Philosophie Lounge I

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Harlequin, 19. Mai 2003.

  1. Harlequin

    Harlequin Gast

    Der Weg der Mitte besteht nicht darin, sich zwischen zwei huebsche Frauen zu setzen und erst die eine und dann die andere zu kuessen.
    Nein, das ist er nicht.
    Im Zen (-Buddhismus) [= oestliche Philosophie] besteht der Weg der Mitte darin, dem Objekt kein Subjekt entgegen zu stellen.
    In der europaeischen Kultur gibt es immer einen Dualismus.
    So stellt man zum Beispiel dem Materialismus den Spiritualismus gegenueber. Die Europaeer lieben die "-Ismen" sehr, Buddhismus, Katholizismus, usw.
    Diese "-Ismen" sind etwas Relatives, waehrend Materie und Geist tatsaechlich eine Einheit bilden und nicht im Gegensatz zueinander stehen.(*1)

    Dieser Dualismus ist der Grund, weshalb Materialismus und Kommunismus sich gegen das Christentum gewandt haben.
    Der Kommunismus ist aber unvollstaendig, solange er die Dinge nur unter ihrem materiellen Aspekt betrachtet. Und das Christentum ist gleichfalls unvollstaendig, denn es betrachtet die Dinge nur unter ihrem geistigen Aspekt.
    Es gibt Christen, die nicht so denken, aber fuer die der kirchlichen Tradition verbundenen Christen ist das Christentum nur Spiritualitaet.

    Geist und Koerper sind ein und dasselbe, wie die zwei Seiten eines Blattes Papier.
    Im taeglichen Leben kann man das eine nicht vom anderen trennen. Einer bevorzugt den geistigen Aspekt, der andere liebt das Materielle. Wenn man dies verstehen will, muss man den Weg der Mitte finden:
    Das Geistige ist materiell, und das Materielle wird geistig.
    Der Geist existiert in jeder unserer Zellen, der Geist ist selbst der Koerper, und der Koerper selbst ist der Geist.

    Roshi Taisen Deshimaru



    Anmerkung von Harlequin

    *1 - Zum Vergleich:
    Friedrich Engels:
    "Das hoechste Produkt der Materie ist der Geist."


    .
     
  2. eman

    eman New Member

    Es gibt keine Materie - sie ist eine Illusion. Also kann man auch nicht den Weg der Mitte gehen. Zwischen was sollte er verlaufen?
     
  3. eman

    eman New Member

    >Und die Mitte, die ist dazwischen, und sie verläuft

    Das hört sich eher nach einem überbackenen Camentbert Sandwich an ;-))
     
  4. Harlequin

    Harlequin Gast

    Nein - natuerlich wurde hier axiomatisch argumentiert.

    Und: gaebe es keine Materie und keinen aus dieser hervorgehenden Geist, wie haettest Du dann Deine Anmerkung a) denken und b) hier niederschreiben und wie haette ich c) dies auf meinem Monitor sehen koennen.

    Der Finger, welcher auf den Mond zeigt, ist nicht der Mond selbst.

    .
     
  5. eman

    eman New Member

    >wie haettest Du dann Deine Anmerkung a) denken und b) hier niederschreiben und wie haette ich c) dies auf meinem Monitor sehen koennen.

    Wie kannst Du im Traum eine Straße entlanglaufen? Sind deine Träume geteert. Gibt es dort Asphalt? ;-)
    Zu all dem was wir tun, reicht Geist vollkommen aus. Materie kann ich mir nicht vorstellen. Und niemand konnte mir bis jetzt Materie zeigen oder schlüssig erklären, was das sei.
     
  6. eman

    eman New Member

    igitt!!! ;-)
     
  7. (gähn)

    Nieder mit "Licht ins Dunkel"!

    ... Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar ...
    Mt 2,1_12 (Evangelium am Hochfest der Erscheinung des Herrn [6. Jan.])
    Österreich ist Spendenweltmeister, lautet die schreckliche Fama, aber es ist gänzlich unmöglich, auf der Straße mit wem ins Gespräch zu kommen, der die Juden nicht hasst. Dass heute noch immer, hier in Wien und überall auf der Welt, jeden Tag Personen ihr Leben verbringen, versehrt von Holocaust und Naziterror, ist niemals Gegenstand des Bewusstseins auf unseren Straßen. Ich rede vom Dezember 2002 und nicht von irgendwelcher Vergangenheit. Heute findet diese ihre Hölle statt. Am Parteitag rühmt man sich, die Lichtermeere überwunden zu haben. Aber es ist unmöglich, auf der Straße eine Evidenz dafür zu finden. Alles unbehelligt, alles robust, suffisant die Krone im Kopf. Es strotzt alles vor Spendenweltmeistertum. Um 17 Uhr musste die betagte Dame, kein Klunker, kein Pelz, eine zerrissene Weste, das Griensteidl verlassen am Freitag, bessere Gäste würden nun kommen, der Tisch würde gebraucht. Unter den Nazis wurden die Mitglieder ihrer Familie, die sich nicht retten konnten, im KZ
    ermordet. Und nun, über achtzig, muss sie um 17 Uhr aus dem Kaffeehaus hinaus. Schroff, kein Lächeln, kein Herz. Die Spendenweltmeister beim Einkaufen am Freitagabend in der Innenstadt. Ein Inferno. Der Graben, der Bauernmarkt, kein Tannenreisig mehr, kalte Lichtgirlanden, schnell dekoriert. Darunter die Spendenweltmeisterinnen und -meister, seelenloses Gerenne, keine Alten, keine Armen, keine Kinder, keine Muße. Am Graben dröhnt hysterische Weihnachtsmusik. Apokalyptische Szenen. Nieder mit \"Licht ins Dunkel\"! Wer hat da Licht, wer hat da das Dunkel?
    In \"Willkommen Österreich\", der Schrecken der Nachmittage, der die Verzweifeltsten aus ihren Wohnungen treibt, rät den Spendenweltmeistern, um sich nicht anzustecken, der wild gewordene Fernsehdoktor davon ab, Leuten, die sich die Hände nicht waschen, die Hände zu geben. Und auch die Behinderten müssen überall gewaschen sein, wenn Peter Rapp kommt, vom Fernsehen, und sie herzeigt, wie sie gedeihen unter den Gaben von \"Licht ins Dunkel\". Es wird das Direktionspersonal interviewt. Es sind strenge, vernunftstrotzende Leute, wo ich Angst kriegen würde, und auf die andere Straßenseite wechseln, kämen sie auf mich zu. Die Behinderten müssen batiken und laubsägen, fleißig arbeiten, Tachinierern und Taugenichtsen würden die Spendenweltmeister nicht spenden. \"Allherschender Gott\", beginnt das Tagesgebet jedes sechsten Jänners, \"durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind, hast du am heutigen Tag den Heidenvölkern deinen Sohn offenbart ...\", das meine Kirche weltweit bei allen
    Messfeiern am Hl. Dreikönig spricht. Es wird ihnen von \"Licht ins Dunkel\" zugeteilt, was in einer wohlstandsstarrenden Gesellschaft ein Mindestanspruch behinderter Menschen an den Staat sein müsste. Und in der Tat kooperieren die Amtsstellen dieser Wohlfahrtsorganisation voll mit den Sozialämtern der Landesregierungen. Wer dort nichts kriegt, kriegt auch da nichts. Und wenn wer was kriegt, wird genau ermessen, von welcher der beiden Seiten wie viel. Sodass der ganze \"Licht ins Dunkel\"-Wirbel ein großer Schein ist, der diszipliniert. Die Behinderten stehen unter geordneter Aufsicht, sie arbeiten, gut gewaschen, den ganzen Tag und kriegen in geheizten Räumen dafür ihr tägliches Brot.
    Die Lichtermeere sind überwunden, für Leute, die zu uns hereinwollen, von woanders her, weils ihnen dort nicht so gut geht, wird das Reglement immer rigider. Also, ich wäre in der Lage, einen Spendenaufrufstag im ORF zu gestalten, wo keine tausend Euro hereinkämen, das Spendenweltmeistertum schwer erschüttert wäre. Für Ausländerinnen im Inlanden, die faul herumlungern, dem Herrgott den Tag stehlen, aber auch strikt inländischen Taugenichtsys, Tunichtsgutys, Tagediebys. Erschütternde Spendenaufrufe mit Heerscharen Promys an den Telefonen, und den ganzen Tag bimmelte es ganz schütter. Alkoholiker, Fresssüchtige, die sich nicht waschen, Untüchtige trieben sich grindig den ganzen Tag am Küniglberg herum, dass es stänke. Und kein Anruf, kein Euro, das wäre ein Tag, den der Herr gemacht hätte! Denn wer spendenwürdig sein will, muss mit dem wenigen, das fließt, auszukommen in der Lage sein. Wer aber so konzentriert zu sein in der Lage ist, könnte ja gleich sich ins System begeben und es
    zuschanden reiten, müsste also nicht am Rand verkümmern. Also müsste eigentlich den Ausgeschiedenen, Ausgesgteuerten das Doppelte zustehen, weil sie mit dem Durchschnittlichen es eben nicht schaffen.
    Und abends dann riefe ich in die Kirche Maria am Gestade, in die innere Stadt. Sie ist so groß und unübersichtlich, so viele Seitenaltäre und Nischen, Mauervorsprünge, Grüfte, Emporen und ganz schlecht beleuchtet. Für unsere armen schirchen Duhsubys, die sexlos Jahr um Jahr ihr Leben fristen, riefe ich die schönen Obszönen auf, die Heilige Nacht sich hinzugeben. Linkes Kirchenschiff Hetero, rechtes Kirchenschiff Homo. Auf der Empore Sadomaso, in den verschiedenen Seitenschiffen, die verschiedenen Perversionen sortiert. Versaute Jeans. Vielleicht doch ohne Kannibalismus. In den Seitenkapellen sortiert die verschiedenen Koiti, aber auch Streicheln, Kuscheln, Onanie. Mit Schleimhaut und ohne, alles beschriftet. Polstermöbelfabriken könnten sich hervortun. Ikea mit ihrem Perversenprogramm. Lutz stiftet die Slings. Am Eingang bauten Villeroy und Boch eintausend Badewannen auf. Schon wieder die Grenze erreicht. So schnell haben wir unsere Grenzen jeweils erreicht. Was bei \"Licht ins
    Dunkel\" gegeben wird zu besorgen, wäre Pflicht jeder sorgfältigen Regierung. \"Licht ins Dunkel\" ist nur ein Disziplinierungsexempel. Wie jene Mittel, die der Lifeball hereinbringt, selbstverständlichstes Recht aller HIV-Positiven sein müsste, von der Regierung zu kriegen, in Wohlstand und Pflege zu leben. Wir Schwulen und Lesben haben über Aids den Eingang in die lackierte Welt gefunden. Das ist unser Recht sowieso. Aber wir wurden unserer Wildheit beraubt. Sie haben beide bewegt, aber ihr gewaltiges Herrschen macht den Outcast, der nicht einmal sich beherrscht, nervös wie einen Seismographen der Totalität. Die Caritas als Armenpolizei hilft den Westbahnhof von \"Gesindel\" räumen. Dort ist jetzt alles ohne Leben. Der Lifeball wie \"Licht ins Dunkel\" sind etwas sehr Politisches. Sie sind gesellschaftliche Ordnungsverfahren. Damit nichts außerhalb der Prinzipien der High Society stattfinden kann. Kein Anspruch auf Wohlstand soll herrschen, sondern die milde Gabe. Damit dies nicht
    vergessen wird, hier dieser Dienst des \"Predigtdiensts\". Ich rotte nicht aus, ich rufe nicht auf, ich notiere nur, der Vollständigkeit halber.
     
  8. wasstehtndadrin?
     
  9. "Und wozu überhaupt?"

    Swami Yogananda ibn Ben Hassi, 799 v. Hegel, Kant, Schleiermacher, Nietzsche, Marx, Max und Moritz
     
  10. Harlequin

    Harlequin Gast

    Wieso das ?
    Ist es nicht evident, dass Strassen stets vorgeben zu einem Ziel zu fuehren ?

    .
     
  11. Nee, is nich von mir, sondern von Hermes Phettberg - jenem ehemaligen Wiener Superstar und Talkmaster einer österreichischen Late-Night-Show Mitte der 90er Jahre.
     
  12. Harlequin

    Harlequin Gast

    Hermes Phettberg - Kenn´ ick natuerlich . . .
    Ist der nicht nach eigener Aussage mittlerweile zum Sozialhilfeempfaenger geworden, weil man ihm im TV keine Arbeit mehr gibt ?

    .
     
  13. Sozialhilfe nein. 300.000 EUR Therapieschulden. (Vor 2 Jahren hatte ich noch öfter telefonischen Kontakt zu ihm. Er wollte sich hier mal wieder öffentlich auspeitschen lassen und wir sollten das für ihn im Rahmen einer Ausstellung organisieren. Zuletzt wurde es aber zu kompliziert).
    Das Fernsehen hasst er mittlerweile. Es ist aber nicht so gewesen, dass sie ihn gnadenlos abserviert haben. Seine Forderungen waren einfach zu anmassend. 50.000 DM (damals) pro Abend oder so.
    Trotzdem: ich mag ihn. Ein grossartiger Künstler.
     
  14. Harlequin

    Harlequin Gast

    Kuenstler ja, und dies in klassischer Schule wiener Skurilitaet.
    Aber wenn er seine sexuellen Vorlieben detailliert zum Besten gibt, wird mir regelmaessig uebel . .
    ;)

    .
     

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