Motto: Ich und Ihr

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von 2112, 17. Mai 2003.

  1. 2112

    2112 Raucher

  2. caMi

    caMi New Member

    Mensch, 2112, es ist Wochenende!
    Wer will sich da noch mit Politik oder Prozentrechnung abgeben ?
    :) x1

    Gruß
    caMi
     
  3. 2112

    2112 Raucher

    Entschuldigung
     
  4. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Mach doch mal eine Umfrage, bei welcher Wassertemperatur die hiesigen MitGlieder gerne baden:

    () ich bade nie
    () ich dusche eiskalt
    () ich bade lau
    () ich bade in Champagner
    () ich habe gar kein Bad

    Damit könntest du einiges wieder gut machen!

    :rolleyes:
     
  5. caMi

    caMi New Member

    Hm, ich werde mir das mal überlegen. Habe ja auch meinen mehr als spanischen Stolz. Ich werde Dein Entschuldigungsersuch an die zuständige Stelle hier im Hause weiterreichen, nach intensiven Vorbereitungen und Diskussionen wird der zuständige Ausschuß eine hierfür unbedingt erforderliche Arbeitsgruppe bilden welche dann eine Empfehlung aussprechen wird. Diese Empfehlung muß dann den zuständigen Kontrollorganen vorgelegt werden ehe eine Abstimmung erfolgen kann. Ich hoffe, daß dieser Prozeß bis zur Sommerpause angedacht werden kann.
    Gruß
    caMi
     
  6. 2112

    2112 Raucher

    Plagiator
     
  7. 2112

    2112 Raucher

    Wie bist Du den drauf ?. Habe ich das Nötig?
    Was guckst Du ?








    Guckst Du hier weiter !
    Bin schließlich Ausländer

    :) x4
     
  8. benz

    benz New Member

    Lieber macixus


    () Ich bade im Moment in meinem eigenen Schweiss :eek:

    (Weil meine Festplatte noch immer mit einer Datei verstopft ist, und ich finde einfach nicht heraus, was ich sonst noch tun könnte... Siehe Mac OS X Rubrik.

    Gruss benz
     
  9. caMi

    caMi New Member

    Kilometerpostingtest (sorra, quick)
    Gruß
    caMi

    Der Plagiator

    Von Josef Karner
    [25. März 2001] - Der Kulturphilosoph Egon Friedell hat gesagt: "Das Abschreiben ist der eigentliche Beruf des Dichters." Doch das steht im Widerspruch zu dem, was wir glauben, nämlich dass der Dichter originell sei. Und im Lexikon findet man: plagiatorisch = unoriginell. Hat Friedell unrecht?

    Natürlich sind Dichter originell, aber nur, wenn es sein muss. Jede absichtliche Neuerung wirkt gekünstelt, und daher ist das Extravagante dem Dichter verhasst. Und warum sollte man auch, was schon richtig gedacht wurde, neu erschaffen, warum das Rad neu erfinden? Es bestünde die Gefahr, eine bloße Originalität auf Kosten der Wahrheit einzuführen.

    Auch die Evolution, deren Produkt wir ja sind, verfährt so: hat sie einmal etwas gefunden, kopiert und vervielfältigt sie, so gut es geht. Darum erscheint es nur natürlich, dass Shakespeare im "Julius Cäsar" den Plutarch wörtlich abgeschrieben hat. Auch Lessing ist des Plagiats überführt. Und Brecht hat Verse von Villon in seine Dreigroschenoper kopiert - und zwar, um genau zu sein, in der Übersetzung von Karl Klammer.

    Das Genie ist nur scheinbar ein Neuerer. Newton soll gesagt haben, er stünde auf den Schultern von Riesen, womit er die geistigen Ahnen seiner Einfälle meinte. Und Goethe fasst diesen Vorgang noch weiter, wenn er sagt:


    "Ich verdanke meine Werke (...) Tausenden von Dingen und Personen außer mir, die mir dazu das Material boten. Es kamen Narren und Weise, helle Köpfe und bornierte, Kindheit und Jugend wie das reife Alter: alle sagten mir, wie es ihnen zu Sinn sei, was sie dachten, wie sie lebten und wirkten und welche Erfahrungen sie sich gesammelt, und ich hatte weiter nichts zu tun als zuzugreifen und das zu ernten, was andere für mich gesät hatten."


    Nicht vergeistigt aus seinem Inneren schöpft der Dichter, sondern mit offenen Augen geht er durch die Welt, späht aus und greift zu, wann immer er auf etwas brauchbares stößt. Der Dichter ist eine Art Geheimagent, ein Spion, der auskundschaftet, jedes Detail, das von Wert sein könnte, ablichtet und penibel notiert und zusammenstellt. Darum ist das Genie der große Plagiator. Entdeckungen sind nicht seine Sache. Was es findet, war durch andere schon vorbereitet.

    Man sollte misstrauisch sein gegen Leute, die etwas wirklich Neues sagen. "Nehmen wir dem Künstler das Recht", sagt Hermann Bahr, "das Schöne darzustellen, wie er es fühlt, unbekümmert, ob es schon einmal dargestellt worden ist oder nicht, (...) und lassen wir bloß das gelten, was noch nicht da gewesen ist, dann machen wir allen Extravaganzen die Türe auf und der größte Narr wird uns der liebste Autor sein."

    Das Neue ist Sache der Freaks, so wie in der Natur jede Neuerung Mutation und Krankheit bedeutet - erst die Bewährung ändert den Begriff. Das sinnvoll Neue ist ein seltener Glücksfall, ein zufälliger Gedankenblitz. Aber darauf kann man sich nicht verlassen, und all die großen Menschen, die heute Lehrbücher füllen, sind nicht das Produkt irgend einer zufälligen Eingebung, sondern systematischer Nachahmung.

    Man kann geradezu behaupten, dass nur jene Tiere wahrhaft intelligent sind und über ein Bewusstsein verfügen, die zur Nachahmung fähig sind. Das Wort "nachäffen" verweist deutlich auf unsere nächsten Verwandten.

    Und wir sind die Krönung dieser Entwicklung, wir sind geradezu Kopiermaschinen und Virtuosen der Anpassung. Wir kommen als Mimen zur Welt und übernehmen, was uns gefällt: Kleider, Verhalten, Redensarten und Gedanken. Darum erscheinen uns Kinder so reizend und überaus gewandt in ihrer Entwicklung, weil sie die vollkommensten Plagiatoren sind.

    Wie der Einsiedlerkrebs unablässig nach einer besseren Behausung sucht, so erforschen Kinder Masken, tragbare Eigenschaften. Der Plagiator schöpft nicht aus einer Quelle, sondern aus unzähligen und bemüht sich, sowie er etwas fasst, es mit eigenen Worten einzuspielen und fortan wiederzugeben.

    Nur Fanatiker zitieren wörtlich aus immer derselben Quelle. Was zu Mangelerscheinungen führt, zu Wahngebilden und Idiotismen. Hier gilt wie in der Ernährung, dass eine ausgewogene Kost am gesündesten und das Beste die Abwechslung ist.

    Wir bringen wohl Fähigkeiten mit, aber unsere Entwicklung verdanken wir einer Welt, aus der wir uns aneignen, was wir zum Leben brauchen. Wir nehmen das Fremde auf, wir einverleiben uns das Andere, speist es ein, wie der Kybernetiker sagt, wir saugen uns das Wertvolle heraus und bauen damit unseren eigenen geistigen Organismus auf.

    Nicht nur wir verändern und entwickeln uns, auch Kultur ist in Bewegung, die Bibliotheken und Datenbanken, die alles, was Sinn macht, hinzunehmen und der nächsten Generation bereitstellen. Mythen und Märchen und auch die großen Spiele der Menschheit wie Go, Schach und all die Abteilungen und Unterabteilungen der Kartenspiele - vollendete Meisterwerke, doch niemand kennt ihre Urheber.

    Es sind auch nicht die Leistungen einzelner Menschen; es sind kollektive Schöpfungen, Dichtungen der Menschheit. Und dabei läuft das alles denkbar einfach ab - wie in einem Kinderspiel: Gerücht, stille Post, etwas macht die Runde und verändert sich, es wird besser oder schlechter - und je mehr es den Menschen gefällt, um so wahrscheinlicher setzt sich die Nachricht fort. Und jeder, der sich daran beteiligt, wird zum Mittäter, zum Plagiator und Kulturträger.

    Quelle:
    http://old.onlinejournalismus.de/meinung/plagiator
     

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