PISA Flichtfilm

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von macixus, 1. November 2003.

  1. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Da akiem mich bei seiner Fete wieder schlichtweg ausgeladen hat, bin ich aus Langeweile in "Luther" gegangen. Also in den Film meine ich, weil der Luther selbst lebt ja nicht mehr. Schon lange nicht mehr, paar hundert Jahre oder so.

    Also jedenfalls der Film war nicht schlecht. Schöne Kostüme (ugh: schöne Kostüme!!!) und finstere Burgen und große Kirchen. Gepoppt wurde nicht, aber bisschen Krieg geführt und jede Menge Adlige und ein Papst, der eine Sau gejagt hat (das sollte Luther sein, sinnbildlich gesprochen natürlich). Der Papst war Uwe Ochsenknecht, der lebt aber noch.

    Und der Kurfürst von Sachsen war der Sir Ustinov. Große Klasse.

    Und lernen kann man in dem Film auch was: über Geschichte und Religion und sowas alles.

    Kurz: ein Flichtfilm für unsere jungen Mitbürger, die in Geschichte und Religion immer krank oder beim McDonalds waren.
     
  2. MILE

    MILE New Member

    Wurden bei PISA auch die Rechtschreibkenntnisse geprüft...?! Oder ist "Flicht" jetzt die neue Schreibweise von "Pflicht" nach der Rechtschreibreform...?! ;)

    .:: MILE ::.
     
  3. Rotweinfreund

    Rotweinfreund + Jevers Liebhaber

    ... da Luther bekanntlich "dem Volke auf 's Maul" geschaut hat: Flicht!
     
  4. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    *michwegschmeiss*
     
  5. Amigoivo

    Amigoivo 1 QUADianer

    Und ne tolle Frisur hat der Luther auch. :eek:

    Danke Martin für den Feiertag am Freitag. :D
    Ich mag sowieso Leute die was gegen die Regeln der Religion unternehmen.

    Apropos Martin Luther, war das nicht der mit dem berühmten:

    "I have a Dream...." :rolleyes:

    MfG Amigoivo
     
  6. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Nein, das war 2112. :D
     
  7. Rotweinfreund

    Rotweinfreund + Jevers Liebhaber

    ... das ist aber hart!
     
  8. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ich hoffe, ich kenne ihn da besser: er wird mitlachen.
     
  9. ughugh

    ughugh New Member

    Ja, mag sein - aber das wiegt

    locker wieder auf an Abschreckung.

    Und dann - so gestehe ich - reizte mich der Film bis zu der Sekunde, wo ich las den Namen des Geldes, welches da war: NFP, EKD und VEF ... ein Film aus Kirchengeldern über einen Kirchenmann schnüffelt dann doch etwas anrüchig.*

    *Trotz der Schönen Kostüme - wenn wenigstens noch schöne Frauen drinstecken würden, aber neeeee. Muß ich halt doch bis zum nächsten Markt warten.
     
  10. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Du bist ja auch nicht mehr ganz die Zielgruppe so wie ich!

    :bart:

    P.S. Natürlich ist der Film bei dem von dir genannten Background nicht mehr als ein Geschwindschritt über den "Heiligen St. Martin" der Evangelen - aber so schlecht, wie von mir befürchtet, war er nicht.
     
  11. sgrossert

    sgrossert New Member

    Die amerikanische Produktionsfirma des Streifens sollte dich, lieber Macixus, am Gewinn beteiligen. Gleichzeitig sollten sie den hochnäsigen Kackvögeln in den Feuilleton-Redaktionen die Kino-Freikarten streichen. Dort hat man nämlich, wenn ich das richtig verfolgt habe, vornehmlich gemault, gemeutert, rumgemeckert und abgeraten. Zitat F.A.Z.: "Außer Thesen nichts gewesen". Den hohen Damen und Herren Zeitungsschreiberlingen wars wieder mal nicht historisch genug - als ob sich ein Spielfilm an der Realität orientieren muss ... [kopfschüttel].

    Nun ja, ich wünsche dem Film jedenfalls viele Zuschauer, schon aus Lokalpatriotismus heraus. Im schönen Wittenberg sind sie sicher nicht böse, wenn ein paar mehr Touristen auf den Spuren des Reformators wandeln wöllten.

    Seba (aus Leipzig, hier haben wir es eher mit Bach, aber da ist sicher auch noch ein Filmchen drin)
     
  12. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Stichwort Zuschauer: ich war darauf eingestellt, das Kino für mich zu haben. Samstagabend und Luther - das versprach leere Sitzreihen, ungestörten Popcorngenuss und hochgelegte Füße.

    Weit gefehlt - die Hütte war voll! *staun*

    Falls du noch Statisten für den Bach-Film brauchst: kurze eMail an mich und ich eile und fliege nach Leipzsch. Macci könnte dann meinen Perückenpuderer spielen. :)
     
  13. sgrossert

    sgrossert New Member

    Wen oder was willst du denn mimen? Olle Johann persönlich?
     
  14. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Niemals! Diese Rolle ist schon an singer oder den hekarl vergeben.

    Ich würde mich mit der Rolle des Glöckners zufrieden geben, der zum Orgelkonzert läutet. Alternativ könnte ich auch den Kirchenbesucher mimen, der einem Höhlenbewohner was in dessen Hut wirft.

    :bart:
     
  15. mac_the_mighty

    mac_the_mighty New Member

    Aber Du bist doch gar nicht mehr jung, oder?
    Vielleicht gucke ich ihn mir mal an, dann kann ich Dir vielleicht beiflichten...
     
  16. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Hm, hm ... ich habe den Film nicht gesehen, nur von ihm gehört und die Plakate gesehen ...

    Wenn ich "Martin Luther" höre, denke ich nunmehr automatisch an Thomas Manns Rede, die er 1946 im Weißen Haus vor den Amerikanern hielt: "Deutschland und die Deutschen". Ich las sie vor ca. einem Jahr. Ein Freund gab mir Kopien eines publizierten Abdrucks. (Wen es interssiert, werde ich die Quellen nachreichen. Habe es versäumt, die Quellenangaben auf den Kopien zu vermerken.) Diese Rede Thomas Manns hat mich schwer beeindruckt, eben wegen seiner kritisch anlalytischen Sicht auf das deutsche Volk und dessen Geschichte. Ich kann sie nur jedem wärmstens (!) empfehlen. Dieser Essay war für mich beinahe ein Schlüssel-Erlebnis ...

    Nun, Mann äußerte sich dort auch zu Martin Luther. Zusammengafaßt ließe sich lapidar sagen, er hob ihn vom Sockel, - ohne jedoch dessen Größe zu verkennen oder vollkommen in Frage zu stellen. Aber er sah ihn ihm nüchtern eben "nur" einen "konservativen Revolutionär":

    "Nichts gegen die Größe Martin Luthers! Er hat nicht nur durch seine gewaltige Bibelübersetzung die deutsche Sprache erst recht geschaffen, die Goethe und Nietzsche dann zur Vollendung führten, er hat auch durch die Sprengung der scholastischen Fesseln und die Erneuerung des Gewissens der Freiheit der Forschung, der Kritik, der philosophischen Spekulation gewaltigen Vorschub geleistet. Indem er die Unmittelbarkeit des Verhältnisses des Menschen zu seinem Gott herstellte, hat er die europäische Demokratie befördert, denn 'Jedermann sein eigener Priester', das ist Demokratie. [...] Er war ein Freiheitsheld, – aber in deutschem Stil, denn er verstand nichts von Freiheit. Ich meine jetzt nicht die Freiheit des Christenmenschen, sondern die politische Freiheit, die Freiheit des Staatsbürgers – die ließ ihn nicht nur kalt, sondern ihre Regungen und Ansprüche waren ihm in tiefster Seele zuwider. Vierhundert Jahre nach ihm sprach der erste Präsident der Deutschen Republik, ein Sozialdemokrat, das Wort: 'Ich hasse die Revolution wie die Sünde.' Das war echt lutherisch, echt deutsch. So haßte Luther den Bauernaufstand, der, evangelisch inspiriert, wie er war, wenn er gesiegt hätte, der ganzen deutschen Geschichte eine glücklichere Wendung, die Wendung zur Freiheit hätte geben können, in dem aber Luther nichts als eine wüste Komprimittierung seines Werkes, der geistlichen Befreiung sah, und den er darum bespie und verfluchte, wie nur er es konnte. Wie tolle Hunde hieß er die Bauern totschlagen und rief den Fürsten zu, jetzt könne man mit Schlachten und Würgen von Bauernvieh sich das Himmelreich erwerben. Für den traurigen Ausgang dieses ersten Versuchs einer deutschen Revolution [P.S. Welche ist jemals geglückt?], den Sieg der Fürsten nebst allen seinen Konsequenzen, trägt Luther, der deutsche Volksmann, ein gut Teil Verantwortung. [... dagegen setzt er Tilman Riemenschneider und fährt wie folgt fort:] Auch das [ s. Riemenschneider] gab es in Deutschland, auch das hat es immer gegeben. Aber das spezifisch und monumental Deutsche ist es nicht. Dieses stellt Luther dar, der musikalische Theolog. Er brachte es im Politischen nicht weiter, als daß er beide Parteien, den Fürsten und den Bauern unrecht gab, was nicht verfehlen konnte, ihn bald dahin zu führen, daß er nur noch und bis zur berserkerhaften Wut den Bauern unrecht gab. Seine Innerlichkeit hielt es ganz und gar mit dem Paulinischen 'Sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über dich hat!'. Aber das hatte sich ja auf die Autorität des römischen Weltreiches bezogen, das die Voraussetzung und der politische Raum war für die christliche Weltreligion, während es sich im Falle Luthers um die reaktionäre Winkelautorität der deutschen Fürsten handelte. Seine antipolitische Devotheit, dies Produkt musikalisch-deutscher Innerlichkeit und Umweltlichkeit, hat nicht nur für die Jahrhunderte die unterwürfige Haltung der Deutschen vor den Fürsten und aller staatlichen Obrigkeit geprägt; sie hat nicht nur den deutschen Dualismus von kühnster Spekulation und politischer Unmündigkeit teils begünstigt und teils geschaffen. Sie ist vor allem repräsentativ auf eine monumentale und trotzige Weise für das kerndeutsche Auseinanderfallen von nationalem Impuls und dem Ideal politischer Freiheit. Denn die Reformation, wie später die Erhebung gegen Napoleon, war eine nationalistische Freiheitsbewegung." usw.

    Berücksichtigt jener Film diese Gesichtspunkte? Ist er ähnlich kritisch? Oder legt er lediglich Blumen an des Fußes Sockel, auf dem Luther auf deutsche Weise thront?

    Kurz: Lohnt es sich also, diesen Film anzuschauen?

    Herzliche Grüße,
    Thine
     
  17. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ich denke, diese Mann'schen Gesichtspunkte kann kein Film über Luther leisten - selbst wenn die Machart nicht ganz so "hollywoodistisch" wäre, wie sie es ist.

    Erstaunlicher- und erfreulicherweise wurde aber der Zusammenhang zwischen Religion und Politik, Papst und Kaiser, Geistlichkeit und Fürstentümelei recht deutlich - deutlicher jedenfalls als die "Glaubensqualen" jenes Mönchs, der gegen seine Kirche rebellierte.

    Und jetzt ein überheblich wirkender Zusatz: ich habe mich ein paar Jahre mit Luther und seinen Auswirkungen auf die deutsche Geschichte beschäftigt - insofern fiel mir der Zugang zu den historischen Zusammenhängen relativ leicht. Wie derselbe Film aber auf jemand wirkt, der diesen Background nicht oder nicht so intensiv hat, weiß ich nicht. Aber er könnte die Neugier darauf wecken. Und das ist schon mehr, als man von so manch anderem Machwerk erhoffen kann.

    Schau' ihn dir an. Wäre interessant, deine "Sicht der Dinge" zu erfahren.

    P.S. Und danke für das Mann-Zitat. Es deckt sich weitgehend mit meiner Ansicht, obwohl ich Luther ein wenig "höher" einschätze als Mann dies tut.
     
  18. ughugh

    ughugh New Member

    Um zu wissen, das Luther nichts weiter war, als ein Büttel der Obrigkeit (zumindest in seinen späteren Jahren) muß man nicht Thomas Mann hören, da genügt ein Blick in die Geschichtsbücher :) - ob das im Film rüberkommt, wage ich aber zu bezweifeln :)* ... und ich möchte nicht wissen, was passiert währe, wenn der Bauernaufstand zum erfolg geführt hätte - grausige Vorstellung (zumal der Aufstand sich in erster Linie gegen Regionale Fürsten richtete, nicht gegen den Kaiser, die Kirche oder gar das System an sich.)

    Ugh

    *PS: ok, ok, Macixus - ich werde mir mal die DVd aisleihen, wenn sie kommt ... mehr investiere ich in so einen Film nicht :) - wenigstens gibts schöne Kostüme.
     
  19. Macci

    Macci ausgewandert.

  20. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Richtig - viel von unserem "Untertanengeist" ist auf Luther zurückzuführen (wobei "unserem" jetzt die Deutschen meint).

    Und auch richtig: auch ich möchte nicht wissen, was ein siegreicher Bauernaufstand für den Fortgang unserer Geschichte bedeutet hätte. Leider huscht der Film gerade an dieser Phase des Lutherlebens arg lässig drüber weg...aus Sicht der Finanziers aber nicht allzu unverständlich, hehehe.
     

Diese Seite empfehlen