muss daschner in den bau? ...oder es ist was faul im staate deutschland

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von sepp, 17. November 2004.

  1. sepp

    sepp New Member

    im spiegel steht noch mal die sehr interessante zusammenfassung der geschehnisse um die entführung von jakob von metzler.

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,328346,00.html

    bin hin und her gerissen zwischen rechtsstaatlichem denken und niederbayrisch-impulsiver hau-drauf-mentalität.

    ich bin nur froh, dass ich mich in so einer situation nicht entscheiden muss.

    was sagen denn die rechtsexperten zu dem fall.

    gibts eine möglichkeit das möglichste für das opfer zu tun ohne sein rechtsstaatliches gesicht zu verlieren?

    nachdenklich

    sepp
     
  2. mausbiber

    mausbiber New Member

    Stellt Euch mal vor, das Kind wäre dadurch gerettet worden !
    Man hätte es dadurch noch vor der Ermordung finden können

    Ob man den guten Mann jetzt wohl auch vor Gericht stellen würde und Ihm "Folter" vorwerfen????

    Also ich glaube: NEIN - die Justiz würde sich in der Öffentlichkeit wohl lächerlich machen.

    Natürlich ist es rein formal unabhängig davon zu bewerten.
    Verurteilen könnte ich den Mann jedenfalls nicht.
     
  3. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Bin natürlich kein Rechtsexperte, wahrscheinlich hast Du deshalb so wenig Postings, weil sich keiner als solchen sieht.

    Aber eine Meinung habe ich natürlich dazu. Ich war damals entsetzt, als ich von dem Fall hörte (natürlich vom gesamten Fall entsetzt!). Ich hoffe und glaube daran, daß Daschner verurteilt wird. Es kann nicht angehen, daß der Rechtsstaat derart aufgelöst wird und wir türkische Verhältnisse hier bekommen.

    Da mag der Anlaß für eine Folterandrohung noch so dramatisch sein und in den Augen der jeweils betroffenen Angehörigen solche Menschen als Helden erscheinen – es geht nicht! Ein bißchen Folter – mal hier, mal da? Wir wären kein Rechtsstaat mehr. Es gibt sicher viele Ungereimtheiten in unserem Rechtssystem aber dazu darf es nicht kommen, daß ein solches Verhalten nicht bestraft wird.

    :angry:
     
  4. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Natürlich muss er bestraft werden.
     
  5. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich wäre dafür ihn vorher ein wenig zu foltern, um eventuellen Hintermännern auf die Spur zu kommen.

    :party:
     
  6. Florian

    Florian New Member

    Ich kann pewe nur zustimmen: Polizeiliches Nützlichkeitsdenken kann und darf nicht der rechtsstaatliche Maßstab sein und werden!

    Wohin soll das führen?
    Ein ausgekugeltes Schultergelenk, um möglicherweise den Standort eines geklauten Autos zu erfahren?
    Zwei eingeschlagene Schneidezähne, um den vermeintlichen Kiffer zu entlarven?
    Gequetschte Hoden, um den angeblichen Raubkopierer zum Geständnis zu bewegen?

    Hier gibt es glücklicherweise (und aus historischen Erfahrungen) eine glasklare Grenze, die nie und unter keinen Umständen angekratzt werden darf!

    Gruß,
    Florian
     
  7. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    In Kladow sollen die fädenziehenden Dunkelmänner sitzen. Vielleicht ist es aber auch nur einer. Im finstren Ke…. äh. Hobbyraum.
    :cool:
     
  8. Macziege

    Macziege New Member

    Dem stimme ich keinesfalls zu, Recht und Gesetz als absoluten Maßstab zu setzen und in jedem Fall für unantastbar zu halten, führt zu Unmenschlichkeit und Fehlentscheidungen die jederzeit mit der Gesetzeslage entschuldigt werden können.

    Die Schreibtischtäter und Richter des Dritten Reiches haben nach solchen Grundsätzen entschieden und geurteilt und "konnten" darum später nicht belangt werden, obwohl sie Tausende in den Tod geschickt hatten.

    Natürlich müssen höhere Instanzen über jeden Fall urteilen, ob die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen, in diesem Fall Androhung der Folter, entschuldbar sind.
     
  9. Macziege

    Macziege New Member

    Mit Verlaub, aber einen solchen Unsinn glaubst du doch wohl nicht selber?
     
  10. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    @ Macziege

    Moral und Recht sind nicht dasselbe. Daschner mag vom moralischen Standpunkt aus gesehen menschlich verständlich und in deinen Augen vielleicht sogar vorbildlich gehandelt haben. Dies gibt ihm jedoch nicht die Legitimation, geltendes Recht zu verletzen.

    Sein Handeln war weder mit Notwehr noch Nothilfe zu begründen. Daher ist er zu bestrafen. Da es bei der Androhung von Folter blieb und keine Schäden entstanden sind, dürfte eine Geldstrafe oder Haftstrafe im unteren Strafrahmen (6-12 Monate, ausgesetzt zur Bewährung) genügen, zumal er die Tat durch eigenen Aktenvermerk selbst angezeigt und gestanden hat.

    Insbesondere sollte ein solches Urteil auch eine generalpräventive Wirkung auf alle anderen Beamten ausübungen, die sich mit dem verlockenden Gedanken tragen, Ermittlungserfolge künftig mit gleichen oder ähnlichen Methoden zu befördern.

    Otto Schily hat daher Recht, wenn er zur Zulassung derartiger Methoden bemerkt: „Am Ende steht die Todesstrafe.”
     
  11. akiem

    akiem New Member

    es wäre besser gewesen du hättest garnichts geschrieben, als nach 2 postings deinerseits die geschichte ins lächerliche zu ziehen. aber jedem wie er es braucht.

    ----

    das thema hatten wir ja schon mal mit vielen zuschriften.
    ich kann im moment immer noch keine verbindliche aussage zu diesem fall machen. es ist mir nicht möglich, mich in solchen fällen der kindesentführung und grausamster tötung, in die lage und das empfinden der eltern und angehörigen zu versetzen. auf den ersten blick tendiere ich zur rechtsstaatlichkeit.
     
  12. sepp

    sepp New Member

    ZWEIFELSFREI steht für mich fest, dass herr daschner die grenze überschritten und somit rechtsbruch begangen hat.

    habe aber durch den spiegelartikel einen andere sicht der dinge bekommen.

    es stand ja fest, dass herr gäfgen den jungen entführt, das lösegeld an sich genommen hatte. bei der observierung wurde auch darauf geachtet, ob der entführer nicht doch zu seinem opfer fahren und dieses freisetzen würde.

    als nichts dergleichen geschah, kam es zum zugriff.

    der entführer hatte reichlich zeit zu einer einsicht zu gelangen, jedoch kamen nur kontraproduktive hinweise.

    wenn ich in der situation von jakobs eltern wäre, wünschte ich mir so couragierte polizeibeamte.

    wohlgemerkt, vorausgesetzt es handelt sich um eine gleichartige "erdrückende" beweislast. und weiters natürlich um einen vergleichbaren notstand (also wenn es um leib und leben geht)


    und nicht um raubkopierte m$ software.

    grüsse

    sepp
     
  13. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    @ sepp

    Natürlich kann ein Polizeibeamter "couragiert" handeln, wie du das nennst. Verhindern kann das bestehende Verbot Folter bzw. ihre Androhung ohnehin nicht, wie schon der Fall Daschner beweist.

    Dann muss aber der "couragierte" Beamte auch die dafür vorgesehene Strafe in Kauf nehmen.

    Eine gesetzliche Legalisierung bisher (schon aus geschichtlichen Gründen, s. Drittes Reich) unrechtmäßiger Verhörmethoden kann jedoch sicher nicht die Lösung sein.
     
  14. sepp

    sepp New Member

    eine auflösung der rechtsstaatlichen prinzipien, um jedweden verdächtigen durch androhung oder ausführung staatlicher gewalt zur aussage zu nötigen ist doch nicht notwendig.

    vielleicht sollte es aber doch berechtigte ausnahmetatbestände geben?

    grüsse

    sepp
     
  15. Macziege

    Macziege New Member

    Woraus begründet sich den das Recht, wenn nicht aus moralischen Grundsätzen?
     
  16. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Nein, denn genau damit machst du ein Fass auf! Nach einer Ausnahme kommt die nächste Ausnahme usw. usw. Am Ende (s. Florians Posting) darf Polizeiobermeister Müller dann dem Dieb den kleinen Finger brechen, um das Beuteversteck zu erfahren.

    Wehret den Anfängen, sage ich da nur.
     
  17. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Die Zehn Gebote liegen lange zurück. Oder würdest du es als moralisch bezeichnen, wenn heute Banken unzählige ihrer Schuldner durch ihr unnachgiebiges (aber rechtmäßiges) Vorgehen in Ruin und Suizid treiben? Nur ein (1) Beispiel.
     
  18. sepp

    sepp New Member

    wenn wahnsinnige terroristen ein flugzeug entführen sollten und dieses in den reichstag steuern wollen.

    muss, darf und soll der verteidigungsminister den befehl zum abschuss erteilen.

    gibts da jetzt eine regelung?

    gruss

    sepp
     
  19. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Und es wäre noch besser gewesen, Du hättest Deine – aus schlechtem Deutsch gefertigte – Moralkeule im Schrank gelassen!
     
  20. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Mir erschliesst sich zwar der Zusammenhang zum Daschner-Fall nicht, aber er darf. Ein entspr. Gesetz ist vor einigen Monaten in Kraft getreten.
     

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