Neues aus USA

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Harlequin, 13. August 2003.

  1. Harlequin

    Harlequin Gast

    Der neueste Coup des Regimes gegen Demokraten:

    US-Finanzministeriums droht Amerikanern, die sich als "menschliche Schutzschilde" gegen US-Angriffe zur Verfügung gestellt hatten, nun eine Geldstrafe von bis zu 10.000 Dollar.
    Falls sie sich weigern, sehe das Gesetz sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu zwölf Jahren vor.

    http://Spiegel.de/politik/ausland/0,1518,261038,00.html

    .
     
  2. Rotweinfreund

    Rotweinfreund + Jevers Liebhaber

    ...das entspraeche dann einem Tagessatz in etwa von 2,28 US $
    Zu ueberlegen, wo wohl der naechste Bankraub stattfaende waere also muessig.

    (.)
     
  3. maiden

    maiden Lever duat us slav

    mich würde mal die Begründung dafür interessieren, warum der amerikanische Taliban-Kämpfer Walker wie ein First-Class-Gefangener behandelt wird, obwohl er praktisch mit der Waffe in der Hand festgenommen wurde, während andere Gefangene nur auf bloßen Verdacht hin und ohne Zugang zu rechtsstaatlichen Mitteln bspw. in Guantanamo festgehalten werden.
     
  4. neuer-imac-fan

    neuer-imac-fan New Member

    Richtig so, weil es ganz einfach nicht erlaubt ist, genauso wenig ist es erlaubt sich hier in Deutschland gegen einen Polizei Einsatz oder Militär Einsatz zu stellen. Aber solchen Schwachsinn kennt das Forum ja von diesem komischen Harlequin.... LOOOOL mehr kann man dazu net sagen!

    *schüttel*
     
  5. Harlequin

    Harlequin Gast

    Wie leicht doch einfache Gemueter fuer undemokratische Worte und Taten zum Mitlaufen zu gewinnen sind.
    Der US Angriffskrieg ist voelkerrechtswidrig, spielt fuer das US Regime aber keine Rolle, die amerikanischen Demokraten, die jetzt durch das Regime verfolgt werden, haben ihre demokratischen Rechte im Ausland wahrgenommen, auch das spielt fuer das US Regime keine Rolle.
    Nicht die Kriegsgegner, sondern die US Massenmoerder gehoeren hinter Gittern.
    Aber noch gibt es ja Mitlaeufer und Hurraa Brueller, auf welche sich diese Regime stuetzen koennen.
    Wehret den Anfaengen . . .

    .
     
  6. AndreasG

    AndreasG Active Member

    Wo schlägt das «Herz der Finsternis»?
    Gewalt in Afrika - Vorurteile und Erklärungsversuche

    Berichte über die brutalen Milizenkriege in Liberia, die stete Latenz von Konflikten in Kongo und den umliegenden Ländern, die unsinnige Repression des petrifizierten Machtapparats in Simbabwe: Schreckensmeldungen aus Afrika haben Konjunktur. Ist Afrika ein Hort der Gewaltsamkeit - und wie stellt sich die Literatur dieser Frage?

    Der Fernsehsender Arte führte einen «Afrika»- Themenabend am 29. Juli mit der Frage ein: «Warum gleitet Afrika wieder in die Barbarei ab?» Der durchschnittliche Fernsehzuschauer, so ist zu erwarten, wird an dieser Formulierung wenig auszusetzen haben. Die Bilder von Bürgerkriegen und Massakern, von Kindersoldaten und Aids-Waisen, von Flüchtlingslagern und Hungerkatastrophen scheinen den Befund des Rückfalls in die Barbarei zu bestätigen.

    Tatsächlich wird man die Bilder exzessiver Gewalt, hunderttausendfachen Todes und massenhaften Elends nicht widerlegen können, auch wenn dies nur einen - wenn auch besonders medienwirksamen - Teil der afrikanischen Realität ausmacht. Problematisch ist das «wieder» in der Frage, «warum Afrika wieder in die Barbarei abgleitet». Dahinter steht ein Bild des «dunklen Kontinents», das diesen als Schauplatz fortgesetzter Stammeskriege und blutiger Rituale zu sehen sich angewöhnt hat. Erst mit der «Befriedung» durch die europäischen Kolonialmächte sei Ruhe eingekehrt, die aber jetzt, nach über 40 Jahren Unabhängigkeit, «wieder» in den status quo ante zurückzukehren drohe.

    Dieses Afrika-Bild hat sich als resistent gegenüber allen Informationen über die von Europäern nach Afrika hineingetragenen Greuel erwiesen: von der Unmenschlichkeit und den Opfern des Sklavenhandels über die blutigen Kolonialkriege, die Niederschlagung des Herero-Aufstandes (1904) in Deutsch-Südwestafrika und des Maji- Maji-Aufstandes (1905) in Deutsch-Ostafrika bis hin zum italienischen Überfall auf Äthiopien und zu den französischen Massakern in Madagaskar oder Kamerun - ganz zu schweigen von den Exzessen in der wirtschaftlichen Ausbeutung der afrikanischen Kolonien, wie die von der Weltpresse seinerzeit an den Pranger gestellten «Kongo-Greuel» im Reich des belgischen Königs Leopold II. Anfang des 20. Jahrhunderts.
    «Schwarze Schande»

    Auch die unmittelbare Erfahrung der Begegnung mit den Afrikanern hat an diesem Bild nichts Wesentliches geändert. Die europäische (und weltweite) Diskussion um die Verwendung von afrikanischen Kolonialtruppen in Europa während und nach dem Ersten Weltkrieg wird von einer Zürcher Dissertation mit dem (Zitat-) Titel: «Von Wilden aller Rassen niedergemetzelt» (Christian Koller, Stuttgart, Verlag Franz Steiner, 2001) zusammengefasst. Als die Franzosen bei der Besetzung der Rheinlande nach dem Weltkrieg auch afrikanische Soldaten in grösserer Zahl einsetzten, löste dies auf deutscher Seite über viele Jahre sich hinziehende hasserfüllte Kampagnen aus, die unter den Schlagworten «schwarze Schande» und «schwarze Schmach am Rhein» sich bis in Hitlers «Mein Kampf» und Léopold Senghors Gedichtsammlung «Hosties Noires» (wo sich «die schwarze Schande» als deutsches Zitat im französischen Text findet) nachweisen lassen. Vielfach aufgelegte Broschüren, wie jene der «Rheinischen Frauenliga» über «Farbige Franzosen am Rhein - Ein Notschrei deutscher Frauen», suchten den Eindruck zu erwecken (der von internationalen Kommissionen widerlegt worden war), die afrikanischen Soldaten hätten sich eine grosse Zahl von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen zuschulden kommen lassen.

    Die Autobiographie eines Tirailleur sénégalais, des Weltkriegsveteranen Bakary Diallo («Force Bonté», 1926), beschreibt die Szene, wie ein von afrikanischen Soldaten gefangen genommener deutscher Soldat vor Angst am ganzen Leib zu zittern beginnt, was der Autor so kommentiert: «Du Ärmster, die Schwarzen, die du für Wilde hieltst, haben dich gefangen genommen, aber statt dich umzubringen, bist du nur ihr Kriegsgefangener. Möge deine Angst dich nicht hindern, morgen, nach dem Krieg, wenn du wieder in deinem Land bist, im Gefühl der Gerechtigkeit ihren Namen unter den menschlichen Rassen zu rehabilitieren, die alle ihre Wildheit haben . . .»

    Der Wunsch des Bakary Diallo sollte sich nicht so bald erfüllen. Doch das Thema der afrikanischen Wildheit und Barbarei wird zu einem zentralen Punkt des writing back, der afrikanischen Gegenrede gegen das weisse Bild vom schwarzen Mann.

    Der Négritude-Bewegung von den dreissiger bis zu den fünfziger Jahren hat man den Vorwurf gemacht, sie habe in ihrem Gegenentwurf zum europäischen Afrikabild ein allzu friedliches, idyllisches Bild des alten, «wahren» Afrika gezeichnet. Der Vorwurf hält einer genaueren Überprüfung nicht stand. Im Gegenteil, die «Barbarei der Zivilisierten» (L. Senghor) ist in den afrikanischen Texten genauso Thema wie der Blick zurück in die eigene Geschichte mit ihren Kriegen und Grausamkeiten. Ein besonders eindringliches Beispiel ist der 1938 erstmals erschienene historische Roman «Doguicimi» von Paul Hazoumé aus dem damals noch so genannten Dahomey (heute: Benin) - eine Region, die von der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts bis zu Raymond Roussels «Impressions d'Afrique» (1910) und Bruce Chatwins (von Werner Herzog verfilmtem) «Vizekönig von Ouidah» (dt. 1982) geradezu der Inbegriff des blutrünstigen «dunklen» Afrika mit amazonenhaften weiblichen Kriegern und tausendfachen Menschenopfern war. Auf den über 500 Seiten des Romans «Doguicimi» entsteht ein literarisch getreues Bild der Gesellschaft des Landes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Ankunft einer französischen Delegation in dieser geschlossenen, nach aussen abgeschotteten Gesellschaft führt zu einer in vielen Reden ausgetragenen Auseinandersetzung um Zivilisation und Barbarei, um die Mitverantwortung der Weissen am Sklavenhandel und an den Stammeskriegen und um das Recht der «Primitiven», nach ihren eigenen Sitten zu leben. Obgleich der Autor bemüht ist, beiden Seiten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ist dennoch seine Sympathie - über die weibliche Hauptgestalt «Doguicimi» - für den «zivilisatorischen Fortschritt» erkennbar: ganz im Sinne von Norbert Elias verstanden als Zurückdrängen der Gewalt und Sänftigung der Sitten.

    Es gibt also durchaus auf afrikanischer Seite, in literarischen Texten vor allem, ein Nachdenken über die endogenen Ursachen von Gewalt und Grausamkeit auf dem Kontinent. Sie wird von der heutigen afrikanischen Literatur, seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Genozid in Rwanda, mit neuer Eindringlichkeit gestellt. In zwei Romanen togolesischer Autoren, die seit über 10 Jahren im europäischen Exil leben, wird die Problematik in Form eines Berichts über eine Reise zurück ins «Land der Geburt» behandelt. In dem preisgekrönten «La Fabrique de Cérémonies» des in Frankreich lebenden Kossi Efoui erscheint die Gewalt quasi mechanisch, von jeder Ursache abgelöst, der afrikanische Kontinent als Abenteuerspielplatz für Amerikaner und Europäer, die auf starke Sensationen aus sind. In dem Roman «Lisahohé» des in Deutschland lebenden Théo Ananissoh wird die Erforschung der Vergangenheit vor allem mit Blick auf die Ereignisse nach der Implosion der Sowjetunion und den gescheiterten Demokratisierungsversuchen nach 1990 betrieben.

    Bei beiden Autoren erfolgt der Rückbezug zur Kolonialgeschichte bis hin zur Berliner Kongo- Konferenz von 1984/85. In der Gegenwart, von der die Romane erzählen, ist die Realität der westafrikanischen Staaten nur noch eine virtuelle, der Weltuntergang hat bereits stattgefunden, der Schrecken ist Alltag. Die afrikanischen «Warlords» (ein General Tapioka bei Efoui) können ihre dunklen Geschäfte ungehindert betreiben, der moralische Widerstand der Bevölkerung kommt zum Erliegen; jeder arrangiert sich, so gut er kann, in dem täglichen Inferno.
    Unglück in tausend Formen

    Noch bedrückender sind die literarischen Darstellungen der in Afrika selbst, für ein afrikanisches Publikum geschriebenen Werke. Etwa in dem Roman des in seiner Heimat Gabun sehr populären Jean Divassa Nyama: «Le Bruit de l'Héritage», in dem das Alltagsleben einer Dorfbevölkerung beschrieben wird, die wegen des Baus eines Flughafens zwangsumgesiedelt wird. Das Unglück kommt in tausend Formen und stets wie aus heiterem Himmel, unerklärlich, angstbesetzt. Die grosse Stadt erscheint als Sodom und Gomorra, und das Elend hat ebenso viele Ursachen: ethnische Rivalitäten, Neid und Missgunst, Hexerei, Korruption, Verlust der Bindung an den Familienclan und die «Rache» der Ahnen.

    Auch die beiden französischen Entwicklungshelfer im Dorf - der Mann Arzt, die Frau Lehrerin - entgehen nicht dem allgemeinen Strafgericht. Sie haben sich etwas angemasst, was sie nicht durften: zu leben wie die Schwarzen, sein zu wollen wie die Schwarzen. Dabei - das ist die wichtige Lektion des Buches - hat jedes Volk seine Geräusche («bruits»), seine Art, sich über Leben und Tod zu verständigen und dadurch seine Identität auszusprechen. Das könnte auch als eine «Lektion» für die Zuschreibung von «Barbarei» und den Rückfall in dieselbe gelten.
     
  7. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Jo. Am besten isses immer, man kann seine moralischen Ansprüche immer gerade so hinbiegen wie es der jeweiligen Situation gerecht wird.
     
  8. neuer-imac-fan

    neuer-imac-fan New Member

    jemand aus diesem Forum, der oft und sehr viel schreibt, hat mal empfohlen einfach dein geschwätz rund um USA und Politik sowie deine Parolen zu ignorieren, genau das werde ich jetzt tun. Viel Spaß bei der nächsten Anti-USA Demo wo du mit der Trillerpfeife wieder durch deine Stadt laufen kannst und schrein MAKE LOVE NO WAR, vielleicht, aber eben nur vielleicht hört dich Bush ja und mach was du ihm sagst....du bist ein grundauf guter Mensch Harlequin. Wir sind alle stolz dich zu kennen....;(
     
  9. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Summa summarum: Die Welt und wir sind schlecht und Harle gut! Kapier das doch endlich mal, alter Schlagschrauber! :rolleyes:
     
  10. Harlequin

    Harlequin Gast

    Soll das auf deutsch heissen, Du unterstuetzt antidemokratische Politik, bist Du ein Faschist (Frage) ?
    Uebrigens, ich war noch nie auf antiamerikanischen Demonstrationen, aber oft auf welchen gegen Mafia, Faschismus und Verbrechen, zusammen auch mit US Amerikanern, die fuer die Werte von Freiheit und Demokratie, gegen ihr Regime demonstrierten.

    .
     
  11. Harlequin

    Harlequin Gast

    Der neueste Coup des Regimes gegen Demokraten:

    US-Finanzministeriums droht Amerikanern, die sich als "menschliche Schutzschilde" gegen US-Angriffe zur Verfügung gestellt hatten, nun eine Geldstrafe von bis zu 10.000 Dollar.
    Falls sie sich weigern, sehe das Gesetz sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu zwölf Jahren vor.

    http://Spiegel.de/politik/ausland/0,1518,261038,00.html

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  12. Rotweinfreund

    Rotweinfreund + Jevers Liebhaber

    ...das entspraeche dann einem Tagessatz in etwa von 2,28 US $
    Zu ueberlegen, wo wohl der naechste Bankraub stattfaende waere also muessig.

    (.)
     
  13. maiden

    maiden Lever duat us slav

    mich würde mal die Begründung dafür interessieren, warum der amerikanische Taliban-Kämpfer Walker wie ein First-Class-Gefangener behandelt wird, obwohl er praktisch mit der Waffe in der Hand festgenommen wurde, während andere Gefangene nur auf bloßen Verdacht hin und ohne Zugang zu rechtsstaatlichen Mitteln bspw. in Guantanamo festgehalten werden.
     
  14. neuer-imac-fan

    neuer-imac-fan New Member

    Richtig so, weil es ganz einfach nicht erlaubt ist, genauso wenig ist es erlaubt sich hier in Deutschland gegen einen Polizei Einsatz oder Militär Einsatz zu stellen. Aber solchen Schwachsinn kennt das Forum ja von diesem komischen Harlequin.... LOOOOL mehr kann man dazu net sagen!

    *schüttel*
     
  15. Harlequin

    Harlequin Gast

    Wie leicht doch einfache Gemueter fuer undemokratische Worte und Taten zum Mitlaufen zu gewinnen sind.
    Der US Angriffskrieg ist voelkerrechtswidrig, spielt fuer das US Regime aber keine Rolle, die amerikanischen Demokraten, die jetzt durch das Regime verfolgt werden, haben ihre demokratischen Rechte im Ausland wahrgenommen, auch das spielt fuer das US Regime keine Rolle.
    Nicht die Kriegsgegner, sondern die US Massenmoerder gehoeren hinter Gittern.
    Aber noch gibt es ja Mitlaeufer und Hurraa Brueller, auf welche sich diese Regime stuetzen koennen.
    Wehret den Anfaengen . . .

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  16. AndreasG

    AndreasG Active Member

    Wo schlägt das «Herz der Finsternis»?
    Gewalt in Afrika - Vorurteile und Erklärungsversuche

    Berichte über die brutalen Milizenkriege in Liberia, die stete Latenz von Konflikten in Kongo und den umliegenden Ländern, die unsinnige Repression des petrifizierten Machtapparats in Simbabwe: Schreckensmeldungen aus Afrika haben Konjunktur. Ist Afrika ein Hort der Gewaltsamkeit - und wie stellt sich die Literatur dieser Frage?

    Der Fernsehsender Arte führte einen «Afrika»- Themenabend am 29. Juli mit der Frage ein: «Warum gleitet Afrika wieder in die Barbarei ab?» Der durchschnittliche Fernsehzuschauer, so ist zu erwarten, wird an dieser Formulierung wenig auszusetzen haben. Die Bilder von Bürgerkriegen und Massakern, von Kindersoldaten und Aids-Waisen, von Flüchtlingslagern und Hungerkatastrophen scheinen den Befund des Rückfalls in die Barbarei zu bestätigen.

    Tatsächlich wird man die Bilder exzessiver Gewalt, hunderttausendfachen Todes und massenhaften Elends nicht widerlegen können, auch wenn dies nur einen - wenn auch besonders medienwirksamen - Teil der afrikanischen Realität ausmacht. Problematisch ist das «wieder» in der Frage, «warum Afrika wieder in die Barbarei abgleitet». Dahinter steht ein Bild des «dunklen Kontinents», das diesen als Schauplatz fortgesetzter Stammeskriege und blutiger Rituale zu sehen sich angewöhnt hat. Erst mit der «Befriedung» durch die europäischen Kolonialmächte sei Ruhe eingekehrt, die aber jetzt, nach über 40 Jahren Unabhängigkeit, «wieder» in den status quo ante zurückzukehren drohe.

    Dieses Afrika-Bild hat sich als resistent gegenüber allen Informationen über die von Europäern nach Afrika hineingetragenen Greuel erwiesen: von der Unmenschlichkeit und den Opfern des Sklavenhandels über die blutigen Kolonialkriege, die Niederschlagung des Herero-Aufstandes (1904) in Deutsch-Südwestafrika und des Maji- Maji-Aufstandes (1905) in Deutsch-Ostafrika bis hin zum italienischen Überfall auf Äthiopien und zu den französischen Massakern in Madagaskar oder Kamerun - ganz zu schweigen von den Exzessen in der wirtschaftlichen Ausbeutung der afrikanischen Kolonien, wie die von der Weltpresse seinerzeit an den Pranger gestellten «Kongo-Greuel» im Reich des belgischen Königs Leopold II. Anfang des 20. Jahrhunderts.
    «Schwarze Schande»

    Auch die unmittelbare Erfahrung der Begegnung mit den Afrikanern hat an diesem Bild nichts Wesentliches geändert. Die europäische (und weltweite) Diskussion um die Verwendung von afrikanischen Kolonialtruppen in Europa während und nach dem Ersten Weltkrieg wird von einer Zürcher Dissertation mit dem (Zitat-) Titel: «Von Wilden aller Rassen niedergemetzelt» (Christian Koller, Stuttgart, Verlag Franz Steiner, 2001) zusammengefasst. Als die Franzosen bei der Besetzung der Rheinlande nach dem Weltkrieg auch afrikanische Soldaten in grösserer Zahl einsetzten, löste dies auf deutscher Seite über viele Jahre sich hinziehende hasserfüllte Kampagnen aus, die unter den Schlagworten «schwarze Schande» und «schwarze Schmach am Rhein» sich bis in Hitlers «Mein Kampf» und Léopold Senghors Gedichtsammlung «Hosties Noires» (wo sich «die schwarze Schande» als deutsches Zitat im französischen Text findet) nachweisen lassen. Vielfach aufgelegte Broschüren, wie jene der «Rheinischen Frauenliga» über «Farbige Franzosen am Rhein - Ein Notschrei deutscher Frauen», suchten den Eindruck zu erwecken (der von internationalen Kommissionen widerlegt worden war), die afrikanischen Soldaten hätten sich eine grosse Zahl von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen zuschulden kommen lassen.

    Die Autobiographie eines Tirailleur sénégalais, des Weltkriegsveteranen Bakary Diallo («Force Bonté», 1926), beschreibt die Szene, wie ein von afrikanischen Soldaten gefangen genommener deutscher Soldat vor Angst am ganzen Leib zu zittern beginnt, was der Autor so kommentiert: «Du Ärmster, die Schwarzen, die du für Wilde hieltst, haben dich gefangen genommen, aber statt dich umzubringen, bist du nur ihr Kriegsgefangener. Möge deine Angst dich nicht hindern, morgen, nach dem Krieg, wenn du wieder in deinem Land bist, im Gefühl der Gerechtigkeit ihren Namen unter den menschlichen Rassen zu rehabilitieren, die alle ihre Wildheit haben . . .»

    Der Wunsch des Bakary Diallo sollte sich nicht so bald erfüllen. Doch das Thema der afrikanischen Wildheit und Barbarei wird zu einem zentralen Punkt des writing back, der afrikanischen Gegenrede gegen das weisse Bild vom schwarzen Mann.

    Der Négritude-Bewegung von den dreissiger bis zu den fünfziger Jahren hat man den Vorwurf gemacht, sie habe in ihrem Gegenentwurf zum europäischen Afrikabild ein allzu friedliches, idyllisches Bild des alten, «wahren» Afrika gezeichnet. Der Vorwurf hält einer genaueren Überprüfung nicht stand. Im Gegenteil, die «Barbarei der Zivilisierten» (L. Senghor) ist in den afrikanischen Texten genauso Thema wie der Blick zurück in die eigene Geschichte mit ihren Kriegen und Grausamkeiten. Ein besonders eindringliches Beispiel ist der 1938 erstmals erschienene historische Roman «Doguicimi» von Paul Hazoumé aus dem damals noch so genannten Dahomey (heute: Benin) - eine Region, die von der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts bis zu Raymond Roussels «Impressions d'Afrique» (1910) und Bruce Chatwins (von Werner Herzog verfilmtem) «Vizekönig von Ouidah» (dt. 1982) geradezu der Inbegriff des blutrünstigen «dunklen» Afrika mit amazonenhaften weiblichen Kriegern und tausendfachen Menschenopfern war. Auf den über 500 Seiten des Romans «Doguicimi» entsteht ein literarisch getreues Bild der Gesellschaft des Landes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Ankunft einer französischen Delegation in dieser geschlossenen, nach aussen abgeschotteten Gesellschaft führt zu einer in vielen Reden ausgetragenen Auseinandersetzung um Zivilisation und Barbarei, um die Mitverantwortung der Weissen am Sklavenhandel und an den Stammeskriegen und um das Recht der «Primitiven», nach ihren eigenen Sitten zu leben. Obgleich der Autor bemüht ist, beiden Seiten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ist dennoch seine Sympathie - über die weibliche Hauptgestalt «Doguicimi» - für den «zivilisatorischen Fortschritt» erkennbar: ganz im Sinne von Norbert Elias verstanden als Zurückdrängen der Gewalt und Sänftigung der Sitten.

    Es gibt also durchaus auf afrikanischer Seite, in literarischen Texten vor allem, ein Nachdenken über die endogenen Ursachen von Gewalt und Grausamkeit auf dem Kontinent. Sie wird von der heutigen afrikanischen Literatur, seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Genozid in Rwanda, mit neuer Eindringlichkeit gestellt. In zwei Romanen togolesischer Autoren, die seit über 10 Jahren im europäischen Exil leben, wird die Problematik in Form eines Berichts über eine Reise zurück ins «Land der Geburt» behandelt. In dem preisgekrönten «La Fabrique de Cérémonies» des in Frankreich lebenden Kossi Efoui erscheint die Gewalt quasi mechanisch, von jeder Ursache abgelöst, der afrikanische Kontinent als Abenteuerspielplatz für Amerikaner und Europäer, die auf starke Sensationen aus sind. In dem Roman «Lisahohé» des in Deutschland lebenden Théo Ananissoh wird die Erforschung der Vergangenheit vor allem mit Blick auf die Ereignisse nach der Implosion der Sowjetunion und den gescheiterten Demokratisierungsversuchen nach 1990 betrieben.

    Bei beiden Autoren erfolgt der Rückbezug zur Kolonialgeschichte bis hin zur Berliner Kongo- Konferenz von 1984/85. In der Gegenwart, von der die Romane erzählen, ist die Realität der westafrikanischen Staaten nur noch eine virtuelle, der Weltuntergang hat bereits stattgefunden, der Schrecken ist Alltag. Die afrikanischen «Warlords» (ein General Tapioka bei Efoui) können ihre dunklen Geschäfte ungehindert betreiben, der moralische Widerstand der Bevölkerung kommt zum Erliegen; jeder arrangiert sich, so gut er kann, in dem täglichen Inferno.
    Unglück in tausend Formen

    Noch bedrückender sind die literarischen Darstellungen der in Afrika selbst, für ein afrikanisches Publikum geschriebenen Werke. Etwa in dem Roman des in seiner Heimat Gabun sehr populären Jean Divassa Nyama: «Le Bruit de l'Héritage», in dem das Alltagsleben einer Dorfbevölkerung beschrieben wird, die wegen des Baus eines Flughafens zwangsumgesiedelt wird. Das Unglück kommt in tausend Formen und stets wie aus heiterem Himmel, unerklärlich, angstbesetzt. Die grosse Stadt erscheint als Sodom und Gomorra, und das Elend hat ebenso viele Ursachen: ethnische Rivalitäten, Neid und Missgunst, Hexerei, Korruption, Verlust der Bindung an den Familienclan und die «Rache» der Ahnen.

    Auch die beiden französischen Entwicklungshelfer im Dorf - der Mann Arzt, die Frau Lehrerin - entgehen nicht dem allgemeinen Strafgericht. Sie haben sich etwas angemasst, was sie nicht durften: zu leben wie die Schwarzen, sein zu wollen wie die Schwarzen. Dabei - das ist die wichtige Lektion des Buches - hat jedes Volk seine Geräusche («bruits»), seine Art, sich über Leben und Tod zu verständigen und dadurch seine Identität auszusprechen. Das könnte auch als eine «Lektion» für die Zuschreibung von «Barbarei» und den Rückfall in dieselbe gelten.
     
  17. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Jo. Am besten isses immer, man kann seine moralischen Ansprüche immer gerade so hinbiegen wie es der jeweiligen Situation gerecht wird.
     
  18. neuer-imac-fan

    neuer-imac-fan New Member

    jemand aus diesem Forum, der oft und sehr viel schreibt, hat mal empfohlen einfach dein geschwätz rund um USA und Politik sowie deine Parolen zu ignorieren, genau das werde ich jetzt tun. Viel Spaß bei der nächsten Anti-USA Demo wo du mit der Trillerpfeife wieder durch deine Stadt laufen kannst und schrein MAKE LOVE NO WAR, vielleicht, aber eben nur vielleicht hört dich Bush ja und mach was du ihm sagst....du bist ein grundauf guter Mensch Harlequin. Wir sind alle stolz dich zu kennen....;(
     
  19. Macmacfriend

    Macmacfriend Active Member

    Summa summarum: Die Welt und wir sind schlecht und Harle gut! Kapier das doch endlich mal, alter Schlagschrauber! :rolleyes:
     
  20. Harlequin

    Harlequin Gast

    Soll das auf deutsch heissen, Du unterstuetzt antidemokratische Politik, bist Du ein Faschist (Frage) ?
    Uebrigens, ich war noch nie auf antiamerikanischen Demonstrationen, aber oft auf welchen gegen Mafia, Faschismus und Verbrechen, zusammen auch mit US Amerikanern, die fuer die Werte von Freiheit und Demokratie, gegen ihr Regime demonstrierten.

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