requiem for a dream

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von immi666, 2. April 2003.

  1. immi666

    immi666 New Member

    diese nacht gesehen.....
    bin immer noch völlig durch den wind!
    mit sicherheit der härteste, eindringlichste
    & künstlerichste film zum thema drogen
    & ihre folgen! absoluter tipp; unbedingt
    ansehen!

    http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=5664

    (unbedingt die lokalen rewies lesen! die vermitteln einen
    ungefähren eindruck, worauf man sich mit diesem film
    einlässt.....)
     
  2. alecpo

    alecpo New Member

    Stimmt der Film ist der absolute Knaller.
    Meiner Meinung nach auch besser als Trainspotting.
     
  3. BlingBlongs

    BlingBlongs New Member

    Aronofsky halt!

    BB
     
  4. immi666

    immi666 New Member

    hey, bling: DANKE!!!
    auch wenn`s weh tat....
     
  5. immi666

    immi666 New Member

    hier noch `ne kritik:

    "Ass to ass" schreien sie, aufgewühlt, die blanke Begierde, fast schon Schaum vor dem Mund. "Ass to ass", zu Hunderten verfallen sie in den Chor einer ewigen Wiederholung. Alte, verbrauchte, aber reiche Männer, mit dicken Ringen an und Dollarnoten in der Hand. Auf einer kleinen Bühne in der Mitte des Raumes, in ihrer greifbaren Nähe, zwei nackte Frauen, die jetzt fortfahren sich gegenseitig zu befriedigen. Ass to ass. Eine der Beiden heißt Marion, Marion Silver, vor ein paar Szenen wollte sie noch Modedesignerin sein, zusammen mit ihrem Freund schmiedete sie in der hübschen gemeinsamen Wohnung Pläne für die Zukunft. Sie ist eine Schönheit, vielleicht das Mädchen von dem wir geträumt haben, vielleicht das Mädchen, dass wir hätten sein wollen. Und jetzt endet sie in einem Plateau des Ekels, der Magen dreht sich um beim Zuschauen. Auf allen vieren stellt sie sich zur Schau und ist dabei so stoned, dass sie noch Spaß an ihrem Auftritt zu haben scheint. Später, in ihrem Apartment, wird sie die Drogen, die sie für den Fick bekommen hat, an ihr Herz legen, wie ihr kleines Baby, friedlich einschlafen im Wissen um den nächsten Fix.

    Man braucht Nerven für diesen Film. REQUIEM FOR A DREAM. Ein Film reiner Intensität, den man nicht mehr vergessen kann. Pure Energie, Zerstörungswut, Raserei. Marions Freund Harry, unsere Hauptfigur, die alles, inklusive Marion, ins Nichts reißt, beginnt als kleiner Dealer, findet Gefallen am Heroin und spritzt es sich so lange in die Vene bis der Arm blau anläuft. Wir sehen in Großaufnahme das Netzwerk abgestorbener Adern, das verfaulte Fleisch. Sein letztes Telefonat gilt Marion, die er doch immer noch geliebt hat (und doch nie so sehr wie den Tod). Das Bild beginnt sehr groß, Junge und Mädchen, die sich Treue schwören, ja, ich werde heute Nacht nach Hause kommen. Bis die Einstellungen totaler werden und wir verstehen, dass er im Knast sitzt und heute nirgends mehr hingehen wird. Sie hat sowieso alle Hoffnung längst aufgegeben, hält sich an sich selbst. Ass to ass. Und dennoch, die Träume bleiben vielleicht noch ein bisschen wahr, solange sie nicht durch Worte zerstört werden. Harrys Freund Tyrone, der coole Schwarze, ein bisschen DJ, ein bisschen Kleinkrimineller, liegt in seiner letzten Szene in der Zelle und wünscht sich zurück nach seiner Kindheit, in die Arme seiner Mutter. A friend in need is a friend indeed. Harrys Mutter hat zu diesem Zeitpunkt ihr psychotisches Endstadium erreicht, der Kühlschrank ist in den letzten Tagen reichlich aggressiv auf sie losgegangen und jetzt zappen sich die Stars ihrer liebsten TV-Show direkt neben ihrer Fernsehsessel. Sara, was warst du doch für eine nette alte Lady. Der Knackpunkt war die Einladung, die sie vor einigen Wochen bekommen hat. Einmal dürfe sie im Fernsehen live auftreten. Das rote Kleid, das ihr schon zu lange nicht mehr passt, soll es sein, wenn sie TV-Geschichten schreibt. Gegen das Übergewicht kann an dieser Stelle nur noch der chemische Hunger helfen. Blau, grün, lila liegen die Zügler Tag für Tag vor ihr, morgens, mittags, abends, nachts. Aus einer fixen Idee wird Obsession und irgendwann ist alles zu spät. Schmutzig, irre, abgemagert, verkrustet taucht sie im Fernsehstudio auf, ihren wirren Wunsch immer auf den Lippen, einmal im Fernsehen zu sagen, wie stolz sie doch auf ihren Sohn ist. Dann verbrennt sie einfach in der Kühle der Büros, der Klinik.

    REQUIEM FOR A DREAM bohrt sich wie eine Spirale ins Gehirn, ins Fleisch. Die Figuren fangen an wie die coolen Killer, Ganoven bei Guy Ritchie, Quentin Tarantino. Sie haben immer einen Spruch auf den Lippen, sind den anderen immer ein Stück voraus. Aber Aronofsky geht den Weg in den Abgrund bis ganz ans Ende und dann immer weiter und weiter. Ein Feldversuch nach der Frage ob Figuren, die man nur lange genug fallen lässt, den Boden durchschlagen können. Vielleicht ist er ein Perverser, vielleicht einfach einer, der seine Sache ernst nimmt. Der Film als Monster, bildsprachlich, dramaturgisch eloquent, wie man es selten bestaunen durfte. Alles geht in den Exzess, das Delirium, die Angst, den Sex.

    Dabei gibt es unglaublich zärtliche Szenen, Tempiwechsel. Tyrone mit seiner Freundin im Bett, beide nackt, die Kamera steigt zur Decke auf, ruhig und unaufdringlich. Liebe. Harry, der sich wieder mehr um seine Mutter kümmern will, sie besucht und ihr ein neues TV-Set schenkt. Er und Marion in einer idyllischen Weiten, Felsbrocken züngeln sich friedlich ins Meer hinein, gegen den blauen Himmel sitzen die Figuren in vertrautem Gespräch. Diese Szenen bilden Ruheplateaus, Stellen an denen sich der Zuschauer einfinden kann in die Welt auf der Leinwand. Doch irgendwann treibt sich der Film in die Raserei, die schwärzeste Dunkelheit. Stück für Stück. Marion und Harry im Bett, eigentlich liegen die Beiden nur wenige Zentimeter voneinander entfernt, aber Aronofsky zieht eine Split-Screen ein, das Bild in der Mitte geteilt, in naher Ferne so weit. Man sollte sich auf die traute Zweisamkeit nicht verlassen. Harry braucht Geld und Marion geht zu ihrem ersten Job, bei dem sie ihren Körper verkauft. Als sie nach Hause kommt scheint alles wie gewohnt, sie setzt sich einfach neben ihn auf die Coach. Und doch ist alles anders, keine Blicke, keine Gesten der Zärtlichkeit, die ersten Bilder des sich materialisierenden Absturzes. Wo im Off immer noch die süsslich-romantische, alles veredelnde Musik von Clint Mansell zu hören ist, die dem Elend noch einmal einen Körper mehr gibt, den Schmerz fassbar macht, als wäre er ein alter Freund. Ein alles durchdringender Geschmack des Verfalls, den man noch Tage später auf den Lippen fühlen kann. Seit Delerues Thema für Godards LE MÉPRIS dürfte es keinen exakteren, intensiveren, melancholischeren Score mehr gegeben haben. Zwei Takte der "Summer Overture" und man ist zurück in der Welt des Films.

    Der Untergang unserer zentralen Figuren läuft zusammen in einer Parallelmontage, die eigentlich das zentrifugalste Stilmittel des amerikanischen Kinos ist, der Schlussakkord, in den am Ende die Bruchstücke wieder auf einen gemeinsamen Nenner zurückgeführt werden sollen, die Elemente im einheitlichen Organismus zusammenfließen, die verlorenen Verbindungen wiederhergestellt werden. P.T. Anderson ist heute vielleicht der klarste Vertreter der "alten" amerikanischen Schule. Sowohl MAGNOLIA als auch BOOGIE NIGHTS waren bestimmt von den nicht enden wollenden Plansequenzen, immer einer Figur hinterher (Little Bill in BOOGIE NIGHTS, als er zuerst seine Frau, ihren Lover und schließlich sich selbst erschießt), die im Ensemble nach Gründen sucht, Motiven, kausalen Bezügen, Psychologie. Die große Analyse der Gruppe, der Gesellschaft. Aronofsky treibt alles auseinander, Einstellung um Einstellung, zentripetal schießen die Handlungsstränge auseinander und der einzige Nenner, der noch zu fühlen ist, ist der Ekel, der Schmerz, der Tod. Jared Leto spielt den Protagonisten Harry und hier wie in Finchers FIGHT CLUB ist er der Engel und das Omen des existenziellen Verlustes. Edward Norton zerbrach bei Fincher sein Angel-Face und REQUIEM FOR A DREAM scheint dessen Worte "Ich musste einfach etwas Schönes kaputtmachen" noch einmal in die Tat umsetzen zu wollen. Ohne die romantischen, romantisierenden Motive, die bei Fincher noch ab und an zu spüren sind. Der masochistische Exzess wird hier auf die Spitze getrieben, Kino vielleicht im Sinne de Sades, Sacher-Masochs, Batailles. Zerstückelungen. Wie in PI, Aronofskys letztem Film, wird der tatsächliche Drogenkonsum in Singularitäten, die kleinstmöglichen Bewegungszeichen, (Löffel, Spritze, Vene, Pupille) zerlegt. Von "Dekonstruktion" zu sprechen würde die ganze Sache nur unnötig intellektualisieren. Alles ist Fieber, Sterben, Fühlen. Der berstende Blick auf Figuren, die sich erst langsam und dann immer schneller auflösen, verschwinden im eigenen Ekel. Aber wozu braucht man schon Figuren, wenn man den Affekt hat? Die Bilder verfremdet in jeder Sekunde und dennoch trifft der Film die Realität besser als es der Realismus im Kino könnte. "Perfect Film" war in den Kritiken immer wieder zu lesen und das zu Recht. Mehr davon.
     
  6. BlingBlongs

    BlingBlongs New Member

    Jo kein Prob!

    "Pi" ist auch in seiner krassen Art ähnlich! Wobei Pi schwieriger anzusehen ist! Hat aber den besseren Soundtrack!

    Nächste Woche kannste Dir selber ein Bild davon machen!

    BB
     
  7. immi666

    immi666 New Member

    nächste woche suchen dich mike mendez` KILLERS
    heim, wenn du es denn möchtest?!?
    kennst du den film AVALON? ebenfalls ein verdrehtes,
    den mainstream verachtendes stück kino.
    dürfte dir gefallen.....
    ;-)
     
  8. BlingBlongs

    BlingBlongs New Member

    Hmm! Avalon sacht mir jetzt nix! Von "Killer" hab ich mal gehört & vielleicht auch schon gesehen?!!?!?!

    Aber ich bin nicht abgeneigt!:)

    Hattest Du nicht auch "Ein Zombie hing am Glockenseil" oder so ähnlich?

    BB
     
  9. immi666

    immi666 New Member

    PSSSSSSST!
    ja, hab` ich....
    ;-)

    alles klar?
    *blinzel*
     
  10. BlingBlongs

    BlingBlongs New Member

    Ich meine ja nur: "Musste mir mal leihen!" :)

    BB
     
  11. alecpo

    alecpo New Member

    Und hinterher schallt´s wieder laut durch das Forum: "Dieb"

    :)
     
  12. immi666

    immi666 New Member

    oki, leihe ich dir!
    *g*
     
  13. immi666

    immi666 New Member

    ARSCH!!
    *fg*
    ;-)
     
  14. alecpo

    alecpo New Member

    Wie jetzt? Ich? *wutschnaub*
     
  15. BlingBlongs

    BlingBlongs New Member

    Super!

    Ist eigentlich "Tanz der Teufel", den Du mir geliehen hat, in Uncut?

    Ich habe den auch mal so Mitte der 80iger gesehen & irgendwie dachte ich es wären noch schlimmere Szenen zu sehen!

    Oder es lag daran dass ich so jung war?!?!

    BB
     
  16. immi666

    immi666 New Member

    ist völlig UNCUT!
    tja, da warste noch ein jüngling, der
    solche sachen besser nicht gesehen hätte....
    ;-)

    wie findeste SUSPIRIA?
     
  17. BlingBlongs

    BlingBlongs New Member

    Suspiria habe ich noch nicht gesehen! Ich gucke nachher! *grusel*

    BB
     
  18. immi666

    immi666 New Member

    SUSPIRIA ist betörend!
    ein fiebriger, delierender alptraum.
    selten waren leinwandmorde
    ästhästischer.....
    filmisch gesehen geht dieser
    ältere film (1976) des dario argento
    über wasser! ausserdem
    gibt`s keine maskierten killer;
    vielmehr handelt es sich um eine
    gruselige hexengeschichte......

    mit sicherheit einer meiner 10
    lieblingsfilme!
    tipp: see it more than once.
    erst dann entfaltet er wirklich kraft!
    & natürlich nur im dunkeln gucken.....
    ;-)
     
  19. Giadello

    Giadello New Member

    AVALON ist m.E. Dreck. Langweilig, seelenlos und bemüht kunstvoll. Die bessere Alternative in diesem Themendunstkreis wäre NIRWANA mit C. Lambert. Auch kein Mainstream, witzige Ideen und ein bitteres Ende.
     
  20. immi666

    immi666 New Member

    avalon: mehrmals sehen; ist gut, dass teil.
    nirwana: tja, GENAU da gehört der hin....
    *g*
     

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