Philosophie-Lunch V: der 17. Juni

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von macixus, 17. Juni 2003.

  1. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Da ist er wieder, der ungeliebte 17. Juni - und das schon zum 50. Mal.

    Die einen mögen ihn nicht, weil es ein Aufstand im Arbeiter- und Bauernparadies war. Die anderen mögen ihn auch nicht, weil sie zuschauen mussten wie ein paar Jahre später in Ungarn und dann in Berlin und dann Prag und dann in Warschau.

    Und heute sind die Medien voll davon.

    Warum tun wir uns so schwer mit dem 17.Juni 1953? Warum haben wir ihn zugunsten des 3. Oktober als Feiertag gestrichen? Wegen der Finanzierung der Pflegeversicherung? Das wäre tatsächlich ein guter Grund...

    Allzu schnell wurde der 17. Juni "instrumentalisiert": den Entspannungsbefürwortern erschien es nicht opportun, an das Aufbegehren gegen sozialistische Glücksbringer zu erinnern. Die Entspannungsgegner feierten diesen Tag umso heftiger - aus Trotz oder Solidarität mit den Gegnern der Sozialistischen Einheits Partei. Und die westdeutschen Bürger genossen den freien Tag beim Grillen.

    Heute ist der 17. Juni kaum noch ein Instrument im politischen Meinungskampf. Das schafft Gelegenheit, in Ruhe darüber nachzudenken, warum z.B. viele Ungarn ihrer Volkshelden von 1956 gedenken, wir aber unserer von 1953 (und 1989) nicht.

    http://www.17juni53.de
     
  2. quick

    quick New Member

  3. 2112

    2112 Raucher

    War es ein Feiertag oder war es ein Gedenktag ?
     
  4. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Es war ein Grilltag.
     
  5. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Danke quicktracker.

    "Die randalierenden Banditen, die im Auftrage ihrer monopolkapitalistischen Drahtzieher die Straßen...unsicher machten, handelten nach einem teuflischen Plan. Sie wußten genau, dass sie für ihr verbrechereisches Vorhaben..."

    Dieser Auszug aus der Halleschen "Freiheit" (hihi) vom 20.6.53 erinnert mich irgendwie an irgendwen. Ich komm' bloss nicht drauf...:D
     
  6. quick

    quick New Member





    :D
     
  7. 2112

    2112 Raucher

    Dumme Frage - schlaue Antwort. Danke :) x4
     
  8. Ossi8

    Ossi8 Gast

    An Gauweilerstoiberschilywesterwellemünteferingbütikofer? :confused:

    :D8
     
  9. Rotweinfreund

    Rotweinfreund + Jevers Liebhaber

    ...warum so weit in die Ferne schweifen? Sieh', das Bunte liegt so nah'!
     
  10. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Bitte. Unseren spanischen Mitbürgern helfen wir doch gerne aufn Grill.

    Grillfresse :D
     
  11. quick

    quick New Member

  12. Harlequin

    Harlequin Gast

    Stalin starb, am 17.Juni 1953 erhoben sich Arbeiter in Ost-Berlin, ein Ereignis, das die DDR Führung bis zum Ende ihres Staates traumatisierte.
    In der Folge gab es offene stalinistische Repressalien gegen opponierende Intellektuelle auch in der DDR. Harich (Dr. Wolfgang Harich) wurde das prominenteste Opfer.

    Wolfgang Harich erkannte sehr genau, dass ein Sozialismus in Deutschland zumindest so lange nie erfolgreich werden könnte, wie sein Aufbau in den Händen von Altstalinisten á la Ulbricht blieb.



    Quelle:
    Berliner Morgenpost 13.Juni 1999
    http://www.hgsoldat.de/st-1999-06-13.pdf


    .
     
  13. quick

    quick New Member

  14. 2112

    2112 Raucher

  15. quick

    quick New Member

    nicht nur dir ;-)
     
  16. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist



    Mag sein, dass die aufbegehrenden Arbeiter Hoffnung hatten, dass sie unter Stalins Nachfolger gut 3 Monate nach dessem Tod eher Chancen für die Verwirklichung ihrer Forderungen sahen - wäre Stalin noch in Amt und "Würden" gewesen, hätten sie sich von vorneherein keine Chancen ausgerechnet.
     
  17. quick

    quick New Member

    Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht des Volkes Wille ... :rolleyes:
     
  18. gratefulmac

    gratefulmac New Member

    Wir hatten diese Woche ne kleine Diskussion zu diesem Thema in der Arbeitspause.
    In einem Spiegelartikel (online) wurde berichtet, das etliche Schwerverletzte und Tote in das Lazarus Krankenhaus(Wedding) gebracht wurden.
    Das ist das Haus in dem ich arbeite.

    Ich war erstaunt, das dieses Haus nichts , aber auch gar nichts darüber veröffentlicht, was es für eine Rolle in dieser Zeit gespielt hat.
    Es existieren noch genug Zeitzeugen aus den Reihen der Diakonissen, welche aktiv an der Pflege der Verletzten teilgenommen haben.
    Ich habe das Gespräch offiziell mit dem Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung geführt ( ist eine Art Betriebsrat in der Diakonie), damit er, wenn die Kirchenleitung das schon nicht von selbst macht, es an diese heranträgt.
    Wir haben um die Ecke den Mauerpark und ein Museum.
    Nichts erinnert aber an unserem Haus daran, das auch dies ein historischer Platz ist.

    Eine kleine Gedenktafel wäre das mindeste, was man erwarten sollte.

    Nichts.

    Es waren ja nur "kleine Leute" ohne Strategie , ohne Philosophie, ohne Dogma, welche an diesem Tage protestierten ,dabei starben und für lange Zeit in die Volksgefängnisse gesperrt wurden.


    PS Der simple Anlaß für die Proteste der Arbeiter waren Preiserhöhungen und Senkung von Löhnen.
    Eine wirtschaftlich richtige Entscheidung aber eine politische Katastrophe für die Kommunisten,welche immer genau das Gegenteil propagiert hatten.

    Es ging in erster Linie ums "Fressen" und nicht um Demokratie oder Freiheit.
    Das hat der "Westen " dann daraus gemacht.
     

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