Pressefreiheit in Gefahr,

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Macziege, 28. August 2004.

  1. Macziege

    Macziege New Member

    Das ist doch wohl kaum zu glauben, aber Politiker und Beamte sind schon so was von abgehoben, dass sie glauben sich alles erlauben zu können.

    Gruß
    Klaus
     
  2. gratefulmac

    gratefulmac New Member

    Das wird auch langsam Zeit, das der Presse mit ihrer Art Menschen fertig zu machen , das Handwerk gelegt wird.
    Unter dem Deckmantel der sogenannten Pressefreiheit hat sich eine ganz eigene eklige Art der Berichterstattung entwickelt.

    -
    Wer erinnert sich nicht an die Art und Weise wie der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Barschel tot in seiner Wanne fotografiert wurde.
    Es wurde nicht die Polizei gerufen, sondern der Einbruch bei dem Toten wurde für das knipsen von Sensationsfotos mißbraucht.
    Das bei dieser Aktion möglicherweise wichtige Indizien auf die Täter zerstört wurden juckte die Reporter überhaupt nicht.

    -
    Das ist nur ein Fall.
    Und die Presse giert jeden Tag nach solchen Sensationen.

    Wiederlich.
     
  3. macNick

    macNick Rückkehrer

    Ganz im Ernst: Wenn dadurch die widerliche, omnipräsente und ganz und gar ekelerregend dumme Berichterstattung über die sogenannten Prominenten (»Herausragende«) in die Knie gezwungen werden könnte, würde ich dafür lächelnd auf das Totschlagargument »Pressefreiheit« scheißen.

    Die Art und Weise, in der sich der Bodensatz der Berichterstatter mittlerweile zum Dreckwäsche-Wascher und Marketing-Büttel hat degradieren lassen, lässt jedes Augenmaß und Gespür für guten Geschmack vermissen; die Aasgeiertruppe, die sich an würdelosen und erbärmlichen Belanglosigkeiten wie Spermaraub oder Kickerdepressionen weidet, beschmutzt und verhöhnt all das, was eigentlich unter Journalismus zu verstehen ist (von den lügenerfindenden und fotoverfälschenden Hofberichterstattern ganz zu schweigen!).

    Aber es wäre doch zu schön, wenn so ein Brüsseler Papiertiger wirklich in der Lage wäre, dieser Scheiße Einhalt zu gebieten…
     
  4. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Schön wäre es schon - allein, dieses "Einhalts-Gebot" wird recht schnell von denen weidlich ausgenutzt werden, die Dreck aller Art am Stecken haben. Anders gesagt: ein "gut gemeintes" (und tatsächlich notwendiges) Gesetz wird sehr schnell sehr "schlecht ausgenutzt" (werden).

    Solange ein Teil der Leserschaft diese Scheiße nicht nur goutiert, sondern sogar danach giert, wird sich bei dieser Art der Journaille kaum was ändern (lassen).
     
  5. macNick

    macNick Rückkehrer

    Ach, wenn es nur ein Teil wäre! Aber so langsam beschleicht mich der Verdacht, das 95% der Medienkonsumenten offenbar nur noch Dreck fressen wollen…
     
  6. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    So what?

    Des Menschen Willi ist sein Himmelreich. Und wer immer um das Wohl und Glück seiner Mitmenschen besorgt ist, dem gehört mein tiefstes Mißtrauen. Deswegen mag ich ja auch keine Roten (ausser bei Wein und kross gebratenen Enten). :bart:
     
  7. macNick

    macNick Rückkehrer

    Ich bin um MEIN Wohl besorgt! Ich will keine Schrowanges, Beckers, Partyschlampen und Kübelböcke (sic!) in meinen Sphären! Spült sie in den Siel, aus dem sie gekrochen sind!
     
  8. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Nichts einfacher als das: Macwelt lesen und arte gucken. Beides müllfrei. :cool:
     
  9. macNick

    macNick Rückkehrer

    Die Macwelt lese ich schon, aber Arte ist mir dann doch oft zu bemüht. Man muss die Kultur ja nicht übers Knie brechen.

    Muss ich denn wirklich hinnehmen, dass die Öffentlichkeit rund um ein paar selige Inseln komplett verblödet und wie Lemminge (verzeih, lemming!) den Rattenfängern aus Privatfernsehen und Yellow Press ins geistige Fegefeuer folgt?
     
  10. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ja.

    Einschreiten musst du erst, wenn sie jemand ins Fegefeuer peitscht. Aber soweit sind wir ja noch lange nicht.
     
  11. benjii

    benjii New Member

    Hmm, kann ich zustimmen, macixus...
    :)

    Die Frage nach der Presse, ihren Auswüchsen und ihrer Rolle in der Gesellschaft gleicht tatsächlich der Frage nach der Henne und dem Ei - wer oder was war zuerst da? Was ich sagen will: Die Presse ist immer nur ein Teil und Spiegelbild der Gesellschaft, nicht besser und nicht schlechter. Wenn - was ich sicher so bestätigen kann - der Sensationsjournalismus auf dem Vormarsch und der seriöse Journalismus auf dem Rückzug ist, dann heißt das, dass es auch immer mehr Leser gibt, die nach Sex- und Blut-Stories gieren. Es ist ein Markt, in dem, genauso wie in anderen Märkten, Angebot und Nachfrage die bestimmenden Faktoren sind.

    Wobei auch gesehen werden muss, dass es noch tiefer geht als in der deutschen Medienlandschaft: Englands Gazetten sind noch weit gnadenloser als Bild, in der Jerry-Springer-Show in den USA prügeln sich die Talkshow-Gäste immer wieder mal, einen Mord soll es wegen der Show auch schon gegeben haben.

    Die Frage des Persönlichkeitsschutzes ist tatsächlich eine sehr sensible. Sollte das so ausgelegt werden, wie die EU möchte, wird es tatsächlich für manches bunte Blatt wohl eng.
     
  12. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Nein, in diesem Fall war die Henne (der Leser und Gucker und Gierer) vor dem Ei (der Presse) da. Wo keine Nachfrage, da auch kein Angebot. Das ist das Schöne am Kapitalismus.

    Sobald die Kundschaft ausbleibt, ändert sich auch das Angebot oder es geht ein. Da aber die "Auswüchse" immer interessanter und einfacher zu verstehen sind als komplexe Sachverhalte, wird sich die Kundschaft noch vergrößern und nicht geringer werden.
     
  13. benjii

    benjii New Member

    Nein, macixus, nicht ganz. Da unterschätzt du die Horden von Medienmachern in Deutschland, die sich tagtäglich intensiv damit beschäftigen, wie sie die Leute hinterm Ofen vorholen und vor den TV-Bildschirm oder an den Kiosk bringen. Da wird schon ganz heftig versucht, Nachfrage zu schaffen, was auch zum Teil gelingt. Aber - das darf auch nicht vergessen werden - die Journalisten, Programm-Macher etc. sind ebenso ein Teil der Gesellschaft wieder jeder andere hier auch - und deshalb von den gleichen Faktoren beeinflusst wie jeder hier.
     
  14. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Eben. Zum Teil.

    Und dieser Teil versinkt auch ganz schnell im Gully, wenn das "Volk" was anderes will oder die nächste Sau durchs Dorf gejagt wird.

    Nehmen wir mal an, es gelänge, den Rotfunksender WDR rebublikweit zum Einzigen zu "machen" per ordre de EsPeDe. So schnell hast du noch gar nicht geguckt, wie überall die Satellitenschüsseln für die RTL-Senderfamilie auf den Dächern sind. Deswegen bin ich auch nicht nur für den Kapitalismus, sondern auch für den freien (!) Zugang zu allen Informationen. Auch zu Küblböck und der Jette meines Fürsten.
     
  15. macNick

    macNick Rückkehrer

    Das ist auch meine Überzeugung. Sicher kann man nicht generell unterstellen, dass irgendwelche bösen Mächte argloses Konsumvieh zum Verzehr hirnloser Billigkost zwingen, aber gerade das Geschäft mit selbstgemachten Stars (»DSDS«) oder wohlkalkulierten Skandalen (OP-Shows) zeigt, wie das Prinzip funktioniert. Nachfrage nach solcher Scheiße gab es nie, wohl aber Strategen, die sich ausgerechnet haben, dass es gut laufen könnte. Nachahmer, Aufreger und Trittbrettfahrer tun das ihre, um solche Konstrukte und ihre Randerscheinungen zu pushen. So produziert die Maschinerie immer neues Rohmaterial, das sie nach altbewährem Muster verheizen kann und sich mit dem Abfall selber das Getriebe schmiert.
     
  16. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Glückwunsch an die Strategen, die die Nachfrage des Publikums bereits erahnt hatten, als dieses noch gar nichts davon wusste. Insofern haben diese Strategen ihr Geld verdient.

    Genau diese Strategen wissen auch jetzt schon, dass die DSDS-Masche abgenudelt ist und neue "Sensationen" erwartet werden. Was wiederum belegt, dass die Nachfrage unverändert besteht und weiterhin zeitlich vor dem Angebot kommt.
     
  17. macNick

    macNick Rückkehrer

    Genau das bestreite ich. Es besteht keine explizite Nachfrage nach solchen Perlen der Junk-Kultur, das ist ein sich selbst befruchtender Teufelskreis.

    Natürlich gibt es ein großes, weitgehend manipulierbares Publikum, aber das wartet nicht auf irgendein (womöglich vorhersagbares) spezielles Produkt, sondern will einfach gefüttert werden. Die Hersteller wollen dieses Bedürfnis möglichst billig und profitabel stillen und - tataa! - fertig ist die Kulturwüste des 21. Jahrhunderts. Nein, daran sind nicht die vielen ahnungslosen Trottel schuld, die würden alles konsumieren…

    Muss jetzt leider Nahrung kaufen gehen.
     
  18. sad mac

    sad mac New Member

    wie, du isst Rote zu Wein und kross gebratenen Enten?

    Kommunistenfresser?
    :D :D
     
  19. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Was wiederum ich bestreite.

    Schon Adam und Eva haben gern über ihre Nachbarn im Baum und hinter den Wolken gelästert. Und seitdem hat sich daran nichts geändert - ausser, dass das Angebot für diese Nachfrage weitaus größer ist als zu damaligen paradiesischen Zeiten.

    Und bei uns in Deutschland kommt hinzu, dass keiner mehr sowas wie Hartz und Kopfpauschale und Rentenkürzungen hören will, vom Verstehen ganz zu schweigen. Da ist es nur allzu verständlich, wenn da über Bobbeles Babsi und Küblböcks Gurken der Pressewald rauscht.

    Ich geh' jetzt die neue "Bunte" kaufen.
     
  20. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Ich sach immer: Jede Freiheit hat Grenzen. Wer mit den ihm überantworteten Freiheiten schluderig umgeht, sie mißbraucht und auf Kosten und zum Nachteil anderer ausnützt, hat sein Recht darauf verwirkt.

    Pressefreiheit ist ein derart hohes Gut, daß sie nicht von sensationsgeilen Medien für ihre Zwecke der Stimmungsmache, Wahlbeeinflussung und Auflagensteigerung mißbraucht werden darf. Wer die Pressefreiheit mißbraucht, trägt auch die Verantwortung für die Einschränkung derselben.

    Die Schuldigen sitzen nicht in Brüssel oder im Bundestag sondern in den Redaktionsstuben von BILDblöd und anderen Revolverblättern, deren einziges Bestreben darin besteht, Nichtigkeiten zu Sensationen aufzublasen, Rufschädigung zu betreiben und mißliebige Menschen fertig zu machen. Mit Journalismus hat das allenfalls nur entfernt etwas zu tun. Es ist dieser verkommene und charakterlose Schweinejournalismus, der selbst die schlimmste Zensur betreibt und der Pressefreiheit den größten Schaden zufügt.
     

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