*Tsch

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Macowski, 19. November 2002.

  1. Macowski

    Macowski New Member

  2. quick

    quick New Member

  3. Macowski

    Macowski New Member

  4. quick

    quick New Member

    *needoch*
     
  5. Macowski

    Macowski New Member

  6. CChristian

    CChristian New Member

    Ja, wir wissen, dass es ein harter Weg bis zu den ersten 1000 ist. Vor allem, wenn es darum geht, dies mit Postings zu erreichen, die von einem gewissen Grundniveau an Humor, Wissen, Intellekt oder politischer Auseinandersetzungsfähigkeit zeugen.
    Da ist es doch einfacher, mal ein lapidares *uffz* oder *kotz* in den Raum zu stellen. Irgendjemand wird ja schließlich drauf antworten und wenn nicht, dann kann mans ja doch selber machen und schon ists wieder eins mehr.

    Ich bin völlig Deiner Meinung: *seufz*
     
  7. Macowski

    Macowski New Member

    Hat dir einer die Baustelle stillgelegt? Kann leicht passieren.
     
  8. quick

    quick New Member

    Die "lebensphilosophische" Dimension: Das Subjekt und sein Anderes

    Den Strukturen dieser lebensphilosophischen Komponente gedenke ich mich im folgenden mit Hilfe der Kategorien des Subjekts und seinem "Anderen" anzunähern. Das "Andere" des Subjekts ist dabei als eine rein phänomenologische Kategorie zu verstehen, und zwar als dasjenige, was dem Subjekt als zunächst unverfügbar gegenübertritt und von diesem eine gewisse Reaktion fordert. Gelegentlich behandelt Foucault auch das Thema des "Anderen" oder des "Außen" auf allgemeine Weise: Foucault vermutet eine "Angst, das Andere in der Zeit unseres eigenen Denkens zu denken", und eröffnet die "Ordnung der Dinge" mit einem Text von Borges, "der unsere tausendjährige Handhabung des Gleichen und des Anderen schwanken läßt und in Unruhe versetzt". Foucaults Analysen zeichnen sich jedoch primär dadurch aus, daß er die verschiedenen Erscheinungsformen des Anderen in ihrer spezifischen Andersheit thematisiert: Der Tod, das Unbewußte, der Traum, die Krankheit, der Wahnsinn, die Sprache, die Kriminalität und die Sexualität sowie die Art ihrer gesellschaftlichen Diskursivierung bilden die zentralen Themenfelder von Foucaults Analysen.

    Für Foucault stellen diese verschiedenen Erscheinungsformen des "Anderen" jeweils Grenzen des Subjekts dar. Worauf Foucault nun unter einer lebensphilosophischen Perspektive hinauswill, ist, diese Begrenztheit als Ausgangspunkt für eine dynamische Form der Subjektivität zu verstehen, was ich hier nur anhand dreier Beispiele von konkreten Formen des Anderen andeuten möchte: dem Traum, dem Wahnsinn und der Sexualität:

    Die Antike sah im Traum einen Zugang zu Fragen des Schicksals, welche den Horizont des wachenden Subjekts überstiegen. Ähnlich hofft Foucault, daß der Mensch "wieder lernt zu hören und zu sehen, was ihm im Traum wirklich begegnet, nämlich das ihn Übersteigende, die Existenz, das Andere." Spätestens seit der Psychoanalyse, die in der "Traumdeutung" den Traum lediglich als Produkt von Tagesresten und frühkindlich generierten Komplexen ansah, ist diese Dimension der zur-Sprache-kommen-lassens des Traumes verlorengegangen.

    Die Renaissance stand mit dem Wahnsinn noch in einem gewissen Dialog, z.B. erkannte der vernünftige Mensch in ihm seinen eigenen "Wahnsinn" relativ zur Vernunft Gottes, oder er wurde in Beziehung zur "verzweifelten Leidenschaft" des Liebeswahns gesetzt. In der Renaissance war der Wahnsinn "im Zustand der Freiheit, er bewegt sich ungehemmt, er ist Teil des Schauplatzes und der Sprache aller, er ist für jeden eine alltägliche Erfahrung, die man mehr auf die Spitze trieb als zu meistern versuchte". Foucault behauptet, daß der Wahnsinn "eine Tiefe erscheinen läßt, die der Freiheit des Menschen ihren ganzen Sinn gibt", hofft, daß der Mensch "eines Tages vielleicht, aller Psychologie ledig, frei sein könnte für die große tragische Begegnung mit dem Wahnsinn", und lobt immer wieder Dichter, die noch ein Ohr für die Stimme des Wahnsinns hatten: Hölderlin, Artaud, Nietzsche, Nerval, Roussel. Spätestens seit der Entstehung des Asyls, in dem der Wahnsinn in einem "Monolog der Vernunft über den Wahnsinn", auf den Status einer "Geisteskrankheit" reduziert wurde, in dem "der Wahnsinn eine Sprache zu sprechen beginnt, die nicht mehr auf den Tod und auf das Leben bezogen ist, sondern auf ihn selbst", und in dem der Boden für psychopathologisch gestützte moralische Norm(alis)ierungsmaßnahmen bereitet wurde, ist diese Dimension der zur-Sprache-kommen-lassens des Wahnsinns verlorengegangen.

    Der Sexualität wird in vielen Gesellschaften in Form einer "ars erotica" begegnet: In dieser "Kunst der Erotik wird die Wahrheit aus der Lust selber gezogen"; und auch in der Antike war die Sexualität Ausgangspunkt für Reflexionen über den Eros und das Schöne. Spätestens seit der "Explosion verschiedener Diskursivitäten, die in der Demographie, der Biologie, der Medizin, der Psychiatrie, der Psychologie, der Moral, der Pädagogik und der politischen Kritik Gestalt angenommen haben" und die die Sexualität als "Scharnier" zwischen Bevölkerungskontrolle und individuellem Selbstverständnis konstruierten, ist diese Dimension der zur-Sprache-kommen-lassens der Sexualität verlorengegangen.

    All diese verschiedenen Formen des Anderen möchte Foucault als Andere belassen. "Der Respekt vor dem Fremden oder die Anerkennung seiner als Anderer: Dies scheint mir der Kern jenes Ideals [der Toleranz] zu sein": Solch eine von Fink-Eitel skizzierte Haltung, die auf der Ebene der Moral eine unbedingte Akzeptanz des Anderen (Menschen) in seiner Andersheit zum Ziel hat, findet bei Foucault ein Pendant auf der Ebene des Ethos des Nichtverfügenwollens über das Andere. Sich der "hartnäckigen Exteriorität" des Anderen bewußt zu bleiben, ist eine der Leitvorstellungen des Foucault`schen Denkens.

    Foucaults Betonung der Eigenständigkeit verschiedener Bereiche des Anderen zeigt sich darin, daß er ihnen einen gewissen Subjektcharakter zuweist: So ist z.B. der Traum Foucault zufolge nicht ein Derivat des Subjekts (so skizzierte ihn die Psychoanalyse - nämlich als Mischung aus Tagesresten und sublimierten Kindheitserinnerungen), sondern der Traum ist selber Subjekt: "Das Subjekt des Traumes ist die erste Traum-Person oder der Traum selbst: ist das Träumen insgesamt. Im Traum sagt alles `ich?." Ebenso versucht Foucault die Sprache als ein Phänomen zu verstehen, das aufgrund einer dem Bewußtsein nicht direkt zugänglichen Dynamik oder Tiefenstruktur einen eigenständigen Charakter gewinnt: Foucault spricht von einer "Unvereinbarkeit zwischen dem Erscheinen der Sprache in ihrem Sein und dem Selbstbewußtsein in seiner Identität" und bezeichnet das Subjekt gar als bloße "grammatikalische Falte der Sprache". Die "Ordnung der Dinge" gipfelt in der Hoffnung eines die Episteme der Moderne beendenden "Seins der Sprache", welches verdeutlichen soll, "daß der Mensch endlich ist und daß beim Erreichen des Gipfels jedes möglichen Sprechens er nicht zum Zentrum seiner Selbst gelangt, sondern zur Grenze dessen, was ihn einschließt".

    Foucault versucht also, den "transzendentalen Narzißmus" eines die Welt vermeintlich erst konstituierenden Subjekts zu untergraben, weil gerade dieses Subjektverständnis den Zugang zu von Foucault favorisierten Formen von Subjektivität versperrt. Foucault ist somit zugleich "Zerstörer des Subjekts und Philosoph der Subjektivität" - eine dialektische Bewegung also: Foucault betreibt "Opposition gegen ein Subjekt, das sich gerade dadurch verliert, daß es sich ganz haben will: Durch die Verdrängung seines Anderen verstellt es sich den Zugang zu sich selbst; und zu jenem Anderen ohnedies."

    Foucaults angestrebter Ethos eines Nichtverfügens des Anderen bildet m.E. auch die Grundlage für seine Kritik an der "Macht" aufklärerischer Diskurse über das Individuum, denen ein gewisser Verdrängungsmechanismus innewohnt: Die Psychopathologie entzieht sich einer wirklichen Auseinandersetzung mit dem Wahnsinn, indem sie ihn auf den Status einer Geisteskrankheit reduziert. Die Psychologie entzieht sich einer wirklichen Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz, wenn sie den Menschen durch eine zu starke Orientierung an der Medizin in die dualistischen Termini von Gesundheit als Erfüllen funktionalistischer Normen und Krankheit als Abweichung von diesen Normen einspannt. Foucaults Betonung der "produktiven" Seite der Macht soll dabei verdeutlichen, daß die Macht das "Andere" nicht nur verdrängt, sondern kontrolliert, diszipliniert oder überhaupt erst hervorbringt: "Noch grundlegender dringt das moderne Denken vor in jene Richtung, in der das Andere des Menschen das Gleiche werden muß, das er ist."


     

    aus:

    "Die Umwertung psychologischer Werte.
    Zur impliziten Lebensphilosophie von Michel Foucaults"
     
  9. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Welch erbaulicher Kilometer. Hat ihn jemand abgeschritten? ;-)
     
  10. quick

    quick New Member

    *uffz*

    ein "wort" ist zuwenig und viele ... :)
     
  11. Macowski

    Macowski New Member

    agit de rechercher. Résumons.

    1° Il nie absolument tout plan, toute volonté dirigeante dans la marche des événements de l'Univers.

    2° Il certifie que la force est un attribut de la matière. Voyons si les faits lui donnent raison

    aus: Le Theorie materialistes vcn Moleschott
     
  12. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Wie Foucalult so treffend sagte: es geht um die "Mischung aus Tagesresten und sublimierten Kindheitserinnerungen". :)
     
  13. quick

    quick New Member

  14. quick

    quick New Member

    il s'agit de rechercher. Résumons.<<<

    >Daraus ergibt sich, daß die lebenswichtige Kraft, die leitende Idee,
    die Seele usw. wirklich nur Änderungen des Materials sind, einige von
    seinen besonderen Aspekten. Das Material ist selbst überall und immer
    unter einer unendlichen Vielfalt von Formen nur die
    physikalisch-chemische Kombination der Elemente. Dies sind in ihren
    großen Linien die ersten Behauptungen von Moleschott. Sind sie
    richtig? Es ist das, was es sich darum handelt, zu suchen. Fassen Sie
    zusammen.<

    *dasduauchweisstwasdupostes*
     
  15. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Hast du wieder bei Rudi Carrell in der Schublade gekramt? Gib's zu!
     
  16. quick

    quick New Member

    nee, aber bei Rudi Völler in der schublade:

    "Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
    Deutschland: Kahn/Bayern München (33 Jahre/55 Länderspiele) - Rehmer/Hertha BSC Berlin (30/29), Jeremies/Bayern München (28/44), Friedrich/Hertha BSC Berlin (23/3) - Frings/Borussia Dortmund (25/18), Kehl/Borussia Dortmund (22/13), Ballack/Bayern München (26/31), Böhme/Schalke 04 (28/7) - Schneider/Bayer Leverkusen (29/20) - Bobic/Hannover 96 (31/19), Klose/1. FC Kaiserslautern (24/23) oder Neuville/Bayer Leverkusen (29/38)
    Niederlande: Van der Sar/FC Fulham (32/69) - Ricksen/Glasgow Rangers (26/7), Stam/Lazio Rom (30/47), Frank de Boer/FC Barcelona (32/97), Zenden/FC Chelsea (26/39) - Seedorf/AC Mailand (26/60), Cocu/FC Barcelona (32/64), Davids/Juventus Turin (29/49), Van der Meyde/Ajax Amsterdam (23/3) - Makaay (Deprotivo La Coruna) (27/19), Kluivert/FC Barcelona (26/63)
    Schiedsrichter: Dallas (Schottland)"


    *OHwasWIRDdasWIEDERlustig*
     
  17. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ob lustig oder nicht - das wird mir sehr peripher am Arsch vorbeigehen. Ich schaue lieber Carmen Nebel im MDR. Das ist geil.
     
  18. quick

    quick New Member

    habe kein MDR (mitteldeutscherrundfunk ?)

    aber fussball ist so oder so "nix" :)
     
  19. quick

    quick New Member

    @macowski

    "lustig" wenn du deine postings wieder zurück ziehst ...

    *kopfschüttelt*
     
  20. CChristian

    CChristian New Member

    Johann Gottfried Herder:
    "Abhandlung über den Ursprung der Sprache", 1770

    Erster Teil
    Haben die Menschen, ihren Naturfähigkeiten überlassen, sich selbst Sprache erfinden können?
    Erster Abschnitt

    "Schon als Tier hat der Mensch Sprache. Alle heftigen und die heftigsten unter den heftigen, die schmerzhaften Empfindungen seines Körpers, alle starke Leidenschaften seiner Seele äußern sich unmittelbar in Geschrei, in Töne, in wilde, unartikulierte Laute. Ein leidendes Tier sowohl als der Held Philoktet, wenn es der Schmerz anfället, wird wimmern, wird ächzen, und wäre es gleich verlassen, auf einer wüsten Insel, ohne Anblick, Spur und Hoffnung eines hülfreichen Nebengeschöpfes. Es ist, als obs freier atmete, indem es dem brennenden, geängstigten Hauche Luft gibt; es ist, als obs einen Teil seines Schmerzes verseufzte und aus dem leeren Luftraum wenigstens neue Kräfte zum Verschmerzen in sich zöge, indem es die tauben Winde mit Ächzen füllet. So wenig hat uns die Natur als abgesonderte Steinfelsen, als egoistische Monaden geschaffen! Selbst die feinsten Saiten des tierischen Gefühls (ich muß mich dieses Gleichnisses bedienen, weil ich für die Mechanik fühlender Körper kein besseres weiß!), selbst die Saiten, deren Klang und Anstrengung gar nicht von Willkür und langsamen Bedacht herrühret, ja deren Natur noch von aller forschenden Vernunft nicht hat erforscht werden können, selbst die sind in ihrem ganzen Spiele, auch ohne das Bewußtsein fremder Sympathie zu einer Äußerung auf andre Geschöpfe gerichtet. Die geschlagne Saite tut ihre Naturpflicht: sie klingt, sie ruft einer gleichfühlenden Echo, selbst wenn keine da ist, selbst wenn sie nicht hoffet und wartet, daß ihr eine antworte.

    Sollte die Physiologie je so weit kommen, daß sie die Seelenlehre demonstrierte, woran ich aber sehr zweifle, so würde sie dieser Erscheinung manchen Lichtstrahl aus der Zergliederung des Nervenbaues zuführen; sie vielleicht aber auch in einzelne, zu kleine und stumpfe Bande verteilen. Lasset sie uns jetzt im Ganzen, als ein helles Naturgesetz annehmen: Hier ist ein empfindsames Wesen, das keine seiner lebhaften Empfindungen in sich einschließen kann; das im ersten überraschenden Augenblick, selbst ohne Willkür und Absicht, jede in Laut äußern muß. Das war gleichsam der letzte, mütterliche Druck der bildenden Hand der Natur, daß sie allen das Gesetz auf die Welt mitgab: »Empfinde nicht für dich allein: sondern dein Gefühl töne!«, und da dieser letzte schaffende Druck auf alle von einer Gattung einartig war, so wurde dies Gesetz Segen: »Deine Empfindung töne deinem Geschlecht einartig und werde also von allen wie von einem mitfühlend vernommen!« Nun rühre man es nicht an, dies schwache, empfindsam Wesen! So allein und einzeln und jedem feindlichen Sturme des Weltalls es ausgesetzt scheinet, so ists nicht allein: es steht mit der ganzen Natur im Bunde! Zartbesaitet, aber die Natur hat in diese Saiten Töne verborgen, die, gereizt und ermuntert, wieder andre gleichzart gebaute Geschöpfe wecken und, wie durch eine unsichtbare Kette, einem entfernten Herzen Funken mitteilen können, für dies ungesehene Geschöpf zu fühlen. Diese Seufzer, diese Töne sind Sprache. Es gibt also eine Sprache der Empfindung, die unmittelbares Naturgesetz ist.

    Daß der Mensch sie ursprünglich mit den Tieren gemein habe, bezeugen jetzt freilich mehr gewisse Reste als volle Ausbrüche; allein auch diese Reste sind unwidersprechlich. Unsre künstliche Sprache mag die Sprache der Natur so verdränget, unsre bürgerliche Lebensart und gesellschaftliche Artigkeit mag die Flut und das Meer der Leidenschaften so gedämmet, ausgetrocknet und abgeleitet haben, als man will; der heftigste Augenblick der Empfindung, wo und wie selten er sich finde, nimmt noch immer sein Recht wieder und tönt in seiner mütterlichen Sprache unmittelbar durch Akzente. Der auffahrende Sturm einer Leidenschaft, der plötzliche Überfall von Freude oder Froheit, Schmerz und Jammer, wenn sie tiefe Furchen in die Seele graben, ein übermannendes Gefühl von Rache, Verzweiflung, Wut, Schrecken, Grausen usw., alle kündigen sich an und jede nach ihrer Art verschieden an. So viel Gattungen von Fühlbarkeit in unsrer Natur schlummern, so viel auch Tonarten. - Ich merke also an, daß je weniger die menschliche Natur mit einer Tierart verwandt, je ungleichartiger sie mit ihr am Nervenbaue ist: desto weniger ist ihre Natursprache uns verständlich. Wir verstehen, als Erdentiere, das Erdentier besser als das Wassergeschöpf und auf der Erde das Herdetier besser als das Waldgeschöpf; und unter den Herdetieren die am meisten, die uns am nächsten kommen. Nur daß freilich auch bei diesen Umgang und Gewohnheit mehr oder weniger tut. Es ist natürlich, daß der Araber, der mit seinem Pferde nur ein Stück ausmacht, es mehr versteht als der, der zum erstenmal ein Pferd beschreitet; fast so gut, als Hektor in der Iliade mit den seinigen sprechen konnte. Der Araber in der Wüste, der nichts Lebendiges um sich hat als sein Kamel und etwa den Flug umirrender Vögel, kann leichter jenes Natur verstehen und das Geschrei dieser zu verstehen glauben als wir in unsern Behausungen. Der Sohn des Waldes, der Jäger, versteht die Stimme des Hirsches und der Lappländer seines Renntiers - doch alles das folgt oder ist Ausnahme. Eigentlich ist diese Sprache der Natur eine Völkersprache für jede Gattung unter sich, und so hat auch der Mensch die seinige.

    Nun sind freilich diese Töne sehr einfach; und wenn sie artikuliert und als Interjektionen aufs Papier hinbuchstabiert werden, so haben die entgegengesetztesten Empfindungen fast einen Ausdruck. Das matte Ach ist sowohl Laut der zerschmelzenden Liebe als der sinkenden Verzweiflung; das feurige O sowohl Ausbruch der plötzlichen Freude als der auffahrenden Wut, der steigenden Bewunderung als des zuwallenden Bejammerns; allein sind denn diese Laute da, um als Interjektionen aufs Papier gemalt zu werden? Die Träne, die in diesem trüben, erloschnen, nach Trost schmachtenden Auge schwimmt - wie rührend ist sie im ganzen Gemälde des Antlitzes der Wehmut; nehmet sie allein, und sie ist ein kalter Wassertropfe, bringet sie unters Mikroskop und - ich will nicht wissen, was sie da sein mag! Dieser ermattende Hauch, der halbe Seufzer, der auf der vom Schmerz verzognen Lippe so rührend stirbt - sondert ihn ab von allen seinen lebendigen Gehülfen, und er ist ein leerer Luftstoß. Kanns mit den Tönen der Empfindung anders sein? In ihrem lebendigen Zusammenhange, im ganzen Bilde der wirkenden Natur, begleitet von so vielen andern Erscheinungen sind sie rührend und gnugsam; aber von allen getrennet, herausgerissen, ihres Lebens beraubet, freilich nichts als Ziffern. Die Stimme der Natur ist gemalter, verwillkürter Buchstabe. - Wenig sind dieser Sprachtöne freilich; allein die empfindsam Natur, sofern sie bloß mechanisch leidet, hat auch weniger Hauptarten der Empfindung, als unsre Psychologien der Seele als Leidenschaften anzählen oder andichten. Nur jedes Gefühl ist in solchem Zustande, je weniger in Fäden zerteilt, ein um so mächtiger anziehendes Band: die Töne reden nicht viel, aber stark. Ob der Klageton über Wunden der Seele oder des Körpers wimmere? Ob dieses Geschrei von Furcht oder Schmerz ausgepreßt werde? Ob dies weiche Ach sich mit einem Kuß oder einer Träne an den Busen der Geliebten drücke? Alle solche Unterschiede zu bestimmen, war diese Sprache nicht da. Sie sollte zum Gemälde hinrufen; dies Gemälde wird schon vor sich selbst reden! Sie sollte tönen, nicht aber schildern! - Überhaupt grenzen nach jener Fabel des Sokrates Schmerz und Wohllust: die Natur hat in der Empfindung ihre Ende zusammengeknüpft, und was kann also die Sprache der Empfindung anders als solche Berührungspunkte zeigen?"
     

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