Philosophie Lounge III: Kritik zu Habermas

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Harlequin, 1. Juni 2003.

  1. Harlequin

    Harlequin Gast

    Kritik zu:
    Habermas und Derrida
    Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas
    FAZ online 31.05.2003


    Leider steht mir momentan keine PrintAusgabe der FAZ zur verfuegung, lediglich die gekuerzte online Ausgabe des Habermas / Derrida Essays aus FAZ online.


    Kurz zusammengefasst wird, so wie ich es verstehe, folgende These erlaeutert:
    Dem Entwurf des neoliberalen globalen Imperiums wird die erweiterte Konzeption des Nationalstaates entgegengesetzt.


    Dazu meine Anmerkungen:
    (Auszug aus ca. 20 Seiten Text)

    Habermas / Derrida weisen ihren Text als Essay aus, was, im Gegensatz zu einem streng wissenschaftlichen, davon befreit tiefer in Begriffsdefinitionen einsteigen zu muessen.
    Insbesondere werden die zentralen Subjekt-Begriffe, wie USA und Europa, nicht praezise hinterfragt.
    Beispiel:
    "Europa muß sein Gewicht auf internationaler Ebene und im Rahmen der UN in die Waagschale werfen, um den hegemonialen Unilateralismus der Vereinigten Staaten auszubalancieren."

    Zur Definition der handelnden Subjekte im Kontext ihrer Klasse, siehe auch meinen Beitrag:
    http://forum.macwelt.de/forum/showthread.php?s=&threadid=69293


    Habermas / Derrida registrieren also "den hegemonialen Unilateralismus der Vereinigten Staaten", oder besser ausgedrueckt, das imperiale Streben der USA.
    Die von mir bereits Anfang der 90er Jahre in die Diskussion gebrachte These vom Zeitalter des Uebergangs des nationalstaatlichen Imperialismus des 20. Jahrhunderts zur Konstitution des globalen Imperiums und seines imperialen Aggierens griffen bereits Hardt / Negri in "Empire - Die neue Weltordung" auf und entwickelten dazu eigene Interpretationen.
    Das Habermas / Derrida Essay folgt beiden Thesen nur bedingt und in weiten Kernaussagen gar nicht.
    Interessant bleibt aber, dass das Thema "Empire / Imperium" nun auch in der buergerlichen Philosophie und Publizistik angekommen ist.
    Fuer mich als solches schon das Positivste an der aktuellen Diskussion.


    Besonders faellt mir am Habermas / Derrida Essay auf, dass so zentral von einer Dualitaet USA / Europa ausgegangen wird.

    So heisst es dort zur Wiedergeburt Europas:
    "... aber ebensowenig den 15. Februar 2003, als die demonstrierenden Massen in London und Rom, Madrid und Barcelona, Berlin und Paris auf diesen Handstreich reagierten."

    Die "demonstrierenden Massen" waren keineswegs auf Europa beschraenkt und selbst im Stammland des Imperiums, den USA, gab es solche Massendemonstrationen.
    Die Qualitaet dieser Bewegung der Weltoeffentlichenkeit ist also keine endemische, keineswegs Europa spezifisch.
    Diese als Definition eines handelnten europaeischen Subjektes auszumachen, ist sachlich falsch und muss zu falschen Schlussfolgerungen fuehren.

    Diese weltweit vorbereiteten und koordinierten Aktionen geben einen Hinweis auf den tatsaechlichen Dualismus, welcher die Welt heute strukturiert.
    Im Ansatz ist Habermas / Derridas Folgerung richtig, wenn es dort heisst:
    "Die Gleichzeitigkeit dieser überwältigenden Demonstrationen - der größten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges - könnte rückblickend als Signal für die Geburt einer europäischen Öffentlichkeit in die Geschichtsbücher eingehen."
    Nur, dass es sich nicht um die Geburt "einer europäischen Öffentlichkeit handelt, sondern um die weit darueber hinausgehende neue Qualitaet des koordinierten Handelns einer breiten Weltoeffentlichkeit.
    Dies ist deshalb etwas ganz anderes, weil dieses Handeln nicht durch nationalstaatliche und/oder kulturelle Zusammenhaenge determiniert wird.

    Somit sind wir jetzt wieder bei der Kernfrage, der Subjekte, wer ist USA, wer ist Europa, wer ist die Welt, wer hat in der Welt welche Interessen, wem gehoert was in der Welt etc. angelangt waeren.


    Habermas / Derrida koennen ihre buergerliche Schule nicht verleugnen.
    Evident, gleichwohl nur am Rande angedeutet, dass sich die europaeischen Nationalstaaten des 19./20. Jahrhunderts ueberholt haben.
    An deren Stelle treten nun bei Habermas / Derridas der neue, erweiterte Nationalstaat "Europa".
    Konstituieren soll sich dieser durch eine neue Verfassung.
    "Die künftige Verfassung wird uns einen europäischen Außenminister bescheren."

    Weder wird die demokratische Legitimitaet einer "Verfassung" ohne Verfassungsdiskussion hinterfragt, noch auf welcher Basis dieses neue politische Konstrukt "Europa" fusst.
    Gibt es eine oekonomische Basis, eine kulturelle, worin unterscheiden sich die Konzepte "Globalisierung" und "Europaeisierung"?

    Wie oft bei buergerlichen Intellektuellen wird die grundlegendste Frage, die Klassenfrage, nicht oder nur unzureichend gestellt.
    "In Europa sind die lange nachwirkenden Klassenunterschiede von den Betroffenen als ein Schicksal erfahren worden, das nur durch kollektives Handeln abgewendet werden konnte."
    So weit, so gut.
    Aber wo verlaufen die Grenzlinien der Klassen heute?
    Zwischen Europa und den USA? - wohl kaum.
    Das international organisierte Kapital, welches die weltweiten Werte zunehmend global kontrolliert, setzt sich personell aus US Amerikanern genauso wie aus Europaeern und anderen zusammen.
    Diese Menschen bilden als Gemeinschaft ein handelndes Subjekt, jenseits aller nationalen Grenzen.
    Auf der anderen Seite hat ein Arbeitsloser in Detroit mehr gemeinsam mit einem Sozialhilfeempfaenger aus Neukoelln, als mit den Grossaktionaeren der US Oel- und Ruestungs- Mafia.

    Die Klasse derer, die die kapitalistische Globalisierung und Ausweitung und Festigung des Imperiums betreiben, setzt sich zusammen aus Kapitalisten aus Nationalstaaten weltweit stammend.
    Ihre imperialen Interessen, Rohstoffe, Maerkte, Arbeiterheere mit dem Mittel der sozialen Deklassierung gegeneinander ausspielen zu koennen, sowie die repressive geheimdienstliche und militaerische Kontrolle, eint diese Personen als handelndes Subjekt.
    Die Verstrickung kapitalistischer Interessen ist zunehmend international, das Kapital deswegen international organisiert.
    Die Gegensaetze nationalen Kapitals, wie z.B. Automobilindustrie USA vs. Europa verlieren weiter an Bedeutung, diese werden zunehmend durch Fusionen und Uebernahmen gegenstandslos.

    Wenn Habermas / Derrida also jetzt eine neue europaeische Zivilgesellschaft ausmachen "Die Wiedergeburt Europas", so ist dies bestenfalls naiver Unsinn.
    Den humanistischen Wertekanon der Aufklaerung und die sozialistischen Philosophien des 19. Jahrhunderts wird man kaum unter Auslassung der Klassenfrage mit neuem Leben erfuellen koennen.
    Die Interessen der Besitzenden in Europa sind zunehmend deckungsgleich mit denen ihrer Klassenbrueder in USA und anderen Teilen des Imperiums.

    Wenn es also ein handelndes Subjekt gegen imperiale Politik und deren zerstoerische Auswirkungen geben kann, dann nur anhand der Verlaufslinie der Klassen, somit global und nicht als territoriale Grenze abstrakter politischer Konstruktionen.
    Habermas / Derrida ersetzen lediglich das Konzept des klassischen Nationalstaates durch einen neuen, erweiterten namens "Europa".

    Das buergerliche Moment besteht darin, dass der Gegensatz der Klassen durch das unterstellte gemeinsame Interesse der "Volksgemeinschaft" negiert wird.
    Dabei haben sich lediglich die Besitzverhaeltnisse und Maerkte des Kapitals internationalisiert, am Klassengegensatz als solchem hat sich aber nichts geaendert.
    Insofern behaupte ich, dass Habermas / Derridas Ausfuehrungen im Kern geradezu klassisch reaktionaer sind, wenn auch diese "modern" aufgesetzt auf aktuelle philosophische Diskussionen daherkommen.
    In einer Zeit, in welcher die Pioniere des Imperiums bereits auch schon im chinesischen Stalinismus angekommen sind, haben die nationalen kapitalistischen Interessen Europas groesstenteils an Bedeutung verloren.
    Der Habermaschen / Derridaschen Utopie eines Europa und "seiner" originaeren Interessen im Widerstreit zu den USA, fehlt es im Zeitalter der "Globalisierung" schlichtweg an der oekonomischen Basis.
    Nicht zuletzt heisst es heute Daimler-Chrysler...


    >>>
     
  2. Harlequin

    Harlequin Gast

    Weiter lesen wir:
    "Das heutige Europa ist durch die Erfahrungen der totalitären Regime des zwanzigsten Jahrhunderts und durch den Holocaust - die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden, in die das NS-Regime auch die Gesellschaften der eroberten Länder verstrickt hat - gezeichnet."

    Soviel Bewusstsein waere begruessenswert, tatsaechlich aber eine weitere krasse Fehleinschaetzung.
    "Gezeichnet" war davon das Nachkriegseuropa des 20. Jahrhunderts. Das ist lange vorbei und fuer die heutige Jugend so surreal wie das roemische Reich.
    Aber die Annahme dieser "Zeichnung" durch Habermas / Derrida illustriert m.E., in welchen Bildern hier gedacht wird.
    Und auch hier wieder das Nichterfassen aktueller Realitaeten.
    Auch die europaeischen "Kernstaaten", die Zugleich ebenso Kernstaaten des Imperiums sind, in der Nato militaerisch organisiert, beziehen ihren Wohlstand an Produktion und Konsumtion durch die Ausbeutung von Rohstoffen aus fremden Laendern, ohne welche hierzulande nichts mehr ginge.
    Auch in diesen Laendern sterben taeglich zigtausende Menschen an Hunger.
    Das Imperium aber stuetzt dortige StatthalterRegime zur Sicherung der kapitalistischen Verhaeltnisse und damit der Rohstoffe.
    Es gibt hierbei keinen Unterschied zwischen "USA" und "Europa", denn das Interesse ist dem Wesen nach das selbe.
    Worin also unterscheiden sich eigentlich die Habermaschen (nationalen) "totalitären Regime" von dem heutigen Totalitarismus kapitalistischer Diktatur?
    Kann es eine Teilung von "Demokratie" zuhause einerseits, und was "wir" woaenders veranstalten ist halt Ausland andererseits geben?
    Sind die Toten in den mit Nato Unterstuetzung massakrierten kurdischen Doerfern weniger tot, als die in Ausschwitz?


    Den Dissens zwischen europaeischen Regierungen und dem US Regime in der Frage des Irak Krieges, halte ich fuer nicht ausreichend meine Thesen, die im Gegensatz zu Habermas / Derrida stehen, zu widerlegen.
    Diese fraktionellen divergierenden Haltungen der Regierungen haben bis heute nicht zu den Konsequenzen gefuehrt, zu welchen sie nach dem Voelkerrecht haetten fuehren muessen.
    Weder haben Frankreich, BRD und andere die USA aufgrund deren voelkerrechtswidrigen Handelns vor dem UN Sicherheitsrat klar verurteilt, noch Sanktionen gegen die USA verhaengt oder das Nato Buendnis in Frage gestellt.
    Es gibt schlichtweg keinerlei Konsequenzen.
    Man hat das US Regime seinen "Job" erledigen lassen und lediglich der Friedensbewegung aus nationaler Sicht etwas Angriffsflaeche genommen.
    Meine Thesen sehe ich durch die aktuelle Entwicklung eher noch bestaerkt.
    Habermas / Derridas "Vorstellungen zu einer künftigen europäischen Außenpolitik" gehen an der realen Interessenslage der Herrschenden vorbei und bleiben deshalb, zumindest in dieser Form, naiv.


    Es ist Teil der Krise der Philosophie, dass die Periode des Uebergangs des Imperialismus des 20. Jahrhunderts zur Konstitution des globalen Imperiums in grossen Teilen intellektuell noch nicht nachvollzogen ist.
    Allein der Begriff der "Globalisierung" wird stellenweise hoechst unterschiedlich interpretiert, was nicht Wunder nimmt, da es sich dabei um einen rein kuenstlichen Propagandabegriff handelt.
    Assoziationsmuster wie (National-) Staat, Volk, Kultur etc. sind tief im Denken verwurzelt.
    Wer nicht gelernt hat, dass auch diese Begriffe ihre berechtigten materialistischen Ursprunge haben, wird es schwer haben die neuen Verhaeltnisse in der Welt, wie sich diese jetzt und fuer das vor uns liegende Jahrhundert abzeichnen, zu erfassen.
    Diese Urspruenge gilt es zu analysieren, will man deren Veraenderung und Aufloesung und damit den aktuellen Transformationsprozess erkennen.



    Info Links:

    Jürgen Habermas (geb. 1929)
    http://philosophenlexikon.de/habermas.htm

    Jacques Derrida (geb. 1930)
    http://www.philosophenlexikon.de/derrida.htm

    Karl Marx - Thesen ueber Feuerbach
    http://marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1845/thesen/thesfeue-or.htm

    .

     
  3. Harlequin

    Harlequin Gast

    Kritik zu:
    Habermas und Derrida
    Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas
    FAZ online 31.05.2003


    Leider steht mir momentan keine PrintAusgabe der FAZ zur verfuegung, lediglich die gekuerzte online Ausgabe des Habermas / Derrida Essays aus FAZ online.


    Kurz zusammengefasst wird, so wie ich es verstehe, folgende These erlaeutert:
    Dem Entwurf des neoliberalen globalen Imperiums wird die erweiterte Konzeption des Nationalstaates entgegengesetzt.


    Dazu meine Anmerkungen:
    (Auszug aus ca. 20 Seiten Text)

    Habermas / Derrida weisen ihren Text als Essay aus, was, im Gegensatz zu einem streng wissenschaftlichen, davon befreit tiefer in Begriffsdefinitionen einsteigen zu muessen.
    Insbesondere werden die zentralen Subjekt-Begriffe, wie USA und Europa, nicht praezise hinterfragt.
    Beispiel:
    "Europa muß sein Gewicht auf internationaler Ebene und im Rahmen der UN in die Waagschale werfen, um den hegemonialen Unilateralismus der Vereinigten Staaten auszubalancieren."

    Zur Definition der handelnden Subjekte im Kontext ihrer Klasse, siehe auch meinen Beitrag:
    http://forum.macwelt.de/forum/showthread.php?s=&threadid=69293


    Habermas / Derrida registrieren also "den hegemonialen Unilateralismus der Vereinigten Staaten", oder besser ausgedrueckt, das imperiale Streben der USA.
    Die von mir bereits Anfang der 90er Jahre in die Diskussion gebrachte These vom Zeitalter des Uebergangs des nationalstaatlichen Imperialismus des 20. Jahrhunderts zur Konstitution des globalen Imperiums und seines imperialen Aggierens griffen bereits Hardt / Negri in "Empire - Die neue Weltordung" auf und entwickelten dazu eigene Interpretationen.
    Das Habermas / Derrida Essay folgt beiden Thesen nur bedingt und in weiten Kernaussagen gar nicht.
    Interessant bleibt aber, dass das Thema "Empire / Imperium" nun auch in der buergerlichen Philosophie und Publizistik angekommen ist.
    Fuer mich als solches schon das Positivste an der aktuellen Diskussion.


    Besonders faellt mir am Habermas / Derrida Essay auf, dass so zentral von einer Dualitaet USA / Europa ausgegangen wird.

    So heisst es dort zur Wiedergeburt Europas:
    "... aber ebensowenig den 15. Februar 2003, als die demonstrierenden Massen in London und Rom, Madrid und Barcelona, Berlin und Paris auf diesen Handstreich reagierten."

    Die "demonstrierenden Massen" waren keineswegs auf Europa beschraenkt und selbst im Stammland des Imperiums, den USA, gab es solche Massendemonstrationen.
    Die Qualitaet dieser Bewegung der Weltoeffentlichenkeit ist also keine endemische, keineswegs Europa spezifisch.
    Diese als Definition eines handelnten europaeischen Subjektes auszumachen, ist sachlich falsch und muss zu falschen Schlussfolgerungen fuehren.

    Diese weltweit vorbereiteten und koordinierten Aktionen geben einen Hinweis auf den tatsaechlichen Dualismus, welcher die Welt heute strukturiert.
    Im Ansatz ist Habermas / Derridas Folgerung richtig, wenn es dort heisst:
    "Die Gleichzeitigkeit dieser überwältigenden Demonstrationen - der größten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges - könnte rückblickend als Signal für die Geburt einer europäischen Öffentlichkeit in die Geschichtsbücher eingehen."
    Nur, dass es sich nicht um die Geburt "einer europäischen Öffentlichkeit handelt, sondern um die weit darueber hinausgehende neue Qualitaet des koordinierten Handelns einer breiten Weltoeffentlichkeit.
    Dies ist deshalb etwas ganz anderes, weil dieses Handeln nicht durch nationalstaatliche und/oder kulturelle Zusammenhaenge determiniert wird.

    Somit sind wir jetzt wieder bei der Kernfrage, der Subjekte, wer ist USA, wer ist Europa, wer ist die Welt, wer hat in der Welt welche Interessen, wem gehoert was in der Welt etc. angelangt waeren.


    Habermas / Derrida koennen ihre buergerliche Schule nicht verleugnen.
    Evident, gleichwohl nur am Rande angedeutet, dass sich die europaeischen Nationalstaaten des 19./20. Jahrhunderts ueberholt haben.
    An deren Stelle treten nun bei Habermas / Derridas der neue, erweiterte Nationalstaat "Europa".
    Konstituieren soll sich dieser durch eine neue Verfassung.
    "Die künftige Verfassung wird uns einen europäischen Außenminister bescheren."

    Weder wird die demokratische Legitimitaet einer "Verfassung" ohne Verfassungsdiskussion hinterfragt, noch auf welcher Basis dieses neue politische Konstrukt "Europa" fusst.
    Gibt es eine oekonomische Basis, eine kulturelle, worin unterscheiden sich die Konzepte "Globalisierung" und "Europaeisierung"?

    Wie oft bei buergerlichen Intellektuellen wird die grundlegendste Frage, die Klassenfrage, nicht oder nur unzureichend gestellt.
    "In Europa sind die lange nachwirkenden Klassenunterschiede von den Betroffenen als ein Schicksal erfahren worden, das nur durch kollektives Handeln abgewendet werden konnte."
    So weit, so gut.
    Aber wo verlaufen die Grenzlinien der Klassen heute?
    Zwischen Europa und den USA? - wohl kaum.
    Das international organisierte Kapital, welches die weltweiten Werte zunehmend global kontrolliert, setzt sich personell aus US Amerikanern genauso wie aus Europaeern und anderen zusammen.
    Diese Menschen bilden als Gemeinschaft ein handelndes Subjekt, jenseits aller nationalen Grenzen.
    Auf der anderen Seite hat ein Arbeitsloser in Detroit mehr gemeinsam mit einem Sozialhilfeempfaenger aus Neukoelln, als mit den Grossaktionaeren der US Oel- und Ruestungs- Mafia.

    Die Klasse derer, die die kapitalistische Globalisierung und Ausweitung und Festigung des Imperiums betreiben, setzt sich zusammen aus Kapitalisten aus Nationalstaaten weltweit stammend.
    Ihre imperialen Interessen, Rohstoffe, Maerkte, Arbeiterheere mit dem Mittel der sozialen Deklassierung gegeneinander ausspielen zu koennen, sowie die repressive geheimdienstliche und militaerische Kontrolle, eint diese Personen als handelndes Subjekt.
    Die Verstrickung kapitalistischer Interessen ist zunehmend international, das Kapital deswegen international organisiert.
    Die Gegensaetze nationalen Kapitals, wie z.B. Automobilindustrie USA vs. Europa verlieren weiter an Bedeutung, diese werden zunehmend durch Fusionen und Uebernahmen gegenstandslos.

    Wenn Habermas / Derrida also jetzt eine neue europaeische Zivilgesellschaft ausmachen "Die Wiedergeburt Europas", so ist dies bestenfalls naiver Unsinn.
    Den humanistischen Wertekanon der Aufklaerung und die sozialistischen Philosophien des 19. Jahrhunderts wird man kaum unter Auslassung der Klassenfrage mit neuem Leben erfuellen koennen.
    Die Interessen der Besitzenden in Europa sind zunehmend deckungsgleich mit denen ihrer Klassenbrueder in USA und anderen Teilen des Imperiums.

    Wenn es also ein handelndes Subjekt gegen imperiale Politik und deren zerstoerische Auswirkungen geben kann, dann nur anhand der Verlaufslinie der Klassen, somit global und nicht als territoriale Grenze abstrakter politischer Konstruktionen.
    Habermas / Derrida ersetzen lediglich das Konzept des klassischen Nationalstaates durch einen neuen, erweiterten namens "Europa".

    Das buergerliche Moment besteht darin, dass der Gegensatz der Klassen durch das unterstellte gemeinsame Interesse der "Volksgemeinschaft" negiert wird.
    Dabei haben sich lediglich die Besitzverhaeltnisse und Maerkte des Kapitals internationalisiert, am Klassengegensatz als solchem hat sich aber nichts geaendert.
    Insofern behaupte ich, dass Habermas / Derridas Ausfuehrungen im Kern geradezu klassisch reaktionaer sind, wenn auch diese "modern" aufgesetzt auf aktuelle philosophische Diskussionen daherkommen.
    In einer Zeit, in welcher die Pioniere des Imperiums bereits auch schon im chinesischen Stalinismus angekommen sind, haben die nationalen kapitalistischen Interessen Europas groesstenteils an Bedeutung verloren.
    Der Habermaschen / Derridaschen Utopie eines Europa und "seiner" originaeren Interessen im Widerstreit zu den USA, fehlt es im Zeitalter der "Globalisierung" schlichtweg an der oekonomischen Basis.
    Nicht zuletzt heisst es heute Daimler-Chrysler...


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  4. Harlequin

    Harlequin Gast

    Weiter lesen wir:
    "Das heutige Europa ist durch die Erfahrungen der totalitären Regime des zwanzigsten Jahrhunderts und durch den Holocaust - die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden, in die das NS-Regime auch die Gesellschaften der eroberten Länder verstrickt hat - gezeichnet."

    Soviel Bewusstsein waere begruessenswert, tatsaechlich aber eine weitere krasse Fehleinschaetzung.
    "Gezeichnet" war davon das Nachkriegseuropa des 20. Jahrhunderts. Das ist lange vorbei und fuer die heutige Jugend so surreal wie das roemische Reich.
    Aber die Annahme dieser "Zeichnung" durch Habermas / Derrida illustriert m.E., in welchen Bildern hier gedacht wird.
    Und auch hier wieder das Nichterfassen aktueller Realitaeten.
    Auch die europaeischen "Kernstaaten", die Zugleich ebenso Kernstaaten des Imperiums sind, in der Nato militaerisch organisiert, beziehen ihren Wohlstand an Produktion und Konsumtion durch die Ausbeutung von Rohstoffen aus fremden Laendern, ohne welche hierzulande nichts mehr ginge.
    Auch in diesen Laendern sterben taeglich zigtausende Menschen an Hunger.
    Das Imperium aber stuetzt dortige StatthalterRegime zur Sicherung der kapitalistischen Verhaeltnisse und damit der Rohstoffe.
    Es gibt hierbei keinen Unterschied zwischen "USA" und "Europa", denn das Interesse ist dem Wesen nach das selbe.
    Worin also unterscheiden sich eigentlich die Habermaschen (nationalen) "totalitären Regime" von dem heutigen Totalitarismus kapitalistischer Diktatur?
    Kann es eine Teilung von "Demokratie" zuhause einerseits, und was "wir" woaenders veranstalten ist halt Ausland andererseits geben?
    Sind die Toten in den mit Nato Unterstuetzung massakrierten kurdischen Doerfern weniger tot, als die in Ausschwitz?


    Den Dissens zwischen europaeischen Regierungen und dem US Regime in der Frage des Irak Krieges, halte ich fuer nicht ausreichend meine Thesen, die im Gegensatz zu Habermas / Derrida stehen, zu widerlegen.
    Diese fraktionellen divergierenden Haltungen der Regierungen haben bis heute nicht zu den Konsequenzen gefuehrt, zu welchen sie nach dem Voelkerrecht haetten fuehren muessen.
    Weder haben Frankreich, BRD und andere die USA aufgrund deren voelkerrechtswidrigen Handelns vor dem UN Sicherheitsrat klar verurteilt, noch Sanktionen gegen die USA verhaengt oder das Nato Buendnis in Frage gestellt.
    Es gibt schlichtweg keinerlei Konsequenzen.
    Man hat das US Regime seinen "Job" erledigen lassen und lediglich der Friedensbewegung aus nationaler Sicht etwas Angriffsflaeche genommen.
    Meine Thesen sehe ich durch die aktuelle Entwicklung eher noch bestaerkt.
    Habermas / Derridas "Vorstellungen zu einer künftigen europäischen Außenpolitik" gehen an der realen Interessenslage der Herrschenden vorbei und bleiben deshalb, zumindest in dieser Form, naiv.


    Es ist Teil der Krise der Philosophie, dass die Periode des Uebergangs des Imperialismus des 20. Jahrhunderts zur Konstitution des globalen Imperiums in grossen Teilen intellektuell noch nicht nachvollzogen ist.
    Allein der Begriff der "Globalisierung" wird stellenweise hoechst unterschiedlich interpretiert, was nicht Wunder nimmt, da es sich dabei um einen rein kuenstlichen Propagandabegriff handelt.
    Assoziationsmuster wie (National-) Staat, Volk, Kultur etc. sind tief im Denken verwurzelt.
    Wer nicht gelernt hat, dass auch diese Begriffe ihre berechtigten materialistischen Ursprunge haben, wird es schwer haben die neuen Verhaeltnisse in der Welt, wie sich diese jetzt und fuer das vor uns liegende Jahrhundert abzeichnen, zu erfassen.
    Diese Urspruenge gilt es zu analysieren, will man deren Veraenderung und Aufloesung und damit den aktuellen Transformationsprozess erkennen.



    Info Links:

    Jürgen Habermas (geb. 1929)
    http://philosophenlexikon.de/habermas.htm

    Jacques Derrida (geb. 1930)
    http://www.philosophenlexikon.de/derrida.htm

    Karl Marx - Thesen ueber Feuerbach
    http://marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1845/thesen/thesfeue-or.htm

    .

     
  5. Harlequin

    Harlequin Gast

    Kritik zu:
    Habermas und Derrida
    Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas
    FAZ online 31.05.2003


    Leider steht mir momentan keine PrintAusgabe der FAZ zur verfuegung, lediglich die gekuerzte online Ausgabe des Habermas / Derrida Essays aus FAZ online.


    Kurz zusammengefasst wird, so wie ich es verstehe, folgende These erlaeutert:
    Dem Entwurf des neoliberalen globalen Imperiums wird die erweiterte Konzeption des Nationalstaates entgegengesetzt.


    Dazu meine Anmerkungen:
    (Auszug aus ca. 20 Seiten Text)

    Habermas / Derrida weisen ihren Text als Essay aus, was, im Gegensatz zu einem streng wissenschaftlichen, davon befreit tiefer in Begriffsdefinitionen einsteigen zu muessen.
    Insbesondere werden die zentralen Subjekt-Begriffe, wie USA und Europa, nicht praezise hinterfragt.
    Beispiel:
    "Europa muß sein Gewicht auf internationaler Ebene und im Rahmen der UN in die Waagschale werfen, um den hegemonialen Unilateralismus der Vereinigten Staaten auszubalancieren."

    Zur Definition der handelnden Subjekte im Kontext ihrer Klasse, siehe auch meinen Beitrag:
    http://forum.macwelt.de/forum/showthread.php?s=&threadid=69293


    Habermas / Derrida registrieren also "den hegemonialen Unilateralismus der Vereinigten Staaten", oder besser ausgedrueckt, das imperiale Streben der USA.
    Die von mir bereits Anfang der 90er Jahre in die Diskussion gebrachte These vom Zeitalter des Uebergangs des nationalstaatlichen Imperialismus des 20. Jahrhunderts zur Konstitution des globalen Imperiums und seines imperialen Aggierens griffen bereits Hardt / Negri in "Empire - Die neue Weltordung" auf und entwickelten dazu eigene Interpretationen.
    Das Habermas / Derrida Essay folgt beiden Thesen nur bedingt und in weiten Kernaussagen gar nicht.
    Interessant bleibt aber, dass das Thema "Empire / Imperium" nun auch in der buergerlichen Philosophie und Publizistik angekommen ist.
    Fuer mich als solches schon das Positivste an der aktuellen Diskussion.


    Besonders faellt mir am Habermas / Derrida Essay auf, dass so zentral von einer Dualitaet USA / Europa ausgegangen wird.

    So heisst es dort zur Wiedergeburt Europas:
    "... aber ebensowenig den 15. Februar 2003, als die demonstrierenden Massen in London und Rom, Madrid und Barcelona, Berlin und Paris auf diesen Handstreich reagierten."

    Die "demonstrierenden Massen" waren keineswegs auf Europa beschraenkt und selbst im Stammland des Imperiums, den USA, gab es solche Massendemonstrationen.
    Die Qualitaet dieser Bewegung der Weltoeffentlichenkeit ist also keine endemische, keineswegs Europa spezifisch.
    Diese als Definition eines handelnten europaeischen Subjektes auszumachen, ist sachlich falsch und muss zu falschen Schlussfolgerungen fuehren.

    Diese weltweit vorbereiteten und koordinierten Aktionen geben einen Hinweis auf den tatsaechlichen Dualismus, welcher die Welt heute strukturiert.
    Im Ansatz ist Habermas / Derridas Folgerung richtig, wenn es dort heisst:
    "Die Gleichzeitigkeit dieser überwältigenden Demonstrationen - der größten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges - könnte rückblickend als Signal für die Geburt einer europäischen Öffentlichkeit in die Geschichtsbücher eingehen."
    Nur, dass es sich nicht um die Geburt "einer europäischen Öffentlichkeit handelt, sondern um die weit darueber hinausgehende neue Qualitaet des koordinierten Handelns einer breiten Weltoeffentlichkeit.
    Dies ist deshalb etwas ganz anderes, weil dieses Handeln nicht durch nationalstaatliche und/oder kulturelle Zusammenhaenge determiniert wird.

    Somit sind wir jetzt wieder bei der Kernfrage, der Subjekte, wer ist USA, wer ist Europa, wer ist die Welt, wer hat in der Welt welche Interessen, wem gehoert was in der Welt etc. angelangt waeren.


    Habermas / Derrida koennen ihre buergerliche Schule nicht verleugnen.
    Evident, gleichwohl nur am Rande angedeutet, dass sich die europaeischen Nationalstaaten des 19./20. Jahrhunderts ueberholt haben.
    An deren Stelle treten nun bei Habermas / Derridas der neue, erweiterte Nationalstaat "Europa".
    Konstituieren soll sich dieser durch eine neue Verfassung.
    "Die künftige Verfassung wird uns einen europäischen Außenminister bescheren."

    Weder wird die demokratische Legitimitaet einer "Verfassung" ohne Verfassungsdiskussion hinterfragt, noch auf welcher Basis dieses neue politische Konstrukt "Europa" fusst.
    Gibt es eine oekonomische Basis, eine kulturelle, worin unterscheiden sich die Konzepte "Globalisierung" und "Europaeisierung"?

    Wie oft bei buergerlichen Intellektuellen wird die grundlegendste Frage, die Klassenfrage, nicht oder nur unzureichend gestellt.
    "In Europa sind die lange nachwirkenden Klassenunterschiede von den Betroffenen als ein Schicksal erfahren worden, das nur durch kollektives Handeln abgewendet werden konnte."
    So weit, so gut.
    Aber wo verlaufen die Grenzlinien der Klassen heute?
    Zwischen Europa und den USA? - wohl kaum.
    Das international organisierte Kapital, welches die weltweiten Werte zunehmend global kontrolliert, setzt sich personell aus US Amerikanern genauso wie aus Europaeern und anderen zusammen.
    Diese Menschen bilden als Gemeinschaft ein handelndes Subjekt, jenseits aller nationalen Grenzen.
    Auf der anderen Seite hat ein Arbeitsloser in Detroit mehr gemeinsam mit einem Sozialhilfeempfaenger aus Neukoelln, als mit den Grossaktionaeren der US Oel- und Ruestungs- Mafia.

    Die Klasse derer, die die kapitalistische Globalisierung und Ausweitung und Festigung des Imperiums betreiben, setzt sich zusammen aus Kapitalisten aus Nationalstaaten weltweit stammend.
    Ihre imperialen Interessen, Rohstoffe, Maerkte, Arbeiterheere mit dem Mittel der sozialen Deklassierung gegeneinander ausspielen zu koennen, sowie die repressive geheimdienstliche und militaerische Kontrolle, eint diese Personen als handelndes Subjekt.
    Die Verstrickung kapitalistischer Interessen ist zunehmend international, das Kapital deswegen international organisiert.
    Die Gegensaetze nationalen Kapitals, wie z.B. Automobilindustrie USA vs. Europa verlieren weiter an Bedeutung, diese werden zunehmend durch Fusionen und Uebernahmen gegenstandslos.

    Wenn Habermas / Derrida also jetzt eine neue europaeische Zivilgesellschaft ausmachen "Die Wiedergeburt Europas", so ist dies bestenfalls naiver Unsinn.
    Den humanistischen Wertekanon der Aufklaerung und die sozialistischen Philosophien des 19. Jahrhunderts wird man kaum unter Auslassung der Klassenfrage mit neuem Leben erfuellen koennen.
    Die Interessen der Besitzenden in Europa sind zunehmend deckungsgleich mit denen ihrer Klassenbrueder in USA und anderen Teilen des Imperiums.

    Wenn es also ein handelndes Subjekt gegen imperiale Politik und deren zerstoerische Auswirkungen geben kann, dann nur anhand der Verlaufslinie der Klassen, somit global und nicht als territoriale Grenze abstrakter politischer Konstruktionen.
    Habermas / Derrida ersetzen lediglich das Konzept des klassischen Nationalstaates durch einen neuen, erweiterten namens "Europa".

    Das buergerliche Moment besteht darin, dass der Gegensatz der Klassen durch das unterstellte gemeinsame Interesse der "Volksgemeinschaft" negiert wird.
    Dabei haben sich lediglich die Besitzverhaeltnisse und Maerkte des Kapitals internationalisiert, am Klassengegensatz als solchem hat sich aber nichts geaendert.
    Insofern behaupte ich, dass Habermas / Derridas Ausfuehrungen im Kern geradezu klassisch reaktionaer sind, wenn auch diese "modern" aufgesetzt auf aktuelle philosophische Diskussionen daherkommen.
    In einer Zeit, in welcher die Pioniere des Imperiums bereits auch schon im chinesischen Stalinismus angekommen sind, haben die nationalen kapitalistischen Interessen Europas groesstenteils an Bedeutung verloren.
    Der Habermaschen / Derridaschen Utopie eines Europa und "seiner" originaeren Interessen im Widerstreit zu den USA, fehlt es im Zeitalter der "Globalisierung" schlichtweg an der oekonomischen Basis.
    Nicht zuletzt heisst es heute Daimler-Chrysler...


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  6. Harlequin

    Harlequin Gast

    Weiter lesen wir:
    "Das heutige Europa ist durch die Erfahrungen der totalitären Regime des zwanzigsten Jahrhunderts und durch den Holocaust - die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden, in die das NS-Regime auch die Gesellschaften der eroberten Länder verstrickt hat - gezeichnet."

    Soviel Bewusstsein waere begruessenswert, tatsaechlich aber eine weitere krasse Fehleinschaetzung.
    "Gezeichnet" war davon das Nachkriegseuropa des 20. Jahrhunderts. Das ist lange vorbei und fuer die heutige Jugend so surreal wie das roemische Reich.
    Aber die Annahme dieser "Zeichnung" durch Habermas / Derrida illustriert m.E., in welchen Bildern hier gedacht wird.
    Und auch hier wieder das Nichterfassen aktueller Realitaeten.
    Auch die europaeischen "Kernstaaten", die Zugleich ebenso Kernstaaten des Imperiums sind, in der Nato militaerisch organisiert, beziehen ihren Wohlstand an Produktion und Konsumtion durch die Ausbeutung von Rohstoffen aus fremden Laendern, ohne welche hierzulande nichts mehr ginge.
    Auch in diesen Laendern sterben taeglich zigtausende Menschen an Hunger.
    Das Imperium aber stuetzt dortige StatthalterRegime zur Sicherung der kapitalistischen Verhaeltnisse und damit der Rohstoffe.
    Es gibt hierbei keinen Unterschied zwischen "USA" und "Europa", denn das Interesse ist dem Wesen nach das selbe.
    Worin also unterscheiden sich eigentlich die Habermaschen (nationalen) "totalitären Regime" von dem heutigen Totalitarismus kapitalistischer Diktatur?
    Kann es eine Teilung von "Demokratie" zuhause einerseits, und was "wir" woaenders veranstalten ist halt Ausland andererseits geben?
    Sind die Toten in den mit Nato Unterstuetzung massakrierten kurdischen Doerfern weniger tot, als die in Ausschwitz?


    Den Dissens zwischen europaeischen Regierungen und dem US Regime in der Frage des Irak Krieges, halte ich fuer nicht ausreichend meine Thesen, die im Gegensatz zu Habermas / Derrida stehen, zu widerlegen.
    Diese fraktionellen divergierenden Haltungen der Regierungen haben bis heute nicht zu den Konsequenzen gefuehrt, zu welchen sie nach dem Voelkerrecht haetten fuehren muessen.
    Weder haben Frankreich, BRD und andere die USA aufgrund deren voelkerrechtswidrigen Handelns vor dem UN Sicherheitsrat klar verurteilt, noch Sanktionen gegen die USA verhaengt oder das Nato Buendnis in Frage gestellt.
    Es gibt schlichtweg keinerlei Konsequenzen.
    Man hat das US Regime seinen "Job" erledigen lassen und lediglich der Friedensbewegung aus nationaler Sicht etwas Angriffsflaeche genommen.
    Meine Thesen sehe ich durch die aktuelle Entwicklung eher noch bestaerkt.
    Habermas / Derridas "Vorstellungen zu einer künftigen europäischen Außenpolitik" gehen an der realen Interessenslage der Herrschenden vorbei und bleiben deshalb, zumindest in dieser Form, naiv.


    Es ist Teil der Krise der Philosophie, dass die Periode des Uebergangs des Imperialismus des 20. Jahrhunderts zur Konstitution des globalen Imperiums in grossen Teilen intellektuell noch nicht nachvollzogen ist.
    Allein der Begriff der "Globalisierung" wird stellenweise hoechst unterschiedlich interpretiert, was nicht Wunder nimmt, da es sich dabei um einen rein kuenstlichen Propagandabegriff handelt.
    Assoziationsmuster wie (National-) Staat, Volk, Kultur etc. sind tief im Denken verwurzelt.
    Wer nicht gelernt hat, dass auch diese Begriffe ihre berechtigten materialistischen Ursprunge haben, wird es schwer haben die neuen Verhaeltnisse in der Welt, wie sich diese jetzt und fuer das vor uns liegende Jahrhundert abzeichnen, zu erfassen.
    Diese Urspruenge gilt es zu analysieren, will man deren Veraenderung und Aufloesung und damit den aktuellen Transformationsprozess erkennen.



    Info Links:

    Jürgen Habermas (geb. 1929)
    http://philosophenlexikon.de/habermas.htm

    Jacques Derrida (geb. 1930)
    http://www.philosophenlexikon.de/derrida.htm

    Karl Marx - Thesen ueber Feuerbach
    http://marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1845/thesen/thesfeue-or.htm

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