Tauschbörsen entkriminalisieren

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von jonez, 22. Juli 2004.

  1. jonez

    jonez New Member

    Alle, die schon mal der Werbkampagne der Musikindustrie namens "Raubkopierer sind Verbrecher" begegnet sind, werden sich gefragt haben, welche Alternativen zur plötzlichen Kriminalisierung von Millionen Menschen (vor allem Jugendlicher) es gibt. Bei Spiegel Online ist da ein sehr interessanter Artikel zu finden:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,309768,00.html

    Der Autor schlägt vor, einfach jeden Internetanschluß mit z.B. 5 Euro Pauschalabgabe zu belasten. Weiter:

    "Die spannende Frage ist natürlich, wie dieses Geld verteilt werden sollte. Hier sind viele Modelle denkbar. Am sympathischsten erscheint mir die Variante, das Geld einfach danach zu verteilen, welche Lieder wie oft heruntergeladen und gehört werden. (...)

    Auf alle Fälle aber gibt es einen wesentlichen Vorteil gegenüber der zu Recht unbeliebten und intransparent erscheinenden Gema: Mit digitaler Technik lässt sich relativ leicht anonym feststellen, welche Musik wie oft heruntergeladen und gehört wird, so dass eine neue "Verwertungsgesellschaft Online" nicht wie die Gema auf ungenaue und oft ungerechte Schätzungen angewiesen wäre.
    (...)
    Auf der Hand liegt der Vorteil, dass mit der Flatrate jeder legal auf ein riesiges Musik- und Filmangebot zugreifen kann. Ein zentraler Vorteil ist auch, dass nicht weiter Hunderttausende User kriminalisiert werden, mit all den Kosten, die das für die Opfer der Klagewelle hat und für Polizei und Gerichte, die durch eine Flut von Verfahren blockiert würden.

    Ebenfalls profitieren werden die Freiheit im Internet und die freie Software, die sonst durch Digital Restrictions Management und "Trusted Computing" massiv eingeschränkt würde. Zu den Gewinnern zählten aber auch die kleinen Bands, die nun auch ohne Plattenlabel ihre Musik verbreiten könnten und dafür vergütet werden würden. Diese Dezentralisierung kann für die Künstler nur gut sein, die aus dem Würgegriff der großen Plattenkonzerne befreit würden."

    siehe auch: http://www.contentflatrate.org/

    Was sagt Ihr zu diesem Vorschlag?
     
  2. Macci

    Macci ausgewandert.

    Solange ich mit Modem unterwegs bin, lehne ich das ab. ;)
    Aber auch sonst kann ich der Tauschpauschale nicht viel abgewinnen...besser wäre doch, die Gebühr an die Nutzung der Client-Software zu binden, oder von Providerseite die Protokolle gegen Gebühr freizugeben, oder?
     
  3. jonez

    jonez New Member

    Ja stimmt, klingt gerechter. Aber das gibt auch gleich mehr Aufwand. Vielleicht könnte man auch die Höhe der Flatrate-Gebühr nach der Schnelligkeit des Anschlusses berechnen - das hieße, mit Modem (fast?) null Euro.

    Hier übrigens der Thread mit der Umfrage zum Thema:
    http://forum.macwelt.de/forum/showthread.php?s=&threadid=99833
     
  4. hekarl

    hekarl frisch nanophil

    Vorab: Ich habe den ursprüngl. Artikel noch nicht gelesen, mache ich aber noch. Auf die nicht unkurze Idee vorab so viel:

    Falls diese Abgabe die "Flatrate" sein soll, nach der sich jeder nach Belieben an Musik, Filmen etc. aus dem Netz bedienen können soll, dann weiß der Autor vermutlich nicht, um welche Summen es da geht. Bei geschätzten 4 Mio. Internet-DSL-Usern in Deutschland -den anderen wäre das evtl. noch nicht zuzumuten- wären das 20 Mio Euro; etwa 1/6tel der jährlichen Gesamt-Erträge der GVL oder in etwa nur die Einnahmen aus Vervielfältigungsrechten d.h. Audio/Video/Sonstige Geräte- und Leermedienvergütungen (also ohne Gema, ohne die Anteiligen Abgaben bei Tonträgerverkäufen usw.)
    Das, was für die Künstler dabei abfällt, ist, verhältnismäßig betrachtet, jetzt schon mager. Und diese "Flatrate" nur einmalig erhoben, wäre ein Witz von der Größenordnung her.
    Klar, dass alle anderen Beteiligten mehr am Musik- und Videomarkt verdienen, als die Künstler selber. Der würde dann zwangsläufig sowieso zusammenbrechen. Allein die Sendevergütungen an die GVL machen über 65% Prozent aus; sind aber z.B. bei Tonträgern von 2001 auf 2002 um 14% zurückgegangen. Das läßt den Trend erkennen, dass, wenn alle Leute ihr Zeug für umme aus dem Netz saugen könnten, hätte auch kein Sender mehr was davon, das zu bringen.
    Selbst wenn so eine (jährliche) "Flatrate" angemessen hoch wäre, sehe ich keinen praktikablen Weg, das Geld auch dahin zu verteilen, wo es eigentlich hingehören würde (ok., bestenfalls eine auf diese Anforderung umstruktuierte GVL/GEMA könnte das bewerkstelligen; machen sie ja jetzt schon im möglichen Rahmen). Und es ist alles andere als grob geschätzt, wonach diese Summen verteilt werden.

    Wenn "die Leute" gerne eine "Kultur-Flatrate" von x.- Euro hätten, dann will ich auch eine Lebenshaltungskosten-Flatrate für alle Kulturschaffenden.
    Und dann wäre wieder Kommunismus:D:party:
     
  5. gratefulmac

    gratefulmac New Member

    Diese Idee ist genauso ungerecht wie die Pauschale auf Drucker/Scanner/Kasetten ect. die an die GEMA gehen.
    Da fließt Geld an eine Einrichtung die Gelder verteilt und vom Gelder verteilen sehr gut lebt.
    Betroffen von solchen Pauschalen ist jeder.
    Ob er Nutzer ist oder auch nicht.
    Und genau das ist zutiefst ungerecht.
    Weshalb soll eine Flatrateoma die nur surft und mailt irgendeinen mpdreijunkie mitbezahlen?

    Gerecht ist nur , wenn diejenigen, welche eine Ware oder Leistung in Anspruch nehmen, auch diese zum Marktpreis bezahlen.

    Alles andere ist Abzockerei.
    Also Kommunismus.
     
  6. maiden

    maiden Lever duat us slav

    und ich sehe ja überhaupt nicht ein, daß ich pauschal für etwas bezahlen soll, das ich nicht nutze.
     
  7. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Besser kann man es nicht sagen. Das wäre, wie wenn man bei jedem Einkauf pauschal einen Euro Dosenpfand bezahlen müsste, obwohl man sein ganzes Leben lang nur Mehrwegflaschen benutzt hat.

    ciao, maximilian
     
  8. hekarl

    hekarl frisch nanophil

    P.S.: Achtung, im Text ist ein kleiner Reim versteckt.
    Sehe ich absolut korrekt auch so.
    Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, das keiner erwarten sollte, etwas nicht Bezahltes uneingeschränkt und für nass aus dem Netz zu bekommen.

    Sicher bin ich selbst diesbezüglich nicht ohne "Sünde"-und werfe auch keinen ersten Stein (ausser es sagt jemand "Jehova"...:D ).
    Aber im diesbezüglichen, parallelen Umfrage-Thread fehlen mir die Zwischentöne; etwa wie: "Habe es mal mit ...(Weichware)... am Anfang meiner Internet-Zeit ausprobiert, was da geht, finde es aber heute unter moral. Gesichtspunkt scheihse." Oder kürzer.
    Deshalb finde ich- trotz der Versicherung von jonez, kein Agent zu sein:klimper: - nix Zutreffendes für mich zum ankreuzen.
    Vielleicht liegt's ja auch am Alter oder an gewissen Grundsätzen, die die junge Fun-Generation nicht mehr hat.
    Zu meiner Anfangszeit gab's sowieso nur kleine 9er Progrämmchen über Hotline mit komischen Käuzen am anderen Ende. Seeehr nervig!!! (gab's da überhaupt schon Musik? Hatte doch kaum jemand einen Encoder für mp3; oh....und dann via 15k-Modem...oh oh) Auch klar: Mittlerweile -mit DSL xtausend und Bit torrent und Diversen glüht der Draht in den Jugendzimmern. Techisch also kaum noch Beschränkung. Das heißt aber wohl (mal durch die Brille der Urheber geschaut), dass entweder die Einstellung dazu/ der Umgang damit sich ändern muß, oder restriktive Maßnahmen davor sein müssen. Auf die erste Idee kann man glaube ich Einen lassen.

    Jedenfalls; Musik brauche ich nich laden von anderen Leuten, gefällt mir zu 95% sowieso nicht; Filme wären mir zu groß und die meisten zu blöd; Schweinkram interessiert mich nicht; Free- oder Shareware zum probieren gibts ne Menge, was ich wirklich will und brauch, is ja auf'm Mac schon drauf oder kaufe ich, auch wenn es ne Menge Geld kostet (und sonst auch nicht zuverlässig laufen würde, Logic ...ähhh logisch). Und den winzigen Rest.....tausche ich evtl. als Vinyl mit meinem Bruder. :cool: Dazu brauch ich keine Tauschbörse. Na klar hab ich auch mal mp3s oder ein Progrämmchen zum kennenlernen; aber ob ihr's glaubt oder nicht: Nach dem Befund wirds auch wieder gelöscht.
    Es gibt doch prima Bibliotheken; die Benutzung ist wohl bloß nicht mehr hip. Muss alles immer gleich besessen werden.
    *nachdenklichwerd*
     
  9. mausbiber

    mausbiber New Member

    Die grösste Tauschbörse ist und bleibt wohl der

    SCHULHOF !!

    dagegen dürften sämtliche Internettauschbörsen wohl "Peanuts" sein.

    schon damals gab es für den VC20 und C64 praktisch alles....
    Und die wenigsten Schüler hätten sich die Spiele wohl leisten können - genauso wenig wie sich die Kids heute all die Programme leisten könnten.

    erinnert Ihr Euch noch wie Ihr Platten auf Cassetten überspielt und mit einem Freund getauscht habt? - Heute passiert genau das gleiche - nur eben digital.

    Selbst wenn man es schaffte das Internet zu überwachen - so würde das Raubkopieren wohl kaum merklich zurückgehen.



    Meine Meinung dazu
     
  10. Macci

    Macci ausgewandert.

    @hekarl: *extremzustimm*
    Aber wenn ich hier im Forum von Datentransfers jenseits der 60GB (im Monat!) lese, weiß ich auch, was für beteiligte Macher (Musiker, Regisseure, Programmierer) übrigbleibt. :(
    Wir gehören offensichtlich einer aussterbenden Spezies an...
     
  11. Macziege

    Macziege New Member

    Genau, ab sofort darf der Schulhof nur noch nach Begelichung erforderlicher Gebühr betreten werden. Und die iMännchen, die die Tauscherei noch nicht nutzen, müssen auch bezahlen, weil sie ja, zumindest die meisten, auch mal in das entsprechende Alter kommen.

    Merkt der Verfasser diese Threads denn nicht, wie abwegig seine Idee ist?

    Klaus
     
  12. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Abwegig?

    Ausbaufähig würde ich diese Idee nennen:

    Wie wärs, wenn wir den Auto-Besitzern einmal im Jahr zusammen mit der KFZ-Steuer gleich noch 300 Euro Bussgeld für überhöhte Geschwindigkeit und 100 Euro für Falschparken abbuchen würden (die fahren sowieso alle zu schnell und parken falsch)?

    Oder jedem eBay-Anbieter (alles Betrüger wie wir wissen) pünktlich zum Jahresanfang einen Strafbefehl wegen Betruges über 10 Tagessätze und eine Woche gemeinnützige Arbeit zustellen würden?

    Muss ich gleich meiner Bundestagsabgeodneten erzählen, damit sollten sich die Geldsorgen unseres Staates doch über Nacht in Luft auslösen...

    ciao, maximilian
     
  13. hekarl

    hekarl frisch nanophil

    Respekt, Respekt.
    So'n Luxus könn' wer uns inner ehem. SBZ immer noch nich leisten.:angry:
     
  14. gratefulmac

    gratefulmac New Member

    Haben die sächsischen Abgeordneten keine Bürgerbüros, in denen sie regelmäßig Sprechstunde halten ?
     
  15. hekarl

    hekarl frisch nanophil

    :D :D :D
    ...und ich dachte: Seine Bundestagsabgeordnete hat ein möbliertes Zimmer in seiner Wohnung und wartet auf Bürgervorschläge.
    :D :D :D
     
  16. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Nichts gegen meine Bundestagsabgeodnete bitte (die Feinde von Mr. Bush können nur meine Freunde sein) ... aber in der Wohnung will ich sie dann lieber doch nicht haben. Ausserdem soll sie in Berlin sein und dort originelle Geldbeschaffungsvorschläge vorschlagen.

    Hier kannst übrigens auch Du Deine/n Abgeordnete/n finden ... die Karte ist so neu, dass auch die SBZ drauf abgebildet ist :)
    http://www.bundestag.de/mdb15/wkmap/index.html

    ciao, maximilian
     
  17. Macziege

    Macziege New Member

    Stimmt, und die eingesparten Politessen könnte man alle als Lockvögel in der Mafiajagt einsetzen.

    Klaus
     
  18. jonez

    jonez New Member

    @ macziege
    "Merkt der Verfasser diese Threads denn nicht, wie abwegig seine Idee ist?"

    Das ist gar nicht _meine_ Idee. Ich habe sie nur hier zur Diskussion gestellt und lese gern, was ihr dazu geschrieben habt.

    Wobei man diese "Kultur-Flatrate" nicht unbedingt mit einem Bußgeld gleichsetzen sollte. Schließlich würde man mit diesem Betrag ein Nutzungsrecht erwerben, während ein bezahltes Bußgeld Dich nicht authorisiert, ab jetzt immer schneller zu fahren und falsch zu parken.
     
  19. jonez

    jonez New Member

    Auch wenn man kein Eintritt für den Schulhof nehmen kann und damit viel Raubkopiererei weitergehen würde - eine große Summe Geld käme schon zusammen, die man an die Künstler (und ihre Parasiten ;-) verteilen könnte.

    Übrigens funktioniert zum Beispiel eine "Bürgerversicherung" genauso - das wäre dann eine Arzt-Flatrate, egal, wie oft man zum Arzt geht und egal, wieviel man verdient.

    Heute schon ist es so, daß man nicht mehr Beiträge zahlt, wenn man mehr zum Arzt geht als andere (abgesehen von der Praxisgebühr). Das nennt man "Solidargemeinschaft".

    Wollte ich nur mal einwerfen, obwohl ich auch meine Zweifel an der Kultur-Flatrate-Idee habe.
     
  20. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Dort sehe das auch ich ein, gegen Krankheiten kann man sich schliesslich nicht richtig wehren. Aber Musikgenuß (oder Film, oder Software) ist etwas freiwilliges, ist Luxus, da hört für mich die Solidarität mit den anderen Genußsüchtigen auf.

    Oder als Alternative: Wir führen eine allgemeine Freizeit-/Hobbypauschalabgabe für alle ein (vielleicht würde es reichen, die Kirchensteuer dafür umzuleiten, diejenigen, die sie bisher bekommen, lassen sichs von dem Geld offenbar auch gutgehen) und im Gegenzug gibts überall freien Eintritt und keine Kassen mehr im Plattenladen. Gabs das nicht schonmal unter dem Namen DDR?

    ciao, maximilian
     

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