Sie starben nicht auf dem Schlachtfeld in Irak oder Afghanistan..

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von batrat, 10. Juli 2008.

  1. batrat

    batrat Wolpertinger

    ....sondern in den U.S.A. :frown:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,564996,00.html

    "Doch Tausende andere Veteranen gehen ungehindert in den Freitod, auf diese oder herkömmliche Weise, mit Schlaftabletten, dem Strick, Schusswaffen: Suizid, so Experten, ist zu einer regelrechten Epidemie unter US-Kriegsheimkehrern eskaliert."

    "Jeff Lucey, 23, erhängte sich mit einem Gartenschlauch im Keller seiner Eltern. Tim Bowman, ebenfalls 23, erschoss sich am Thanksgiving Day. Derek Henderson, 27, sprang von einer Brücke. Jonathan Schulze, 25, erhängte sich mit einem Stromkabel, nachdem ihn ein VA-Psychiater vertröstet hatte, er sei Nummer 26 auf seiner Warteliste.
    "

    Wie kann Herr Bush da gut schlafen ? :augenring
     
  2. edwin

    edwin New Member

    Berechtigte Frage.

    Und ich finde, es ist egal, ob da 150 oder tausende Menschen den Freitod als Ausweg aus den "Erinnerungen" suchten.
     
  3. pewe2000

    pewe2000 New Member

    [Zynmodus an]Herr Bush trauert aufrichtig um die tapferen amerikanischen Freiheitskämpfer, die überall auf der Welt auf seinen Befehl hin für die Einführung der Demokratie kämpfen und von denen einige tausend dort ihr Leben lassen müssen, nicht aber um die Weicheier, die sich ganz unamerikanisch das Leben nehmen.[Zynmodus aus]

    :augenring
     
  4. Holloid

    Holloid New Member

    Vor allem waren es junge Männer der Betrogen worden sind. Ihres leben betrogen.
    Diejenigen die überleben gehts auch nicht besser..Sie leben immer mit der Erinnerung.
     
  5. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Was heisst: Betrogen? Die Amerikanische Armee ist eine reine Freiwilligenarmee; die Literatur über das Soldatenleben und den Kriegseinsatz füllt mehrere Bibliotheken. Analphabeten nehmen sie bei der U.S.Army nicht, also hätte jeder die Chance gehabt, sich über das zu informieren, was ihn erwartet. Bevor er unterschreibt.

    Vietnam war anders, damals galt noch die Wehrpflicht, und viele hatten keine Wahl. Für die Soldaten des aktuellen Irak-Krieges kann ich kein echtes Mitgefühl aufbringen, wenn ich ehrlich bin.

    Grüße, Maximilian
     
  6. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Genau, und aus einem früheren Thread wissen wir, dass nicht alle Heimkehrer solch ein sensibles Gewissen haben und auch mit etwas schwereren Verletzungen relativ cool umgehen können. Das sind die echten Amis!

    American Heroes

    (Wenn man ein paar Postings abwärts scrollt, kommen die Bilder).
     
  7. Holloid

    Holloid New Member


    Sicher, aber wer kann in denn jungen Jahren schon alle Konsequenzen seiner Handlung begreifen. Mit 18 fühlte ich mich auch unverletzbar.
    Freiwillig ist so eine Sache, wenn die Armee die einzige Chance ist Geld zu verdienen oder ein Ausbildung zu bekommen, weis ich nicht ob man von vollständiger Freiwilligkeit Sprechen kann.
    Ich glaube auch, das viele junge wenig gebildete Amerikaner/Soldaten glaubten ihr Land gegen Terroristen zu verteidigen. Ihre Familie zu verteidigen. Auf sowas fällt man mit 40 nicht mehr rein, mit 18 schon.
     
  8. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Betrogen heißt, dass man unter Vorspiegelung falscher Tatsachen manipuliert wird. Betrogen wurden auch die Soldaten des dritten Reiches, als man für die Ehre und fürs Vaterland sich schlachten ging. Im Betrügen war das Militär schon immer ganz groß.
     
  9. edwin

    edwin New Member

    Ja. Und das es dazu Literatur gibt, heißt noch lange nicht, dass es jeden erreicht (im mehrfachem Sinne).
     
  10. batrat

    batrat Wolpertinger


    Theoretisch stimmt das. :nicken:

    Tatsächlich ist es aber so, dass viele zur Army gehen, weil sie im Zivilleben ohne echte Perspektive sind. Richtig freiwillig würde ich das nicht nennen. :shake:

    Aber auf jeden Fall bleibt die Sauerei, dass man sie in den Krieg schickt und sich anschliessend nicht in ausreichendem Mass um sie kümmert. :frown:
     
  11. HirnKastl

    HirnKastl Alt-68er

    Ja, da ist was dran. Die Werber der Army gehen ganz gezielt in Gegenden, wo die Arbeitslosigkeit hoch und ein Entkommen aus der Situation sehr schwer ist. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit darüber einen Bericht gesehen, in dem auch die Freiwilligen zu ihrer Situation befragt wurden. Die meisten gaben an, es sei die einzige Chance, aus der Armut und Arbeitslosigkeit zu entkommen. Manche gaben auch an, dass schon ihre Väter diesen Weg gewählt hatten. Die Army versprach neben "Auslandsaufenthalten" auch fundierte Ausbildungen. Dass mit "Auslandsaufenthalten" auch Hardcore-Einsätze im Irak oder sonstigen Krisengebieten gemeint sind, ist ihnen nicht unbedingt gleich klar. Die geschniegelten und gebügelten Anwerber vermitteln nicht den Eindruck von Gefahr und Elend, eher rücken Begriffe wie "Heldentum, Vaterlandsliebe und Verteidigung der Freiheit" in den Vordergrund.

    Auf diese Weise lösen die USA ein soziales Problem dadurch, dass sie es als Kanonenfutter in Krisengebieten verheizt.
     
  12. batrat

    batrat Wolpertinger

    Auch die Einbürgerung wurde als Belohnung für den Kriegseinsatz versprochen.
    http://www.tagesschau.de/ausland/meldung88722.html

    "Sie sind Ausländer, haben keine Zukunft - und sie sind extrem begehrt: In den Immigrantenvierteln der USA patrouillieren Anwerber der amerikanischen Armee, um junge Männer für die Marines zu rekrutieren. Mit Erfolg: Der Dienst bei den US-Streitkräften gilt als aussichtsreicher Weg zu einer schnelleren Einbürgerung"

    " Als Jose Angel Garibay zwei Monate alt war, hatte seine Mutter ihn illegal über die Grenze getragen. Er starb im Alter von 21 Jahren als US-Soldat im Irak - noch immer Bürger von Mexiko. "Er wäre so stolz, US-Staatsbürger zu sein", sagt seine Cousine Martina Garibay, "das ist es, was er immer wollte. Seit er zwei Monate alt war, ist er hier aufgewachsen, genau wie ich, das hier ist unser Land."

    Abschied von Soldat Jose Angel Garibay: Einbürgerung nach dem Tod (Foto: picture-alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Abschied von Soldat Jose Angel Garibay: Nach seinem Tod wurde der Mexikaner eingebürgert ]
    Erst nach seinem Tod ging Joses Wunsch in Erfüllung. Er wurde posthum eingebürgert, genau wie einhundert andere im Irak gefallene ausländische US-Soldaten."


    :augenring
     
  13. Holloid

    Holloid New Member

    In manchen dingen sind wir uns einig...das kann man doch ausbauen..
    ich schrieb:

    "Freiwillig ist so eine Sache, wenn die Armee die einzige Chance ist Geld zu verdienen oder ein Ausbildung zu bekommen, weis ich nicht ob man von vollständiger Freiwilligkeit Sprechen kann."
     
  14. Holloid

    Holloid New Member

    "Das Bild von Tyler Ziegel ging um die Welt: Ein Attentat im Irak hatte das Gesicht des US-Marines bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Seine Freundin Renee heiratete ihn trotzdem. 15 Monate später haben die beiden sich scheiden lassen. Die Geschichte zweier Menschen, die einfach noch zu jung waren für ihr Schicksal."

    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/25463/1/1#texttitel
     
  15. batrat

    batrat Wolpertinger

    "Die Menschen erfahren von der Welt, was ihnen die Nachmittags-Talkshows an Informationen liefern: nichts. Gute Jobs sind rar, und das Militär bietet immer eine attraktive Alternative für einen 18-jährigen Schulabgänger, der keine Lust hat, den Rest seines Lebens bei Taco Bell Quesadillas zu verkaufen."

    "Das Vertrauen in ihr Militär haben die Bewohner von Metamora nach der Affäre um Tylers Pension jedenfalls verloren. Obwohl der nach wie vor behauptet: »Wenn ich noch mal anfangen könnte, würde ich alles genauso machen.« Er erwartet weder Dank noch Reichtum aus der Rentenkasse. Ob er ahnt, dass es nur zwei führende Politiker in Amerika gibt, deren Kinder im Irak kämpfen? "

    "CNN, Fox und die anderen Sender interessierten sich ebenso wenig für diesen traurigen Vorfall. Sie konzentrierten sich im Winter bereits auf das Ereignis, das ihnen die höchsten Umsätze ihrer Geschichte bescheren sollte: die Seifenoper um Hillary Clinton und Barack Obama. Das »People Magazine« opferte in der Ausgabe vom 17. Dezember 2007 genau eine Spalte für die Nachricht von der gescheiterten Ehe. Wer will kurz vor Weihnachten deprimierende Neuigkeiten erfahren?

    Amerika hat Tyler und Renee Ziegel vergessen, was auch daran liegt, dass der Irakkrieg aus der öffentlichen Diskussion verschwunden ist. Die Menschen zerbrechen sich die Köpfe über die Benzinpreise und lassen sich ablenken vom jahrelangen Wahlkampf. Die Zeit, die das Fernsehen dem Desaster im Irak widmet, ging im vergangenen Jahr um neunzig Prozent zurück.
    "
     
  16. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Ich war bisher bei jedem USA Aufenthalt bestürzt wie wenig Informationen man in den Medien über die Welt ausserhalb der County-Grenzen erfährt, von Auslandsnachrichten ganz zu schweigen. Allerdinsg weiger eichmich die dumme/blinde Bevölkerung als armes Opfer zu entschuldigen:
    Die USA sind noch eine relativ freies Land, durch das iNternet stehen jedem Amerikaner alle Kanäle offen sich auch unabhängig über wichtige Dinge zu informieren. Das dies nur umständlich möglich ist ist alleine selbstverschuldet. Für Ihr Fernsehprogramm (und Zeitungsprogramm) sind die US Bürger alleine selber verantwortlich – wer sich von der Welt nur für Nachbars garten und die Bestätigung der immer gleichen Vorurteile interessiert sollte sich bei Ausflügen in andere Kulturkreise auf Überraschungen gefasst machen.

    Natürlich ist das Schicksal des im Artikel beschrieben Soldaten furchtbar – trotzdem, als Teil der US Armee musste er damit rechnen getötet oder verstümmelt zu werden. Das ist es was den Beruf des Soldaten ausmacht.

    Wenn ich darüberhinaus dran denke das in diesem Krieg über 1 Mio. irakische Menschen dahingemetzelt wurden (und werden) dann relativiert sich das Leid des einzelnen, insbesondere wenn es sich um das Leid des Agressors handelt...

    Alles in allem eine furchtbare Geschichte... in Anbetracht der Bedeutung des Öls allerdings erst der Anfang weitaus größerer Auseinandersetzungen... :augenring
     
  17. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Au dem Sz Artikel:
    Das wirft auch ein ganz arg bitteres Licht auf den Umgang mit dem Veteranen Problem seitens der US Regierung...
     
  18. edwin

    edwin New Member

    So mancher Mensch ist neugierig und informiert sich von alleine, so manch anderer muss dies erst erzählt bekommen, dass er diese Möglichkeit hat.

    Ich bekomme eher den Eindruck, dass es gewollt ist, dass die Informationen einseitig sind. Nur "schlecht" informierte Bürger lassen sich gut "lenken". Diesen Eindruck hatte sich mir bei einem USA Aufenthalt ergeben .
    Ich traf dort Menschen, die sympathisch weltoffen (interessiert über die Welt und ihre Ereignisse) waren und welche, die auf einem alten Stand hängen geblieben (ja habt ihr in Deutschland wieder fließendes Wasser) waren.
    Die Menschen, die weltoffen waren, waren auch die, die reisten (außerhalb der USA) und sich mit komplexere Literatur und Nachrichten aus einander setzten. Interessant war auch deren Wahlverhalten und die Argumentation dazu.
     
  19. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte


    Ganz Ehrlich? Ich glaube das hinter dem z.Tl. dummdreisten Entertainment namens "Nachrichten" nur sehr selten irgendeine Staatliche Einflussnahme steht. Das entsteht völlig alleine da es für einen Sender/verlag in jedem Fall billiger ist Content aus der unmittelbaren Umgebung zu generieren als z.B. Auslandskorrespondenten zu unterhalten. Wen der Kunde Nachbars Katze sehen will dann bekommt er sie – so einfach ist das. Fernseh-Nachrichten sind nichts weiter als Unterhaltung, je einfacher und unkomplizierter desto besser.

    Natürlich reibt sich sicher so manche Regierung angesichts ihres blinden und tauben Volkes freudig die Hände – schließlich kommt das bei manchen UNternehmungen sehr gelegen.
     
  20. edwin

    edwin New Member

    Von einer nur aus dem Staate bestehenden Einfluss habe ich auch nicht geschrieben. Wer ist den die führende "Elite" der USA? Was machen sie? Welche Interessen haben sie?

    Was bei uns (Europa bzw. Deutschland) auch immer mehr Einzug erhält. :kotz:

    Ja, leider.
     

Diese Seite empfehlen