VW klagt wegen Werbe-Fälschung im Web

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Hodscha, 29. Januar 2005.

  1. Hodscha

    Hodscha New Member

    Der Volkswagen-Konzern hat Strafanzeige wegen eines gefälschten Werbefilms erstattet, der im Internet kursiert. In dem 20-Sekunden-Spot wird der versuchte Bombenanschlag eines arabisch aussehenden Polo-Fahrers gezeigt - der sprengt zwar sich selbst in die Luft, doch sein Auto bleibt ganz.

    Berlin - Ein Polizeikommando rückt zum Einsatz aus und verschanzt sich vor Kugelhagel der Gangster. Ein entschlossener junger Mann jagt einer außer Kontrolle geratenen Dampfwalze hinterher und stellt sich ihr am Ende in den Weg. Szenen aus der aktuellen Werbekampagne, mit deren Hilfe Volkswagen dem biederen Kleinwagen Polo ein neues Image zu verpassen versucht. Der Polo ist was für Helden: Wendig, unkonventionell und unverwüstlich, lautet die Botschaft.

    Ein paar unbekannte Underground-Werber haben sie verstanden - und auf besonders zynische Weise zugespitzt. Ihr Spot zeigt einen Mann mit dunkler Hautfarbe, der ein Palästinenser-Tuch trägt. Er steigt in seinen VW-Polo, kurvt durch die Stadt und parkt vor einem Straßencafé. Dann hält er kurz inne und drückt auf den Auslöser.

    Seine Autobombe richtet jedoch keinen Schaden an - die Explosion findet lediglich im Innern des Wagens statt, die Karosserie bleibt unbeschädigt. "Polo - small but tough" erscheint danach auf schwarzem Grund unter dem VW-Logo.

    In Windeseile fand der Spot Verbreitung, allerdings nicht über Kinos oder Fernsehanstalten, sondern über unzählige Foren im Internet. Dort rückte er in kürzester Zeit unter die Top Ten der meistdiskutierten Themen. Ein Versehen, entschuldigte sich einer der Produzenten namens Lee, den der Londoner "Guardian" ausfindig gemacht hatte. "Der Spot wurde zwar für Volkswagen gedreht, war aber nie für die Öffentlichkeit bestimmt."

    Die Werbestrategen von Volkswagen verwahren sich entschieden gegen den Verdacht, dass der Konzern auch nur im Entferntesten zur Entstehung des Spots beigetragen hat. "Weder VW noch irgendeine mit dem Unternehmen in Verbindung stehende Agentur hat etwas damit zu tun", sagte VW-Sprecher Hartwig von Sass gegenüber SPIEGEL ONLINE. Man versuche den Urhebern auf die Spur zu kommen und eine weitere Verbreitung des Spots zu verhindern.

    Wer tatsächlich dahinter steckt, kann Sass nur vermuten. In Großbritannien gebe es eine Szene von freakigen Werbefilmern, die mit solchen Werken auf sich aufmerksam machen wollten. Noch habe man aber keine Anhaltspunkte, wo man sie finden könne. "Wenn wir sie erwischen, müssen sie mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen."

    Betrachtet man den Spot genauer und lässt den sehr schwarzen Humor beiseite, erscheint die Reaktion der VW-Männer recht harsch. Denn wirklich schlecht weg kommt nur der Selbstmordattentäter.

    Sass' Vermutung, dass die Produzenten des Spots in erster Linie für die eigene Sache werben wollten, hat durchaus etwas für sich, dafür spricht schon die Machart des Films. Die perfekte Ausleuchtung, Schwenks und Schnitt lassen auf professionelles Equipment schließen. Man habe 35-mm-Filmmaterial benutzt, bestätigt auch Lee dem "Guardian". Insgesamt habe der Spot umgerechnet fast 58.000 Euro gekostet.

    "Die Hälfte der Arbeit, die wir machen, entstammt unserer Initiative, ist sozusagen Eigenwerbung", zitiert ihn der "Guardian". Es sei eine Art Kommentierung der aktuellen Geschehnisse, die die Menschen täglich im Fernsehen anschauen könnten.

    Ein wenig haben jedoch auch die Automobil-Hersteller dazu beigetragen, das Werbespots im Internet solch große Aufmerksamkeit erfahren. Die Action-Filme von BMW North America besitzen bereits Kultstatus. Auch Audi setzt auf die hohe Kunst. Der Filmemacher Wim Wenders soll einen Sechsminüter produzieren. Opel dreht auf einem See und zeigt das "Making of" bei Pro Sieben.

    Volvo nimmt mit "The Mystery of Dalaro" Anleihen beim Kultfilm "Blair Witch Project" und der Fernsehserie "Akte X". Eine ganze Reihe gefälschter Websites vervollständigen die mystische Wirkung.

    Die Vorteile des Internet-Marketings liegen aber nicht allein darin, dass besondere Formen der Kreativität möglich sind, es ist auch schlicht billiger. BMW zum Beispiel vertreibt seine Action-Werbefilme zu einem Drittel dessen, was es gekostet hätte, sie im Fernsehen zu platzieren.

    Dass sich das Medium der Kontrolle der PR-Strategen entzieht, so wie jetzt offensichtlich im Falle Volkswagen, kommt übrigens gar nicht so selten vor. Im vergangenen Jahr zum Beispiel musste sich Ford von einer Werbung distanzieren, die eine sportlichere Version des "Ka" zeigt - dort wurde einer Katze mit dem automatischen Schiebedach den Kopf abgetrennt.


    Quelle
     
  2. kawi

    kawi Revolution 666

    Hm, der Clip ist aber von der Umsetzung her gut gemacht.
    könnte auch echt sein, genau wie die Ka Clips (zumal der mit der Taube ja auch wirklich gelaufen ist in Kinos)

    Tja, der Style ist auf jeden FAll 100% kopiert
     
  3. Hodscha

    Hodscha New Member

    laut dem artikel hat der vw spot angeblich 58.000 euro gekostet :cool:
     
  4. nanoloop

    nanoloop Active Member

    Hat 'mal jemand 'nen Link zum Clip zur Hand?
     
  5. kawi

    kawi Revolution 666

  6. nanoloop

    nanoloop Active Member

  7. danilatore

    danilatore Moderatore Mitarbeiter

    och gottchen, .... die sollen sich mal nicht so anpissen.
     
  8. macKnall

    macKnall Halbtagsphilosoph

    Was ist jetzt schlimmer:
    ein stilloses Auto zu produzieren oder einen noch stilloseren Spot dazu *aus Versehen* ins Netz stellen??
     
  9. VW -
    VerWeichlicht
     

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