und Anschläge an, die tagtäglich alleine im Irak passieren. Wenn das Schule macht, dann gute Nacht.
     
  20. mac_the_mighty

    mac_the_mighty New Member

    Stimmt, man wird sich in Wahlkampfzeiten einen solchen Schritt gründlich überlegen. Der Schuss könnte ja für Bush nach hinten losgehen.
     

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