nacht gute ...

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von quick, 1. April 2003.

  1. quick

    quick New Member

    Es war wieder einmal so weit. Das Fest der Erinnerungen stand ins Haus und alle Tage und Nächte der Vergangenheit hatten sich versammelt. Überall wurde gelacht, geschunkelt und erzählt. Von längst vergangenen Liebesnächten in einer heißen Sommernacht, von dunklen, mit Nebelschwaden durchdrungenen Nächten der Räuber, Spitzbuben und Mörder, aber auch von taghellen Nächten der Mitternachtssonne im hohen Norden unseres Kontinent ebenso, wie von herrlichen Nächten einer Sternen klaren Winternacht oder der Stille einer verheißungsvollen Weihnachtsnacht. Doch je fröhlicher alle wurden, umso trauriger wurde unser kleines Nachtkind. Es kannte die Erde nur vom zuhören bei den Erwachsenen und wartete bereits seit Monaten auf seinen Einsatz. Es war nicht so schön wie die anderen Nachtkinder und selbst ihr Aussehen gab den anderen Nachtkindern immer wieder Anlass zu Spottverse und Hohn. Ihr Kleid sah immer etwas zerknittert aus und war überall mit Flecken und Farbkleckse besudelt. An einigen Stellen schien es sich sogar um kleine Brandlöcher zu handeln und gab den anderen Nachtkindern immer wieder allerlei Anlass zum Spott. Selbst in der Schule, wo alle Nachtkinder auf ihr kommendes Leben vorbereitet wurden, gingen ihr manche Klassenkameraden aus dem Weg oder zeigten lachend mit dem Finger auf ihr ärmlich aussehendes Kleidungsstück. "Schaut nur!" riefen sie dann: "Noch nicht einmal ein Stück Zwirn zum nähen der Löcher hat seine Mutter! Das wird eine schöne Nacht werden wenn du auf die Erde musst und wer weiß wer dein Vater ist? Bei deinem komischen Aussehen mit all den schwarzen Flecken im Gesicht?" Die größte Demütigung für das kleine Nachtkind aber waren die Spottverse der anderen Kinder, wenn sich diese wieder einmal über ihre bunten Sommersprossen in seinem Gesicht lustig machten. Dann ging das kleine Nachtkind meist in sein heimliches Himmelsversteck und weinte still vor sich hin, während die anderen Nachtkinder  ihm dabei laut johlend hinterher riefen: 

    "Sommersprossen groß und weit, schaut euch an das hässlich Kleid,

    schwarze Fetzen, Fleckenkleid, was soll das sein? Welche Zeit"? 

    Dann liefen sie laut lachend hinüber zur nächsten Wolke und spielten gegen die Tagkinder ein fröhliches Fußballspiel, während dem kleinen Nachtkind immer noch die nachhallenden Spottverse schmerzten.

    All die Nacht und Tagkinder wussten das ihr Leben nur einen Tag oder eine Nacht andauern würde. Eben so wie das Schicksal aller Tage und Nächte auf dieser Welt. Doch so wunderlich die kleine Nacht auch aussah, niemand konnte ihr sagen, ob sie eine gute oder schlechte Nacht werden würde? Auch konnte dem kleinen Nachtkind niemand sagen, wann es endlich soweit sein würde, das es endlich auf die Erde durfte?

    Doch am späten Abend, das kleine Nachtkind hatte sich bereits seit Stunden darüber gewundert, das noch niemand mit ihm gehänselt hatte, war plötzlich alles anders. Die Schule war bereits früh zu ende gegangen und selbst die Lehrer schienen bereits seit dem frühen Morgen mit ihren Gedanken ganz woanders zu sein. Überall wurde geputzt und sauber gemacht. Die Wolken wurden gefegt und selbst die Sterne wurden so lange poliert, bis sie nur noch so glänzten, wie es das kleine Nachtkind noch nie gesehen hatte. Denn seit Stunden war der größte Feiertag des Jahres in vollem Gang. Der Tag der Erinnerungen neigte sich bereits langsam dem Ende, während sich die Nächte bereits auf ihre im Anschluß daran folgente Nachtfeier einstimmten. Jene Tagnacht, an dem sich alle Nächte und Tage der Vergangenheit trafen, um sich und den zukünftigen Tagen und Nächten von ihren Erfahrungen auf der  Erde zu erzählen.  Irgendwo, genau an jenem Wolkenort, an dem sich zu Beginn aller Zeiten einst der Herrgott mit all seine Mitstreiter getroffen hatte, um die Aufteilung der Welt in Tag und Nachtstunden zu bestimmen. Jener geheime Ort der Zeit, an dem die Trolle seit Ewigkeiten Wache hielten um den Vertrag der Träume für immer zu beschützen, auf das keinem Kind im Traum ein Leid geschehen mag! '[/I]
     

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