Primzahlen

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 27. September 2012.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

  2. maximilian

    maximilian Active Member

    Hat das Wissen um den Urknall, die Spinrichtung des oragenen Top-Quarks, die Beschaffenheit der Rückseite des Mondes oder das Genom der Ameise irgendeine Bedeutung für den Alltag? Und trotzdem werden die besten Köpfe dafür ausgewählt, genau solche Dinge zu erforschen, ganz zu schweigen von den Milliarden, die dafür aufgewendet werden. Das einzige, was uns von Tieren unterscheidet, die nichts im Kopf haben ausser ihrem Alltag, ist unsere Neugier und der Drang, unser Wissen zu vermehren.

    Die Mathematik ist sowas wie der Werkzeugkasten aller anderen Natur- und Ingeniuerwissenschaften. Je besser dieser Werkzeugkasten gefüllt ist und je feiner die Werkzeuge sind, umso besser lässt sich damit arbeiten. Vielleicht fängt aktuell niemand viel mit diesem neuen Primzahlbeweis an (aktuell wird sowas meines Wissens im großen Stil nur bei Datenverschlüsselungsalgorithmen verwendet), aber möglichweise hängt eines Tages die Entwicklung des Warp-Antriebs oder gar das Beamens davon ab.

    Lieber gebe ich tausend Euro für Grundlagenforschung in der Mathematik aus, als einen einzigen für die Rettung Griechischer Banken. Alltag hin oder her. Und dabei müssten genau die Griechischen Banker es besser wissen, denn ihre Vorfahren haben die Mathematik erfunden.
     
  3. McDil

    McDil Gast

  4. batrat

    batrat Wolpertinger

    Beim Urknall stellt doch immer die Frage "was war davor ?"

    Bei der Genforschung liegt der mögliche Nutzen auf der Hand z.B. im medizinischen Bereich.

    Bei der Weltallerforschung auch. Die Menschheit muss vielleicht irgendwann die Erde verlassen.

    Primzahlen: das mit der Verschlüsselung war mir neu. Aber sonst? Dass man offenbar so gar keine Ahnung hat, wozu dieser vermeintliche Primzahlendurchbruch dienen soll oder wo er evtl. eine Rolle spielen könnte....
     
  5. batrat

    batrat Wolpertinger

    Das ist genau meine Vermutung bei dieser Primzahlengeschichte !
     
  6. McDil

    McDil Gast

    Die Mathematik stellt die Werkzeuge für naturwissenschaftliche Probleme von Übermorgen bereit. Man muss ja nur sehen, wie vermeintlich "abgehobene" Arbeiten von Hilbert, Gödel oder auch Mandelbrodt ihre Anwendung in den Begriffsbildungen der modernen physikalischen Theorien gefunden haben.

    Die Primzahlen müssen sich halt noch a bisserl gedulden.
     
  7. batrat

    batrat Wolpertinger

    Also warten wir :cool:
     
  8. maximilian

    maximilian Active Member

    Abgesehen davon, dass die Physik vor der Beantwortung dieser Frage vermutlich immer wird kapitulieren müssen, lässt sich auch darauf Deine Ausgansfrage anwenden „Hat das eigentlich irgendeine Bedeutung für den Alltag?“. Sicher nicht mehr, als die Untersuchung der Primzahlen. Unser Universum ist durch den Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren so geworden, wie es nunmal ist, und damit müssen wir jetzt irgendwie zurechtkommen. Das Verständnis der Vorgänge während der ersten Millisekunden hilft mir in keinster Weise bei der Abzahlung meiner Hypothek, aber ein Leben, welches nur aus dem Abzahlen von Hypotheken bestünde, wäre zu trostlos um gelebt zu werden.

    Die Primzahlen gehören zu den absoluten Grundlagen der Mathematik: Zahlentheorie, Arithmetik. Das kann man mit etwas Geduld noch mit Bleistift und Papier bearbeiten. Trotzdem stösst man selbst in so einem vermeintlich einfachen Umfeld auf Fragen, die seit der Antike nicht beantwortet werden konnten. Wie sollen wir in den Weltraum aufbrechen, wenn wir schon beim Zählen mit den Fingern auf unerklärliche Dinge stossen? Fast alle Zahlen bestehen aus redundanten Informationen, denn man kann sie aus anderen Zahlen zusammensetzen. Nur die Primzahlen sind Inseln der Einzigartigkeit in diesem Meer aus „Durschnittszahlen“. Sie sind sowas wie die Grundtöne der Tonleiter oder die Chemischen Elemente, aus denen alle anderen Stoffe aufgebaut sein. Wir wissen mehr über die Chemischen Elemente als über die Primzahlen, obwohl wir an denen schon einige tausend Jahre länger forschen!

    In zwanzig Jahren wird sich niemand mehr daran erinnern, wie die Finanznöte der Griechischen Regierung gelöst wurden (genausowenig wie die Finanznöte von tausend Griechischen Regierungen vor dieser). Aber noch unsere Urenkel werden in der Schule von Euklid lernen und was er über die Primzahlen herausgefunden hat.

    Für heute muss das leider reichen (obwohl mir noch viel einfiele), denn ich muss für heute Abend noch einen Sternwartenvortrag ausarbeiten...
     

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