Sind die billigen Arbeitskräfte gekommen?

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von turik, 6. Juli 2005.

  1. turik

    turik New Member

    Wen die Schweizer Politiklandschaft nicht interessiert, möge weiterblättern.

    Andernfalls bitte ich um Erfahrungsberichte von Forumsern der hier gerade präsenten EU-Länder: Im Herbst gibt es in der Schweiz eine Volksabstimmung zu der Frage, ob die inzwischen "bilateral" mit der EU ausgehandelte Personenfreizügigkeit auch auf die "neuen" EU-Mitgliedsländer im wilden Osten ausgedehnt werden soll. (Die Regierung und die mit ihr verbandelten Arbeitgeberorganisationen hätten das gerne ohne Abstimmung eingeführt, es wurde aber dagegen ein Referendum ergriffen; dh. es gibt darüber eine Volksabstimmung.) Schon heute ertönen an jeder Ecke Schalmeienklänge, wie toll das dann werden soll, und dass mit sogenannten "flankierenden Massnahmen" das Lohnniveau der zurzeit noch nicht wegrationalisierten Arbeitnehmer gegen die bösen Billigarbeiter verteidigt würde.

    Wie erlebt ihr das in D oder A? Da dürfen die Polen, Ungarn und so schon kommen und bei den Löhnen unten reinhauen.
    1. Gab/gibt es Lohndruck?
    2. Kamen/kommen (falls überhaupt) nur Ungelernte oder kommen auch gut Ausgebildete?
    3. Kann dieser Prozess aus eurer Sicht, falls überhaupt erkennbar, langfristig Positives bewirken?
     
  2. sahomuzi

    sahomuzi New Member

    Nein, nach Österreich dürfen die noch nicht arbeiten kommen. Es wurde eine Übergangszeit ausgehandelt, sodass Slowaken, Tschechen und Co erst ab 2007 freie Arbeitsplatzwahl in Ö haben.
    Ich nehme mal nicht an, dass unsere deutschen Nachbarn auf so etwas verzichtet haben. ;)

    Also können wir dir noch keine Erfahrungsberichte liefern.

    Aber das bitte nicht falsch verstehen: Wieder einmal bewunderswert, wie sich die Schweizer die besten Stücke vom Käse abschneiden.
     
  3. Pahe

    Pahe New Member

    Die Freizügigkeit des Personenverkehrs gemäß Schengenabkommen betrifft nur Touristen (kann die Schweiz nie genug haben) bzw. Durchreisende nicht aber Personen, die arbeiten wollen.
    Hier gilt selbst für D und andere Vollmitglieder eine längere Übergangsfrist. Man hat dabei nur vergessen die Verleihpraxis und die (Schein)-Selbständigkeit mit zu regeln. Das betrifft aber nur EU-Vollmitglieder.
    Das Schengenabkommen ist etwas anderes.
    Nationalistische Kleinbürger versuchen natürlich solchen Anlass für ihre Demagogie zu nutzen.
     
  4. Pahe

    Pahe New Member

    Die Freizügigkeit des Personenverkehrs gemäß Schengenabkommen betrifft nur Touristen (kann die Schweiz nie genug haben) bzw. Durchreisende nicht aber Personen, die arbeiten oder Asyl wollen.
    Hier gilt selbst für D und andere Vollmitglieder eine längere Übergangsfrist. Man hat dabei nur vergessen die Verleihpraxis und die (Schein)-Selbständigkeit mit zu regeln. Das betrifft aber nur EU-Vollmitglieder.
    Das Schengenabkommen ist etwas anderes.
    Nationalistische Kleinbürger versuchen natürlich solchen Anlass für ihre Demagogie zu nutzen.
     
  5. turik

    turik New Member

    Offenbar geht das bei niederschwelligen Berufen hierzulande mit Temporären schon ganz gut. Die werden busweise für befristete Einsätze beschafft, und verschwinden wieder nach einer Woche. Stundenlohn 8 Euro.
    Alles schön legal.
    Ich will übrigens nicht die besten Käsestücke, habe selber 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und frage mich einfach, wie wir hierzulande das hohe Lohnniveau parallel und schmerzfrei mit den übrigen hohen Lebenshaltungskosten auf europäischen Durchschnitt herunterbringen sollen.

    PS: Die Schweizer sehen sich nur als Nettozahler in der EU. Und das werden sie auch, wenn man nur die Einzahlungen (40 % für die armen EU-Bauern) sehen will. Und obwohl die Österreicher auch Nettozahler sind, haben sie seit dem EU-Beitritt die Schweiz bei Innovationen und Wirtschaftswachstum überholt. Es dämmert hier in den Hirnen, den verbohrten.
     
  6. Pahe

    Pahe New Member

    Das ist vermutlich auch der Grund warum die Schweiz noch nicht die Mitgliedschaft anstrebt. Im Moment ist in der EU noch einiges hinsichtlich Harmonisierung zu tun. Und das Lohngefälle verursacht eine Menge Aufregung. Das Gefälle nimmt zwar stetig ab aber einige unersättlichen Unternehmer bzw. besser solche, die sich für Unternehmer halten, versuchen die niedrigen Löhne in den Niedriglohnländern zu halten und jene in Hochlohnländern runterzubringen. Wenn sie dann merken, dass die Binnennachfrage in der ganzen EU abgewürgt ist, machen sie sich mit einer Riesenabfindung aus dem Staub weil beim nächsten Einbruch beim Export der ganze Kontinent Pleite anmelden muss.
    Ich sehe die Schweiz noch in einer komfortablen Lage, nur soweit der EU anzunähern wie es für die Schweiz gut ist und darüberhinaus abwarten zu können.
    Österreich konnte nicht abwarten weil sie noch etwas aufholen mußten und der Handel mit dem Osten ein wichtiges Standbein ist, der nur als Mitglied frei von Beschränkungen ist.
     
  7. turik

    turik New Member

    Deucht mich plausibel. Danke für Deine gute Antwort, Pahe.
     
  8. pewe2000

    pewe2000 New Member

    In Deutschland werden natürlich schon tüchtig die Grauzonen ausgelotet und deren scheint es viele zu geben. Da werden reihenweise Fleischzerteiler entlassen und dafür arbeiten dann Polen für 5 Euro, die an den Verleiher davon noch die Unterbringungskosten und eventuelle Abspeisung bezahlen müssen. Alles nicht legal, aber es wird (nicht nur in Einzelfällen) gemacht.

    In Berlin haben sich innerhalb eines Jahres tausende von polnischen Fliesenlegern in den Bezirken als Selbständige angemeldet. 10 Euro verlangen die für die Stunde und haben schon Angst vor der lettischen Konkurrenz, die es für 5 machen würde! Du kannst Dir sicher vorstellen, wie erfreut die deutschen Kollegen sind. Das ist keine Panikmache sondern Realität.

    :frown:
     
  9. Pahe

    Pahe New Member

    Das wäre alles kein Problem gewesen, hätte man dafür vor dem Beitritt eine entsprechende Regelung auch für Selbständige, Leiharbeiter und Unternehmen mit Übergangsfristen vorgesehen.
    Manchmal sind Politiker eben nur wie eine gute mathematische Funktion:
    Monoton und beschränkt.
    Man muß wie ein Krimineller denken können um gute Gesetze zu machen. Nachdem aber für jeden Furz eine Kommision gebildet wird, hätte auch dafür eine Kommision aus Kriminalern die nötige Erleuchtung gebracht.
    Es mutet an wie ein "Trial and Error"-Spiel von Kindern ohne Lebenserfahrung. Erst produziert man ein Riesen-Sieb und hinterher geht man daran, bei diesem Sieb einzeln die Löcher zu stopfen anstatt vorher einen Topf mit einem Deckel zu fabrizieren den man nach Bedarf öffnen und auch wieder schließen kann.
    Es gilt auch hier: Lesen lernen, Lesen, denken, Gesetze machen.
    Die Schweizer sind so schlau erst die anderen die Fehler machen zu lassen um daraus zu lernen. Wenn dann die schweizer Politiker auch noch so schlau sind, die Fehler zu vermeiden, gibt es wenigstens dann ein vernünftiges Beispiel wie man es machen muss. ;)
     
  10. turik

    turik New Member

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.
     
  11. Lohndruck hmm... da heisst es zusammenrücken unter der Brücke in Zürich. Die Wohnkosten sind nämlich astronomisch.
     
  12. turik

    turik New Member

    Nicht nur das: Original Aspirin gekauft in Griechenland = 50 Cents.
    Dasselbe in der Schweiz = Fr. 5.95 (400 Cents)
    :meckert:
     

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