Schwarzer Sonntag :/

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von christiane, 5. April 2005.

  1. christiane

    christiane Active Member

    Am Sonntag sind bei uns auf dem Hof zwei Pferde gestorben. Nein, nicht meiner, keine Panik. Aber es ist sehr traurig.

    Am Samstag hatte eine Norwegerstute eine Kolik, ausgelöst durch einen Reheschub. Der Tierarzt kam und es ging ihr wieder besser. Am Sonntag war der Arzt sowieso da wegen einer Massenimpfung (meiner auch) und um zwei Junghengste zu legen, zu kastrieren. Normalerweise kein Ding, das ist in 24 Stunden vergessen. Als ich am Mittag von einem Spaziergang mit Erato zurückkam, waren beide in der Halle, der eine lag auf der Seite und sah ganz komisch aus. Der andere lief schon wieder herum. Ich sagte das einem Mädchen dort und die meinte, ach der liegt nur, der ist müde, die Nachwirkungen der Narkose eben. Später kam sie dann panisch angelaufen und rief nach dem Chef, der dann auch schnell kam und guckte, was los ist.

    Irgendwie muss was schiefgelaufen sein, jedenfalls ging es dem Pferd nicht gut, der Darm kam irgendwie raus. Fragt mich nicht wie, ich bin keine Ärztin, sah aber sehr bedrohlich aus. Ich bin dann nach Hause gefahren, wollte nicht im Weg stehen.

    Gestern erkundigte ich mich und ein anderes Mädel sagte, alle beide wären tot. Ich habe es erst nicht richtig verstanden, aber dann meinte sie die Stute und der Kleine. Ich weiß noch nicht mal seinen Namen. Und der stand mit Erato auf der Wiese, war immer sehr zutraulich.

    Die Stute hatte wohl wieder eine Kolik gehabt in der Nacht, das hat natürlich keiner gesehen und aus war es. War für sie aber eine Erlösung, da schon ziemlich alt und keine gute Hufe und die Besitzerin hat sich nicht um sie gekümmert. Die Stute war genauso alt wie Erato und sah so viel älter aus. Ich versteh es nicht. Viele Pferde könnten an die 30 Jahre werden, aber nicht genügend Bewegung und Pflege verhindern das. Es reicht eben nicht, ein Pferd auf die Wiese zu stellen mit genügend Futter, Wasser und Gesellschaft. Ich bin irgendwie total fertig.

    Da kann man nur versuchen es besser zu machen. Manchmal schätzen die Leute Erato auf 5 oder 10 Jahre und da bin ich richtig stolz. Denn er zeigt immer noch das Verhalten eines jungen lebhaften Pferdes, er wird bestimmt 30 jahre alt, wenn nicht noch älter.

    So, jetzt genug ausgeheult. Ich hoffe meine Stimmung hebt sich im Laufe des Tages. :angry:
     
  2. deumel

    deumel New Member

    :angry: :angry:
     
  3. suj arbeitet

    suj arbeitet dtp seelsorge

    ich komme aus einer pferdeverrückten Familie (und bin die einzige die sich dafür nicht interessiert ;) ) und kenne solche Stories zur Genüge :-(
    Vor einem Jahr ist nämlich das Pferd meiner Schwester einfach tot umgekippt...
    Jetzt hat sie ein Hobby weniger...

    :crazy:
     
  4. macster24

    macster24 Ort: Amsterdam

    Na seht das doch mal positiv! All die schönen Schuhe die man daraus machen kann.... :klimper: :D





    :angry: :angry:
     
  5. christiane

    christiane Active Member

    :confused: :ring: Mir ist nicht nach Witzen zumute. Ganz ehrlich nicht.
     
  6. macster24

    macster24 Ort: Amsterdam

    Nee ja... ähhhmm... tschuldige:embar: :crazy:
     
  7. Macziege

    Macziege New Member

    Menschen, die Tiere halten, sollten Befähigungsnachweise erbringen und von Zeit zur Zeit überprüft werden. Es ist unverzeihlich, den Tieren so etwas anzutun. Aber man sollte auch Zivilcourage aufbringen, und auf Missstände hinweisen. Nur so kann sich etwas ändern.
     
  8. christiane

    christiane Active Member

    Stimmt. Ich frage mich auch schon die ganze Zeit, ob ich das hätte verhindern können. Zumindest ob ich einen Amtstierarzt zur der Stute hätte holen müssen. Wenn ein Tier abgemagert irgendwo steht, dann ist das einfacher zu sehen. Wenn aber ein Tier in einer Herde gut genährt steht und Sozialkontakte hat, dann ist die Vernachlässigung schwerer nachzuweisen.

    Eine Freundin arbeitet beim Landwirtschaftsamt und sie erzählte mir gestern eine Horrorgeschichte: Ein Mann hat ca. 200 Tiere verhungern lassen, darunter viele Kühe, ein paar Schafe und Pferde. Und diesem Mann ist es weiterhin gestattet, Vieh zu halten. Nach einem weiteren Vorfall wurde eine Verwarnung in der Akte hinterlassen. Aber er darf weiterhin Tiere halten. Das verstehe ich nicht.
     
  9. macKnall

    macKnall Halbtagsphilosoph

    Dreissig Meter vor meiner Haustüre ist ein Pferdehof mit Pensionspferden. Die Viecher sind sowas von überflüssig. Und die Besitzer erst…
    Ich bin froh um jeden Klepper, den es nicht mehr gibt.

    Sorry

    Das Gejammere kann ich nicht nachvollziehen.
     
  10. Macziege

    Macziege New Member

    Tiere haben keine Lobby und Ignoranten gibt wie macKnall gibt es zu viele.
     
  11. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    1. Stimmt nicht ganz. Es gibt erstens (in meinem Umkreis jedenfalls!) mehr verantwortungsbewusste Tierhalter als Tierschinder und zweitens eine Menge Menschen, die sich in Tierschutzorganisationen betätigen.

    2. Ja, leider.

    Grüße, Maximilian
     
  12. turik

    turik New Member

    MacKnall meint nicht die Pferde, er meint Menschen, die Pferde als Tamagotchi kaufen und dann, wenn die erste Freude verflogen ist, krank und gestört werden lassen.

    Gäbe es nur mehr von Christianes Art!
     
  13. christiane

    christiane Active Member

    Danke, turik.

    Vielen ist nicht klar, wieviel Aufmerksamkeit sie neben dem Reiten dem Pferd zuwenden sollten.

    Trotz deines Nachsatzes verstehe ich die Aussage von MacKnall nicht. :shake: Was heißt überflüssig. Natürlich haben sie nicht mehr die Aufgaben, die sie zu Beginn des letzten Jahrhunderts hatten, sie sind keine Arbeitstiere mehr. Aber sie tun viel für das seelische Gleichgeweicht, jedenfalls tut dies Erato bei mir. Und damit bin ich gesünder und arbeitsfähiger. Das ist doch auch ein Punkt, den man bei der Frage nach der Nützlichkeit von Pferden berücksichtigen sollte.
     
  14. turik

    turik New Member

    Das macht bei mir mein Hund. (Ich hatte vorher noch nie einen.) Der fordert von mir, das ich schon nur mit der Körperhaltung signalisiere, dass ich sein Chef bin, für sein "Rudel" die Verantwortung übernehme. (...und das Fressen besorge.)

    Das ist neu für mich, in meinem hohen Alter. Ich dachte, ich könne einfach weiter so harmlos harmonisüchtig durchs Leben schlurfen und zum Hundeli einfach lieb sein, und das Tier wäre dann automatisch lieb zu mir.

    Und jetzt tastet das Viech ständig die Grenzen des Zulässigen ab und ich pirsche neuerdings mit blitzenden Augen, wachem Geist und angespannten Sprunggelenken durch Auen und Wälder.
    Und nur wegen einem Viech. Es tut uns gut, es hat tatsächlich therapeutische Eigenschaften.

    Und ich kann sehr gut verstehen, wie es weh tut, ein Tier leiden zu sehen.
     
  15. p.i.t.

    p.i.t. Ural-Silber

    deine aussage in ehren, turik, aber ich bin überzeugt, macKnall meint genau die pferde, wenn er sagt "Ich bin froh um jeden Klepper, den es nicht mehr gibt."...

    aber egal. tut mir leid christiane. wie bei menschen auch – es ist ein akt des loslassens und akzeptierens, wenn jemand stirbt. ich freu mich für dich, dass dein pferd gesund ist und du noch lange zeit freude mit ihm haben kannst!
     
  16. Opa01

    Opa01 New Member

    Das Problem ist, obwohl wir ein "Tierschutzgesetz" haben, werden Tiere juristisch immer noch als Sache behandelt.
    Würde ein Eignungstest (Führerschein) verlangt, gäbe es so etwas sicher nicht so häufig. Genauso gäbe es dann sicher weniger neurotische Hunde, die aus lauter Angst um sich beißen oder sogar bewußt darauf dressiert werden.

    Gruß Opi
     
  17. christiane

    christiane Active Member

    @ turik: Kann ich nachvollziehen. Diese Leittierdiskussion hatte ich am Anfang auch führen müssen. Harmonie ist schön und gut, aber zuerst muss ausdiskutiert werden wer der Boss ist. Wenn das klar ist, gibt es sehr viel Harmonie. :D

    @ p.i.t.: Ja, ich freue mich auch jeden Tag, an den ich Erato habe. Und immer lerne ich auch was über mich selber.
     
  18. mymacs

    mymacs New Member

    Hi Christiane,
    kann Deine Trauer nach vollziehen. Ich hatte am Samstag aber ein sehr schönes Erlebnis. Mein Patenkind hat geheiratet, und 4 Reiterinnen mit Pferden standen Spalier vor der Kirche. Ich hatte nicht vermutet, daß Kia dabei war. Habe aber sofort an der freudigen Begrüßung bemerkt, welches Pferd zu Nicole gehörte. Hat sich auch nicht von dem ungewöhnlichen Outfit in weißer Seide und großem Hut irritieren lassen. Es war eine ganz rührende Begrüssung.
    Noch ne Frage, war denn bei der Stute eine Trepanation gemacht worden, weil der Darm vorquoll, oder ist der Darm durch gebrochen.
    Dein Erato sieht wirklich noch jung aus, was sagt der Fachmann beim Blick auf die Zähne? Noch viel Freude Euch beiden. Gruß Marianne
     
  19. christiane

    christiane Active Member

    Die Zähne sind i.O. Letzten Dezember war der TA da und hat geraspelt. Ich durfte auch mal reinfassen. War sehr interessant. Er meinte, dass für sein Alter (20) die Zähne sehr gut wären und nur ein paar kleinere Haken da waren. Aber ansonsten i.O.

    Die Stute hatte eine Kolik, also Verstopfung. Wie genau die Bezeichnung ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Koliken mit Rehe in Verbindung gebracht werden kann, da dann der Stoffwechsel nicht in Ordnung ist und es dadurch zu Verstopfungen und dann zu Kreislaufversagen kommen kann. D.h. das Pferd stirbt nicht direkt an der Verstopfung aber am Kreislaufkollaps.

    Der Darm ist beim Jungpferd herausgekommen nachdem er kastriert worden ist. Man kann diese OP ungefähr mit einer Blinddarmoperation gleichsetzen. Es kann der Pförtner machen, aber es können auch Komplikationen auftreten und dann wird es ernst. Was genau passiert ist weiß ich nicht.

    Was das Wiederkennen betrifft, das ist schon irre. Als der TA am Sonntag geimpft hat, war das auch sehr aufregend für Erato und als der Piekser vorbei war, kam er in meine Richtung in der Art: Christiane, was war das denn? Schon vorbei? :D Sobald der TA auf den Hof fährt, verfolgt er jede Bewegung. Und wenn er gerade frisst, wird eben vom Futter abgelassen und dem TA hinterher geguckt. Man kann ja nie vorsichtig genug sein... :D

    Und nicht zu vergessen, es sind einfach schöne Tiere und in der Bewegung traumhaft. Wer einmal eine galoppierende Herde gesehen hat, wird das verstehen.
     
  20. macKnall

    macKnall Halbtagsphilosoph

    So ganz richtig ist die Interpretation auch nicht. Wenn ich Klepper schreibe, meine ich nicht Pferde an sich. Das Problem sind die Besitzer. Hätten die Tiere auf meines Nachbarn Hof Besitzer mit Pferdeverstand, wären sie allesamt nicht verhaltensgestört. Aber jeder dort auf der Koppel legt die Ohren an, wenn irgendjemand vorbeigeht.
    In unserem Dorf gibt es noch andere Pferdehalter. Deren Pferde sind mir eine Freude, weil sie eben elegant sind, schön und freundlich.Keine Statussymbole, die einmal pro Woche aus der Box auf den Sandplatz gezerrt werden, weil sie so verkümmert sind, dass sie einem Menschen, der sie am Zügel führt, nicht nachgehen. Klar, diesem Deppen würde ich auch nicht nachgehen. Wenn er mich wieder vom Platz holt, sperrt er mich in den Transporter und fährt mit mir zur Reithalle, damit er mich den anderen Deppen zeigen kann. So werden in meiner Nachbarschaft durch gestörte Menschen gestörte Pferde gemacht. Das sind eben die Klepper, bei deren Verschwinden ich aufatme.
     

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